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Wird Marco Odermatt zum besten Skifahrer der Geschichte des Weltcups?

epa10373994 Winner Marco Odermatt of Switzerland celebrates in the finish area after the Men's Giant Slalom race of the Alpine Skiing World Cup in Alta Badia, Italy, 19 December 2022. EPA/ANDREA  ...
Wohin führt die Reise von Marco Odermatt noch?Bild: keystone

So gut ist Ski-Überflieger Odermatt (statistisch) jetzt schon – weitere Rekorde wackeln

Marco Odermatt unterstrich beim Saisonfinale erneut, warum er aktuell der fraglos beste Skifahrer der Welt ist. Dabei knackte der Nidwaldner auch einige Rekorde – auf andere Bestmarken fehlt ihm aber noch einiges.
20.03.2023, 09:0420.03.2023, 10:27
Reto Fehr
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Gesamtweltcupsieger, Super-G-Gesamtsieger, Riesenslalom-Gesamtsieger: Marco Odermatt sahnte in dieser Weltcupsaison so richtig ab.

Mit dem Sieg im Riesenslalom schloss er zudem mit seinem 24. Erfolg zu Peter Müller auf. Jetzt hat nur noch ein Schweizer mehr Weltcup-Triumphe gefeiert: Pirmin Zurbriggen. Aber wenn alles normal läuft, ist der Walliser diese Bestmarke (40 Siege) in den nächsten Jahren los.

Um die noch immer junge Karriere Odermatts mit anderen Grössen des Skisports zu vergleichen, ist es eigentlich noch zu früh. Hinzu kommt, dass die Wandlung des Skisports, des Kalenders und der Disziplinen historische Vergleiche erschweren. Aber wenn es so weitergeht, dürfte der 25-jährige Überflieger noch so manchen Rekord knacken – und einige hat er in dieser Saison schon aufgestellt.

Punkte in einer Saison

Die Marke von 2000 Punkten, welche Hermann Maier in der Saison 1999/2000 aufstellte, war für die Ewigkeit gedacht. Diese Ewigkeit endet aber nach 23 Jahren: Marco Odermatt sammelte 2042 Punkte – und das, obwohl er drei Rennen verletzt verpasste.

Unterstrichen wird diese Leistung auch dadurch, dass er nicht auf schwache Gegner traf. Alexander Aamodt Kilde lieferte eine sehr starke Abfahrtssaison, im Riesenslalom fahren Henrik Kristoffersen oder auch Lucas Braathen und Loic Meillard auf sehr hohem Niveau:

Die Vergleichbarkeit erschwert sich zum einen durch die gesamte Anzahl Rennen, welche seit 1992/93 zwischen 33 und 44 schwankte, zum anderen auch durch die Anzahl Rennen, welche ein Athlet tatsächlich bestritt.

Maier stand bei seinem Rekord 30-mal am Start (40 mögliche Rennen). Odermatt griff in der letzten Saison bei 26 Rennen ins Geschehen ein. Unverwüstlich waren hier Bode Miller (2005) und Aksel Lund Svindal (2007): Sie bestritten damals alle 36 Wettkämpfe.

Meiste Punkte in einer Disziplin

Möglich machten den Punkterekord grandiose Leistungen im Riesenslalom und Super-G. Odermatt holte in neun Riesenslaloms sieben Siege, einmal Platz 2 und einmal Rang 3. Macht einen sagenhaften Punkteschnitt von 93,3. Das schaffte noch kein Fahrer zuvor.

Und auch Rang 2 in dieser Wertung geht an den Nidwaldner. Im Super-G sammelte er in acht Rennen 740 Zähler, macht 92,5 Punkte im Schnitt pro Rennen.

Die 840 Zähler vom Riesenlalom übertraf einzig Marcel Hirscher in einer Disziplin zweimal. Allerdings fuhr der Österreicher während den Saisons 2013 und 2018 deren elf Slaloms:

Siege pro Saison

Eingestellt hat Odermatt einen anderen Rekord von Hirscher. Der Nidwaldner erreichte mit fünf Siegen in seinen letzten sechs Saisonrennen 13 Weltcuptriumphe in diesem Jahr.

