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Switzerland team manager Vladimir Petkovic speaks to Switzerland's Xherdan Shaqiri , left,during the International friendly soccer match between England and Switzerland at the King Power Stadium in Leicester, England, Tuesday, Sept. 11, 2018 . (AP Photo/ Rui Vieira)

Vladimir Petkovic erklärt Xherdan Shaqiri seine neue Aufgabe. Bild: AP/AP

7 Gründe, weshalb Petkovic die Nati mit der Systemumstellung auf ein neues Level hebt

Vladimir Petkovic hat Mut bewiesen. Endlich! Er hat gegen England mit dem 3-5-1-1 eine neue Formation getestet. Trotz der 0:1-Niederlage war die Systemumstellung ein grosser Schritt für die Nati – aus folgenden 7 Gründen. 

12.09.18, 09:55 12.09.18, 10:57


Taktische Flexibilität

Seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren vertraute Vladimir Petkovic praktisch immer auf das gleiche System. Das altbewährte 4-2-3-1, das schon Ottmar Hitzfeld der Nati eingetrichtert hatte. Petkovic hat dieses System perfektioniert. Doch der 55-Jährige traute sich nicht, die Formation umzustellen – ausser teilweise mit einem defensivem 4-3-3, welches sich nur durch Nuancen vom 4-2-3-1 unterscheidet. 

Durch die immer gleiche Formation wurde die Schweiz berechenbar. Die Gegner konnten sich dadurch perfekt auf die Spielweise der Nati einstellen und wussten genau, was sie erwartet.  

Deshalb war es in erster Linie wichtig, mal ein anderes Spielsystem zu installieren. Das hat nun auch Vladimir Petkovic erkannt: 

«Ich hatte das neue System schon seit einer Weile im Kopf. Ich bin zufrieden. Wir haben jetzt noch eine Möglichkeit mehr.»

Vladimir Petkovic

Petkovic kann Dreierkette

Die grösste Umstellung, die man in einer Fussball-Formation machen kann, ist die Umstellung von Vierer- auf Dreierkette in der Abwehr. Für eine Nationalmannschaft ist das umso komplexer, da die meisten Spieler in ihren Klubs in der Viererkette agieren und dadurch umstellen müssen.

Dass Petkovic eigentlich ein Liebhaber der Dreierkette ist, bewies er, als er noch in der Schweiz bei den Young Boys tätig war – dort spielte er praktisch immer mit drei Innenverteidigern. Auch später bei Lazio griff er regelmässig auf die Dreierkette zurück, damals wechselte Petkovic die Formation auch während des Spiels. 

So agierte die Schweiz gegen England:

bild: twitter/sfv_asv

Wenn Petkovic die Systemumstellung während des Spiels auch der Nationalmannschaft einimpfen kann, dann hat er die Schweiz auf ein ganz neues Level gebracht. Das muss jetzt sein Ziel sein. 

Das trojanische Defensiv-Pferd

In der Dreierkette stehen die Aussenverteidiger im Spielaufbau sehr hoch – teilweise fast auf der Höhe des einzigen Stürmers. Das eröffnet natürlich weitere offensive Optionen.

So sah das gestern bei Ballbesitz oft aus:

Die Dreierkette mit Akanji, Djourou und Schär – Lichtsteiner und Rodriguez sind weit aufgerückt. bild: screenshot srf

Doch so angriffig die Dreierkette auch klingt, es ist je nach Auslegung eine sehr defensive Formation. Denn sobald die Aussenverteidiger zurückfallen, hat man in der Abwehr eine Fünferkette. Deshalb sind Formationen mit der Dreierkette so variabel und können auch zum Verteidigen von Führungen ideal sein.

«Es kann eine gute Variante B sein, irgendwann vielleicht sogar eine Variante A.»

Petkovic über das 3-5-1-1

So sah das gestern gegen den Ball aus:

Lichtsteiner und Rodriguez machen aus der Dreier- eine Fünferkette. bild: screenshot srf

Spielstarke Innenverteidiger 

Die Dreierkette ist prädestiniert für spielstarke Innenverteidiger wie Jérôme Boateng, Leonardo Bonucci oder Mats Hummels. Hat die Schweiz solche? Ja.

epa07013171 England's Ruben Loftus-Cheek, left, fights for the ball against Switzerland's Manuel Akanji, right, during the friendly soccer match between England and Switzerland at the King Power Stadium in Leicester, England, on Tuesday, September 11, 2018.  EPA/GEORGIOS KEFALAS

Manuel Akanji kann nicht nur grätschen, sondern auch das Spiel aufbauen. Bild: EPA/KEYSTONE

