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Daniele Ganser hat eine grosse Fan-Gemeinde. screenshot: srf

Das Netzwerk des Daniele Ganser

Für viele gilt er als Verschwörungstheoretiker. Nach der missglückten «Arena» outen sich seine prominenten Unterstützer.

sarah serafini / schweiz am wochenende



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Der Basler Historiker Daniele Ganser polarisiert. Für die einen ist er ein Held, der vermeintlich Geklärtes kritisch hinterfragt. Bei den anderen gilt er als Verbreiter von Verschwörungstheorien.

Ganser selbst bezeichnet sich als Friedensforscher, der verdeckte Kriegsführung untersucht. Er bezweifelt, dass sich die Anschläge vom 11. September 2001 so abgespielt haben, wie es die Bush-Regierung behauptet. Er findet, das Attentat auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» sei ungeklärt. Beim Ukrainekonflikt könne es sein, dass die USA einen Stellvertreterkrieg führen. Beim Absturz des Malaysia-AirlinesFlugs MH17 über der Ukraine sei es möglich, dass es sich um eine Operation unter falscher Flagge handle, sagt er.

Die meisten Politiker, Wissenschafter und Journalisten schütteln den Kopf ob dieser Thesen. Doch nicht alle. Nach der SRF Sendung «Arena» in der Ganser als Verschwörungstheoretiker vorgeführt wurde, ist eine hitzige Diskussion um seine Person entbrannt. Nun erhält er mit seinen fragwürdigen Positionen Unterstützung von Persönlichkeiten, die bis in die höchsten politischen Ämter tätig sind.

Lob von Promis

Der Basler SP-Nationalrat Beat Jans sagt: «Ich finde Gansers Buch über die europäische Ölpolitik grossartig.» Jans kennt die Vorwürfe, Ganser würde Verschwörungstheorien verbreiten. Er habe sich aber ein eigenes Bild machen wollen und im Internet einige von Gansers Vorträgen über illegale Kriege geschaut. Er sagt: «Ganser stellt zwar unangenehme Fragen, bleibt aber transparent, was die Quellen angeht, und argumentiert wissenschaftlich.» Auch Grünen-Politiker Geri Müller ist auf Gansers Seite: «Er forscht seit Jahren über die Hintergründe von Kriegen, die aufgrund von Fake-News ausgelöst wurden.» Er teile Gansers Zweifel an der offiziellen Version zu den Terroranschlägen 9/11.

Ebenfalls outet sich PR-Berater Klaus J. Stöhlker: «Ganser ist ein gescheiter Mann, der seine Dossiers gut recherchiert. Ich kann ihm nirgends widersprechen.» Laut Stöhlker gebe es bei «9/11» viele offene Fragen und auch das Attentat auf den ehemaligen amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy sei für ihn ungeklärt. In Wissenschaftskreisen erhält Ganser ebenfalls Zuspruch. Darunter von Marc Chesney, Direktor Institut für Banking und Finance der Uni Zürich, oder Rolf Wüstenhagen, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Ökologie an der Uni St. Gallen, und Albert A. Stahel, Wirtschaftswissenschafter und Strategieexperte. Zuletzt gibt es auch aus der Kulturszene Stimmen, die Ganser beipflichten.

So fragt sich der Liedermacher Linard Bardill: «Warum fällt das World-Trade-Center-7-Gebäude in sich zusammen wie nach einer gezielten Sprengung?»

Die Unterstützung für Ganser rührt auch daher, dass viele Zuschauer der Sendung «Arena» den Angriff von SRF-Moderator Jonas Projer als unfair empfinden. Sogar renommierte Journalisten solidarisierten sich danach mit Ganser. So schrieb Jan Flückiger, Bundeshausredaktor der «NZZ», nach der Sendung auf Twitter: «Unschön, wenn Leute, die Kritik an offizieller Version von WTC7 ausüben, pauschal als Verschwörungstheoretiker diffamiert werden.» Der Untersuchungsbericht zu «9/11» lässt laut Flückiger einige Fragen offen. Als seine Aussagen kritisiert wurden, auch von Journalisten-Kollegen, krebste Flückiger bezüglich der «offenen Fragen» zurück und erklärte, er habe sich auf schlechte Quellen gestützt.

Ganser sagt, er habe noch nie so viel Zuspruch erhalten, wie in den letzten Tagen. «Meine Mailbox ist voll mit Hunderten Nachrichten von Menschen, die mir Mut machen. Auch auf meiner Facebook-Seite erhalte ich tollen Support, was mich von Herzen freut», sagt er. Seine Unterstützer seien Leute, die seine Bücher lesen, seine Videos schauen und an seine Vorträge kämen. Sein aktuelles Buch «Illegale Kriege», erscheint bereits in der sechsten Auflage. Seine Youtube-Videos werden bis zu über hunderttausendmal angeklickt. Seine Vorträge im In- und Ausland sind oft bis auf den letzten Platz besetzt.

Viele haben sich abgewendet

Vielleicht liegt es am postfaktischen Zeitalter, dass Ganser viele Gläubige für seine Theorien zu gewinnen vermag. Vielleicht aber auch daran, dass er nicht dem klassischen Bild eines Verschwörungstheoretikers entspricht. Auf den ersten Blick ist er als solcher nicht erkennbar. Er wirkt unaufgeregt und professionell. Bei seinen Auftritten spricht er eloquent.

Doch es gibt auch viele, die sich von Ganser abgewendet haben. Damals noch Berner Grünen-Nationalrat, sprach sich Alec von Graffenried 2011 auf der Homepage «911untersuchen.ch» dafür aus, «Licht ins Dunkel» zu bringen. Heute, als frisch gewählter Berner Stadtpräsident, differenziert er: «Diese Fragen sind für mich nicht mehr aktuell.» Ganser bewege sich in eine seltsame Richtung. Wenn an seinen Theorien tatsächlich etwas dran wäre, dann hätte man das längst aufgegriffen. Ähnlich sieht es der Berner GLP-Nationalrat Jürg Grossen: «Ganser hat sich neben dem Peak-Oil-Thema auch an fragwürdigen Theorien festgebissen. Er driftet in eine extreme Richtung.»

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