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epa06885224 Matryoshka dolls depicting France's Antoine Griezmann (C-R) and Croatia's Mario Mandzukic (C-L) are on display in a souvenir shop in central Moscow, Russia, 13 July 2018. Croatia will face France in their FIFA World Cup 2018 final soccer match on 15 July.  EPA/FACUNDO ARRIZABALAGA

Bild: EPA/EPA

Analyse

63 Spiele später – das bleibt von der Fussball-WM in Russland

Der Final Frankreich gegen Kroatien kommt überraschend – und was bleibt sonst in Erinnerung von dieser WM?

etienne wuillemin / schweiz am wochenende



Ein halber Tag noch, ein Spiel noch, dann ist die Weltmeisterschaft schon wieder vorbei. Viel zu schnell. So schnell wie eben manchmal ein wunderbares Essen vorüberzieht.

Blick zurück: Die besten Bilder der Fussball-WM 2018 in Russland

Es bleibt das Dessert. Der WM-Final, Frankreich gegen Kroatien. Erneute Krönung für «Les Bleus», 20 Jahre nach dem ersten Titel? Oder doch die Sensation, der riesige Triumph für Kroatien, erstmals in der noch jungen Geschichte des Landes, 20 Jahre nach der ersten WM-Teilnahme überhaupt? Es ist ein überraschendes Endspiel. Erstmals in der Neuzeit sind die grossen Fussball-Nationen im WM-Final nicht unter sich. Doch das hat seine Logik.

Deutschland? Die Affäre Özil/Gündogan unterschätzt, sich selbst zerlegt mit einer Mischung aus Hurra-Fussball und Ideenlosigkeit, peinliches Vorrundenaus.

Spanien? Einen Tag vor WM-Beginn den Trainer entlassen, danach den Ball hin- und hergeschoben ohne Ende, gescheitert im Achtelfinal an leidenschaftlichen Russen.

Argentinien? Chaos auf dem Platz ohne Ende, Messi als heimlicher Trainer – und lustloser Spielmacher, gescheitert an den Franzosen, immerhin nach einem Spektakel mit sieben Toren.

epa06852430 Lionel Messi of Argentina leaves the pitch after the FIFA World Cup 2018 round of 16 soccer match between France and Argentina in Kazan, Russia, 30 June 2018. France won 4-3.

(RESTRICTIONS APPLY: Editorial Use Only, not used in association with any commercial entity - Images must not be used in any form of alert service or push service of any kind including via mobile alert services, downloads to mobile devices or MMS messaging - Images must appear as still images and must not emulate match action video footage - No alteration is made to, and no text or image is superimposed over, any published image which: (a) intentionally obscures or removes a sponsor identification image; or (b) adds or overlays the commercial identification of any third party which is not officially associated with the FIFA World Cup)  EPA/ROBERT GHEMENT   EDITORIAL USE ONLY

Die Argentinier mit Lionel Messi waren eine der grössten Enttäuschungen der WM. Bild: EPA/EPA

Brasilien? Grosse Hoffnungen, grosses Theater, ein Neymar, der sich immer am Boden wälzt, gescheitert im Viertelfinal an Belgien, immerhin etwas Stolz gezeigt.

Ja, es gibt gute Gründe, warum gerade Frankreich und Kroatien im Final stehen. Die Franzosen haben nach einem durchschnittlichen Start einen Steigerungslauf hingelegt. Sie zeigten die Qualitäten, die eine Turniermannschaft auszeichnen. Sie wirken homogen, die Stürmer verteidigen, die Verteidiger schiessen Tore, dazu verbarrikadieren sie das Zentrum resolut. «Wir waren elf Hunde auf dem Platz», sagt Jungstar Mbappé nach dem Halbfinal. Wie wahr.

Wenn die Franzosen Hunde sind, so treffen sie nun im Final auf Pitbulls. An solche gemahnen die Kroaten an dieser WM. Wie sie gegen England im Halbfinal nach dem 0:1-Rückstand reagierten, war herausragend.

Geht die Schere weiter zu?

