Schweiz
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Verdrängung am Flughafen Zürich: Der Biber soll den Boeings weichen

Aerocontrol, der Verband der Fluglotsen, fordert eine Baumassnahme, um die Kapazitäten in Kloten zu steigern. Nur: Die dafür nötige Fläche steht unter Naturschutz aufgrund des dortigen Flachmoors.

Benjamin Weinmann / Nordwestschweiz



Am Flughafen Zürich tummeln sich auf den ersten Blick vor allem metallene Maschinen wie der Airbus-320 und die Boeing-737, aber auch Riesenvögel wie der A380. Doch was viele nicht wissen: Inmitten des Flughafen-Areals liegt ein 74 Hektaren grosses Naturschutzgebiet mit einer vielfältigen Flora und Fauna; das Klotener Ried. Die Naturoase ist das Zuhause von seltenen Pflanzen wie der Sumpf-Schwertlilie, Mehlprimel und dem Lungenenzian, sowie Tieren wie Wasserfröschen, Schwarzkehlchen und sogar einer Biberfamilie. Auch viele seltene Schmetterlinge und Spinnen geniessen die grüne Idylle. Es ist eines der grössten Riedgebiete im Kanton Zürich.

34 Hektaren des Areals sind Flachmoor. Doch die Gräser, Bäume und ihre tierischen Bewohner, die Eichhörnchen, Hasen und Dachse sollen Asphalt Platz machen. So wollen es zumindest die Fluglotsen. Am Aviatik Symposium, das vor einigen Tagen in Zürich stattfand, sprach Johannes Conrad, Vorstandsmitglied des Lotsenverbands Aerocontrol, über Möglichkeiten, die Flugkapazitäten zu steigern. Dies ist nötig, will der Flughafen Zürich das prognostizierte Passagierwachstum bewältigen können.

Das Naturschutzgebiet in Kloten ZH verhindert den Bau zusätzlicher Abrollwege. © Flughafen Zürich AG

Das Naturschutzgebiet in Kloten ZH verhindert den Bau zusätzlicher Abrollwege. Bild: Flughafen Zürich AG

Die Aerocontrol, die rund 250 Fluglotsen der Flugaufsichtsbehörde Skyguide vertritt, hat eine klare Vorstellung, was man mit der Grünfläche neben der Piste 14 anstellen sollte: teilweise plattmachen und zwei zusätzliche Abrollwege bauen. So wäre eine Kapazitätssteigerung machbar, und zwar ohne den Bau zusätzlicher Pisten oder einer Einschränkung der Nachtruhe.

Kollisionen mit Vogelschwärmen

Heute verfügt die Piste 14 nur am Ende über zwei Abrollwege. Je nach Bremsweg könnten die landenden Flugzeuge aber schon viel früher von der Piste abzweigen und so den dahinter landenden Maschinen Platz machen. Doch die Abrollwege fehlen.

Am Symposium zeigte Johannes Conrad den Branchenvertretern, darunter solchen der Swiss und des Flughafens Zürich, ein Bild einer Piste am Flughafen Heathrow in London, die über zahlreiche Abrollwege verfügt und den Fluglotsen die Arbeit erleichtert. Die Aerocontrol hat ausgerechnet, wie gross das Potenzial in Zürich wäre: «Würden hier ebenfalls zusätzliche Abrollwege gebaut, liesse sich die Kapazität pro Stunde um 6 Flüge beziehungsweise 15 Prozent steigern», sagt Conrad im Gespräch. Man habe diese Analyse auch schon dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) vorgelegt.

«Man muss sich schon fragen, wie sinnvoll es ist, dass am Flughafen ein Naturschutzgebiet aufrechterhalten wird, das die Flugkapazitäten einschränkt, und nicht mal für die Öffentlichkeit zugänglich ist», sagt Conrad. «Es wäre wohl sinnvoller, dieses Naturschutzgebiet würde anderswo liegen.»

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Fakt ist, dass die beiden Welten – die Aviatik und die Natur – immer wieder mal aufeinander prallen. Es kommt zu Kollisionen von Flugzeugen mit Rotmilanen, Mäusebussarden und Graureihern oder gar ganzen Vogelschwärmen. Vor einem Jahr verzögerte ein Fuchs in Pistennähe den Start einer A380. Wäre er überrollt worden, hätte danach die Piste für die Reinigung der Kadaverrückstände gesperrt werden müssen.

