Schweiz
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Kommentar

Warum die Bürgerlichen das Velo überall fördern müssen 

Das Stimmvolk hat sich in die Verfassung geschrieben, das Velo als Fortbewegungsmittel zu fördern. Das ist gut, reicht aber nicht. Jetzt sind die Bürgerlichen gefragt, überall! 



Von Eddy Merckx stammt das schöne Zitat: «Fahre so viel oder so wenig, wie du magst. Fahre so lange Strecken oder so kurze, wie du magst. Aber fahr!» 

Es ist ein romantisches Zitat, aber es ist in politischer Hinsicht  falsch.

Für den belgischen Radstar der sechziger und siebziger Jahre war die Parole natürlich leicht umzusetzen. Merckx' Heimatgemeinde war ein flandrisches Land-Kaff von 10'000 Einwohnern, ideal für Aus- und Trainingsfahrten, egal ob lange oder kurze.

Anders sieht das für den zeitgenössischen Velofahrer in Schweizer Städten und Agglomerationen aus. Die Bevölkerungs- und damit auch die Verkehrsdichte ist ungleich grösser, und abseits der rotgrün-verkehrsberuhigten Kern-Innenstädte ist es weder um Platz noch Rücksichtnahme durch die motorisierten Verkehrsteilnehmer rosig bestellt. 

Umfassender Masterplan Velo

Wer nun denkt, der heute angenommene Bundesbeschluss ändere daran signifikant etwas, liegt falsch. Der Bund ist nicht verpflichtet, die Kantone und Gemeinden beim Bau neuer Velowege zu unterstützen oder diesen voranzutreiben, er kann sie lediglich unterstützen.  

Der Weg zur Arbeit von Bachenbülach an den Stauffacher oder von Arlesheim an den Aeschenplatz wird deshalb in absehbarer Zeit für die Velo-Pendlerinnen und -Pendler nicht angenehmer, denn letztlich scheitert der Ausbau des Velowegnetzes immer am Geld, das von bürgerlichen Mehrheiten abgeklemmt wird. Und wenn das Geld nicht das bürgerliche Argument gegen den Veloweg ist, dann der Parkplatz, der weichen muss. 

Der Bundesbeschluss wird den Ausbau der Velowege dort beschleunigen, wo der politische Konsens dazu schon vorhanden ist. Ansonsten nicht. 

Wenn es der Bund nun nicht selbst machen darf, müssen andere alle Anstrengungen unterstützen, die Schweiz zum Velo-Land auszubauen. Städte- und Raumplanung, Tourismus- und Präventionsverbände, Think-Thanks, Arbeitgeber, Medien und speziell die bürgerliche Politik sind permanent gefordert, die Velo-Infrastruktur umfassend auszubauen, bis hin zur Duschen-Pflicht im Büro, Veloraum-Pflicht im Hotel und sommerlicher Bikepark-Subvention überall, wo Bergbahnen, Ski- oder Sessellifte stehen. 

Weniger Kosten, mehr Umsatz

Die Schweiz kann so drei fette Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Die Stauzeiten, Unfallzahlen und Luftbelastungswerte auf dem Weg in die Städte und aus ihnen heraus werden massiv verringert, wenn es angenehm ist, mit dem Velo zu pendeln. 

Einer der künftigen Haupt-Todesursachen in Industrieländern, dem fettbedingten Diabetes Typ II, kann ebenso breit entgegengewirkt werden wie der Herzinfarkt-Rate, die mit zunehmender Bewegung ebenfalls erwiesenermassen sinkt. Das Einsparungspotential im Gesundheitswesen ist enorm. 

Und der vom teuren Franken, zunehmend ausbleibendem Schnee und gastfreundlicheren Österreichern gebeutelte Schweizer Alpin-Tourismus könnte mit Einrichtung von familienfreundlichen Bikeparks in der Sommersaison bald mehr Umsatz machen als im Winter. Whistler Mountain in Kanada oder die Churer Bergbahnen am Brambrüesch machen es vor.

Weniger Stau, geringere Kosten, mehr Umsatz.

