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Fenatis Brems-Attacke auf Manzi sorgte für hitzige Gemüter.  bild: screenshot

Analyse

Der verrückte Asphalt-Cowboy steht vor der Begnadigung – das ist nicht gut für Aegerter

Noch vor zehn Tagen schien seine vielversprechende Karriere beendet. Jetzt darf Töff-Cowboy Romano Fenati auf eine Begnadigung hoffen.



Die Szene hatte die Welt ausserhalb des Fahrerlagers schockiert. Die TV-Kameras erfassten eine verrückte Situation: Romano Fenati griff beim GP von Misano während des Moto2-Rennens bei Tempo 200 seinem Konkurrenten Stefano Manzi in die Vorderradbremse. Er wurde sogleich mit der schwarzen Flagge aus dem Wettbewerb geholt. Doch die Bestrafung durch die Töffrichter war milde: Eine Sperre für zwei Rennen.

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Fenati bremst Manzi aus – im wahrsten Sinn des Wortes.  Video: streamable

Doch die Empörung in der Welt ausserhalb des «Planeten Töff» schien die Karriere des Italieners zu beenden. Der Aufruhr in den verschiedensten Medien-Kanälen führte dazu, dass ihn sein Arbeitgeber am Montag gleich fristlos feuerte, sein künftiges Team den bereits unterzeichneten Vertrag für die kommende Saison (2019) unverzüglich auflöste und der Weltsportverband FIM schliesslich die Lizenz einzog.

Erschüttert von einer Welle des Hasses, der ihm aus den sozialen Medien entgegenschlug, erklärte Fenati den Rückzug ins elterliche Eisenwarengeschäft.

Zweite Chance für Fenati

Doch voraussichtlich wird er nicht lange Schrauben und Schlüssel verkaufen. Beim GP von Aragon am vergangenen Wochenende deutete Carlo Pernat – der einflussreichste Fahrermanager, unter anderem mandatiert, für MV Agusta die Fahrer für nächste Saison zu verpflichten – ganz nebenbei an, er schliesse nicht aus, dass Fenati nächste Saison doch für MV Agusta die Moto2-WM fahren werde.

Italy's Moto3 rider Romano Fenati waits in his team garage during the second practice session for the Australian Motorcycle Grand Prix at Phillip Island near Melbourne, Australia, Friday, Oct. 20, 2017. (AP Photo/Andy Brownbill)

Früher oder später – Fenati wird wieder in den Motorrad-Zirkus zurückkehren. Bild: AP/AP

Für eine Begnadigung des verrückten Asphaltcowboys machen sich viele stark. Auch Fahrer. Wohlwissend, dass es solch halsbrecherische Aktionen in der Vergangenheit auch schon gegeben hat – halt nicht von den Augen der TV-Kameras erfasst. Sogar der gnadenlose oberösterreichische Scharfschreiber Günther Wiesinger, eine Art wortmächtige Töff-Antwort auf Frank A. Meyer (aber vorerst noch ohne Bundesverdienstkreuz) macht sich für eine Begnadigung stark.

Item, wenn sich alle beruhigt haben und sich die Sportwelt wieder anderen Dingen zuwendet, dürfte die Meldung kommen, dass Fenati eine zweite Chance erhält. Und niemand wird sich deswegen aufregen. Allerdings ist das eine schlechte Neuigkeit für Dominique Aegerter (28).

Aegerter droht das Karriereende

Dominique Aegerter hat bekanntlich durch eine unfassbare Dummheit seine Karriere aufs Spiel gesetzt: er hat die Offerte des holländischen Teamchefs Jarno Janssen ausgeschlagen. Er hätte einen Zweijahresvertrag mit Option auf ein drittes Jahr bekommen. Bedingung: eine Mitgift von etwas mehr als 200'000 Euro in die Teamkasse. Dafür hätte er acht Werbeflächen auf Kombi und Helm plus eine auf der Verschalung zur freien Vermarktung, bezahlte Spesen zu allen Rennen plus 300 Euro pro WM-Punkt erhalten. Die Werbefläche hätte er für mehr als eine halbe Million vermarkten können.

Per WhatsApp (!) hat Dominique Aegerter diese Vertragsofferte abgelehnt. Heute sagt er rückblickend, es sei ihm zu riskant gewesen, bei einem neuen Team mit einer noch wenig erprobten Maschine (NTS) zu unterschreiben. Dabei sind die technischen Unterschiede minimal und hinter NTS steckt ein japanischer Milliardenkonzern, der diese Saison ins Moto2-Geschäft eingestiegen ist.

Inzwischen hat Dominique Aegerters Bruder Kevin am letzten Wochenende im Fahrerlager die Türklinken der zwei oder drei Teamchefs geputzt, die noch offene Plätze für die Moto2-WM 2019 haben und 300'000 Euro Mitgift offeriert.

Eine reine Verzweiflungskation. Und die Chancen, beim aktuellen Team (Kiefer Racing) bleiben zu können, sind nicht sehr hoch: Jochen Kiefer tendiert auf einen deutschen Piloten, der ihm mehr Werbegelder einbringt als ein Schweizer, der inzwischen nicht einmal mehr in die WM-Punkte fährt. Und der Versuch des Aegerter-Clans, die fest vereinbarte Mitgift für diese Saison (etwas mehr als 50'000 Euro) nachträglich herunterzuhandeln, hat die Stimmung nicht verbessert.

MV Agusta hatte sich im Sommer intensiv um Tom Lüthi bemüht und Carlo Pernat ist noch immer enttäuscht, dass er den Schweizer nicht zu einer Vertragsunterschrift überreden konnte. Tom Lüthi wird 2019 und 2020 die Moto2-WM für das Deutsche Intact-Team bestreiten.

Da Eskil Suter bei MV Agusta bei der technischen Entwicklung mitarbeitet, könnte der italienische Rennstall vielleicht – aber nur vielleicht – eine Option für Dominique Aegerter sein. Wird Fenati tatsächlich begnadigt, ist auch diese kleine Chance weg und «Domi» ist dem selbstverschuldeten Karriereende wieder einen Schritt näher. Beim letzten GP der Saison am 18. November in Valencia müssen die Teams ihre Piloten für die Saison 2019 definitiv melden.

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quelle: semedia / luciano bianchetto/semedia
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