Doch der Vorschlag der Aerocontrol hat einen Haken: Das Flachmoor am Flughafen ist von nationaler Bedeutung und seit 1993 als Schutzobjekt im Bundesinventar der Flachmoore geschützt. Ein Eingriff bedürfte einer Verfassungsänderung. Dennoch ist eine Umgehung dieser Regelung nicht ausgeschlossen. Denn der Bund und der Flughafen planen unabhängig vom Aerocontrol-Vorschlag den Bau von Umrollwegen am Ende der Piste – dort wo es ebenfalls ein Moor hat.

Zwar heisst es in der eidgenössischen Moorlandschaftsverordnung, dass die Landschaft «vor Veränderungen zu schützen ist, welche die Schönheit oder die nationale Bedeutung der Moorlandschaft beeinträchtigt. Doch diese Regel ist anfechtbar, wenn die Sicherheit ins Spiel kommt. Im so genannten Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL) des Bundes, der die weitere Entwicklung des Flughafens skizziert, wird von diesem Argument Gebrauch gemacht. Mit dem Bau von neuen Abrollwegen für Landungen auf der Piste soll der Start- und Landeverkehr klarer getrennt werden können.

Ein Baugesuch ist laut dem «Zürcher Unterländer» noch nicht eingegeben, doch die Pläne, die vom Flughafen mitentwickelt wurden, dürften sich nicht mehr gross ändern. Auch beim Bazl werden diese Pläne bestätigt mit dem Verweis auf die Sicherheit. Die Analyse der Aerocontrol, wonach mit Abrollwegen weiter vorn bis zu sechs zusätzliche Landungen pro Stunde möglich wären, sei hingegen bisher nicht belegt. Die Landefrequenz hänge schliesslich auch ab von der Kapazität des Luftraums und den Vorschriften über den Abstand zwischen den anfliegenden Flugzeugen, heisst es beim Bazl.

Gemeindepräsident ist empört

Philipp Bircher, Sprecher der Flughafen Zürich AG, sagt, man habe die zusätzlichen Abrollwege im Rahmen des SIL-Prozesses geprüft, die Idee aber verworfen, «da sie in Konflikt mit den national geschützten Flachmoorflächen käme.» Als Flughafen-Betreiberin sei man verpflichtet, diese zu erhalten und zu fördern. Bircher räumt jedoch ein, dass die Landekapazität erhöht werden könnte.

Ein Sprecher der Flugsicherheitsbehörde Skyguide – dem Arbeitgeber der Aerocontrol-Fluglotsen – verweist ebenfalls auf das Naturschutzgebiet. Der Vorschlag des Mitarbeitenden Johannes Conrad am Branchenanlass sei als «hypothetische Übung» zu verstehen. Aber: «Bestünde diese Möglichkeit tatsächlich, wäre diese prüfenswert.»

Thomas Hardegger, SP-ZH, spricht vorher Dominique de Buman, CVP-FR, an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 8. Maerz 2018 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Thomas Hardegger, SP-Nationalrat und Gemeindepräsident von Rümlang. Bild: KEYSTONE

Kritischer sieht es Thomas Hardegger, SP-Nationalrat und Präsident der Flughafengemeinde Rümlang. Er war am Aviatik Symposium, als Conrad den Aerocontrol-Vorschlag präsentierte, ebenfalls anwesend: «Ich dachte zuerst, er meinte das nur aus Spass.» Denn es sei nicht nur der Moorschutz-Artikel, der den Beton verhindere, sagt Hardegger. «Die Region um den Flughafen ist bezüglich Luftreinhaltung ein Sanierungsgebiet, die Grenzwerte werden permanent überschritten.»

