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Die Grünen liebäugelten bereits seit einigen Wochen mit einem Flugverbot-Vorstoss. bild: lea senn

So viel CO2 könnte man mit einem Kurzstrecken-Flugverbot für Beamte einsparen

Parlamentarier und Bundesangestellte sollen bei Auslandsreisen innerhalb Europas auf das Fliegen verzichten – jedenfalls für Städte, die mit dem Zug in 8 Stunden erreichbar sind. Das fordern die Grünen. Das CO2-Einsparungspotenzial bei den Beamten ist gross, wie eine watson-Berechnung von ausgewählten Städten zeigt.



Fliegen belastet das Klima so stark wie kaum eine andere Tätigkeit – und dennoch jetten die meisten von uns rege durch die Welt. Genauso wie Politiker und Bundesangestellte.

Die Problematik rückt derzeit immer mehr in den Fokus – und von offiziellen Stellen wird ein vorbildliches Verhalten erwartet. Angestellten der Schweizer Bundesverwaltung sowie Parlamentariern ist es bisher freigestellt, für Dienstreisen den Zug oder den Luftweg zu wählen. Die Beamten nutzten diese Freiheit auch. Laut dem aktuellsten Umweltbericht der Bundesverwaltung ist die Anzahl Flugreisen in den letzten Jahren um 19 Prozent gestiegen (interkontinentale Reisen inbegriffen).

Die Grünen fordern nun: Bundesangestellte und Parlamentarier sollen bei Auslandsreisen innerhalb Europas künftig den Zug nehmen müssen, wenn die Destination mit der Bahn in weniger als acht Stunden erreichbar ist. Kommt die Regelung durch, dürften die Beamten und Politiker beispielsweise nur noch per Zug nach Brüssel reisen. Die Stadt ist mit dem Zug von Bern aus in rund sieben Stunden erreichbar.

Wie watson berichtete, liebäugelte die Partei bereits seit einigen Wochen mit einer solchen Regelung. Michael Töngi, Grünen-Nationalrat und Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, will die entsprechenden zwei Vorstösse nun noch in dieser Session im Parlament einreichen.

Aber wie sieht das Verhältnis zwischen Bahn- und Flugreisen der Beamten konkret aus? watson hat nachgefragt – und nachgerechnet. Auf Anfrage hat das Bundesamt für Energie für die Departemente EDA, UVEK und WBF die Anzahl Flüge und Zugreisen für bestimmte Destinationen der letzten drei verfügbaren Jahre zusammengestellt.

Zur Analyse

Die Berechnung erfolgte mit Daten der Departemente EDA, UVEK und WBF für Dienstreisen in den Jahren 2015, 2016 und 2017 an folgende von watson selektionierte Destinationen: Brüssel, Frankfurt, Köln, London, Lyon, Strassburg, Mailand, Paris, Rom und Wien. Die Berechnung gilt somit auch nur für diese Städte und ist nicht repräsentativ. Eine Analyse aller Reiseziele und Departemente würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Nicht in der Auflistung erfasst sind Dienstreisen mit dem Bundesratsjet, gecharterten Businessjets oder mit Helikoptern.

Ersichtlich wird in der Auflistung beispielsweise, dass EDA-Beamte in den Jahren 2016 und 2017 regelmässig (258 respektive 271 mal) nach Brüssel flogen. Per Zug reiste in genannten Jahren kein EDA-Beamter dorthin.

London ist mit der Bahn ab Bern in knapp acht Stunden zu erreichen. Diese Option wählte beim WBF in den letzten drei Jahren niemand. Das EDA buchte nur im Jahr 2015 zwei Bahnreisen in die britische Hauptstadt. Beim UVEK reisten 2015 drei Beamte mit dem Zug nach London, 2016 zwei und 2017 vier. Gleichzeitig flogen 50 respektive 61 und 55 UVEK-Angestellte dorthin.

Info: Ein detaillierter Überblick aller erhaltenen Daten erfolgt in einem späteren Artikel.

Die untersuchten Auslandreisen der Beamten im Jahr 2017

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Laut watson-Berechnungen liessen sich mit dem Umsteigen der Beamten auf die Bahn für Reisen unter acht Stunden massiv CO2-Emissionen senken. Von den insgesamt 4'717 untersuchten Flugreisen der Bundesangestellten des EDA, UVEK und des WBFs führten rund 4'000 Flüge in Städte, die unter dem 8-Stunden-Radius liegen und künftig nur noch via Bahn angereist werden dürften – wenn es nach den Grünen geht.