Da war ein Team voller Emotionen am Werk, voller Lust, lange zu leiden. Wer diese Qualitäten nicht auf den Platz bringt, ist im entscheidenden Moment verloren. Darum ist die Schweiz erneut im Achtelfinal ausgeschieden. Und darum lässt der Erfolg von Ivan Rakitic und Co. den Schmerz rund ums Schweizer Nationalteam noch einmal grösser werden.

epaselect epa06856089 Russian fans celebrate the victory of the Russian team in the FIFA World Cup 2018 round of 16 soccer match between Russia and Spain in St. Petersburg, Russia 01 July 2018.  EPA/ANATOLY MALTSEV

Die Leistungen des russischen Teams lösten im Gastgeberland Begeisterung aus. Bild: EPA/EPA

Neben den Kroaten waren mit Russland, Schweden und Uruguay weitere Mannschaften unter den besten acht der Welt, von denen man das nicht unbedingt erwartet hätte. Das grosse Favoritensterben – Italien und Holland fehlten zudem bekanntermassen gänzlich – bringt uns zur Frage: Ist die Schere zwischen den Ländern weiter zugegangen?

Die einfache Antwort: Ja.

Bei den Nationalmannschaften passiert genau das Gegenteil dessen, was auf Klub-Ebene zu beobachten ist. Niemand kann sich einfach die besten Spieler zusammenkaufen. Zudem lernen immer mehr Teams, solidarisch und effektiv zu verteidigen – was die Anzahl Überraschungen erhöht.

Zurück zur Flaschenpost?

Und sonst? Was bleibt von dieser WM? Zunächst einmal die vielen schönen Tore. Schöne Tore sind die Essenz des Fussballs. Sie sind es, die das Staunen der Zuschauer auslösen. Und sie sind es, die für manch einen Knorz entschädigen. Ja, auch solche Spiele gab es. Sie blieben aber im erträglichen Rahmen. Die taktisch hochstehenden und kurzweiligen Partien waren hingegen deutlich in der Überzahl.

Referee Mark Geiger from the US watches the Video Assistant Referee system, known as VAR, during the group F match between South Korea and Germany, at the 2018 soccer World Cup in the Kazan Arena in Kazan, Russia, Wednesday, June 27, 2018. (AP Photo/Thanassis Stavrakis)

Der Einsatz des Videoassistenten an der WM war erfolgreich. Bild: AP/AP

Russland 2018 war die erste WM mit ausführlichen technischen Hilfsmitteln. Die Befürchtungen, der Videoschiedsrichter könne zu Chaos und Willkür führen, wurden nicht bestätigt. Im Gegenteil. Der FIFA gelang es besser als beispielsweise der Bundesliga, die Einsätze im überschaubaren und vernünftigen Rahmen zu halten. Die Konsequenz war erfreulich: Es gab so wenige Fehlentscheide wie noch nie. Wer das nicht wahrhaben will, kann auch wieder die Einführung der Flaschenpost fordern.

Nun freuen wir uns auf das Dessert. Der Fussball-Alltag kommt früh genug.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Brasi 15.07.2018 15:50
    Highlight Highlight "Da war ein Team voller Emotionen am Werk, voller Lust, lange zu leiden. Wer diese Qualitäten nicht auf den Platz bringt, ist im entscheidenden Moment verloren. Darum ist die Schweiz erneut im Achtelfinal ausgeschieden. Und darum lässt der Erfolg von Ivan Rakitic und Co. den Schmerz rund ums Schweizer Nationalteam noch einmal grösser werden."
    Ich finde es anmassend auch nur im Entferntesten die Qualität des kroatischen Kaders mit demjenigen der Schweiz zu vergleichen.
    Liebe Schweizer, Mandzukic ist Leistungsträger bei Bayern und Juventus gewesen, Lovren CL-Finalist, usw. Das sind Welten!
    • Kimbolone 15.07.2018 19:57
      Highlight Highlight Shaqiri ist sogar CL-Gewinner 😜
    • Luca Brasi 15.07.2018 20:50
      Highlight Highlight @Kimbolone: Ja, der erste, der feiert auf der Ersatzbank. Vielleicht wird er dieses Gefühl bei Liverpool wieder haben. 😏
  • derEchteElch 15.07.2018 11:06
    Highlight Highlight Hauptsache it's coming irgendwann home.

    Damit wurde alles Nötige gesagt.. Amen. Ende der WM. Jetzt.
    • rodolofo 15.07.2018 11:20
      Highlight Highlight Vorschlag:
      Weite doch einfach Dein "Home" aus!
      Dann kriegst auch Du noch einen Pokal.
  • Kunibert der fiese 15.07.2018 10:38
    Highlight Highlight Guter kommentar! Vor allem bezüglich des VAR. Ich war ebenfalls positiv überrascht vom videoschiedsrichter. Einiges manko das bleibt : die schwalberei wurde nicht konsequent bestraft.

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