Schweiz
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Ein 28-jähriger Kosovare könnte schon bald ausgeschafft werden. (Symbolbild) bild: keystone

Kosovare deckt Behördenfehler auf – und muss jetzt gegen seine Ausschaffung kämpfen

Ein vorbestrafter Kosovare macht das kantonale Migrationsamt aus Versehen auf einen Behördenfehler aufmerksam. Jetzt muss er vielleicht die Schweiz verlassen.

Nicola Imfeld / aargauer zeitung



Dem 28-jährigen Familienvater Dardan (alle Namen geändert) aus dem Kosovo droht die Ausschaffung. Sein Vorstrafenregister ist lang: Sexuelle Handlungen mit einem Kind, bandenmässiger Diebstahl, Hausfriedensbruch, diverse Verkehrsdelikte und ein Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dardan wurde mehrmals verurteilt, hat viele Schulden und sass schon in Untersuchungshaft.

Das Aargauer Migrationsamt entzog ihm 2016 die Aufenthaltsbewilligung und will ihn in den Kosovo ausschaffen. Der Kosovare hat dagegen Rekurs eingereicht, welcher von der Vorinstanz abgelehnt wurde. Er gelangte mit einer Beschwerde ans Aargauer Obergericht, wo er gestern ohne Anwalt zur Verhandlung erschien.

Dardan spricht fliessend Deutsch. Während der Verhandlung hat er seinen Kopf meist gesenkt. Seine Lebensgeschichte hört sich am Anfang relativ normal an. Mittels Familiennachzug holte ihn sein Vater zusammen mit seiner Mutter und Schwester 1992 in die Schweiz. Als er sechs Jahre alt war, starb sein Vater an einem Herzinfarkt. «Das Migrationsamt wollte uns damals schon ausschaffen», erinnert sich Dardan. Weil seine Mutter aber eine dauerhafte Anstellung fand, durfte die Familie in der Schweiz bleiben.

Seine Schulzeit sei bis zur 8. Klasse gut verlaufen, dann habe er im letzten Schuljahr dem Unterricht nicht mehr folgen können. Eine Anlehre bei einem Grossverteiler brach Dardan 2005 ab, weil er sich unter den «vielen serbischen Mitarbeiterinnen» als Kosovare nicht wohlfühlte. Danach erhielt er keinen Job mehr, gab sich mit den falschen Freunden ab und beging seine ersten Straftaten. Inmitten seiner «schlimmsten Zeit» lernte er 2008 seine Ehefrau Donjeta kennen, mit der er heute noch zusammen ist und eine Tochter hat.

Die Beziehung stand von Anfang an auf dem Prüfstand: Dardan sass im Jahr 2009 für rund zwei Monate in Untersuchungshaft, weil er in Genf mit fünf Kilogramm Heroin im Kofferraum erwischt wurde. Diese Geschichte sei «dumm gelaufen.» Er sei mit einem Freund von Spreitenbach aus nach Genf gefahren, um sich die Stadt anzusehen. Sein Kumpel habe einen Rucksack im Kofferraum platziert, was er zwar bemerkt, aber nicht als ungewöhnlich taxiert habe. Kurz vor Genf seien sie dann auf einer Kreuzung von Polizisten angehalten und festgenommen worden.

Dass Dardan nichts vom Heroin-Transport wusste, nahmen ihm die Richter vor sieben Jahren nicht ab und verurteilten ihn zu einer zweijährigen bedingten Gefängnisstrafe. Das Migrationsamt leitete daraufhin ein Verfahren ein, um den vorbestraften Kosovaren auszuschaffen. Doch weil Dardan das Urteil bis vor Bundesgericht weiterzog, musste das Verfahren zweimal sistiert werden. Letztlich glaubte ihm auch das Bundesgericht nicht und sprach ihn 2011 schuldig.

