Schweiz
Medien

Stellenabbau bei den Medien: So viele Journalisten verloren 2024 den Job

Des journalistes et employes de Tamedia Suisse romande brandissent des pancartes lors d'un debrayage protestant contre un projet de restructuration impliquant la suppression de 290 postes et la f ...
Tamedia-Journalisten aus der Westschweiz protestieren gegen die geplanten Entlassungen.Bild: keystone

Ein Jahr des Grauens – so viele Medienschaffende verloren 2024 in der Schweiz ihren Job

Diese Woche verkündete SRF, dass im nächsten Jahr 75 Vollzeitstellen gestrichen werden. Es ist die jüngste Hiobsbotschaft für die Schweizer Medienlandschaft.
24.09.2024, 16:0724.09.2024, 16:48
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SRF

Die bedrückende Nachricht erreichte die Belegschaft von Schweizer Radio und Fernsehen am Montag. Um ab 2025 ein finanzielles Defizit zu vermeiden, wird SRF in den kommenden Monaten 75 Vollzeitstellen abbauen, 10 davon im Kader.

Der Stellenabbau bedingt zahlreiche Massnahmen. So werden unter anderem die Ausgaben der «Tagesschau» am Mittag und um 18 Uhr durch moderierte Newsflashs ersetzt. Am Wochenende entfällt die Mittagsausgabe ganz. Die Sendungen «Club» und «Gesichter & Geschichten» müssen neu im Sommer pausieren.

SRF-Direktorin Nathalie Wappler, spricht an einer Medienkonferenz ueber das Programm fuer das Jahr 2022 im Fernsehstudio in Leutschenbach, aufgenommen am Donnerstag, 31. Maerz 2022 in Zuerich. (KEYSTO ...
SRF-Direktorin Nathalie Wappler musste einen grösseren Stellenabbau verkünden.Bild: KEYSTONE

Zu den Mitarbeitenden sagte SRF-Direktorin Nathalie Wappler: «Unsere unternehmerische Verantwortung verpflichtet uns zu einem ausgeglichenen Budget. Ich bedaure es sehr, dass dieses Ziel nächstes Jahr nur über einen Stellenabbau erreicht werden kann.»

Die Ostschweiz

Aufgrund des starken Rückgangs im Werbemarkt, so die Begründung des Verwaltungsrates der Ostschweizer Medien AG, wird die Online-Plattform Die Ostschweiz eingestellt. Drei Mitarbeiter verlieren ihre Stelle.

Die Ostschweiz: Chefredaktor Marcel Baumgartner verabschiedet sich von den Leserinnen und Lesern.
Chefredaktor Marcel Baumgartner verabschiedet sich mit einem Artikel von den Leserinnen und Lesern der Ostschweiz.bild: screenshot www.dieostschweiz.ch

Tamedia

Am 27. August dieses Jahres verkündete Tamedia den grössten Stellenabbau in der Schweizer Mediengeschichte.

290 der 1225 Vollzeitstellen (verteilt auf 1400 Mitarbeitende) werden abgebaut. Fast ein Viertel der Arbeitsplätze (24 Prozent) fällt weg.

Jessica Peppel-Schulz (links), CEO Tamedia und Simon Baertschi (rechts), Chefredaktor Tamedia, posieren fuer ein Portrait anlaesslich dem Tamedia Mediengespraech zu Sparmassnahmen, fotografiert am Die ...
Jessica Peppel-Schulz, CEO Tamedia, und Simon Bärtschi, Chefredaktor Tamedia.Bild: keystone

200 der 290 Vollzeitstellen spart Tamedia in den beiden Druckereien in Zürich und Bussigny ein, die es schliesst. 90 Vollzeitstellen (von insgesamt 620) streicht das Unternehmen bei den Redaktionen.

Mitte September reichte Tamedia dann detaillierte Informationen nach. Es kommt zu einer grösseren Reorganisation, dafür fallen im Bereich der Redaktionen nur 55 statt der geplanten 90 Vollzeitstellen weg. 30 in der Deutschschweiz, 25 in der Romandie.

Bereits im September des vergangenen Jahres entliess Tamedia 20 Mitarbeitende in der Deutschschweiz und 28 in der Westschweiz. So konnte der Konzern sechs Millionen Franken einsparen.

Im Oktober 2023 strich «20 Minuten», das wie Tamedia zur TX Group gehört, 35 Stellen. Die grosse Mehrheit davon in der Romandie.

CH Media

Im Januar 2024 entlässt der Konzern CH Media, zu dem auch watson gehört, 80 seiner Angestellten in der Deutschschweiz. Insgesamt fallen 140 Vollzeitstellen weg. Im November wurden zunächst 90 Entlassungen (150 Vollzeitstellen) kommuniziert, dank Sparvorschlägen der Personalkommission im Rahmen des Konsultationsverfahrens konnten die Jobs von zehn Personen gerettet werden.

Die Sparrunde begründet das Unternehmen mit starken Umsatzeinbrüchen in den Kernmärkten Entertainment und Publishing. Vor den Kündigungen beschäftigte CH Media in der Deutschschweiz 2000 Mitarbeitende.

Der CEO von CH-Media, Michael Wanner anlaesslich des Swiss Media Forum vom Donnerstag, 23. Mai 2024 im KKL in Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Michael Wanner, CEO von CH Media.Bild: keystone

Gegenüber dem Branchenportal Persönlich sagte CEO Michael Wanner: «Der Stellenabbau bei CH Media ist dringlich und für die Sicherung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens unvermeidbar.»

Ende Januar gibt CH Media zudem bekannt, die beiden Wochenzeitungen «Anzeiger Luzern» und «Stadtanzeiger Olten» einzustellen. Grund sei die ungenügende Wirtschaftlichkeit. Drei Personen werden entlassen.

