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ARCHIV - ZUR STRAFANZEIGE DES BUNDESAMTES FUER VERKEHR GEGEN POSTAUTO, AM MITTWOCH, 14. FEBRUAR 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDE ARCHIVBILDER ZUR VERFUEGUNG ---- Die PostAuto Station beim Berner Hauptbahnhof am Mittwoch, 18. Mai 2016, in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Bild: KEYSTONE

Postauto-Skandal geht in die nächste Runde: Jetzt wird gegen Revisionsfirma KPMG ermittelt

Die eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde eröffnet ein Verfahren gegen die KPMG – wie schon wegen der Fifa.

Andreas Maurer und Lorenz Honegger / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Das Bundesamt für Verkehr löste mit seiner Strafanzeige in der Postauto-Affäre ein Getöse aus. Im Stillen ist gleichzeitig eine andere Behörde aktiv geworden. Unabhängig von der Strafanzeige hat die eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) ein Verfahren gegen die Firma KPMG eröffnet, welche seit zwanzig Jahren die Rechnung der Post prüft. RAB-Direktor Frank Schneider bestätigt auf Anfrage: «Wir klären die Rolle der externen Revisionsstelle ab.»

Wenn die Behörde eine Pflichtverletzung feststellt, kann sie eine Verfügung erlassen. Diese könnte von der KPMG beim Bundesverwaltungs- und Bundesgericht angefochten werden. Die RAB ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes, die unabhängig von der Verwaltung ist.

Die KPMG hat bisher jegliche Verantwortung von sich gewiesen. Denn sie sei nicht für die Prüfung interner Verrechnungen zuständig gewesen, sondern nur für die externe Jahresrechnung. Die KPMG schiebt den schwarzen Peter dem Bundesamt für Verkehr zu, das alleine für die Aufsicht über Subventionsgelder verantwortlich sei. Dieses erwidert, es erwarte auch von externen Revisoren, dass sie die relevanten Gesetze kennen würden.

Die Wirtschaftsprüfer werden für ihre Arbeit mit Millionen entschädigt. Die Post baute zur KPMG ein enges Verhältnis auf und vergab ihr Jahr für Jahr den lukrativen Auftrag erneut. Wie kritisch hätte die KPMG ihre Prüfungen erledigen sollen? Das untersucht nun die Kontrollbehörde.

Die RAB kann sich dabei auf die Vorarbeit verlassen. Aufgedeckt wurde der Skandal von Pascal Stirnimann, der die Revision des Bundesamts für Verkehr leitet. Zuvor hatte er Karriere bei der RAB gemacht, wo er sich vom Mitarbeiter zum Geschäftsleitungsmitglied hochdiente.

Aufruhr unter Revisoren

Dass nun nicht nur die Manager von Post und Postauto ins Visier von Ermittlungen geraten, sorgt in der Revisionsbranche für Unruhe. Ein hochrangiger Wirtschaftsprüfer einer anderen Firma teilt die Einschätzung, dass er und seine Berufskollegen nicht für Umbuchungen zur Verantwortung gezogen werden könnten. Der Insider schiebt die Schuld an ein weiteres Gremium weiter: Der interne Prüfungsausschuss der Post, zu dem Konzernchefin Susanne Ruoff gehört, wurde 2013 von der internen Revision auf unzulässige Umbuchungen aufmerksam gemacht. Dieser habe es unterlassen, der KPMG darauf einen zusätzlichen Prüfungsauftrag zu erteilen. Damit hätte die Firma auch zusätzlich Geld verdient.

Die Aufsicht hat die KPMG schon mehrmals gerügt. Zuletzt vor vier Monaten. Die Firma, die sich selber als grösste Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Europas bezeichnet, segnete jahrzehntelang die Bücher der Fifa ab. Dass sich hinter den Zahlen korrupte Geschäfte verbergen, nahm die KPMG zu wenig ernst. Die RAB eröffnete ein Verfahren. Vor vier Monaten teilte sie mit, sie habe Prüfungsmängel festgestellt. Dem verantwortlichen KPMG-Mitarbeiter habe sie einen schriftlichen Verweis erteilt. Dieser entspricht einer Verwarnung und ist rechtskräftig. Was für Mängel die Aufsichtsbehörde festgestellt hat, behält sie aber für sich.

