Schweiz
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Kaniz Fatema Khan und Heiri Rohner Wislikofen

Von Lutz Fischer-Lamprecht - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4504430

Bild: wikicommons/Lutz Fischer-Lamprecht/watson/CC BY-SA 4.0

Wirbel um Frau Khan: Aargauer Gemeindeammann hat genug von Einbürgerungen

Neuer Einbürgerungsknatsch im Aargau: Der Gemeinderat der Kleingemeinde Wislikofen empfiehlt das Einbürgerungsgesuch einer 40-jährigen Bangladescherin zur Ablehnung. Die Bevölkerung kann das nicht nachvollziehen. Ein Ortsbesuch.

Pirmin Kramer / ch media



Am Stammtisch in der Wirtschaft zum Klosterstübli im aargauischen Wislikofen gab es gestern Mittag nur ein Gesprächsthema: Das Einbürgerungsgesuch der 40-jährigen Bangladescherin Kaniz Fatema Khan, die alle im Dorf Fatema nennen.

Kaniz Fatema Khan und Heiri Rohner (rechts).

Kaniz Fatema Khan und Gemeindeamman Heiri Rohner. Bild: ZVG / Sandra Ardizzone

Sie bestand den Einbürgerungstest, doch der Gemeinderat empfiehlt der Gemeindeversammlung, ihr Gesuch wegen «zu schwacher Sprachkenntnisse» und «fraglicher Integration» abzulehnen.

Wirt Daniel Schneider hat eine klare Meinung: «Der Gemeinderat sagt, sie spreche nicht gut Deutsch – das stimmt nicht. Und dass sie nicht gut integriert sein soll, stimmt auch nicht. Sie hat schon einige Feste für die Bevölkerung organisiert. Ich werde ihrer Einbürgerung zustimmen.»

«Ich frage mich, wo das Problem sein soll»

Kaniz Fatema Khan wohnt seit zehn Jahren in der 342-Seelengemeinde und arbeitet oberhalb des Dorfs als Köchin in der Maia-Stiftung Haus Goldenbühl, einer Institution für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung.

Institutionsleiter Benedikt Hebing hat kein Verständnis für die Haltung des Gemeinderates. Sie spreche zwar mit Akzent, aber die Verständigung funktioniere problemlos. Gut integriert sei sie zweifellos – sie nehme an Veranstaltungen in Wislikofen teil, unterhalte sich mit Dorfbewohnern.

Das sagt die Bevölkerung zum Fall: 

Video: AZ/Pirmin Kramer

Wenn er nicht anwesend ist, nimmt Fatima Khan die Telefonanrufe entgegen, die im Haus Goldenbühl eintreffen. Die Kritik des Gemeinderates an ihren Sprachkenntnissen kann Khan nachvollziehen, auch wenn sie sich im Dorf mit allen gut unterhalten könne. Integriert aber sei sie gut.

Sabine Meier, die in Wislikofen arbeitet, sagt: «Ich unterhalte mich mit Fatema seit fünfeinhalb Jahren auf Deutsch. Sie interessiert sich für die Schweiz, wir diskutieren über Religion, sie ist freundlich. Ich frage mich, wo das Problem sein soll.»

Der Gemeindeamman erklärt sich

Gemeindeammann Heiri Rohner (parteilos) sagte diese Woche, der Gemeinderat habe sich extrem schwergetan, eine Empfehlung abzugeben. Man könne Integration nicht messen wie die Zeit in einem Hundertmeterlauf.