Mehr als 13 Weltcupsiege innert einer Saison schaffte bisher noch kein Athlet. Ingemar Stenmark, Hermann Maier und Marcel Hirscher erreichten diese Marke mehr oder weniger im 20-Jahresschnitt. Gut möglich, dass Odermatt hier bald diese drei Legenden noch übertrumpft:

Alter beim ersten Sieg

Blicken wir zurück in die Anfänge der Karriere. Oder besser gesagt zu seinem definitiven Durchbruch: 22 Jahre, 1 Monat und 29 Tage war Marco Odermatt alt, als er am 6. Dezember 2019 in Beaver Creek den Super-G gewann und sich fortan Weltcupsieger nennen durfte. 41 Rennen benötigte er, bis er erstmals zuoberst auf dem Treppchen stand.

Damit war Odermatt im Vergleich zu den jüngsten Siegern bereits ziemlich alt. Der jüngste Sieger aller Zeiten ist Piero Gros, der beim Triumph im Riesenslalom von Val d'Isère im Jahr 1972 lediglich 18 Jahre und 39 Tage alt war.

Auffallend ist, dass die Sieger früher jünger waren. Zum Vergleich haben wir darum noch einige Premierensieger der Neuzeit, die danach auch im Weltcup tragende Figuren wurden, herangezogen. Hier war Henrik Kristoffersen der jüngste. Marcel Hirscher war bei seinem ersten Sieg rund 16 Monate jünger als Odermatt.

Alter bei 24 Siegen

Odermatt steht seit dem Riesenslalom-Sieg am 18. März 2023 bei 24 Siegen im Weltcup. Damit gehört er zu einem bereits ziemlich exklusiven Klub von 19 Athleten, welche ebenfalls mindestens so oft zuoberst auf dem Podium standen.

Drei von ihnen waren beim 24. Sieg noch jünger als Odermatt. In der Neuzeit erreichte kein Athlet diese Marke in einem jüngeren Alter.

Alter beim ersten Gesamtweltcup-Sieg

Auch hier geht der Blick auf den Gesamtweltcup: Odermatt ist seit dieser Saison einer von 14 Athleten, welche die grosse Kristallkugel mindestens zweimal gewinnen konnten. Den ersten Gesamtweltcupsieg sicherte er sich mit 24 Jahren, 11 Fahrer waren bei ihrem ersten Triumph jünger. Auch hier zeigt sich also: Odermatt war kein Frühstarter, auch wenn er hoffentlich noch viele Jahre seiner Karriere vor sich hat.

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Siege in Serie

Odermatt fuhr seine 24 Weltcupsiege bislang allesamt in Riesenslalom und Super-G ein. Im Super-G feiert er im März 2021 in Saalbach-Hinterglemm und im Dezember des gleichen Jahres in Beaver Creek gleich zwei Siege in Serie. Im Riesenslalom waren es 2022 (saisonübergreifend) deren drei Vollerfolge de suite.

Um die längste Siegesserie im Riesenslalom zu knacken, müsste Odermatt länger als eine komplette Saison alle Rennen gewinnen. Die Bestmarke von Hermann Maier mit vier Erfolgen in Serie im Super-G egalisierte er beim Weltcupfinale in Soldeu. Gewinnt er auch den ersten Super-G der neuen Saison, ist er hier alleiniger Rekordhalter.

Schauen wir noch etwas detaillierter auf die beste Disziplin von Marco Odermatt, den Riesenslalom, wo er bisher 14 Weltcupsiege feiern konnte. Bei den letzten 17 Riesenslaloms stand er zudem mindestens auf dem Podest (siehe weiter unten).

Wie oben erwähnt, dürften die 14 Siege von Stenmark unerreicht bleiben. Aber die Bestmarke von Marcel Hirscher als «Best of the rest» scheint durchaus im Bereich des Möglichen. Odermatts aktuelle Siegesserie-Bestmarke steht bei drei Erfolgen.

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Podestplätze in Serie

Wir wechseln zu den Podestplätzen disziplinenübergreifend. In der ersten Saisonphase stellte Odermatt (saisonübergreifend) eine Serie von 12 Podestplätzen auf. Der Schweizer trat dabei in drei verschiedenen Disziplinen an. Mehr Podestplätze hintereinander in drei verschiedenen Disziplinen holte vor ihm einzig Jean-Claude Killy in den Jahren 1967/68 mit deren 14.

Auch noch vor dem Schweizer liegen Ingemar Stenmark (14 Podestplätze) und Alberto Tomba (13 Podestplätze). Diese beiden traten allerdings nur in Slaloms und Riesenslaloms an. Stenmark erreichte in der Saison 1979/80 zudem einmal 13 Podestplätze in Serie.

