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In Zukunft gibt es mehr persönlichen Kontakt zwischen den Pilotinnen und Piloten sowie der Geschäftsleitung der Swiss. Bild: Shutterstock

Swiss-Piloten müssen erstmals zum Jahresgespräch antraben

Das Mitarbeitergespräch gehört für die meisten Angestellten zur Routine am Jahresende. Nicht so bei den Piloten der Swiss. Die Fluglinie führt in diesem Jahr erstmals mit allen 1400 Piloten ein persönliches Gespräch durch. Andere Unternehmen gehen neue Wege des Dialogs.

Benjamin Weinmann / ch media



«Und, wie sind Sie mit Ihrer Leistung in diesem Jahr zufrieden?» Für die meisten Angestellten ist diese Frage vom Vorgesetzten zum Jahresende Usus. Das Mitarbeitergespräch, kurz MAG, ist ein fixer Teil der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung. Nicht so für die Swiss-Piloten. Für sie war das «MAG» bisher ein unbekanntes Kürzel. Das ändert sich nun. «Seit diesem Jahr führen wir mit allen unseren 1400 Piloten einmal im Jahr ein persönliches Gespräch», bestätigt ein Swiss-Sprecher.

ARCHIV - ZUM TAGESGESCHAEFT DER WINTERSESSION, AM  MONTAG, 3. DEZEMBER 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG - Ein Flugzeug der Schweizer Fluggesellschaft Swiss startet auf einer Startpiste des Flughafens Zuerich Kloten, aufgenommen am 11. November 2002, Schweiz.
(KEYSTONE/Martin Ruetschi) : FILM]

1400 Swiss-Piloten müssen zum persönlichen Gespräch antraben. Bild: KEYSTONE

Dieser Schritt sei nicht einfach gewesen, da die Piloten weltweit in ständig wechselnden Teams ohne regelmässigen Kontakt zum Team am Boden seien. Aufgrund von Rückmeldungen in früheren Mitarbeiterumfragen habe man sich aber nun entschieden, eine neue Führungsstruktur mit kleinen Teams einzuführen, um die Gespräche zu ermöglichen. Mit der neuen Struktur schaffe man die Gelegenheit, sich regelmässig gegenseitig die Erwartungen und Anliegen kundzutun und Feedback zu geben, sagt der Swiss-Sprecher. Bei den Flight Attendants gebe es hingegen schon seit je einen regelmässigen Austausch mit dem Vorgesetzten, wenn auch nicht zwingend jedes Jahr, sondern vielmehr nach Bedarf.

Die Lufthansa-Tochter begeht damit einen anderen Weg als die Zürcher Kantonalbank. 2016 gab das Finanzhaus bekannt, die bisherigen Zielvereinbarungs- und Qualifikationsgespräche abzuschaffen. Diese würden nicht mehr ins heutige Umfeld passen und die Mitarbeitenden zu stark einengen, liess die Bank verlauten. Neu sollen sich Führungskräfte und Angestellte in kurzen Zeitabständen mündlich austauschen.

Mehr als ein Gespräch pro Jahr

Viele Personalmanagement-Experten begrüssten damals diesen Entscheid. «Mehrere Gespräche übers Jahr verteilt sind besser als eine einzige jährliche Generalabrechnung», sagte beispielsweise Matthias Mölleney dem «Tages-Anzeiger». Der frühere Personalchef der Swissair und Mitinhaber einer Beratungsfirma findet es besser, wenn Mitarbeiter mehr als nur einmal pro Jahr beurteilt werden. «Häufigere Gespräche zwischen Vorgesetzten und Untergebenen sind nicht nur deshalb sinnvoll, weil die Mitarbeitenden so kontinuierlich wissen, wo sie stehen.» Sie erlaubten auch, kurzfristige Ziele zu setzen. Kritisiert werden von Experten zudem der Einsatz von Standard-Fragebogen und individuellen Zielvorgaben. Diese seien weniger produktiv als Zielvorgaben für ein ganzes Team.

