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Wird wegen des Negativzinses nicht stärker: Der Schweizer Franken. 
Wird wegen des Negativzinses nicht stärker: Der Schweizer Franken. Bild: Ruben Sprich/REUTERS

Quo vadis, Schweizer Franken? Geldpolitik der SNB ruft zahlreiche Kritiker auf den Plan

Die Schweizer Nationalbank will weiterhin am Negativzins festhalten. Doch zahlreiche Personen aus Wirtschaft und Wissenschaft kritisieren dieses Vorgehen. 
28.08.2016, 01:2828.08.2016, 04:29

Die positiven Effekte des Negativzinses überwiegen die negativen. Mit dieser Argumentation verteidigt Andréa Maechler, Direktionsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB), das Instrument ein weiteres Mal und sie deutet an, dass sich keine Kehrtwende abzeichnet.

Ohne Negativzinsen wäre der Franken deutlich stärker, sagte Maechler im Interview mit dem «SonntagsBlick». Dies hätte negative Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Negativzinsen seien aber weiterhin ein «ausserordentliches Instrument», sagte Maechler weiter. Sie würden aufgehoben, «sobald dies möglich ist».

Will am bisherigen Kurs festhalten: Andréa Maechler, Direktionsmitglied der SNB.
Will am bisherigen Kurs festhalten: Andréa Maechler, Direktionsmitglied der SNB.Bild: KEYSTONE

Maechler lässt allerdings durchblicken, dass die Zinsen wegen des internationalen Umfeldes noch eine Weile unter Null bleiben dürften. Die Finanzmärkte erwarteten in Grossbritannien und in der Eurozone eine weitere Lockerung der Geldpolitik und in den USA gehe die Erhöhung der Zinsen auch nur sehr langsam voran, weshalb die Zinsen auf absehbare Zeit global tief blieben. «So lange dies der Fall ist, hat die SNB kaum Spielraum, die Zinsen zu erhöhen.»

Die Schweiz hat laut Maechler aus einem anderen Grund als andere Länder Negativzinsen eingeführt: Während die meisten Länder damit die Nachfrage und die Kreditvergabe stützen wollten, kämpfe die SNB damit gegen den Aufwertungsdruck auf den Franken. «Wir haben keine Kreditklemme. Wir haben die Negativzinsen eingeführt, um die Zinsdifferenz zum Ausland zu erhalten.»

Viel Kritik am Negativzins

Die Geldpolitik der Nationalbank hat aber auch zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. Namhafte Wirtschaftsführer und Ökonomen appellieren in der Zeitung «Schweiz am Sonntag» an die Nationalbank, sie solle die Negativzinsen umgehend abschaffen. Anfang 2015 hat die Nationalbank Negativzinsen eingeführt, um den Franken zu schwächen. Jetzt wächst der Druck, sie wieder aufzugeben. Pensionskassen, Banken und Versicherungen setzen sich für die Abschaffung ein.

Und auch ein gewichtiger Exportunternehmer schaltet sich ein: Christoph Blocher. Zur «Schweiz am Sonntag» sagt er: «Dass man ausprobiert hat, ob die Negativzinsen etwas bringen, das war in Ordnung. Doch inzwischen ist klar: Sie haben ihr Ziel verfehlt. Man sollte wieder aufhören damit.» Negativzinsen würden mehr Schaden anrichten als nützen.

Ist für eine Ende des Experiments: Ex-Bundesrat Christoph Blocher.
Ist für eine Ende des Experiments: Ex-Bundesrat Christoph Blocher.Bild: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

Ex-UBS-Chef Oswald Grübel schreibt in seiner «Schweiz am Sonntag»-Kolumne, die Negativzinsen hätten Schäden in Milliardenhöhe verursacht – bei AHV, Sozialwerken, Pensionskassen, Banken, Versicherungen und Sparern. Doch was geschieht mit dem Franken bei einer Abschaffung der Negativzinsen? Grübel bezeichnet es als «eher unwahrscheinlich», dass der Export einbräche und Arbeitsplätze gefährdet würden.

Auch Pierin Vincenz, Helvetia-Präsident und ehemaliger Chef der Raiffeisen-Gruppe, übt scharfe Kritik an der Politik der Schweizerischen Nationalbank. Die Einführung von Negativzinsen habe die erhoffte Wirkung nicht entfaltet. «Man kann davon ausgehen, dass der Nutzen sogar kleiner ist als der gefühlte und erwartete Schaden, den er langfristig anrichten könnte, insbesondere auch im Hinblick auf das Sparen und die Vorsorge», sagt er im Interview mit der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Sehr kritisch zu den Negativzinsen äussern sich auch Ökonomen wie Franz Jaeger und Martin Janssen. Je länger man warte, umso schlimmer werde es, sagt Finanzprofessor Martin Janssen: «Eines Tages wird die Anpassung mit unglaublicher Wucht über die Schweiz hereinbrechen.» (cma/sda)

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