ESH Médias

Ende Februar 2024 gab die Westschweizer Mediengruppe 27 Entlassungen bekannt. 6 davon betreffen die Redaktionen von ESH Médias, das unter anderem die Zeitungen «Le Nouvelliste» und «ArcInfo» herausgibt.

La nouvelle formule du journal Le Nouvelliste est photographiee dans le centre d'impression ce lundi 4 avril 2011 a Sion. Cinq journaux regionaux romands font peau neuve ce mardi. "L'Ex ...
27 Kündigungen musste ESH Médias aussprechen. Bild: KEYSTONE

Einige Wochen zuvor hatte das Unternehmen angekündigt, 40 der insgesamt 340 Stellen abbauen zu wollen, durch das Konsultationsverfahren konnte die Zahl der Entlassungen auf 27 reduziert werden. Grund für den Stellenabbau sei der rückläufige Werbemarkt für Printmedien.

Radio 1

Der Radiosender von Roger Schawinski teilt Ende Januar mit, dass er künftig auf eigene News verzichten und daher seine Nachrichtenredaktion auflösen wird. Sechs Voll- und Teilzeitangestellte verlieren ihren Job.

AVIS --- ZU ROGER SCHAWINSKI, INHABER UND MODERATOR FUER RADIO1, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES PORTRAIT ZUR VERFUEGUNG. WEITERE BILDER FINDEN SIE AUF visual.keystone-sda.ch --- Roger Schawinski, G ...
Roger Schawinski.Bild: keystone

Die Nachrichten bezieht Radio 1 fortan von CH Media, das bereits über zehn eigene und fremde Radiosender mit News beliefert. Schawinski begründet seinen Entscheid folgendermassen: «Wir konzentrieren uns auf Formate, bei denen wir einzigartig sind und uns im Gegensatz zu den News-Bulletins profilieren können: Kommentare und Interviews.»

Ringier

Am 9. Januar 2024 verkündete Ringier Medien Schweiz, sich «schlagkräftig und nachhaltig» aufstellen zu wollen, auch ein Stellenabbau sei geplant. Dieser sei unerlässlich, um die angekündigte Reduktion der Gesamtkosten um fünf Prozent zu realisieren.

Der Stellenabbau umfasste gemäss einer Medienmitteilung zunächst rund 75 Stellen aus allen Bereichen von Ringier Medien Schweiz (RMS). Nach dem Konsultationsverfahren sank die Anzahl der Kündigungen auf 55.

Ladina Heimgartner, CEO Ringier Medien Schweiz, spricht an der 25. Ausgabe des traditionellen Jahresauftakts der Schweizer Medienbranche, der Dreikoenigstagung am Mittwoch, 10. Januar 2024 in Zuerich. ...
Ringier-CEO Ladina Heimgartner.Bild: keystone

CEO Ladina Heimgartner liess sich wie folgt zitieren: «Mit der geplanten neuen Organisationsstruktur schaffen wir für RMS eine gesunde und nachhaltige wirtschaftliche Basis. Das ist zentral. Ich bedaure es sehr, dass wir dieses Ziel nicht ohne Stellenabbau erreichen können.»

Ringier und NZZ

Ebenfalls im Januar gab die Druckerei Swissprinters in Zofingen bekannt, ihren Betrieb im September 2024 einzustellen. Das Tochterunternehmen von Ringier (70 Prozent) und NZZ (30 Prozent) begründet den Schritt mit einer rückläufigen Nachfrage nach Druckprodukten, dem Verlust wichtiger Aufträge sowie anhaltend hohen Papier- und Energie­preisen. 96 Mitarbeitende verlieren in diesen Tagen ihre Stelle.

Zunächst war von 144 Kündigungen die Rede. Durch Frühpensionierungen und Weiterbeschäftigungen bei Ringier konnten die Entlassungen auf 96 Personen reduziert werden.

(rst)

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50 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Skunk42
24.09.2024 16:56registriert Februar 2022
Der Verlust hält sich für den Rest der Arbeitnehmenden in Grenzen.
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raab23@gmail.com
24.09.2024 19:05registriert Mai 2022
Gab und gibt es auch in anderen Berufen. Pferdeberufe haben seit 1900 stark gelitten. Ritter seit 1400/1500...
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Nennt mich einfach Josef
24.09.2024 18:43registriert Oktober 2016
Mein Papa war noch von der Generation, die die gedruckte Tageszeitung gelesen hat. Aber heute kostet ein Jahresabo für die NZZ Print Ausgabe unglaubliche 914 Fr pro Jahr.

Sorry, ich kann und will mir sowas nicht leisten.
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    Aprilscherz an der Schmerzgrenze – Schweizer Botschafter auf WC-Kontrolle
    Der Schweizer Botschafter im Kongo Chasper Sarott hat sich einen 1.-April-Scherz erlaubt, den man auch falsch verstehen kann. Die Reaktionen auf Twitter gehen dementsprechend in beide Richtungen.

    Mit Zug fährt der weisse Geländewagen mit dem Schweizer Fähnli vor. Auftritt Chasper Sarott, Schweizer Botschafter in der Demokratischen Republik Kongo. Nach einigem Händeschütteln macht er sich an die Arbeit. Sein Programm heute: Prüfen, ob das in der Schweiz «während dreier Wochen» ausgebildete Reinigungspersonal auf der Höhe seiner Aufgabe ist und die Botschaftertoilette ordentlich in Schuss hält. So erzählt es ein Sprecher auf Französisch in dem knapp einminütigen Videoclip, den der Botschafter auf seinem offiziellen Konto auf dem Kurznachrichtendienst X (ehemals Twitter) am Dienstag veröffentlicht hat.

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