Schweiz
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Milliarden weg wegen der Unternehmenssteuer-Reform III? Das neue Steuer-Regime für Dummies in 6 Schritten erklärt

Die heute vom Parlament abgesegnete Unternehmenssteuer-Reform könnte uns eine Milliarde Franken kosten. Das sind die wichtigsten Eckpfeiler der Vorlage, erklärt in sieben Fragen und Antworten. 



Warum? 

Die Unternehmenssteuer-Reform III ist nötig, weil die Schweiz insbesondere Holding-, aber auch Misch-Gesellschaften steuerlich begünstigt, was EU und OECD als Steuerdumping ansehen. Holding-Gesellschaften können Gewinne, die Tochtergesellschaften im Ausland erwirtschaften, in der Schweiz vergünstigt versteuern. EU und OECD wollen das abstellen. Pariert die Schweiz nicht, kann die EU die Grenzen für Schweizer Exportgüter schliessen. Das wäre: nicht gut. 

Wer? 

Betroffen sind etwa 24'000 Firmen, darunter auch solche Kaliber wie Google, Nestlé, Roche und Novartis. Zusammen beschäftigen diese Konzerne und Gesellschaften zwischen 150'000 und 180'000 Personen. 

Wie viel?

Wenn die Steuerprivilegien für internationale Firmen abgeschafft werden müssen, rechnen die Konjunkturforscher und das Eidgenössische Finanzdepartement mit dem Wegzug vieler Firmen. Das reisst Löcher in die Steuerkasse. Zusammen mit den neuen steuerlichen Vergünstigungen, die angeboten werden sollen, um die Firmen vom Wegzug abzubringen, geht man allgemein von Steuerausfällen von rund einer Milliarde aus. Das sind allerdings nur Hypothesen, die auf dem Ist-Zustand beruhen. Was passiert, wenn die Steuerreform einmal umgesetzt ist, weiss jedoch niemand genau. Zur Veranschaulichung: Als die Benzinsteuer erhöht wurde, rechnete Finanzminister Otto Stich mit Mehreinnahmen. Es resultierten jedoch Steuerausfälle, weil die Grenzgänger wegen der höheren Preise nicht mehr in der Schweiz tankten. 

Was ist wichtig?

Die wichtigsten Neuerungen sind: 

  1. «Patentbox» und «Inputförderung» sollen dazu dienen, innovationskräftige Firmen in der Schweiz zu halten. Gewinne aus Patenten etwa auf Software oder Medikamente werden künftig nur teilweise besteuert und die Rabatte dürfen bis zu 90 Prozent betragen. Aufwendungen in Entwicklung und Forschung können zu 150 Prozent von den Steuern abgezogen werden.
  2. Die Kantone erhalten neu 21,2 Prozent aus der Bundessteuer, statt wie bisher nur 17 Prozent. Damit sollen die Steuerausfälle, die die Kantone stärker betreffen, kompensiert werden. Die finanzschwächsten Kantone werden während einer Übergangszeit mit jährlich 180 Millionen Franken zusätzlich zum Finanzausgleich unterstützt. 
  3. Rabatte gibt es auch auf stille Reserven und überschüssiges Eigenkapital. Insgesamt dürfen die Rabatte zusammengenommen nicht mehr als 80 Prozent steuerliche Ermässigung ergeben. 

Wo liegt das Problem? 

Die Linke ist mit der Vorlage nicht zufrieden, da wie bei der Unternehmenssteuerreform II keine Kapitalgewinnsteuer eingeführt wird. Gewinne aus Börsengeschäften werden also weiterhin nicht oder nur schwach besteuert. Zusätzlich sind bei der Unternehmenssteuerreform II die jährlichen Steuerausfälle um rund 800 Millionen und damit um den Faktor zehn höher ausgefallen, als vom damaligen Finanzminister Hans-Rudolf Merz prognostiziert.

Wer entscheidet?

Da die Vorlage umstritten und referendumsfähig ist, gilt ein Referendum als sicher. Deshalb hat das Stimmvolk das letzte Wort wie schon bei der letzten Unternehmenssteuerreform. Der Bundesrat muss allerdings noch einiges an Aufklärungsarbeit leisten, wenn er die Abstimmung gewinnen will. Bis jetzt ist noch sehr nebulös, welches die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III sein werden. 

(thi)