Die Naturräume würden die Belastung vor Ort mindern. Deshalb sei auch eine Flugkapazitätssteigerung nicht angebracht, meint Hardegger. Im Gegenteil: Er fordert eine Verdünnung des Flugplans. Man müsse sich fragen, welche Flüge für die Direktverbindung mit den wichtigen Wirtschaftsmetropolen, wie es der SIL vorsieht, wirklich notwendig seien. (aargauerzeitung.ch)

Dieser Künstler baut unseren Traum-Papierflieger

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    Alle Leser-Kommentare
  • Spi 17.04.2018 10:33
    Highlight Highlight Wie wäre es mit später bremsen, wenn angeblich das Bottleneck wirklich beim abrollen von der Landepiste liegt?
  • Pafeld 17.04.2018 08:48
    Highlight Highlight Stellt sich die Frage, ob es schlau war das Moor zu erhalten. Denn ein Naturschutzgebiet innerhalb eines Flughafens provoziert geradezu den Zusammenstoss mit einem Tier.
    Die betroffene Fläche ist übrigens relativ klein und hat somit definitiv nahezu keinen Einfluss auf die Emissionsbilanz des Flughafens. Das es Biber im Flachmoor gibt, ist unbestritten. Aber in dem abgeschlossenen, winzigen Abschnitt? Um den betroffenen Bereich zu verlassen, muss jedes Tier entweder einen Abrollweg oder eine der beiden Runways kreuzen.
    • Anded 17.04.2018 11:26
      Highlight Highlight Würde behaupten, dass auf Schweizer Strassen im Verhältnis zu Passagieren mehr Tiere draufgehen als auf den Pisten. Insbesondere zB im Neeracher Ried, grad neben dem Flughafen. (Hauptstrassen mitten durchs Naturschutzgebiet. Sehr intelligent!)
      Wenn es denn die Entwicklung im Flughafen unbedingt braucht, könnte man ja als Kompensation die Strassen durchs Neeracher Ried entfernen und neue Umfahrungen bauen. Finanziert durch einen Aufschlag der Flughafentaxe auf ZRH Tickets.
  • Supertiar 17.04.2018 08:31
    Highlight Highlight Sehr geehrter Herr Conrad,
    Die Argumentation «Man muss sich schon fragen, wie sinnvoll es ist, dass am Flughafen ein Naturschutzgebiet aufrechterhalten wird (...) und nicht mal für die Öffentlichkeit zugänglich ist» ist meiner Meinung nacht nicht ganz integer.
    Doch das macht sehr wohl Sinn! Wetweit gibt es sehr viele Gebiete die dem Menschen nicht oder nur teilweise zugänglich sind und gerade wahrscheinlich deshalb eine sehr hohe Artenvielfalt aufweisen und darum auch schützenswert sind. Das Argument des Schutzstatus beinhaltet beinhaltet für einmal auch nichtmenschliche Interessen.
  • lilie 17.04.2018 08:21
    Highlight Highlight Nicht nur, dass ein Moor samt seiner Pflanzen- und Tierwelt zerstört würde - eine Kapazitätserhöhung bedeutet auch mehr Lärm, mehr Umweltverschmutzung und höhere Risiken. Denn die Flugzeuge landen ja in dichterem Abstand. Und das geht jetzt schon Schlag auf Schlag...
  • derEchteElch 17.04.2018 08:12
    Highlight Highlight In diesem Fall bin ich ganz klar Pro Biber!
  • TheDude10 17.04.2018 07:58
    Highlight Highlight Auf keinem Fall sollten wir das zulassen. Solch ein Gebiet kann man nicht einfach zerstören im Gegenteil.
  • Alnothur 17.04.2018 07:36
    Highlight Highlight "Je nach Bremsweg könnten die landenden Flugzeuge aber schon viel früher von der Piste abzweigen und so den dahinter landenden Maschinen Platz machen."

