Nachschlag: «Wir wollen Teller, verdammt!» – Teil 2
Oh ja. Es gibt ihn noch, jener Restauranttrend, bei dem das Essen auf allem Möglichen serviert wird, ... nur nicht auf, naja, Tellern. Und nochmals, oh ja, wir alle hätten gedacht (oder: gehofft), dass diese Frivolität der Hipster-Hochkultur längst in die Annalen der Geschichte verbannt worden wäre. Doch, wie wir kürzlich feststellen durften, leider nein, offenbar:
Wenn man basisdemokratischen Quellen wie dem «We Want Plates»-Reddit Glauben schenken darf, bestehen Restaurantmanager weltweit immer noch darauf, in Bereichen kreativ zu sein, in denen niemand danach verlangt.
Besipiele gefällig? Bitte sehr– hier kommt der Nachschlag: «Wir wollen Teller, verdammt!» – Teil 2, ...
... angefangen mit der klassischen «Schneidebrett-statt-Teller»-Lösung:
Chicken Parmiggiana soll das sein, angeblich. Weisch, original, so wie meine Nonna amigs servierte – auf einem Ikea-Holzbrett.
Sichuan-Nudeln ... SERVIERT IN EINEM EINMACHGLAS:
«Und das in einem Luxusresort in Sharm El Sheikh!», so der verzweifelte Kommentar. Hey, wir verstehen dich, Kumpel. Wir verstehen dich.
«Eine Premiere für mich: Mein Burger und Pommes wurden mir in einer Lunchbox serviert, ...»
«.. die glühend heiss war.»
Nicht gerade grosszügig, diese Portion Pommes Frites ...
... aber mehr passt in einen Mini-Krug wie diesen gar nicht rein.
Und NUN:
Sushi auf einem Hut aus Porzellan.
Sushi.
Auf einem Hut.
Aus Porzellan.
Nun, zumindest ist der Hut aus Porzellan, ...
... was man von dieser Servier-Lösung hier nicht behaupten kann:
Sorry, Leute, aber es kann uns doch niemand erzählen, dass das hygienisch sein soll. Egal, wie oft ihr diesen Schuh gewaschen habt. Oder jenes Holzbrett oder jene Blechbox oder wasauchimmer.
Oder jenen Eierkarton.
«Sechs Kugeln Gelato, ... aber ohne Waffel? Ah, wart, ich hab’ da eine Idee!»
«Poulet-Vorspeisenhäppchen auf einer Miniatur-Treppe. Die Limettenschnitze befanden sich in dem kleinen Schrank unter der besagten Treppe. Ich war sprachlos.»
Und es ist nicht einmal ein Harry-Potter-Restaurant oder so.
«Birria-Tacos ‹auf die traditionelle mexikanische Art›. Lol.»
Auf einer «traditionellen mexikanischen Wäscheleine», wohl.
Wow, volle Punktzahl! Nicht genug damit, dass die Speckstreifen mit Klemmen an einer Metallvorrichtung angebracht sind, nein, die ganze Apparatur ist auch noch an einem alten Nummernschild montiert.
«Wrong kind of plate», so der Kommentar. Ha, stimmt: Nummernschilder heissen auf Englisch license plates.
«Hey, Chef – neulich war ich in einem Restaurant, wo sie Speck serviert haben, der über einem Nummernschild hing. Das hat mich auf eine Idee gebracht ...»
«Alarm! Wir haben hier eine ‹Wir wollen Gläser›-Situation!»
Ein Glas, das nur auf eine ganz bestimmte Weise in seine gehörig niffelige Halterung gestellt werden kann? Eine grossartige Idee für hochprozentige Getränke, würde ich sagen!
«Schatz? Bestellst du mir einen Martini? »
«Aber sicher. Einen Gin- oder Vodka-Martini?»
«Hmm ... glaub lieber einen POULET-NUGGETS-UND-POMMES-MIT-DREI-SÖSSELI-MARTINI.»
Immerhin: 15 Dollar dafür plus 5 Dollar für Nachschläge ist kein schlechter Deal.
«Ich war in einem Café, wo man mir mein Essen auf einem zerbrochenen Teller servierte, und der Strohhalm war eine Nudel.»
«Bitte sehr – ihr Dessert-Bäumchen.»
Das ist ...
... ein Monopoly-Schuh! Doch, doch, imfall: der Schuh-Spielstein vom Monopoly-Brettspiel. Einfach in gross. Und perfekt als Servier-Schale für Käsekroketten!
«Einmal Tortilla-Chips und Salsa, bitte!»
Hier ist die Salsa immerhin in einem ... Behälter. Aber, ...
... «wie soll ich das bloss mit den Chips herausschaufeln?»
Wer braucht schon Teller, wenn es dysfunktionale Mitnehmboxen aus Metall gibt?
Oder:
Wer braucht schon Teller, wenn es doch Gartenschaufeln gibt?
Ta-daaa: Jakobsmuscheln auf einem Bett aus Holzspänen serviert.
Und niemand weiss, wieso.
Hier sind die Kommentare grossartigst:
«Ich dachte, ich wüsste, was Tiramisu ist. Dann habe ich in Rom Tiramisu gegessen. Mein Leben hat sich verändert. Ich bin ein neuer Mensch.»
«Ich habe glatt vergessen, wie sehr wir Italiener es lieben, Touristen über den Tisch zu ziehen, indem wir Teller durch ‹fancy› Gegenstände ersetzen.»
«So wurde mir ein Fisch serviert.»
Fisch? Wir erkennen hier keinen Fisch. Was wir wissen: Niemand mag es, wenn sein Essen ihn anstarrt.
BONUS:
Willkommen in der High-End-Gastronomie! Genauer: Im mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurant Alchemist in Kopenhagen, Dänemark. «Im Restaurant Alchemist verschmelzen Gastronomie, Drama, Kunst und spektakuläre Visuals zu einem holistischen kulinarischen Erlebnis», so der Claim. Konkret bedeutet das, unter anderem ... das hier:
Kaviar. Auf einem ... Auge?
Oder ...
... öh, wir wissen es nicht.
Hier genausowenig.
Nope. Keine Ahnung.
Aber, hey, weiterhin en Guete, allerseits!