Behördenfehler kostete viel Zeit

Dardan glaubte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an eine Zukunft in der Schweiz. Doch er hatte Glück: Das Bundesgerichtsurteil wurde nicht an das Migrationsamt geschickt – ein klassischer Behördenfehler, wie auch das Aargauer Obergericht konstatierte. Dardan selber war es letztlich, der 2015 seine Ausschaffung erneut lancierte. Er informierte sich telefonisch beim Migrationsamt über den Stand der Dinge. «Hätte ich das nie gemacht, sässe ich heute vielleicht nicht hier», sagt er verbittert.

Dardan wurde in der Zwischenzeit noch wegen einer Schlägerei vor einem Nachtclub verurteilt. Auch bei dieser Geschichte habe er Pech gehabt. Er sei in der Zwischenzeit ein besserer Mensch geworden. Seine Ehefrau Donjeta sagte als Zeugin vor dem Aargauer Obergericht aus: «Wenn Dardan in den Kosovo gehen müsste, wäre dies für unsere Familie eine Katastrophe.» Ein Urteil wird in ungefähr zwei Wochen erwartet. 

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Evan 27.03.2017 14:23
    Highlight Highlight Seit wann fliegt denn die LOT nach Kosovo?
  • pedrinho 22.03.2017 13:26
    Highlight Highlight "Letztlich glaubte ihm auch das Bundesgericht nicht und sprach ihn 2011 schuldig."

    Gem. dieser information, besteht ein rechtsgueltigen gerichtsurteil. Haben diese ein ablaufdatum ?


  • Chili5000 22.03.2017 08:20
    Highlight Highlight Wie ist denn das jetzt, wird nur er ausgeschafft oder werden seine Frau und seine Tochter auch ausgeschafft? Ich weiss echt nicht wie das gehen soll. Entweder die Familie auseinanderreisen oder die ganze Familie bestrafen und die Zukunft der Tochter versauen? Ich verstehe nicht wie man das verantworten kann. Das dieser Typ nichts in der Birne hat und ein vollkommener Versager ist, ist ja bestens dokumentiert, aber es gibt halt solche Menschen in unserer Gesellschaft und ich weiss nicht ob es richtig ist die Familie auseinander zu reissen.
    • Bowell 22.03.2017 08:48
      Highlight Highlight Es geht hier (leider) nicht nur um die Familie, sondern auch um den Schutz der Schweizer Bevölkerung vor Strafträtern. Der Familienvater ist mehrfach rechtskräftig verurteilt mit scheinbar grossem Drang zur Delinquenz, was für mich persönlich eine Abschiebung rechtfertigt.
    • Hierundjetzt 22.03.2017 08:51
      Highlight Highlight Es gibt ein Bundesgerichtsurteil, dass besagt, das wenn die Lebensverhältnisse im Zielland ähnlich der Schweiz sind, die gesamte Familie ja dort leben könne (Kein Familien Auseinanderreissen)

      Damit will man Scheinehen unterbinden.