«Fahre, so oft du kannst»

Auch die bürgerliche Politik sollte diese bürgerlichen Kernanliegen künftig fördern, damit das romantische, aber falsche Zitat von Eddy Merckx in einen breit abgestützten politischen Imperativ verwandeln: 

«Fahre so oft und so weit, wie du kannst! »

Durchfahrt bei Rot für Velofahrer in Zürich

abspielen

Video: srf

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    Alle Leser-Kommentare
  • ujay 24.09.2018 06:54
    Highlight Highlight Alles Blödsinn. Ich bin in den 1970er Jahren mit dem Velo täglich von Dietikon nach Zürich Herdern zur Arbeit gefahren. Jahrelang und ganzjährig. Kein Problem. Ein Problem ist jedoch die Anspruchshaltung der heutigen Velofahrer. Was kommt als Nächstes? Überdachte Radwege, heizbar im Winter und vom Bund gefördert?
    • Ritiker K. 24.09.2018 14:53
      Highlight Highlight Gerade von einem erfahrenen Velofahrer erwarte ich eigentlich einen (Velo-) Horizont, der auch erfasst, dass es weniger geübte Fahrradfahrende gibt, welche eine bessere Infrastruktur wie Velostreifen, Velowege oder wie die in Bern sich im Test befindlichen Velostrassen braucht, um sie dazu zu bewegen das Fahrrad mehr zu gebrauchen.
    • ujay 24.09.2018 17:48
      Highlight Highlight @Ritiker. Nein. Wer Velofahren will, der kann. Mit dem Vergolden der Infrastruktur gibt es kaum mehr"Fahrradfahrende", das scheint mir eher ein Hobby der heutigen Politik zu sein, denn ein grundlegendes Problem.
    • Ritiker K. 24.09.2018 18:53
      Highlight Highlight Wie geschrieben, es gibt Leute denen fehlt der Horizont, dass es auch weniger geübte Fahrradfahrende gibt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DocShi 23.09.2018 23:12
    Highlight Highlight Zitat :
    Einer der künftigen Haupt-Todesursachen in Industrieländern, dem fettbedingten Diabetes Typ II, kann ebenso breit entgegengewirkt werden wie der Herzinfarkt-Rate, die mit zunehmender Bewegung ebenfalls erwiesenermassen sinkt. Das Einsparungspotential im Gesundheitswesen ist enorm.

    Lol
    Also nichts dagegen dass das Velonetz ausgebaut wird aber dieses Argument ist lächerlich. Diejenigen die unter den genannten gesundheitlichen Problemen leiden werden sich kein bisschen mehr bewegen bloss weil das Velofahren besser wird.

    Wie gesagt, bin dafür, aber realistisch bleiben.
  • Sir Konterbier 23.09.2018 23:02
    Highlight Highlight Es werden hier die bürgerlichen kritisiert, die in den Städten das Geld abklemmen. Achja und wer regiert in den meisten Städten? (also hier wurde Beispielsweise Zürich als Beispiel genannt).


    Bei Veloraum/Duschen-Pflicht etc. stehen mir die Haare zu Berge, muss man hier noch erklären, dass das weder auch nur ansatzweise Mehrheitsfähig, geschweige denn effizient umsetzbar wäre?

    Ich habe auch überzeugt ein JA eingelegt, erhoffe mir auch mehr Fortschritte für Velowege, aber Ursache und mögliche Lösungen wurden meiner Meinung nach komplett falsch erörtert!
    • Magnum 24.09.2018 00:57
      Highlight Highlight 1. Mit Ausnahme von Basel und Genf redet allen linksgrünen Stadtregierungen ein Kanton rein. In Zürich ziemlich derbe.
      2. Duschen und Veloraum hatte ich schon vor 22 Jahren zur Verfügung. Oh, war in den Niederlanden und nicht in der Schweiz, sorry.

      Wer von Anfang die Ambitionen auf Sparflamme schraubt, wird gar nichts erreichen. Think big und Druck aufsetzen. Denn so wie bisher endet das alles im Permastau mit verpesteter Luft.