Für diese rund 4'000 betroffenen Flugreisen verbrauchten die Beamten im untersuchten Jahr ungefähr 300 Tonnen CO2. Hätte man sie durch Bahnreisen ersetzt, hätte man 79 Prozent der Emissionen eingespart.

Das Ergebnis ist nicht repräsentativ. Es lässt sich damit aber eine gute Vorstellung über das Einsparungspotenzial gewinnen.

CO2-Bilanz der Flugreisen des EDA, UVEK und WBF an die genannten Destinationen im Jahr 2017: 300t CO2

CO-Bilanz

Mit dem CO2-Rechner von energie-umwelt.ch

Bisher gibt es für Beamte lediglich Empfehlungen für Auslandreisen. Für fünf- bis sechsstündige Reisezeiten solle besser die Bahn gewählt werden, heisst es etwa in einem Infoblatt des Ressourcen- und Umweltmanagements der Bundesverwaltung. Carole Wälti, Sprecherin des eidgenössische Departements für auswärtige Angelegenheiten EDA, erläutert: «Es liegt in der Verantwortung des einzelnen Mitarbeitenden, in Absprache mit seiner Hierarchie, die wirtschaftlichste und effizienteste Reiseoption zu wählen.» Für Städte, die eine gute Bahnverbindung von Bern aus kennen, wie Paris, Milano oder Stuttgart, wähle man eher die Bahn.

«Haben sie es eiliger, so sollen sie selber für die Kosten aufkommen.»

Nationalrat Töngi über Parlamentarier.

Nationalrat Töngi zählt mit der Einschränkung der Flugreisen auf eine massive Reduktion klimaschädlicher Emissionen der Bundesverwaltung. Zur gleichen Einschränkung für Parlamentarier sagt er: «Parlamentarier sollen wie andere Konsumenten solche Flüge vermeiden und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Haben sie es eiliger, so sollen sie selber für die Kosten aufkommen.»

Mehr Kosten

Kommt es zu einer massiven Einschränkung der Dienstflüge in Bundesbern, wird die Bundesverwaltung für die Reisespesen aber wohl tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. Je nachdem wie früh und wo man bucht, gibt es eine Reise mit dem Flieger vielfach zum Schnäppchenpreis. Und damit günstiger als eine Reise per Zug.

Töngi sagt dazu: «Der Klimaschutz ist nicht gratis zu haben. Die öffentliche Hand sollte nicht aus Kostengründen auf klimaschädliche Transporte setzen, sondern sich im Gegensatz dafür einsetzen, dass Bahnreisen gegenüber dem Flugverkehr wieder konkurrenzfähig werden.»

Kritisch gegenüber einem Verbot ist SVP-Nationalrat und Mitglied der Verkehrskommission Ulrich Giezendanner. Wie er in einem früheren Artikel zu watson sagte, hält er ein Flugverbot für Beamte für «völligen Blödsinn»: «Das wäre ineffizient und viel zu teuer.» Weil Zugreisen mehr Zeit in Anspruch nehmen, müssten mehr Beamte angestellt werden. Carole Wälti vom EDA weist ihrerseits auf Folgendes hin: «Sobald die Anfahrt eine längere Zeit benötigt, muss die ‹Kosten/Nutzen›-Rechnung gemacht werden, da die Mitarbeitenden ja auch Lohnkosten verursachen.»

Vorreiter Genf

Der Kanton Genf ist bezüglich Flugeinschränkungen bereits einen Schritt weiter. Die Grünen-Abgeordnete Delphine Klopfenstein-Broggini forderte Anfang Februar, dass Angestellte der kantonalen Verwaltung für Dienstreisen künftig erst ab Strecken über 1200 km (einfache Fahrt) ins Flugzeug steigen dürfen. Das Gleiche soll für Schulreisen der Oberstufen gelten. Der Grosse Rat hat ihren Vorstoss letzte Woche angenommen. Die Regierung wurde nun beauftragt, das Dienstreglement entsprechend anzupassen.

Erst kürzlich sorgte eine Reise der Mitglieder der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen nach Berlin für rote Köpfe. Mit deutschen Parlamentariern besprach die Schweizer Delegation «die zentrale Rolle der Eisenbahn bei der Bewältigung des Verkehrswachstums und der gleichzeitigen Reduktion der Emissionen». Für Unmut sorgte, dass zwölf der Teilnehmer nach Berlin flogen, nur einer reiste per Zug, wie der SonntagsBlick berichtete. Mit der schnellsten Verbindung ist man innerhalb von 8.44 Stunden von Bern in Berlin.

Der Permafrost leidet unter dem Klimawandel

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