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Schlaraffenland auf Kosten der Ärmsten? Das wollte die Juso-Initiative unterbinden.

Kommentar

Spekulationsinitiative: Das Fressen kommt (leider) nicht immer vor der Moral 

Die Jusos sind mit ihrer Initiative gegen die Spekulation mit Nahrungsmitteln gescheitert. Doch das Ergebnis ist nicht mit einem Sieg des Kasino-Kapitalismus' gleichzusetzen.



Das Anliegen ist sympathisch. «Mit dem Essen spielt man nicht», lernten wir schon als Kinder. Die Jusos haben dieses Motto über ihre Initiative gegen die Nahrungsmittelspekulation gestellt, und sind damit gescheitert. Ist damit einmal mehr bewiesen, dass der Mensch ein egoistisches Wesen ist, dass die Gier über die Empathie stellt?

Tatsächlich ist die Vorstellung, dass Hedge-Fund-Manager und Investmentbanker zweistellige Millionen-Boni einstreichen, weil sie erfolgreich auf steigende Getreidepreise gewettet haben, während gleichzeitig immer noch eine Milliarde Menschen an Hunger leidet, mehr als stossend. Trotzdem gibt es sachliche Gründe gegen die Juso-Initiative:

Die Juso haben zu viele Stockfehler begangen

Erstens haben die Juso ihre Kampagne verbockt. Zuerst ein ziemlich eindeutig antisemitisches Plakat und danach ein mehr als naives Video haben viele Sympathien gekostet. Zweitens ist der Superzyklus bei den Rohstoffpreisen vorbei, auch die Preise für Getreide sind im Keller. Die Initiative bekämpft so ein Problem, das es derzeit nicht gibt.

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Am schwersten jedoch wiegt das grundsätzliche Problem. Spekulation mit Nahrungsmitteln muss nicht des Teufels sein und kann gar helfen, den Welthunger zu mildern. Die so genannten derivativen Finanzinstrumente sind uralt und dienten einst dazu, die natürlichen Zyklen zu glätten. Sie sorgten dafür, dass die Preisschwankungen sich in einem vertretbaren Rahmen hielten, und Bauern, Händler und Konsumenten auch einmal eine schlechte Ernte verkraften konnten.  

Gerade in Krisen braucht es Handel mit Lebensmittel

Das gilt heute noch. Als in der Nahrungsmittelkrise 2008 einzelne Länder wie etwa Thailand begannen, ihre Reis-Exporte zu beschränken, verschärfte sich die weltweite Hungersnot sofort. Gerade bei Nahrungsmitteln ist freier Handel überlebensnotwendig, gerade in Krisensituationen. Selbst linke Ökonomen wie Paul Krugman sprechen sich daher gegen ein grundsätzliches Verbot von Rohstoffbörsen und den dazu gehörenden Finanzinstrumenten aus.

«Mit Moral können wir unsere Partner nicht überzeugen» klagte jüngst ein hoher deutscher Diplomat. Er hatte zwar die Flüchtlingskrise im Sinn, doch dieses Motto lässt sich auch auf die Rohstoffbörsen übertragen. Die Spekulation mit Nahrungsmitteln kann tatsächlich zum widerlichen Geschäft mit den Ärmsten verkommen, sie muss es aber nicht. Wünschenswert wäre es, eine Lösung zu finden, die den Spreu vom Weizen trennt, die zwischen sinnvoller und abstossender Spekulation mit Essen unterscheiden kann. Das ist schneller gesagt als getan. Die Juso-Initiative hat diesen Spagat nicht geschafft.

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