Sonderprämie für Swiss-Crew

Das Swiss-Personal darf sich dieses Jahr unabhängig von den Jahresgesprächen auf einen Weihnachtszustupf freuen: Alle Angestellten erhalten eine Prämie in der Höhe von 2018 Franken, wie ein Sprecher bestätigt. Grund dafür ist, dass 2018 fürdie Lufthansa-Tochter zu einem Rekordjahr werden dürfte, wie Swiss-Chef Thomas Klühr kürzlich im Interview mit dieser Zeitung verraten hat; und zwar sowohl was den Gewinn, den Umsatz als auch die Passagierzahl anbelangt. Von der Sonderprämie ausgenommen ist das oberste Kader, das freiwillig auf den Betrag zugunsten einer karitativen Spende verzichtet. Eine Prämie in bar ist nicht selbstverständlich. In Erinnerung bleibt die Episode zu Weihnachten 2011: Damals kam die Gratifikation in Form eines Holz-Käsebretts, was beim Swiss-Personal für einen Sturm der Entrüstung sorgte. (BWE)

Eine Umfrage dieser Zeitung bei bekannten Schweizer Firmen wie Migros, SBB oder Emmi zeigt jedoch, dass das klassische Jahresgespräch nach wie vor häufig zur Anwendung kommt. Bei den meisten befragten Unternehmen findet das Qualifikationsgespräch einmal jährlich statt, gegen Ende oder zu Beginn des Jahres.

Mehrere Gespräche als Ausnahme

Doch es gibt Ausnahmen. Beim Versicherer Zurich gibt es mindestens vier Gespräche pro Jahr, welche sich jeweils einem bestimmten Thema widmen: Zielvereinbarung, Karriere, Feedback und Jahresendbeurteilung. Bei der Credit Suisse spricht man von drei Kernphasen: Zielsetzung, Statusgespräch Mitte Jahr und Jahresendbewertung. Und beim Industriekonzern ABB und beim Getränkehersteller Rivella werden die Angestellten zweimal jährlich aufgeboten.

Auch das oftmals kritisierte Notensystem ist nach wie vor gang und gäbe: Bei der Migros ist es eine 5er-Skala, der sich das Personal stellen muss, bei der Reisetochter Hotelplan eine A-bis-E-Skala. Das Warenhaus Manor kennt nur vier Bewertungsstufen, die Post orientiert sich mit sechs am Schulzeugnis – zumindest für Angestellte des Gesamtarbeitsvertrages. Kaderleute des gelben Riesen werden hingegen in Prozent beurteilt. Bis auf wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel Coop, ist die Beurteilung im Jahresgespräch ausschlaggebend für die Lohnentwicklung oder den Bonus.

Novartis will Stärken identifizieren

Ausgeklügelter und anglistischer, dafür auch komplizierter kommt der Prozess beim Pharmakonzern Novartis daher. Das «Performance Management», bei dem mehrere Gespräche unter dem Jahr geführt werden, beinhalte das sogenannte Objective Setting, Midyear und Year-End Performance Review, wie ein Sprecher erklärt. «Idealerweise werden diese obligatorischen Gespräche durch sogenannte Check-ins ergänzt.» Damit sind Dialoge zwischendurch gemeint. 2017 habe man zudem den stärkenorientierten Ansatz, den Strenght Based Approach, eingeführt, «der den Menschen und Organisationen hilft, ihre Stärken zu identifizieren und zu nützen, indem auf das fokussiert wird, worin man wirklich gut ist».