      PS: Mehr Homeoffice und flexible Arbeitszeiten wären weitere probate Methoden, um Stauspitzen zu brechen.
    • Ritiker K. 24.09.2018 14:58
      Highlight Highlight Einige Städte im Kanton Bern haben massive Verluste bei den Steuereinnahmen, weil der bürgerlich dominierte Regierungsrat mit dem bürgerlich dominierten grossen Rat zusammen die Unternehmenssteuern senken. So klemmt der Kantone den Städten das Geld ab. Die Unternehmenssteuerreform auf Bundesebene wird einigen Städten auch massive Verluste in den Steuereinnahmen bringen.
    • Sir Konterbier 24.09.2018 16:10
      Highlight Highlight Es ist nicht zwingend so, dass wenn man die Steuern für Unternehmen senkt, man zwingend weniger Steuereinnahmen hat!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ritiker K. 23.09.2018 22:36
    Highlight Highlight Die Partei, welche sich als Gralshüterin des Volkswillens sieht, kann nun beweisen, dass dies nicht nur Lippenbekenntnisse sind. Ich bin gespannt.
  • Ohniznachtisbett 23.09.2018 17:40
    Highlight Highlight Trotzallem: Es ist zwar gut und gesund mit dem Velo zur Arbeit. Es ist aber, insbesondere im Winter nicht massentauglich. Auch wenn kein Schnee liegt. Dunkelheit, Kälte und vereiste Strassen schreckt viele - auch mich - ab.
    • loquito 23.09.2018 19:16
      Highlight Highlight Vereiste Strassen? Lebst du in St Moritz oder Adelboden? In Bern wir gesalzen und 1-2Tage später kann wieder geradelt werden. Handschuhe muss man sich aber schon kaufen, da hast du recht
    • kobL 23.09.2018 20:17
      Highlight Highlight Es wäre Massentauglich, wenn der Schnee auch auf der Veloinfrakstruktur geräumt werden würde. Und zwar auch schon am morgen früh und nicht erst zwei Tage später. Die Stadt St.Gallen ist darin super schlecht: der Schnee wird auf die Velostreifen und Troittoirs geschoben und bleibt da bis er schmilzt. Hauptsache der MIV hat eine schwarz geräumte Bahn. Der fällt ja auch so leicht um 🤦
    • p4trick 24.09.2018 06:09
      Highlight Highlight Ich fahre regelmässig mit 45er Stromvelo zur Arbeit nach Zürich 30km ein Weg. Es gibt Winterreifen auch für diese Räder und die Tage die wirklich Schnee oder Eis auf den Strassen sind kannst du an einer Hand abzählen. Und gute Beleuchtung und eine Leuchtweste und Leucht Überzieher für die Schuhe sind fast schon Pflicht in der Dämmerung. Und auch sind die Temperaturen selten unter 0
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sapientia et Virtus 23.09.2018 17:33
    Highlight Highlight Duschen-Pflicht im Büro? Wer soll das bezahlen? So werden unsere Kunden kaputtgemacht!
    • real donald trump 24.09.2018 19:44
      Highlight Highlight Hunderte Mio. würden da verloren gehen, schon klar wird die A-Post 10 Rappen teurer. #ironie
  • Kimelik 23.09.2018 17:15
    Highlight Highlight Ich habe etwas andere Erfahrungen gemacht. Bis und mit Agglo ists schön und dann wirds gefährlich... Für Velo, Fussgänger und auch Autos.
    • loquito 23.09.2018 19:17
      Highlight Highlight Gibts beineuch keine Lichter und Leuchtwesten? Oder wie muss ich das verstehen?
    • dä dingsbums 23.09.2018 23:33
      Highlight Highlight loquito: Da wo der Platz knapp ist wird es gefährlich.

      Ich werde jeden Tag mit viel zu wenig Abstand von Autos überholt die dann 50m weiter am Rotlich warten müssen, muss Fussgängern ausweichen die nur aufs Handy starren statt auf die Strasse und muss auf Velos aufpassen, die zu cool sind um anzeigen, wenn sie abbiegen möchten, etc.

      Da nützt mir weder das Licht noch eine Leuchtweste etwas.
    • Tschüse Üse 24.09.2018 21:20
      Highlight Highlight @ dä dingsbums, für Autofahrer ists auch nicht einfacher. Das Fehlverhalten von Velofahrern in der Stadt Zùrich ist teilweise fast schon fahrlässig. Rotlicht überfahren, schlangenlinien fahren, kaum vorrausschauen und und und.