Die perfekten Aussenverteidiger

Die Schweiz hat vier prädestinierte Spieler für die Positionen der offensiven Aussenverteidiger. Auf der linken Seite Ricardo Rodriguez und Steven Zuber (der bei Hoffenheim regelmässig auf dieser Position spielte) und über rechts Stephan Lichtsteiner, der bei seiner Juve-Zeit unter Antonio Conte in dieser Rolle förmlich aufblühte und auch gestern gegen England einen starken Auftritt hinlegte. Seine Konkurrenten Kevin Mbabu und Michael Lang lieben den Vorwärtsgang ebenfalls.

epa07006113 Switzerland's Steven Zuber (R) and Ricardo Rodriguez celebrates the first goal during the UEFA Nations League group 2 match between Switzerland and Iceland at the Kybunpark stadium in St. Gallen, Switzerland, 08 September 2018.  EPA/WALTER BIERI

Ricardo Rodriguez und Steven Zuber können beide die Position des linken offensiven Verteidigers einnehmen. Bild: EPA/KEYSTONE

Übergewicht im Mittelfeld

Durch die drei zentralen Mittelfeldspieler und Xherdan Shaqiri, der sich als hängende Spitze immer wieder fallen lässt, hat die Schweiz automatisch ein Übergewicht im Mittelfeld und so die Kontrolle über das Spiel. 

Die Statistiken zum Spiel gegen England. bild: screenshot srf

Gegen England kam die Schweiz auf 52 Prozent Ballbesitz und spielte mehr Pässe als der WM-Halbfinalist. Zwar führt ein hoher Ballbesitz-Anteil nicht automatisch zum Erfolg, dafür hätte die Schweiz gegen die «Three Lions» das Standard-Tor verhindern und in der Offensive noch etwas vertikaler spielen müssen. Doch wenn die Schweizer wissen, was sie mit dem Ball anfangen wollen, wie das gestern über weite Strecken der Fall war, sind die Ballbesitz- und Passwerte durchaus hilfreich.

Doppelspitze als Alternative

Wenn die Dreierkette etwas eingespielt ist, kann auch an den Formationen gearbeitet werden. Ein 3-4-3 oder ein
3-5-2 wären spannend zu sehen, um die Offensive noch stärker zu forcieren. Gerade ein Doppelsturm wäre eine interessante Alternative, die man in der Nationalmannschaft schon lange nicht mehr gesehen hat.

Mögliche Aufstellung in einem 3-5-2, keiner der Spieler ist älter als 29 Jahre.

Vladimir Petkovic hat mit der Umstellung auf die Dreierkette den Grundstein gelegt, um mit der Nati endlich den nächsten Schritt zu machen. Wer weiss, vielleicht liegt ja sogar bald mal ein Viertelfinal an einem grossen Turnier drin.

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Madmessie 13.09.2018 09:36
    Highlight Für diese Aufstellung braucht es kreative Spieler. Und zwar mehr als ein Shaqiri. Die habe ich in der Schweizer Mannschaft nicht gesehen.
    1 0 Melden
  • Peter Panther 12.09.2018 15:20
    Highlight Wenn Xhaka Chef auf dem platz sein will, so muss er nach vorne spielen. Gestern, wie schon so oft, hat er praktisch immer den ball mit dem rücken zum gegner angenommen und entweder nach hinten oder zur seite weitergespielt. Vorne ist das andere tor! Dorthin muss der ball!
    18 5 Melden
  • SD1980 12.09.2018 14:48
    Highlight Was mich am neuen System "stört" ist das Verhältnis von potenziell offensiven vs. defensiven Spielern. 4-6 mit dem altem System vs 2-8 im neuen System, wenn mit zwei Lichtsteiner und Rodriguez gespielt wird. Wenn mit drei Verteidern, wäre ich eher, wie in Punkt 7 erwähnt, für eine offensivere Variante, z.B 3-4-2-1 oder 3-4-1-2.
    1 1 Melden
    • Ikarus 12.09.2018 16:43
      Highlight Die 3er kette ist grundsätzlich ein 5-4-1 wenn der gegner den ball hat, in der offensive bist du aber sofort ein 3-3-4, davon sind 3 stürmer und eine hängende spitze mit shaqiri, da die flügel eben nicht aussen bleiben zum flanken sondern tore schiessen sollen. Mit den richtigen av, und die haben wir, hast du immer eine überzahl egal ob defensiv oder offensiv. Die 4er kette zwingt die flügel ebenfalls zum flanken da unsere iv zu schwach ist damit es wie ein barca ein 2-4-4 aufziehen.
      13 0 Melden
  • dave1771 12.09.2018 14:47
    Highlight Gavranovic und Seferovic in einem 3-4-3! Nicht wenn wir Ajeti und Embolo haben!
    12 1 Melden
    • exeswiss 12.09.2018 18:43
      Highlight embolo... hat der in der nationalmannschaft bisher schonmal was gezeigt?
      13 6 Melden
    • Raembe 13.09.2018 09:13
      Highlight @exeswiss: Naja seine Einsatzzeiten im Vergleich mit denen Severovic sind gering.
      2 0 Melden
  • LifeIsAPitch 12.09.2018 14:05
    Highlight "Auf ein neues Level" hebt Petkovic das Team erst, wenn es ein K.O.-Spiel an einem Turnier gewinnt. Man muss aber aufpassen, dass die Erwartungshaltung realistisch bleibt. Mittlerweile wird ja vorausgesetzt, dass sich die Schweiz für jede EM und WM qualifiziert, wobei gerne vergessen geht, dass die Eidgenossen nach 1966 und vor 1994 stets die gleiche Rolle hatten: als Zuschauer - trotz Hymnensänger, Doppeladlerverzicht und Ausnahmekönner wie Odermatt, Kuhn oder Künzli...
    36 2 Melden
  • roger_dodger 12.09.2018 11:28
    Highlight Ich seh schon, die beste Nati aller Zeiten, wir sind jetzt schon quasi Weltmeister, und dann kommt wieder das grosse Erwachen. LOL.
    36 97 Melden
    • felixJongleur 12.09.2018 11:58
      Highlight Warum setzt du dich überhaupt noch mit der Nati auseinander?
      80 18 Melden
    • Amboss 12.09.2018 12:19
      Highlight Naja, von "bester Nati aller Zeiten" reden wohl nur Leute wie du, die sich spöttisch und negativ zur Nati äussern.