Die Kontrollbehörde hat Züge einer Geheimjustiz. Sie weiss, dass sie relevante Verfügungen eigentlich veröffentlichen müsste. Auf ihrer Website hat sie deshalb eine entsprechende Rubrik eingerichtet. Doch diese ist leer. Auch der Inhalt von Verfügungen wie jener gegen die Fifa geht aus Sicht der Kontrolleure die Öffentlichkeit nichts an. Der Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte stellte kürzlich fest, dass die Behörde einem Journalisten teilweise Einsicht gewähren müsste. Doch diese weigert sich weiterhin. Auf Anfrage weigert sie sich sogar, ihre Verweigerungshaltung zu erklären. Sie verhält sich wie die Branche, die sie überprüft: Sie agiert vorzugsweise im Stillen.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dompteuse 17.02.2018 23:18
    Highlight Highlight Wir hatten auch einige Jahre die KPMG an der Backe. Einige sehr arrogante Mitarbeiter und total überteuerte Abrechnungen. Ein ehemaliger KPMG- Mitarbeiter hat mir dann gesteckt, dass die Rechnungen an den Kunden nach dem Gewicht des kopierten Papiers, dem erzielten Gewinn und der aktuellen Liquidität berechnet wird.
    5 5 Melden
  • äti 17.02.2018 22:49
    Highlight Highlight KPMG, interessant aber wundern tut es nicht. Höchstens, erst jetzt?
    5 3 Melden
  • Typu 17.02.2018 21:51
    Highlight Highlight Habe selbst in der Internen Revision einer nahmhaften Unternehmung gearbeitet. Man stellt so einiges fest. Vieles wird aber unter den Teppich gekehrt oder verharmlost. Interne Politik. Ein riesen Schwindel das Ganze.
    16 2 Melden
  • bintang 17.02.2018 18:50
    Highlight Highlight Interessant auch die Verhaltensregeln (Blick) an die Mitarbeiter, falls plötzlich die Stawa vor der Türe steht. Moch wundert es, dass die Hausdurchsuchung nicht schon lange durchgeführt wurde. Die haben jetzt alle Zeit der Welt die relevanten Unterlagen verschwinden zu lassen.
    14 3 Melden
  • G. Schmidt 17.02.2018 17:00
    Highlight Highlight 20 Jahre lang ist KPMG Prüfer der Postauto AG.

    Und erst jetzt kommt die Frage nach der Prüfung von Subventionszahlungen.

    Würde mich wundern wie dies bei anderen Staatsbetrieben (SBB, Swisscom, SRG...) überprüft wird.

    Der Schweizer Markt wird hier krass verzerrt!
    25 3 Melden
  • bintang 17.02.2018 15:50
    Highlight Highlight Wer führte dieses Geschäftsmodell ein -> Ex Finanzchef und heutiger CEO von der AKB

    Wer verlangte 3% Gewinn von einem zu 85% im subventionierten Geschäftsfeld tätigen Betrieb?

    Wusste CEO Ruoff von den Machenschaften? Anscheinend ja, gemäss Sitzungsprotokoll.

    Wusste Schwaller von diesem Treiben? Anscheinend ja!

    Wenn sich schon der normale Angestellte fragt, wie Postauto Gewinn schreiben konnte, fragte sich KPMG nicht auch, wie sich der Gewinn in einem derart rechtlich genaustens definierten Umfeld erwirtschaften liess?

    Egal wie man e anschaut, es wurde betrogen, des Bonus' willen? Und nun?
    36 2 Melden
  • Amaranth17 17.02.2018 14:03
    Highlight Highlight KPMG... Keiner prüft mehr genau.
    107 5 Melden
    • x4253 17.02.2018 15:57
      Highlight Highlight Warum sollte man denn? Schaut man den Kunden zu genau an wird er sauer, und einem Kunden der sauer kann man keine lukrativen Beratungsmandate verkaufen.
      21 3 Melden
    • elmono 17.02.2018 18:34
      Highlight Highlight Die KPMG sollte eine
      Revision durchführen und keine Beratungsmandate verkaufen. Unternehmen, welche sich vom Revisior beraten lassen, sind früher oder später genau mit solchen Skandalen konfrontiert.
      13 2 Melden
  • Dragonlord 17.02.2018 13:55
    Highlight Highlight Richtig so! Jeder, der seine Pflicht verletzt hat, soll zur Rechenschaft gezogen werden. Die Ausrede, dass kein zusätzlicher Prüfungs-Auftrag für die internen Verrechnungen erteilt wurde, ist ein schlechter Witz. Die Revision weiss von den internen Richtlinien der Postauto AG, das gehört zu einem normalen Prüfungs-Auftrag.
    51 8 Melden
  • CASSIO 17.02.2018 13:05
    Highlight Highlight das dauerte schon zu lange!!!
    54 8 Melden
    • Sandro Lightwood 17.02.2018 14:07
      Highlight Highlight Wichtiger fände ich die lückenlose und unabhängige Aufklärung. Auch wenns dann etwas länger dauert.
      30 1 Melden
    • CASSIO 17.02.2018 15:18
      Highlight Highlight Lightwood, und wie willst Du das erreichen? Es geht nur mit einer Anzeige. Der VR hat offensichtlich nicht gehandelt. Eine Aufklärung seitens des VR wird offenbar nicht gewünscht, weil da auch die eigenen Schwächen aufgedeckt werden. Sauhäfeli, Saudeckeli! Die Steuerzahler wurden geschädigt, dass es seitens der Verantwortlichen der Geschädigten so lange dauerte, bis eine Anzeige eingereicht wurde, ist beschämend und lässt tief blicken.
      9 12 Melden
    • Sandro Lightwood 17.02.2018 16:29
      Highlight Highlight Anzeige wurde schon eingereicht. Scheint ein klassischer Fall von Wutbürgertum zu sein, anstelle sich mit der Sache auseinanderzusetzen.
      12 6 Melden
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