      Ausserdem ists mit der Entwicklung des E-Bikes nicht einfacher geworden, die Geschwindigkeit eines Velos einzuschätzen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ass 23.09.2018 17:14
    Highlight Highlight Spielt keine Rolle ob es einen Veloweg gibt oder nicht. Der Velofahrer nutzt den Weg den er will. Gesetztesverstösse werden sowieso nicht geandet.
    • EvilBetty 23.09.2018 17:38
      Highlight Highlight Bin kein Velofahrer, aber es gibt keine Pflicht denn Veloweg zu benutzen.
    • LarsBoom 23.09.2018 18:43
      Highlight Highlight Es steht sogar im Strassenverkehrsgesetz.

      Ps. Von Tieren darf man sich auch nicht ziehen lassen 😂
      Benutzer Bild
    • Natürlich 23.09.2018 19:22
      Highlight Highlight @LarsBoom
      Anscheinend haben viele Velofahrer keine Ahnung von der Gesetzgebung wenn man sich das Herz/Blitz Verhältnis bei EvilBetty ansieht
      Krass eigentlich...
    Weitere Antworten anzeigen
  • dä dingsbums 23.09.2018 17:04
    Highlight Highlight "abseits der rotgrün-verkehrsberuhigten Kern-Innenstädte ist es weder um Platz noch Rücksichtnahme durch die motorisierten Verkehrsteilnehmer rosig bestellt."

    Bitte? Es ist doch vor allem in den Städten wo Handlungsbedarf besteht!

    Um gleich das Beispiel aus dem Artikel zu nehmen: Von Bachenbülach bis an die Stadgrenze geht es mit dem Velo wunderbar. Bis nach Oerlikon eigentlich auch, aber weiter in die "rotgrün-blabla" Stadt wirds kompliziert und abenteuerlich.
    • Maragia 23.09.2018 17:29
      Highlight Highlight Oder von Winti nach Zürich, alles gut bis man in Brüttisellen ankommt...
    • Magnum 24.09.2018 01:02
      Highlight Highlight In Brüttisellen bzw Bassersdorf strandet man als Radler an Velo-Fahrverboten, sich auflösenden Radstreifen und anderen Spässen. Echt unvorstellbar schlecht, bin da dieses Frühjahr auch rumgeirrt. Schon zuvor ist die Signalisierung auf Schritttempo und nicht auf 30km/h ausgelegt - ein weiterer, schlechter Witz. Tipp: Ausweichen in Rtg Dübendorf und via Schwamendingen nach Zürich rein.
    • AllknowingP 24.09.2018 07:42
      Highlight Highlight Also für mich ist eine Velofahrt Von Oerlikon bis zum HB weder abenteuerlich, noch kompliziert. Ich weiss ja nicht was dir fehlt, aber Strasse hats da...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Quecksalber 23.09.2018 16:34
    Highlight Highlight Als erstes müssten die Planer verpflichtet werden auf ihren eigenen Velowegen Velo zu fahren. Das würde schon helfen. Unglaublich wie auch ganz neue Wege gebaut werden. Z.B. die Route St. Jakob zum Bahnhof SBB in Basel.
    • Rissle 23.09.2018 17:24
      Highlight Highlight Danke. An meinem Wohnort werden Velowege auch hauptsächlich entweder als Rechtsüberhohl-Fahrspur von Autos oder verbreiterte Spazierwege von Fussgängern benutzt. Und ja! Ich wären sehr gerne bereit, etwas für anständige Velowege zu bezahlen.
  • Donald 23.09.2018 16:27
    Highlight Highlight Macht alles Sinn, in einem Land mit keinem Schnee und wenig Regen. Wir müssen aber trotzdem eine Infrastrukur aufrechterhalten, die an Schlechtwettertagen den ganzen Mobilitätsbedarf abdecken kann.
    • Turrdy 23.09.2018 17:14
      Highlight Highlight Überdachte Velowege? So mit Fotovoltaik-Panels?
    • Oban 23.09.2018 17:25
      Highlight Highlight Im Amsterdam beispielsweise Regnet es im Sommer an 16 Tagen im Monat. Wenn man zum Central Bahnhof geht sieht man Tausende Fahrräder auf denn Fahradparkplätzen. Regen hält eingefleischte nicht davon ab zu fahren und gerade in der Stadt kann ein gut ausgebautes Netz wunder wirken.
    • EvilBetty 23.09.2018 17:40
      Highlight Highlight Vielleicht stehen die Velos dann auch 16 Tage da 😂
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