ACHTUNG: Gemäss den Daten der FIS hat Stenmark gar 41 Podestplätze in Serie erreicht, Killy deren 23 und Tomba 15. Allerdings sind da die Daten des Verbands nicht vollständig. Die Daten oben wurden mit Hilfe der umfassenden Statistiken des ORF korrigiert.

Blicken wir auch hier noch auf Odermatts Paradedisziplin Riesenslalom. In der Neuzeit stand Marcel Hirscher hier 18-mal in Serie auf dem Treppchen. Odermatt steht aktuell bei 17 Top-3-Resultaten in Serie bei allen Riesenslaloms, bei welchen er startete. In Sölden kann er in der nächsten Saison zu Hirscher aufschliessen.

Anzahl Podestplätze

Stenmark und Hirscher stehen bei der Gesamtzahl an Podestplätzen während der gesamten Karriere ganz vorne. Möchte der aktuell beste Skifahrer in diese Sphären stossen, müsste er bei durchschnittlich 15 Podestplätzen pro Saison noch rund sieben Saisons auf diesem Niveau fahren und von Verletzungen verschont bleiben. In der soeben zu Ende gegangen Saison stand Odermatt 22 Mal auf dem Treppchen.

Anzahl Kristallkugeln

Was am Ende der Karriere im Weltcup zählt, steht in Form von Kristallkugeln in den Vitrinen der Fahrer. Marcel Hirscher schwingt hier mit acht Erfolgen im Gesamtweltcup und zwölf Disziplinenweltcups oben aus.

Auch hier gilt: Eine Prognose für Odermatt abzugeben, wäre deutlich zu früh. Aber nur schon in die Nähe dieser Erfolge zu kommen, bedingt hohe Konstanz über viele Jahre.

Punkte pro gefahrenem Rennen

Um Ungleichheiten auszugleichen, blicken wir noch auf die gesammelten Punkte pro gefahrenem Rennen. Marcel Hirscher bestritt in der Saison 2017/18 deren 20 Rennen und sammelte im Schnitt dabei 81 Punkte, was jedes Mal Rang 2 entspricht.

Odermatt sackte in der abgelaufenen Saison 78,5 Punkte pro bestrittenem Rennen ein. Die «Abschiffer» in der Abfahrt verhinderten eine noch bessere Quote. Trotzdem reicht dies für Rang 3 in dieser Wertung:

Vorsprung im Gesamtweltcup

Zum Abschluss eine Bestmarke, die Odermatt nur beschränkt beeinflussen kann: Der Abstand zum Rest. In der Saison 2021/22 distanzierte er Kilde um 467 Punkte, was schon einem der grössten Unterschiede in den letzten 30 Jahren entspricht. Jetzt hat er mit 702 Punkten nachgelegt. Weiter enteilt war der beste Skifahrer der Saison der Konkurrenz erst einmal: 2000/01 Hermann Maier. Diesen Bestwert hat Odermatt dem Herminator nicht abgeknüpft. Noch nicht.

Dieser Artikel erschien erstmals im Januar 2023 und wurde nach Saisonende upgedatet.

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33 Kommentare
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Dan Rifter
06.01.2023 15:23registriert Februar 2015
Meiner Meinung nach sind die Vergleiche mit den "alten Legenden" - also sagen wir mal vor 1990 - Makulatur.

Die Dichte an der Spitze und das Niveau in der Breite sind heute wohl höher - in den 60/70/80er haben sich die jeweils besten 5-10 das Meiste untereinander aufgeteilt - oder bin ich da völlig auf dem Holzweg?
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Züzi31
06.01.2023 15:50registriert August 2015
Die Siegeszahlen von Hirscher sind schon sehr beeindruckend. Und er ist erst 33 jährig, hätte also eigentlich noch gute 3 bis 4 Jahre um Titel fahren können.
Danke für die Vergleiche und hoffen wir, Odermatt macht noch lange so weiter.
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Zanzibar
06.01.2023 19:20registriert Dezember 2015
Wahnsinn wie überlegen Hirscher und Maier waren. Natürlich auch Stenmark, aber das war eine andere Zeit.
Mein Bauchgefühl sagte mir dass Bode Miller einer der grössten aller Zeiten war, die Statistiken sagen doch etwas anderes. Er war wohl einfach ein bunter Hund welcher in allen Disziplinen angetreten ist.
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