Nun ergänzt er: «Sowieso finde ich es überflüssig, dass der Gemeinderat eine Empfehlung abgeben muss. Insbesondere in einer kleinen Gemeinde wie Wislikofen, in der es nur selten Einbürgerungssuche gibt, macht das keinen Sinn. Wie sollen wir die Sprachkenntnisse und die Integration fair beurteilen, wenn wir kaum Vergleichsmöglichkeiten haben? Diese Aufgabe müsste eine Kommission übernehmen, die regelmässig Gesuche prüft, oder ein ähnliches Gremium. Es gibt zwar für Gemeinderäte einen Leitfaden, aber wie dieser ausgelegt werden soll, darüber könnte man stundenlang diskutieren. Zum ersten Mal in meiner Zeit als Gemeindeammann haben wir ein Gesuch zur Ablehnung empfohlen. Frau Khan hat einige Fragen nicht verstanden beziehungsweise falsch beantwortet, ihr Wortschatz war sehr begrenzt.»

Zudem nannte sie bei der Frage nach den Nachbargemeinden Wislikofens «bei weitem nicht alle Ortschaften». Und auf die Frage, welche Veranstaltungen im Dorf stattfinden, nannte sie nur ein, zwei Beispiele.

Rohner sagt: «Mit Ausnahme eines Falles vor 30 Jahren war Wislikofen Menschen, die sich einbürgern lassen wollen, so weit ich mich erinnern kann stets wohlgesinnt. Gut möglich, dass dies auch im Falle von Frau Khan der Fall sein wird.» 

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Video: watson/Emily Engkent

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Nelson Muntz 22.11.2018 19:08
    Highlight Highlight Eine Gemeinde mit knapp 320 Einwohnern? Da waren die Glarner Bergler aber schlauer!
  • Staatsgebeutelter 22.11.2018 16:41
    Highlight Highlight Naja Aargau eben wieder einmal, mehr braucht man nicht zu schreiben.
  • DiniMueter 22.11.2018 13:21
    Highlight Highlight In die meisten Kantonen ist entweder ein Sprachdiplom vorzuzeigen, oder eine Prüfung zu bestehen um die Sprachsanforderungen zu erfühlen. Eine Beurteilung dieser Kompetenzen sollte der Gemeinderat nicht beschäftigen.
  • dorfne 22.11.2018 11:19
    Highlight Highlight Gewalttätige, fürsorgeabhängige, vorbestrafte Migranten dürfen bleiben, während diese Frau Willkür ausgesetzt ist. Dagegen begehrt mein Gerechtigkeitsgefühl auf, egal wie bei dem Erstgenannten die Rechtslage war und was der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden hat.
    • *klippklapp* 22.11.2018 12:27
      Highlight Highlight mogad lass dein Gerechtigkeitsgefühl wieder zur Ruhe kommen und denke nochmals gut nach. Du vermischt zwei Sachen. Bei dem einen geht es um Aufenthaltsrecht und bei dem anderen um Einbürgerung. Die beiden Fälle behandeln also zwei verschiedene Themengebiete.
      Es gibt keine automatische Einbürgerung für Migranten, die eine Straftat begehen ;-)
    • dorfne 22.11.2018 15:41
      Highlight Highlight @*klippklapp*. Da haben Sie Recht. Aber ob Aufenthaltsrecht oder Einbürgerung - der Kriminelle wird belohnt, die andere geplagt, nach dem Motto: eigentlich wollen wir Dich nicht.
    • Fabio74 22.11.2018 16:47
      Highlight Highlight 2 Dinge die nicht zusammen passen. Aber gegen Ausländer motzen ist ja was tolles
  • Psychonaut1934 22.11.2018 11:16
    Highlight Highlight Ich interessiere mich auch nicht was bei uns im Kaff läuft und war noch nie an einer Veranstaltung, Fest oder ähnlichem. Werde ich jetzt ausgebürgert?
    • Nelson Muntz 22.11.2018 19:11
      Highlight Highlight Du darfst bei Lauberhorn und Kitzbühel nur noch für Östricher fänen!
    • Psychonaut1934 22.11.2018 21:37
      Highlight Highlight Geht nicht. Denn, in der Nacht ist es kälter als draussen. Zudem hat es im Joghurt keine Knochen. Weshalb mein Nashorn an schweren Depressionen leidet. Und kürzlich wurde es von der SBB diskriminiert, es hatte für die Reise über 500 Hunde-Tickets gelöst, dass Zugpersonal wollte diese aber nicht akzeptieren. Ich muss mich jetzt erst um mein Nashorn kümmern. Alles andere muss warten.
  • trichie 22.11.2018 10:56
    Highlight Highlight Ganz einfache Lösung zum "Einbürgerungstest":

