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ARCHIV - ZUR SWISSCANTO-STUDIE UEBER DIE SITUATION DER PENSIONSKASSEN, AM DIENSTAG, 29. MAI 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG ---- An elderly couple enjoys a mild afternoon in June on a park bench in Buerkliplatz square in Zurich, Switzerland, pictured on June 11, 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein aelteres Paar geniesst den lauen Juninachmittag auf einer Parkbank am Buerkliplatz in Zuerich, aufgenommen am 11. Juni 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Beim Rentenalter soll endlich nicht mehr nach Geschlecht unterschieden werden.  Bild: KEYSTONE

Kommentar

Fertig mit Rosinenpicken: Es ist Zeit, dass auch Frauen bis 65 arbeiten

Das Parlament diskutiert die Reform der AHV auf ein Neues. Was dabei fehlt? Die Erhöhung des Rentenalters der Frauen auf 65. 



Letztes Jahr schickte das Schweizer Stimmvolk die Altersvorsorge bachab. Doch eine Reform der AHV ist unausweichlich, denn unsere Bevölkerung wird immer älter. Bald kommen auf einen Pensionär zwei Erwerbstätige – derzeit sind es noch drei. 

Das Parlament ringt derzeit um eine Lösung, die das Loch in der AHV-Kasse stopfen soll. Als «Kuhhandel» wird der geplante Deal bezeichnet, weil dabei nach dem Willen des Ständerats zwei Dinge miteinander verbunden werden sollen, die eigentlich nicht zusammengehören: Unternehmenssteuern und die AHV. 

Mit diesem Deal steigt die Hoffnung, dass Links und Rechts an der neuen Reform Gefallen finden. Die Bürgerlichen erhalten damit einen guten Steuerdeal und die Sozialdemokraten können sich über mehr Geld im Alter freuen.  

Wo bleibt Rentenalter 65?

Zu den wichtigsten Drahtziehern im Ständerat gehört Christian Levrat. Mit der neuen Vorlage sei das Rentenalter 65 für Frauen vom Tisch, frohlockte er. Ob er damit Recht hat, wird sich zeigen. 

Dennoch: Levrats Aussage ist heuchlerisch und wenig zukunftsorientiert. Als Präsident einer Partei, die sich vehement für Gleichberechtigung einsetzt, für mehr Frauen im Parlament kämpft und für Lohngleichheit einsteht, sollte er auch Gleichberechtigung in Sachen AHV-Alter anstreben. Doch da halten sich die Linken vornehm zurück. Zu gross scheint die Angst, die eigenen WählerInnen zu verärgern.

Auch ein bisschen Ungleichheit ist nicht okay

Es scheint, als picke man sich nur die Rosinen aus dem Kuchen. Wittert man auch nur den Hauch einer Ungleichbehandlung in anderen Lebensbereichen, erfolgt der Aufschrei zuverlässig und laut. Geht es aber um das Rentenalter, ist ein bisschen Ungleichheit völlig okay. 

Doch die Linke schweigt. Und setzt sich stattdessen für gleiche Löhne bei gleicher Arbeit ein. Findet den Vaterschaftsurlaub «längst überfällig». Alles gute und längst nötige Forderungen. Aber wo bleibt der Gleichstellungsmahnfinger, wenn es um die Diskussion um das Rentenalter geht? 

Eine funktionierende Altersvorsorge zu sichern, ist eines der grössten sozialpolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Es braucht endlich Lösungen – auch solche, die unbequem und anstrengend sind.

Eine funktionierende Altersvorsorge zu sichern, ist eine der grössten sozialpolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Es braucht endlich Lösungen – auch solche, die unbequem und anstrengend sind. 

Überholte Argumente

Es fehlt an einer rational nachvollziehbaren Begründung, warum Frauen heutzutage weniger lang arbeiten müssen als Männer respektive warum es überhaupt eine Unterscheidung zwischen den Geschlechtern gibt. 1957 wurde das Rentenalter der Frau von 65 auf 63 Jahren gesenkt. Der Bundesrat begründete die Senkung damit, dass Frauen den Männern gegenüber körperlich gesehen im Nachteil seien.

Wo bleibt der Gleichstellungsmahnfinger, wenn es um die Diskussion um das Rentenalter geht?

Diese Überlegung ist heute völlig überholt. 86,6 Prozent aller Frauen arbeiten im Dienstleistungssektor und erledigen kaum mehr schwere körperliche Arbeiten. Bei den Männern sind es übrigens 66,6 Prozent. Hinzu kommt, dass die Frauen im Schnitt rund vier Jahre länger leben als Männer.

Das tiefere Rentenalter als Joker im Ärmel zu behalten, bis Frauen in anderen Lebensbereichen absolut gleichberechtigt sind, bringt niemandem etwas. Wenn man die Chance hat, für Gleichheit zu sorgen, dann sollte man das auch tun. Unabhängig davon, ob andere Ungerechtigkeiten schon aus der Welt geschafft sind.

Macht sich die Linke dafür stark, dass Frauen und Männer 2018 in einem Gesetz unterschiedlich behandelt werden, führt sie ihr eigenes Programm ad absurdum. 

Wie lässt sich das Loch stopfen?

Lösungsansätze gäbe es zur Genüge. Einige skandinavische Länder machen es vor. In Schweden kennt das Rentensystem keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Wer will, kann sich mit 61 Jahren pensionieren lassen, muss aber mit Abstrichen in der Rente rechnen. Wer weiter arbeiten will, kann dies bis 67 tun. In Dänemark wurde das Rentenalter gar entpolitisiert. Heisst konkret: Es wird nicht mehr politisch über eine Erhöhung gestritten, sondern das Rentenalter steigt parallel zur Lebenserwartung der Menschen. 

Das macht Sinn. Das Rentenalter soll endlich auch in der Schweiz losgelöst von Geschlechtern diskutiert werden. Und die Linken müssen aufhören, für eine Regelung zu kämpfen, die auf einem patriarchalen System gründet. Die Altersvorsorge ist nicht dafür da, ungleiche Löhne zwischen Mann und Frau zu kompensieren. Diese Denkweise ist brandgefährlich – und reisst nur mehr Löcher in der AHV-Kasse, die eigentlich gestopft werden sollten. 

Lohngleichheit zwischen Mann und Frau – Fehlanzeige!

Video: srf

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