    ...oder sie könnten einfach später aufsetzen...
    • chandler 17.04.2018 08:15
      Highlight Highlight Habe genau das gleiche gedacht... Aber wird sicher seine Gründe haben wieso dies nicht möglich ist.
    • 7immi 17.04.2018 08:33
      Highlight Highlight dies wäre sicherheitstechnisch eine katastrophe. man muss immer die volle verfügbare piste nutzen können.
    • El Vals del Obrero 17.04.2018 08:41
      Highlight Highlight Ein Grund wäre vielleicht, dass man dann weniger Sicherheitsreserve hätte.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Rectangular Circle 17.04.2018 07:09
    Highlight Highlight Ein Naturschutzgebiet ist auch da, um die Natur zu schützen. Es muss nicht öffentlich zugänglich sein.
  • Supermonkey 17.04.2018 07:03
    Highlight Highlight Einerseits sehe ich es, dass der Flughafen aich mal aisgebaut werden muss. Andererseits frage ich mich ob nicht folgendes zu optimieren wäre: oft kommt es vor, dass mehrere Maschinen zb. 2 A320 von London Heatrow her kommen. Würde man nur 1 grössere Maschine nehmen, hätte man 1 Slot gespart, sowie weitere Kosten fur den Betrieb etc. Ok, nun sind das verschiedene Fluggesellschaften und das dürfte etwas schwierig werden. Da müsste man die Lizenzvergabe für die Airlines entsprechend managen. Aber sicher einfacher und schonender für die Umwelt als ein Moor aufzuheben.
    • El Vals del Obrero 17.04.2018 08:28
      Highlight Highlight Ich sehe nicht ein, dass es Ausbauten braucht.

      Nur damit man mit dem Billigflieger (der bei mehr Kapazität noch billiger wird) in irgendeine Stadt fliegt, die durch den Overtourismus (durch die Billigflieger) ohnehin zu einem austauschbaren Disneyland wurde.

      Selbe Geschichte wie bei der Strasse: Mehr Kapazität sorgt für mehr Verkehr. Etwa so wie man sich kratzt, wenn es irgendwo juckt, man vergrössert das Problem nur.
    • 7immi 17.04.2018 08:36
      Highlight Highlight einerseits müssen die flugzeuge verfügbar sein. zum anderen ist man deutlich flexibler mit kleineren flugzeugen. gerade über die ferientage kann man zb ein flugzeug mehr einsetzen. ausserdem möchte dies die kunschaft nicht: man will die wahl haben, wann man zurückfliegen will. es geht also nicht so einfach wie ein naturschutzgebiet zu überbauen, sonst würde mans machen.
  • El Vals del Obrero 17.04.2018 06:33
    Highlight Highlight Die Sicherheit ist da ein billiges Argument.

    Schliesslich wird die Sicherheit durch die zwei Faktoren Anzahl Bewegungen und Anzahl Abrollwege beeinflusst. Solange man die Anzahl Bewegungen nicht ändert, leidet die Sicherheit nicht daran, dass keine zusätzlichen Abrollwege gibt.

    Nach der Lotsen-Logik könnte man eigentlich sämtliche noch so geschützte Moore des Landes durch Flugpisten ersetzen: Schliesslich ist es sicherer, wenn Flugzeuge auf einer Piste statt in einem Moor landen.
    • 7immi 17.04.2018 08:42
      Highlight Highlight @senf
      du machst es dir etwas einfach, schliesslich fliegst auch du in die ferien, oder? wollen das alle in unserem land so nehmen mit steigender bevölkerung auch die passagierzahlen zu. dieses problem hat unsere gesamte infrastruktur.
    • Wilhelm Dingo 17.04.2018 08:42
      Highlight Highlight @meine senf: ja, so ist es. Ein Armeeübungsplatz wäre auch noch eine Möglichkeit, oder Hüslis für Herr und Frau Schweizer. Es gibt genug Möglichkeiten die Natur zu nutzen.
    • El Vals del Obrero 17.04.2018 12:39
      Highlight Highlight @7immi: Bin das letzte Mal vor 10 Jahren geflogen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 17.04.2018 06:27
    Highlight Highlight Ja, das Flughafenwachstum fordert halt seinen Tribut, da kann man nichts machen.
    • öpfeli 17.04.2018 08:59
      Highlight Highlight Doch, der Mensch z.b könnte mehr auf die Natur achten. Ohne Natur - kein Leben. Das geht gerne vergessen.
      Auf die Natur achten beinhaltet auch z.b weniger um die Welt fliegen.
    • Wilhelm Dingo 17.04.2018 09:42
      Highlight Highlight @öpfeli: es war zynisch gemeint, pflichte Dir 100% bei
    • öpfeli 17.04.2018 10:02
      Highlight Highlight Ach so, sorry, es gibt halt Menschen die denken wirklich so. 😅

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