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    Alle Leser-Kommentare
  • bebby 17.06.2016 10:11
    Highlight Highlight Wie spricht niemand davon, dass die Patentboxen nur eine Uebergangslösung sein können, weil diese Steuerpraxis in der EU auch unter Druck ist? Am Ende werden auch diese wegfallen und die Unternehmenssteuern werden noch stärker sinken (müssen). Das kommt dann mit der Version IV. Wetten? Selbstverständlich müssen dann die natürlichen Personen dafür aufkommen, die Frage ist nur wer wieviel.
  • rodolofo 15.06.2016 08:05
    Highlight Highlight Wenn die Rechts-Bürgerliche Mehrheit in den Parlamenten nach diesem gigantischen Steuergeschenk an die Unternehmungen immer noch an den ebenfalls problemlos durchgewunkenen gigantischen Armee-Ausgaben festhält, dann treibt sie den Bundeshaushalt absichtlich in eine Veschuldungsfalle!
    Wir haben am Beispiel von Griechenland gesehen, wohin eine solche Verschuldung des Staatswesens führt:
    Volksentscheide werden von internationalen Geldgebern ignoriert.
    Die Staatsbetriebe und das Staatliche Eigentum werden an die Meistbietenden (z.B. Chinesen) "verscherbelt".
    Das nennt sich dann Privatisierung...
  • MaxHeiri 14.06.2016 20:41
    Highlight Highlight Die Frage ist im internationalen Steuerwettbewerb ganz einfach. Wollen wir jeden 30igsten Arbeitsplatz in den nächsten Jahren verlieren und das für ein altmodisches Steuersystem. Es gibt kein Land mit so hohen realen Löhnen wie die Schweiz, welches steuerlich unattraktiv ist.
    • Hackphresse 14.06.2016 21:47
      Highlight Highlight Ein paar Fragen.
      1. Wurden diese geschaffenen Arbeitsplätze, welche von ausl. Firmen geschaffen wurden ausschliesslich mit Schweizern besetzt?
      2. Wenn unsere Reallöhne so gestiegen sind, warum haben dann immer mehr Leute immer weniger von ihrem Lohn?
      3. Wenn unser Steuersystem so altmodisch und unattraktiv ist, wieso sind dann so viele (Briefkasten-)Firmen (24'000!) zu uns gekommen?
      Falls sie Lust haben meine Fragen zu beantworten bleiben sie bei den Fakten und kommen bitte nicht mit den Linken, die haben, wie wir alle wirklich wissen sollten noch nie Steuern verschwnkt. Höchstens Steuergeld.
    • Dewar 15.06.2016 08:49
      Highlight Highlight Sorry, aber das ist Bullshit. Die Schweiz ist ZU attraktiv für Firmen, das ist ja genau der Grund, warum die EU eine USR verlangt (siehe Artikel). Das Dilemma ist, eine Lösung zu finden, die zu möglichst wenig Steuerausfällen führt ohne den Standort Schweiz zu schwächen und die gleichzeitig auch noch die EU glücklich macht... Wird wohl leider eine Art "pick 2 out of 3" Situation. Bleibt zu hoffen, dass die Politik aus dem Beispiel Luzern gelernt hat, damit nicht bald die ganze Schweiz mit nicht zu stopfenden Löchern in der Staatskasse dasteht...
  • Lowend 14.06.2016 19:35
    Highlight Highlight Die Bürgerlichen und die Blocheristen politisieren halt stramm für ihre Geldgeber von den Grosskonzernen und denken in ihrer grenzenlosen Arroganz, dass das Volk schon blöd genug ist, ihren Freunden und Geldgebern auch noch eine weitere Milliarde als Steuergeschenk zu finanzieren, denn das doofe Volk kann den Staat eben nicht so erpressen, wie es diese ausländischen Konzerne tun und wird brav zahlen, wenn man ihnen genug Angst macht. Zum Glück beginnen viele langsam zu begreifen, was für eine schamlose Bande von Klientelpolitikern sie letztes Jahr in's Parlament gewählt haben!
  • Hackphresse 14.06.2016 19:08
    Highlight Highlight Lol
    Firmen (Ausländische) wurden durch Steuerprivilegien zu uns gelockt und haben frisch fröhlich Arbeiter aus dem Ausland mitgebracht und angestellt (👋🏼hallo Zuwanderung☺️👋🏼 Hallo Hacki), so die Mieten in den Zentren und Agglos verteuert (👋🏼huhu freier Maharkt😊 Huhu FDP👋🏼🙂) und "drohen" jetzt mit dem Wegzug.
    Aber hey! Nach SVP und FDP sind ja die Geld aus dem Fenster werfenden Linken, die Asylanten, EU-Turbos und die Sommaruga (aka Mrs. Asylchaos) schuld.
    Gut gemacht! Neoliberale "Mitte-Links"-Parteien! Ihr seid schuld! SCHULD!
    Ironie könnt ihr behalten 😜
    😂😂😂
    • MaxHeiri 14.06.2016 20:42
      Highlight Highlight Das BIP pro Kopf ist seit den 90er um 44% gewachsen und das real. Da gibts für alle was zu lachen vor Freude :)
    • Hackphresse 14.06.2016 21:38
      Highlight Highlight Komisch.
      Das BIP und Realwachstum scheint irgendwie an mir (unterster Mittelstand/halbobere Unerschicht) vorbeigegangen zu sein.
      Liegt wohl an den steigenden Mieten, KK-Prämien, Benzin-/Ticketpreisen (halt all das Zeugs das nicht in diesem superduper Konsumentenpreis-Warenkorb-dings mitgezählt wird)
      Jänu... 😊 lang Lebe das Volch... oder so 😒
  • rodman 14.06.2016 18:06
    Highlight Highlight Interessanter Anti-Reflex der Kommentierenden. Fakt ist 1. Durch steuersenkung profitieren kmu in genau gleichem masse wie die grossen. 2. Sind domizil- und verwaltungsgesellschaften an einem grossen teil der bundessteuer beteiligt, ohne dass diese überhaupt infrastruktur oder sonstwas in CH nutzen. Die gehen zu 99.5%, weil der aufwand für den wegzug ist, einen briefkasten umzuschreiben... wir profitierten die vergangenen 20 jahre von hochmobilen steuererträgen und müssen jetzt halt teile davon ziehen lassen.
    • Statler 14.06.2016 18:43
      Highlight Highlight KMU machen selten Gewinne im Ausland
    • Der Zahnarzt 14.06.2016 20:21
      Highlight Highlight @rodman: Diese Domizilgesellschaften u. ä. erzielen Gewinne in anderen Ländern, wo sie die Infrastruktur nützen, die Umwelt belasten etc. und verschieben diese Gewinne getarnt als Lizenzgebühren etc. in die Schweiz um Steuern zu umgehen. - Ich will nicht, dass meine Heimat dies unterstützt, ich will diesen gestohlenen Wohlstand nicht. - Wenn Sie wollen, dass es unseren KMU besser geht, dann können Sie ja die KMU und nur die KMU, die hier wirtschaften steuerlich privilegieren!
    • béast 14.06.2016 21:04
      Highlight Highlight @rodman: eine reduktion von 10% ist als relative grösse tatsächlich für alle gleich. 10% von 1 mia. oder 10% von 100'000 macht aber absolut einen riesigen unterschied.