      Realistisch gesehen haben wir eine Nati, die sich aus Spielern von Mittelfeldclubs zusammensetzt, vereinzelt aus Spielern der erweiterten Weltspitze, wobei viele im Verein nur Ergänzungsspieler sind.

      Kurz: Es fehlen Weltklassespieler, es fehlt generell ein bisschen an Qualität, es fehlt die Erfahrung von wichtigen Spielen (weil keiner im Club wichtige Spieler hat).
      Und so gesehen finde ich, unsere Jungs holen eigentlich mehr aus ihren Möglichkeiten heraus, als man erwarten kann
      47 8 Melden
    • banda69 12.09.2018 12:27
      Highlight @roger

      Was genau stört dich an der Schweizer Nationalmannschaft?

      Also ich finde sie sehr gut und sie ist erfolgreich. Aber ich habe halt noch die Zeiten erlebt als eine WM-Teilnahme völlig unvorstellbar war.
      32 4 Melden
    • roger_dodger 12.09.2018 13:18
      Highlight Ja, geht auch nicht gegen fie Spieler, die Presse jubelt aber jeden kleinen Erfolg massloss hoch statt mal bescheiden und nüchtern zu berichten. Dann wäre auch die Erwartungshaltung realistisch.
      12 5 Melden
    • Amboss 12.09.2018 13:59
      Highlight @Roger: Jetzt ist also "die Presse" Schuld?
      Kannst du keine eigene Meinung haben?

      8 7 Melden
  • Nelson Muntz 12.09.2018 11:12
    Highlight Jetzt fehlt einzig ein Knipser wie Knup, Kubi oder Frei. Stürmer wie der König der Chancentode, Davide Sesa, haben wir leider zu genüge.
    93 3 Melden
    • Johnny Geil 12.09.2018 14:05
      Highlight Fakten?
      Minuten bis zum Tor: Knup 142', Türklyimaz 144', Gavranovic 146', Drmic 155'.

      Da sind unsere aktuellen Stürmer aber ähnlich gut unterwegs.

      17 3 Melden
  • dillinger 12.09.2018 10:28
    Highlight Ein System ist schlussendlich nur eine aneinanderreihung von Zahlen die zusammengerechnet immer 10 ergibt. Viel wichtiger ist die Spielanlage, wie ein System ausgeführt wird. Das 3-5-2 bringt zwar Stabilität, das bringt aber nichts wenn vorbe nur Flanken in den Strafraum geschlagen werden wie gegen Schweden. Petkoviic hebt die Nati erst auf ein neues Level wenn die Kreadivität im letzten Drittel besser wird.
    56 20 Melden
    • Einloz 12.09.2018 22:06
      Highlight 3-5-2 oder 3-5-1-1 ist meist in der Praxis ein Chabis. Das muss intensiv geübt und verinnerlicht werden. Juve z. B. macht es wirksam vor. Wenn nicht, steht man sich in der Mitte auf den Füssen herum und wundert sich, dass über die Seiten nichts geht. Wenn die Zentrum-Spieler nicht checken, was sie tun sollen, sind die Flűgel/ Aussenverteidiger arme Kerle. Nö, das bietet zu wenig Perspektive für die Schweiz.
      1 0 Melden

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