DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04780485 Roger Federer of Switzerland in action against his compatriot Stan Wawrinka during their quarterfinal match for the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 02 June 2015.  EPA/CAROLINE BLUMBERG

Ein Bild der Vergangenheit? Roger Federer auf dem Sandplatz-Court des French Open. Bild: EPA/EPA

Analyse

Nach dem Verzicht auf die Sandsaison: Ist Federer ein Pragmatiker oder ein Feigling?

Nach Roger Federers erneutem Verzicht auf die Sandplatzsaison wirft sich die Frage auf: Ist der Schweizer ein Feigling, Rafael Nadal auf dessen stärkster Unterlage aus dem Weg zu gehen, oder ist er einfach nur clever?

simon häring / Aargauer Zeitung



Ein bisschen angefressen schien Roger Federer (36) schon. Seine Antworten waren immer noch höflich und durchdacht, aber doch knapper als sonst. Klar, da war Enttäuschung. Eine Niederlage sei nicht das Ende der Welt und es sei auch okay, einmal zu verlieren, hatte er vor einer Woche in Indian Wells nach der Final-Niederlage noch jovial gesagt.

epa06627934 Thanasi Kokkinakis of Australia (L) and  Roger Federer of Switzerland (R) meet at the net following their second round match at the Miami Open tennis tournament on Key Biscayne, Miami, Florida, USA, 24 March 2018  EPA/RHONA WISE

Federer musste in Miami die zweite Niederlage in Serie einstecken. Bild: EPA/EPA

Über Niederlagen lässt es sich ja auch einfach sinnieren, wenn man so sehr ans Gewinnen gewöhnt ist wie er. Doch zwei Mal in Folge? Das war ihm lange nicht mehr passiert. Genauer: letztmals 2014.

Über Wochen hatte Roger Federer mit einer Rückkehr auf Sand kokettiert.

Doch fast mehr zu reden gab, dass Roger Federer wie im Vorjahr die komplette Sandsaison auslässt und damit auch zum dritten Mal in Folge die French Open verpasst. «Die Diskussion ist schon beendet. Ich habe entschieden, nicht zu spielen», sagte Federer auf die Frage, die allen unter den Nägeln brannte. «Wir waren uns im Team schnell einig. Wir hatten alle das Gefühl, dass es besser ist, den Körper zu schonen und auf den Belagswechsel zu verzichten», präzisierte der Baselbieter. Schon in der letzten Woche sei diese Entscheidung gefallen.

Nicht die Entscheidung an sich, aber der Zeitpunkt und die Konsequenz überraschten dann doch. Federer hatte bisher stets betont, sich nach Miami zu entscheiden. Über Wochen hatte er mit einer Rückkehr auf Sand kokettiert.

Ist Federers Verzicht auf die Sandsaison richtig?

Es sei sein Traum, noch einmal in Paris zu gewinnen. Noch einmal die Emotionen von 2009 zu erleben, als er dort zum einzigen Mal gewonnen hat. Und Turnierdirektor Guy Forget schöpfte Hoffnung, strich Federer Honig ums Maul, indem er ihn zum Anwärter auf den Sieg machte. Forget wurde enttäuscht. Schon wieder.

FILE - In this June 7, 2009, file photo, Switzerland's Roger Federer kisses his trophy after defeating Sweden's Robin Soderling in their men's singles final match of the French Open tennis tournament in Paris, France. Roger Federer says he won't play in the French Open and instead prepare to play on grass and hard courts later this season. Federer posted a message entitled

2009 gewann Federer zum bisher einzigen Mal in Roland Garros. Bild: AP/AP

Er hatte in der Vorwoche sein letztes Ass aus dem Ärmel gezaubert, als er sagte, es wäre das erste Mal, dass eine Nummer eins ein Grand-Slam-Turnier auslasse, ohne verletzt zu sein. Vielleicht hatte er damit moralischen Druck ausüben wollen auf Federer, der mehr über die Geschichte des Sports weiss als viele seiner Kollegen. Doch nach dem 6:3, 3:6, 6:7 gegen den Australier Thanasi Kokkinakis (21, ATP 175) in Miami verliert Roger Federer am nächsten Montag die Weltranglistenspitze ohnehin wieder an den verletzten Rafael Nadal.

Federer muss sich den Vorwurf gefallen lassen, ein Feigling zu sein, dass er Nadal auf Sand aus dem Weg geht.

Vier Mal war Federer in Paris im Final am zehnfachen Sieger Nadal gescheitert, dazu einmal im Halbfinal. Gewonnen hat er dort gegen seinen Erzrivalen nie, doch die verbesserte Rückhand hat vieles verändert. Roger Federer hat die letzten fünf Duelle gewonnen und selber gesagt: «Ich bin gespannt, zu sehen, wie sich das auswirkt.»

Die Frage bleibt vorerst unbeantwortet. Er muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, er sei ein Feigling, dass er Rafael Nadal auf dessen Lieblingsbelag aus dem Weg geht. Je älter er wird, desto weniger Kompromisse geht er ein.

Das ist sein gutes Recht – und wohl auch Teil seines Erfolgsrezepts. Federer wollte dem Traum von Paris nicht alles unterordnen. Genau das hätte er aber tun müssen, um dort zu reüssieren. Federer hätte in Paris kaum gewonnen. Und doch ist seine Absage eine verpasste Chance.

Federer möchte Zeit mit seiner Familie verbringen, mit den Kindern Panini-Bildchen sammeln.