Derart ausgeklügelt sind die Piloten-Gespräche bei der Swiss noch nicht. Sie will an den neuen Jahresgesprächen aber auch in Zukunft festhalten. Bisher seien die Rückmeldungen der Piloten positiv, sagt ein Sprecher. Lohnrelevant sind die Gespräche bei der Swiss hingegen nicht. Sowohl die fixen als auch die variablen Lohnbestandteile der Cockpitcrew sind im Gesamtarbeitsvertrag der Fluggesellschaft geregelt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Olmabrotwurst vs. Schüblig 29.12.2018 13:27
    Highlight Highlight Ich frage mich wie das Gespräch des Piloten mit dem Satz : "es isch zum chotze do in Züri", so ergeht
  • der_senf_istda 29.12.2018 11:51
    Highlight Highlight MAG... jedes Jahr dieselbe Qual für Vorgesetzte wie auch Mitarbeitende. HR und GL findens aber toll, obwohl genau in diesen Bereichen die MAG "aus Zeitmangel" dan oft nicht oder nur kurz stattfinden.
    Die Krönung ist dan jeweils, wenn du für jeden Mitarbeitenden ein quantitativ messbares Ziel festlegen musst. Ab da wirds dan entgültig zur Farce...
  • Sarkasmusdetektor 29.12.2018 09:10
    Highlight Highlight Swiss geht mit der Zeit. Jetzt, wo andere Firmen langsam anfangen, diesen alten Zopf abzuschaffen, führen sie es ein...
  • Gummibär 29.12.2018 08:10
    Highlight Highlight "Müssen antraben" und dann ganz am Ende "Bisher seien die Rückmeldungen der Piloten positiv".
    Qualifikation,Benotung, Bewertung, Abrechnung ..... wenn das die Gründe für Mitarbeitergespräche sind, dann lasst es lieber gleich ganz bleiben und gebt Zwischenzeugnisse wie in der Schule.
    Für mich sind die Gespräche zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten, ohne Zeitdruck und weg vom täglichen Hick-hack und Stress, die Gelegenheit zu diskutieren, wie der Mitarbeiter und der Betrieb dem er angehört, weiter gebracht werden können. Es ist der Vorgesetzte, der sich mit der Gesprächsqualität qualifiziert!
    • Gummibär 29.12.2018 08:53
      Highlight Highlight Und was jedem Vorgesetzten und Unternehmer bewusst sein muss :

      Wenn ein "Chef" den halben Tag nichts anderes tut als seine hundert Mitarbeiter zu beobachten, so trifft es auf jeden 240/100 ganze 2 und eine halbe Minute.
      Wenn jeder der Mitarbeiter den Chef nur 10 Minuten lang beobachtet, so sitzt der täglich über 16 Stunden unter der Lupe.
    • Butschina 29.12.2018 09:16
      Highlight Highlight Wow, von dir könnten einige was lernen.
    • Gummibär 29.12.2018 19:04
      Highlight Highlight Ja siehst Du, Butschina. Jede Menge Leute sind mit meiner Arithmetik nicht einverstanden - oder wollen es nicht wahrhaben, dass auch der Boss benotet wird. Wahrscheinlich dieselben, die nichts mehr zu lernen haben, die Perfekten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • R. Peter 29.12.2018 07:44
    Highlight Highlight Bin kein Freund der standardisierten Mag's. regelmässige mündliche Feedbackgespräche erscheinen mir deutlich sinnvoller. An Teamzielsetzungen habe ich noch nie gedacht oder davon gehört - klingt aber sehr motivierend! Bei uns entsprechen die Teamziele faktisch jenen der Teamleiterin, welche dann auch die Lorbeeren oder den Anschiss für das Ergebnis erntetet. Zumindest in teamorientierten Jobs erscheinen mir Teamziele in Verbindung mit regelmässigen persönlichen Feedbackgesprächen deutlich realitätsnäher.
  • Flötist 29.12.2018 07:12
    Highlight Highlight Nichts das an Jahresgesprächen überraschend aufkommen kann, kann als wichtig interpretiert werden. Ein Vorgesetzter der vom März bis Dezember wartet etwas zu besprechen (sei das ein einzelner Vorfall oder wiederkehrende), kann nicht all zu ernst genommen werden. Daher ist das Jahresgespräch für mich eine reine Formalität, mit wenig Nutzen.

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