    Zulässig sind nur Fragen, die 90% der Schweizer aus dem Stegreif richtig beantworten können (so was kann man mit Stichproben ermitteln). Alles andere ist m.E. unsinnige Gängelei
  • kerZHakov 22.11.2018 10:39
    Highlight Highlight Nach den - oft willkürlich anmutenden - Kriterien einzelner Gemeindebehörden, würden wohl ca. 2/3 aller „Eidgenossen“ nie und nimmer eingebürgert werden! 🤔
  • alter Esel 22.11.2018 09:54
    Highlight Highlight Arbeiten: ja. Verantwortung übernehmen: ja. An Dorffesten mithelfen: ja. Soziale Kontakte im Dorf pflegen: ja. Steuern bezahlen: ja. Einbürgerung: NEIN.
    Sie sollte Fussball spielen!!!!!!!
    • dorfne 22.11.2018 15:42
      Highlight Highlight Oder im.Lotto gewinnen.
  • Chili5000 22.11.2018 09:40
    Highlight Highlight Ich dachte das Abstimmungen zur Einbürgerung nicht mehr durchgeführt werden in der Schweiz?
    • Magnum44 22.11.2018 09:51
      Highlight Highlight Doch, aber ohne Begründung kann nicht abgelehnt werden.
  • My Senf 22.11.2018 09:24
    Highlight Highlight Ja Wirbel ist wieder mal hochgegriffen!

    Der Gemeinderat wurde einfach nicht überzeugt. Die GV kann ja selber entscheiden. Alles ok!
    In der Schweiz funktioniert Demokratie halbwegs, da muss jetzt kein Wirbel drum gemacht werden
  • Lumpirr01 22.11.2018 09:23
    Highlight Highlight Ja, in diesem Fall liegt offenbar der Gemeindeamman aus dem Studenland mit seiner Meinung falsch. Er sollte sich nicht nur mit seinen Ratskollegen im Sitzungszimmer unterhalten, sondern nach draussen zur Dorfbevölkerung gehen und auf die Leute hören, die ihn als Dorfvorsteher gewählt haben.
    • Trompete 22.11.2018 09:54
      Highlight Highlight Offenbar scheinst du selbst das System nicht zu verstehen. Die Einbürgerungskommission (teilweise auch anderst benannt) muss eine Empfehlung gemäss "Merkblatt" abgeben, die Bevölkerung kann seine Meinung an der Gemeindeversammlung kundtun und letztendlich rechtlich bindend abstimmen.
    • Lumpirr01 22.11.2018 20:51
      Highlight Highlight @Trompete: Wenn die Frau mehrheitlich mit der Dorfbevölkerung erfolgreich sprechen kann, die Kommission aber zu einer gegenteiligen Meinung kommt, liegt das daran, dass es für die Beurteilung von Punkt 1c des Merkblattes Spielraum gibt.

      https://www.ag.ch/de/dvi/persoenliches_zivilstandswesen/einbuergerung/ordentliche_einbuergerung_von_auslaender_innen_im_kt_ag/ordentliche_einbuergerung_kt_ag.jsp

      Liebe Trompete, komme mal nach Dietikon ZH. Da gibt es kürzlich eingebürgerte Leute, welche nach wie vor für jeden Kontakt mit den öffentlichen Ämtern einen für sie kostenlosen Übersetzter brauchen.
  • Janis Joplin 22.11.2018 09:15
    Highlight Highlight Selbst wenn Frau Khan Aargauerdeutschstunden und Rüeblitortenbackkurse besucht, wäre das dem Herrn Gemeindeammann wohl nicht päpstlich genug...mein Gott, die Frau organisiert das halbe Dorf, arbeitet und soll nicht genug integriert sein?
    Mögen die Bürger von Wislikofen für Frau Khan stimmen!
  • Don Quijote 22.11.2018 09:14
    Highlight Highlight Hauptsache, sie weiss wo sie die PET-Flaschen recyceln muss (analog zum letzten Einbürgerungsfall im Aargau).