Er, der immer wieder nach neuen Impulsen sucht. Er, der sagt, nicht Trophäen, Rekorde und Siege, sondern Emotionen seien sein Antrieb. Ausgerechnet er verzichtet auf Paris und damit auf eine Geschichte, die unabhängig vom Ausgang die Fantasie seiner Anhänger beflügelte.

epa06434844 A handout photo made available by Tennis Australia shows Roger Federer (not pictured) of Switzerland's family; Mirka Federer (L) and two sets of twin children, Myla Rose Federer, Charlene Riva Federer, Lenny Federer and Leo Federer, watching Federer participating in the Rod Laver Arena Spectacular as part of Kids Tennis Day at Melbourne Park in Melbourne, Australia, 13 January 2018. The Australian Open starts on 15 January.  EPA/FIONA HAMILTON / TENNIS AUSTRALIA HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Federer möchte zeit mit seiner Familie verbringen. Bild: EPA/TENNIS AUSTRALIA

Es zeigt aber auch mit aller Deutlichkeit: Selbst in einem emotional aufgeladenen Umfeld handelt Roger Federer wie ein kühl kalkulierender Pragmatiker. Ein Opportunist. Zu gross ist ihm das Risiko, sich auf Sand zu verletzen. Zu drängend die Sehnsucht nach körperlicher und emotionaler Erholung.

Federer möchte lieber nach Sambia reisen und Projekte seiner Stiftung besuchen. Er möchte Zeit mit seiner Familie verbringen, mit den Kindern Panini-Bildchen sammeln. «Das sind die wirklich wichtigen Dinge im Leben», sagt er. Und er möchte im Sommer zum neunten Mal in Wimbledon gewinnen. Gelingt ihm das, hat Roger Federer alles richtig gemacht. Mal wieder.

Das sind die wichtigsten Rekorde von Roger Federer

1 / 29
Das sind die wichtigsten Rekorde von Roger Federer
quelle: epa/anp / koen suyk
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Unvergessene Tennis-Geschichten

«Yips» beschert Kurnikowa einen unglaublichen Negativrekord – und trotzdem gewinnt sie

Link zum Artikel

Hingis bodigt in Melbourne erst Serena Williams und macht dann Kleinholz aus Venus

Link zum Artikel

Federer nach seinem ersten Sieg gegen eine Nummer 1: «Jetzt will ich in die Top 10»

Link zum Artikel

«Disgusting bitch!» – Patty Schnyder teilt mal so richtig aus

Link zum Artikel

Vier vergebene Matchbälle! Hingis' Traum schmilzt in Melbourne bei 50 Grad weg

Link zum Artikel

Eine krachende Vorhand rettet Federer auf dem Weg zum Karriere-Slam

Link zum Artikel

Paris verliebt sich in Nadal, das «Kind mit der donnernden Linken»

Link zum Artikel

Chang treibt Lendl mit Mondbällen und «Uneufe»-Aufschlag in den Wahnsinn

Link zum Artikel

Mit einem Return für die Ewigkeit beendet Federer die Wimbledon-Ära des grossen Sampras

Link zum Artikel

Oh là là! Eine Flitzerin stiehlt den Wimbledon-Finalisten kurz die Show

Link zum Artikel

Mit 16 wird Martina Hingis die jüngste Wimbledon-Siegerin des 20. Jahrhunderts

Link zum Artikel

Wimbledon-Triumph als Weltnummer 125 – Ivanisevics Traum wird endlich wahr

Link zum Artikel

Djokovic fügt Wawrinka die Mutter aller heroischen und bitteren Niederlagen zu

Link zum Artikel

Gut gebrüllt: «Niemand schlägt Vitas Gerulaitis ­17 Mal hintereinander!»

Link zum Artikel

Weil sich Courier von Kuhglocken irritieren lässt, darf die Schweiz vom Davis Cup träumen

Link zum Artikel

Frankreich holt sich den dramatischsten Davis-Cup-Triumph der Geschichte

Link zum Artikel

Im Interview mit CNN hat Roger Federer seinen legendären Lachanfall

Link zum Artikel

Wegen Rossets Dummheit des Jahres bricht Hingis beim Hopman Cup in Tränen aus

Link zum Artikel

Nach Federers Gegensmash schmeisst Roddick frustriert sein Racket weg

Link zum Artikel

Nach den Olympischen Spielen in Sydney entfacht die grosse Liebe zwischen Roger und Mirka

Link zum Artikel

«Who is the beeest? Better than the reeest?» – Federer rockt beim Davis Cup das Festzelt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

In seltsamen Hosen stürmt «Stan the Man» zum Triumph an den French Open

7. Juni 2015: Es ist nicht Stan Wawrinkas erster Grand-Slam-Titel, aber wohl der wichtigste. Der Waadtländer sorgt am French Open in Paris mit grandiosem Tennis für Schlagzeilen – und mit einer seltsamen Hose.

Der Schlusspunkt war ein «Wawrinka spezial». Wie von einem Laser gezogen flog die Rückhand des Schweizers der Linie entlang ins Feld von Novak Djokovic, der keine Chance mehr hatte, an den Ball zu kommen. Es war nicht übertrieben, als Stan Wawrinka an der Siegerehrung vom «Spiel des Lebens» sprach. Nie war der damals 30-jährige Lausanner besser als am French Open 2015.

Und nie unterhielt er das Publikum besser. Am Ende jubelten ihm die 15'000 Fans auf dem Court Philippe-Chatrier begeistert zu.

In …

Artikel lesen
Link zum Artikel