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Gute Migranten, schlechte Migranten: Warum sich die SVP über die neue Kriminalstatistik freut

Das Bundesamt für Statistik (BFS) publiziert erstmals Zahlen zur Nationalität von Verurteilten. Die SVP frohlockt, die SP findet, diese neue Aufschlüsselung schüre nur Groll. Und Strafrechtsprofessor Martin Killias zieht bereits erste Schlüsse daraus. 



Die SVP hat bekommen, was sie will. Die Fraktion forderte in einer Motion Transparenz über die Herkunft Krimineller. Gestern gab das Bundesamt für Statistik dem Druck nach und publizierte die entsprechenden Zahlen erstmals

Es vergleicht die Zahl der im Jahr 2014 rechtskräftig Verurteilten mit der Anzahl Personen, die in der Schweiz eine Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung haben. Die folgenden Regionen belegen die vordersten Plätze: 

An anderen Ende sind diese Länder vertreten: 

Hier geht es zur vollständigen Liste. 

In absoluten Zahlen sieht die Verteilung etwas anders aus:

Bild

Bild: daten: bfs, grafik:watson

Ex-Nationalrat Hans Fehr ist froh, dass die Aufschlüsselung nach Nationen neu gemacht wird. «So kann man die Spitzenreiter in Sachen Kriminalität benennen und Massnahmen treffen», sagt er. «Zum Beispiel ausschaffen.» Die Leute wollten wissen, aus welchem Land wie viel Kriminelle kommen. «Die Statistik ist damit ein wirksames Mittel», sagt Fehr. 

Member of the Parliament and of the SVP, Hans Fehr from Zurich, holding a Swiss flag, watches the crowd during the Familienfest on the Bundesplatz square, an election event of the rightist Swiss people's party (SVP), in Bern, Switzerland, Saturday, September 10, 2011. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Hans Fehr, Ex-Nationalrat SVP. Bild: KEYSTONE

Diametral anders klingt es bei der SP: Das Volk habe die Ausschaffungsfrage abschliessend geregelt, sagt Nationalrat Cédric Wermuth. «Die Aufschlüsselung nach Nationalitäten sagt überhaupt nichts über die Entstehung krimineller Biografien aus, sondern dient nur dem unproduktiven Schüren von Ressentiments», fügt Wermuth an. 

Statistisch seien solche Vergleiche «natürlich Blödsinn», die Kriminalität sei hauptsächlich in der Bevölkerungsgruppe der jungen Männer ein Problem, die bei Migranten einen grösseren Anteil habe, als beispielsweise Pensionäre. Wermuth: «In dieser Bevölkerungsgruppe sind auch Schweizer krimineller.»

Cedric Wermuth, Nationalrat SP, spricht an der Solidaritaetsveranstaltung fuer General Electric GE Angestellte und Demonstration gegen Stellenabbau bei Alstom am Samstag, 23. Januar 2016, in Baden. Nach der Uebernahme von Alstom durch GE wurde am 13. Januar ein Stellenabbau von 1300 Angestellten bei Alstom angekuendigt. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Cédric Wermuth, Nationalrat SP. Bild: KEYSTONE

Strafrechtprofessor Martin Killias hat die neuen Zahlen analysiert und zeigt sich beeindruckt über die extremen Unterschiede der Zahlen unter den verschiedenen Nationen, wie er sagt. «Gewisse Nationen sind absolut unproblematisch, andere begehen sehr viele Straftaten.» Die Lektion, die er von der neuen Statistik lerne sei: «Migrant ist nicht gleich Migrant.» 

«Immigranten mit hohem Anteil an Gutausgebildeten und Integrierten kommen weniger in Konflikt mit dem Gesetz als solche mit tiefem Sozialstatus.»

Manuel Eisner, Universität Cambridge

Ohne dass er eine Nation nennen will, sagt er: «In den Ländern, die auf der Liste weit oben sind, dort ist der Drogenhandel ein grösseres Problem als in anderen Nationen.» Eine konstruktive Lehre daraus sei: «Künftig müssen wir besser darauf schauen, warum gewisse Nationen in die Schweiz kommen.»

ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN VOM 18. OKTOBER 2015 STELLEN WIR IHNEN AUS UNSERER PORTRAITSERIE

Martin Killias mit Pferd. Bild: KEYSTONE

Das Bundesamt für Statistik (BFS) präsentierte gestern zwar erstmals Zahlen für alle, bereits 2010 machte die «Sonntagszeitung» eine Unterscheidung der Nationen bei den Straftaten.

«Ein kausaler Zusammenhang zwischen Nationalität und straffälligem Verhalten wird [mit dieser Statistik, Anm. d. Red.] nicht belegt.»

Isabel Zoder, Bereichsleiterin Justiz und Urteile, EDI

Damals ordnete der Schweizer Kriminologieprofessor an der Universität Cambridge, Manuel Eisner, die Zahlen so ein: «Die Wahrscheinlichkeit eines Verstosses gegen das StGB hängt bei allen Gruppen – auch bei Schweizern – zuerst mit Bildung, sozialer Integration und sozialer Herkunft zusammen.»

Insofern zeige sich, dass Immigranten mit hohem Anteil an Gutausgebildeten und Integrierten weniger in Konflikt mit dem Gesetz kämen als solche mit tiefem Sozialstatus. 

BFS: «Bedürfnis der Öffentlichkeit»

Das BFS bestreitet, auf einen aktuellen politischen Vorstoss zu reagieren. Die Daten seien publiziert worden, da seitens der Öffentlichkeit ein grosses Bedürfnis festgestellt worden sei. Es habe zwar entsprechende Vorstösse im Parlament gegeben, doch das BFS sei auch von Statistikbenutzern, «also Journalisten, interessierte Mitbürger, Wissenschaftler, Studenten und Schüler», angefragt worden.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen Nationalität und straffälligem Verhalten werde aber damit nicht belegt.

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