      Ob die definierten Kriterien auch für den Kosovo gelten, kann ich jetzt nicht sagen, denke mir aber das dieses europäisches Land sämtliche Kriterien erfüllen sollte.
    • Scott 22.03.2017 09:45
      Highlight Highlight Die Zukunft der Tochter ohne dieses "Vorbild" wird wesentlich besser verlaufen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Watson - die Weltwoche der SP 22.03.2017 07:56
    Highlight Highlight Der gehört ganz klar ausgeschafft.
  • Guzmaniac 22.03.2017 07:45
    Highlight Highlight Verstehe nicht was man uns mit diesem Artikel sagen möchte?!
    Das ein Behördenfehler, bei welchem nottabene niemand zu Schaden kam und welcher aus Versehen geschah, X Straftaten des lieben Dardans aufheben soll und er nun eine weitere Chance kriegen soll?
    Noot...der will einfach nicht, also lasst ihn gehen bzw. schickt ihn, alles andere wäre Wasser auf Oberwil-Lieli's (uvm) Mühlen...
  • lily.mcclean 22.03.2017 07:38
    Highlight Highlight Genau solche muss man ausschaffen. Unverbesserlich und unbelehrbar. Bye bye!
  • Baccaralette 22.03.2017 07:37
    Highlight Highlight Natürlich würde jeder behaupten, nicht gewusst zu haben, dass da im Rucksack 5 Kilo Drogen sind. Und die Schlägerei, da hat er sicher auch wirklich Pech gehabt. Und das Kind, dass er missbraucht hat, hat sich vermutlich auch uuu mega an ihn herangemacht, da war er total hilflos. Und das Auto fuhr auch selber zu schnell und über die doppelte Sicherheitslinie, is' schon klar.
    Ernsthaft? Na hoffentlich wird er ausgeschafft.
  • Bruno S.1988 22.03.2017 07:34
    Highlight Highlight Naja. Hat eine familie zuhause, aber drogentrips nach genf und club schlägereien liegen noch drinn. Ich glaube nicht dass er der seriöse familienmensch ist. Wahrscheinlich sind Frau und Kind beaser drann ohne ihn.
  • fadnincx 22.03.2017 07:21
    Highlight Highlight So wie es für mich anhört, ist er meiner Meinung nach total selber schuld. Das alles "dumm gelaufen" ist kaufe ich ihm nicht ab. Und mit so vielen Verurteilungen sollte er schon lange weg sein!
  • Chääschueche 22.03.2017 07:02
    Highlight Highlight Pech. Der hatte 100 Chancen. Bye bye

  • Plöder 22.03.2017 06:34
    Highlight Highlight Hallo Watson
    Das Bild mit dem Flugi und den Herren in Westen ist eine Montage... Nicht ein "Symbolbild"
  • stamm 22.03.2017 06:20
    Highlight Highlight Ou, der hatte ja verflucht viel Pech...
  • Mia_san_mia 22.03.2017 06:10
    Highlight Highlight Wow der Arme hatte ja nur Pech im Leben 😂
  • Weisnidman 22.03.2017 05:36
    Highlight Highlight Natürlich ist er jetzt Mutter Teresa wenn es um die Abschiebung geht...Sollte man jetzt Mitleid haben??
    Hätte er, und ähnliche, sich angepasst und nicht kriminell geworden dann hätte er auch nichts zu befürchten. So ist er selbst schuld. Ein krimineller weniger
  • Spooky 22.03.2017 01:50
    Highlight Highlight Die besten Gerichtsreportagen hat Margrit Sprecher geschrieben.

    Einem linken Internetportal wie Watson würde es gut anstehen, die Angeklagten nicht lächerlich zu machen.

    Aber das ist halt zuviel verlangt, schon klar.



    • Sapere Aude 22.03.2017 04:25
      Highlight Highlight Wo genau wird der Angeklagte lächerlich gemacht?
      Btw. der Artikel stammt von der AZ...
      Benutzer Bild
    • CASSIO 22.03.2017 06:10
      Highlight Highlight erstens seh ich nicht, wo watson den täter lächerlich macht. zweitens verstehe ich watson nicht als linkes nachrichtenportal. drittens ist dies keine gerichtsreportage, sondern eine auflistung einiger geschichten dieses täters, sowie einer schwachstelle unseres systems, welche es auszumerzen gilt.
    • oliversum 22.03.2017 06:18
      Highlight Highlight Das ist ein Artikel aus der Aargauer Zeitung. Die machen die Angeklagten nicht absichtlich lächerlich, sondern es ist das beste, was deren Journalisten können.
    Weitere Antworten anzeigen

Interview

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Jean Ziegler kennt die Leiden der Ärmsten auf dieser Welt. Sein Besuch auf der griechischen Insel Lesbos hat den 86-Jährigen dennoch zutiefst erschüttert. Ein Gespräch über die europäische Migrationspolitik und die Rolle der Schweiz.

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