    Bünzlischweiz.
    • Nelson Muntz 22.11.2018 19:09
      Highlight Highlight Nun ja, recyceln ist nicht unwichtig.... oder schmeisst du deine Flaschen in den Müll oder einfach in die nächste Wiese?
  • Radesch 22.11.2018 09:06
    Highlight Highlight "Sie nannte nur ein zwei Beispiele"

    Als ich eingebürgert wurde und man angefangen hatte solche Fragen zu stellen (Seit frühester Kindheit im Dorf), habe ich einfach mit:

    "Ich weiss, dass das fürs Protokoll sein muss, aber was sollen denn diese unnötigen Fragen"

    geantwortet. Diese Fragen über die Gemeinde und lokale Veranstaltungen sind so ein Witz. Die meisten Schweizer scheren sich einen Dreck um diese... Ich hatte wirklich das Gefühl, man muss der "bessere" Schweizer sein, als die meisten Einheimischen um eingebürgert zu werden.

    Warum ist das nicht CH weit einheitlich?
  • G. Samsa 22.11.2018 08:45
    Highlight Highlight Im Zweifel für Frau Khan.
    Was muss sie denn noch tun um eingebürgert zu werden?
    Offensichtlich ist zumindest ein Teil der Gemeinde der Ansicht dass die Dame eingebürgert werden soll, was ein schönes Zeichen ist.
    Ich hoffe dass sich die Geschichte zu Gunsten von Frau Khan entwickelt.
  • Pascal1917 22.11.2018 08:42
    Highlight Highlight Ich finde die Art und Weise wie solche Einbürgerungen ablaufen einfach nur lächerlich. Dass Sprachkenntnisse verlangt werden und ein wenig Staatskunde ist gut und recht.

    Aber Nachbargemeinden kennen, Dorffeste aufzählen können oder auch „Integration“ ist doch völlig irrelevant ob jemand ein guter Staatsbürger/in sein kann/wird...

    Ich (CH-Bürger) würde wahrscheinlich auch abgelehnt.
  • Barracuda 22.11.2018 08:41
    Highlight Highlight "Der Gemeindeammann hat genug von Einbürgerungen" ist schon ziemlich tendenziös und irreführend. Wie alle anderen hier kann ich die Deutschkenntnisse der Dame nicht beurteilen. Aber ein gutes Deutsch ist für mich ohne Frage ein absolutes Muss. Und wenn sogar die Gesuchstellerin die Kritik nachvollziehen kann, dann ist da sicherlich etwas dran. Ausserdem ist es das allererste mal, dass ein Gesuch nicht bewilligt wurde. Was soll also der Aufschrei und die künstliche Empörung?
    • Fabio74 22.11.2018 16:54
      Highlight Highlight Bei einem.Kaff mit 3 Einwohnern überspitzt
  • Skater88 22.11.2018 08:21
    Highlight Highlight "Sie ist integriert und nimmt an Festen im. Dorf Teil". Das mach ja nicht mal ich als Schweizer...

    Da sollte wohl eher die Motivation zur Arbeit als Kriterium eingeführt werden. Und die Arbeit hat sie ja.
    • Qui-Gon 22.11.2018 10:13
      Highlight Highlight Das ist das Problem der Einbürgerungen auf Gemeindeebene. In kleinen Dörfern wird so von den Kandidaten mehr erwartet als von jedem Schweizer.
    • Nelson Muntz 22.11.2018 19:13
      Highlight Highlight Und wenn ein Ausländer Namen und Tarife vom lokalen Füdlispunten aufzählt, ist er dann des Passes würdig?

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