Schweiz
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Wechsel zum Zivildienst soll erschwert werden



Wer nach Beginn der Rekrutenschule oder noch später in den Zivildienst wechselt, soll sich nur noch die Hälfte der bereits geleisteten Diensttage anrechnen lassen können. Der Nationalrat hat am Donnerstag eine Motion angenommen, gegen den Willen der Ratslinken.

Heute dauert der Zivildienst anderthalb Mal so lange wie der Militärdienst. Bereits geleistete Militärdiensttage werden jedoch angerechnet. Mit der neuen Regelung müssten Zivildienstleistende – je nach Zeitpunkt des Wechsels – erheblich länger Dienst leisten. Die noch zu leistenden Diensttage würden nämlich weiterhin mit dem Faktor 1,5 multipliziert.

Die Befürworter versprechen sich davon weniger Zivildienstgesuche. Heute erfolge der Wechsel in den Zivildienst oft aus Gründen des persönlichen Komforts, nicht wegen eines Gewissenskonflikts, sagten sie. So sei das System aber nicht gedacht.

Konkretes Beispiel

Wechselt ein Rekrut nach der Hälfte der RS – nach 64 Tagen – zum Zivildienst, könnte er sich lediglich 32 Tage anrechnen lassen. 228 der 260 insgesamt zu leistenden Militärdiensttage wären damit noch offen. Multipliziert mit dem Faktor 1,5, ergibt das 342 Tage Zivildienst und eine Gesamtdienstzeit von 406 Tagen.

Bestände der Armee sichern

Walter Müller (FDP/SG) wies auf die steigenden Zivildienstgesuche seit der Abschaffung der Gewissensprüfung hin. Zwischenzeitlich seien die Zahlen zwar wieder gesunken, doch nun würden erneut Höchstzahlen erreicht.

Die Abgänge nach Beginn der RS und nach deren Abschluss seien «besonders gravierend». Die Ausbildungskosten seien in diesen Fällen nutzlos. So werde die Wehrpflicht «auf kaltem Weg» abgeschafft, kritisierte Müller. Damit die Armee ihren verfassungsmässigen Auftrag erfüllen könne, müssten die Bestände der Armee gesichert werden.

Unangebrachte Bestrafung

Die Gegner aus den Reihen der SP und der Grünen argumentierten, eine solche Bestrafung von Zivildienstleistenden sei unangebracht und inakzeptabel. Junge Menschen, die einen sinnvollen Dienst zugunsten der Gesellschaft leisten möchten, sollten nicht davon abgehalten werden, sagte Pierre-Alain Fridez (SP/JU).

Chantal Galladé (SP/ZH) wollte von den Befürwortern wissen, warum sie sich nicht für eine attraktivere Armee einsetzten. Cédric Wermuth (SP/AG) kritisierte, dass die patriotische Moral der Zivildienstleistenden infrage gestellt werde. Auch Balthasar Glättli (Grüne/ZH) fragte, ob der Zivildienst denn nicht als sinnvoller Dienst betrachtet werde.

Bundesrat: «Unverhältnismässig»

Gegen die Motion stellte sich auch der Bundesrat. Diese ist aus seiner Sicht zwar «geeignet, die Anzahl Gesuche und Zulassungen ab Beginn der RS zu senken». Je länger jemand Militärdienst geleistet habe, desto unwahrscheinlicher werde ein Umteilungsgesuch. Doch wäre damit zu rechnen, dass weniger Männer einen Dienst leisten würden. Das würde die Wehrgerechtigkeit schwächen.

Zudem kritisiert der Bundesrat das Ausmass der Verlängerung und die damit verbundene Ungleichbehandlung der Zivildienstleistenden. Diese hätten den Charakter einer unverhältnismässigen Sanktion und wären nicht mit dem Rechtsgleichheitsgebot vereinbar, schrieb er in seiner Antwort auf den Vorstoss.

Massnahmen geplant

Bundesrat Johann Schneider-Ammann verwies ausserdem auf bereits ergriffene Massnahmen. Weitere seien für den Herbst geplant. Heute sei es «etwas zu einfach», im Zivildienst Unterschlupf zu finden. Das Wirtschafts- und das Verteidigungsdepartement wird laut der schriftlichen Antwort des Bundesrates auch eine Massnahme prüfen, welche in dieselbe Richtung geht wie die Motion, aber die Verhältnismässigkeit besser berücksichtigt.

Der Nationalrat nahm die Motion dennoch an, mit 110 zu 66 Stimmen bei 6 Enthaltungen. Der Vorstoss geht nun an den Ständerat. (whr/sda)

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