      gleich ist nicht gleichzusetzen mit gerecht. dein sog. fakt 1 ist deshalb zwar nicht falsch, deine schlussfolgerung daraus ist aber nicht korrekt.
  • kEINKOmmEnTAR 14.06.2016 17:21
    Highlight Highlight Also zum Nachdenken:
    Die EU will nicht dass wir Holding etc. günstiger besteuern und verbietet uns daher einige Steuerpraktiken.
    Also Ausgleich gehen wir nun einfach mit den "normalen" Steuern so tief herunter bis die zu bezahlenden Steuern nicht höher ausfallen?

    Hört sich für mich nach einer Alibi-Übung auf beiden Seiten an.
  • Adremos 14.06.2016 17:13
    Highlight Highlight Das Problem der "Linken" (Punkt 5) bei der USR III ist NICHT, dass bei der USR II keine Kapitalgewinnsteuer eingeführt wurde und dass BR Merz nicht rechnen konnte, sondern dass ZUSÄTZLICH 1'000'000'000 CHF+ Steuerprivilegien geschaffen werden.

    Ganz ehrlich, wer oder woher habt Ihr diesen Schundartikel geschrieben / abgeschrieben ????!!!!

    Besserer Titel: "Milliarden weg wegen der Unternehmenssteuer-Reform III? Das neue Steuer-Regime für Dummies in 6 Schritten "V"erklärt"
  • Adremos 14.06.2016 17:09
    Highlight Highlight 1. Wenn die momentane Steuerprivilegierung fällt, werden die Firmen möglicherweise wegziehen. Deshalb geben wir Ihnen ZUSÄTZLICH noch eine Milliarde "neuen steuerlichen Vergünstigungen, die angeboten werden sollen, um die Firmen vom Wegzug abzubringen" ..... Hä ??? Sie sind ohne diese Milliarde nicht weggezogen (sondern sogar zugezogen), aber damit sie nicht wegziehen geben wir ihnen nochmals 1'000'000'000 CHF. Logik? Argument?
    • R. S. 14.06.2016 19:21
      Highlight Highlight Unsinn. Das sind zwei verschiedene Gruppen von Firmen, jene die momentan priviligiert sind und jene welche normal Steuern bezahlen. Die Schweiz wird gezwungen in Zukunft alle Firmen gleich zu besteuern, unsere Politiker haben nun entschieden, statt die Privilegien abzuschaffen die Steuern für alle auf das tiefere Niveau zu senken.
    • Adremos 14.06.2016 20:23
      Highlight Highlight @mimimimimi Logik?? Die zusätzliche Steuerbelastung abfedern würde heissen, dass das Resultat der Steuerbelastung am Ende Ausgeglichen ist =+/- 0.- CHF.

      Da der Staat aber 1000000000 CHF weniger einnimmt bedeutet, dass jemand diese 1000000000 CHF nicht zahlen muss = zusätzliches Steuergeschenk
    • Adremos 14.06.2016 21:20
      Highlight Highlight Es ist mir klar, dass das zwei verschiedene Gruppen von Firmen sind, aber im Text steht es nun einmal so.....

      Die Grund-Unlogik ist immer noch, dass man mehr Steuern senken soll als sie jetzt schon bezahlen, mit der Begründung, dass die Firmen nicht abwandern (obwohl sie ja unter diesen Voraussetzungen zuziehen). Und man muss mir nicht erzählen wollen, dass unsere Räte (die ja wohl intelligent genug sein sollten) keine Lösung gefunden hätten, OHNE die zusätzliche Steuererleichterung ^^

Vergiftete Böden und Kinderarbeit – was sich Schweizer Firmen im Ausland alles erlauben

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

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