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NHL: 7 Erkenntisse aus dem 1. Monat zu jungen Stars und Kanadas Goalies

A piece of broken stick flies past St. Louis Blues goaltender Jordan Binnington (50) during the second period of an NHL hockey game against the Vancouver Canucks Thursday, Oct. 30, 2025, in St. Louis. ...
Wer wird kanadischer Olympiagoalie, wenn Jordan Binnington weiterhin so schwach spielt?Bild: keystone

Kanadische Olympiasorgen und Aufstand der Jugend – 7 Erkenntnisse aus dem 1. NHL-Monat

Die NHL-Saison 2025/26 ist etwas mehr als einen Monat alt. Erste Trends sind dabei schon erkennbar. Wir zeigen dir, was bislang so aufgefallen ist.
11.11.2025, 18:1812.11.2025, 09:05

Bevor wir auf die Szenarien von einzelnen Teams oder Spielern eingehen, fällt noch eine andere Sache ins Auge: die Ausgeglichenheit der NHL. Im Osten sind selbst die letztplatzierten Buffalo Sabres nur vier Punkte hinter einem Playoff-Platz. Im Westen sind es wohl drei Teams, die sich schon früher aus dem Playoff-Rennen verabschiedet haben (siehe Punkt 7), ansonsten ist aber vieles nahe beisammen. Aber jetzt wollen wir uns doch den sieben Erkenntnissen widmen.

PS: Keine Angst, nur die Überschriften sind auf Englisch.

The kids are alright

Wer aktuell auf die Skorerliste der NHL schaut, der sieht zuvorderst Nathan MacKinnon. Der Superstar der Colorado Avalanche dominiert die Liga mit 29 Punkten aus 16 Spielen. Doch direkt dahinter lautet das Motto: Jugend forscht. Auf Platz 2 der Skorerliste ist Anaheims Leo Carlsson (20 Jahre), er hat gleich viele Punkte auf dem Konto wie Chicagos Connor Bedard (20), allerdings mit einem Spiel weniger.

Auf Rang 4 der Skorerliste befindet sich Macklin Celebrini (19) von den San Jose Sharks. Der junge Kanadier hat damit gleich viele Punkte auf dem Konto wie Connor McDavid – dabei hat Celebrini mehr Tore geschossen und ein Spiel weniger absolviert.

Das junge Trio steht stellvertretend für eine neue Generation von Stars, die in der Liga angekommen ist. Auch Cutter Gauthier (Anaheim, 20 Punkte in 15 Spielen), Will Smith (San Jose, 16 Punkte in 16 Spielen), Ivan Demidov (Montreal, 13 Punkte in 15 Spielen) oder die Verteidiger Lane Hutson (Montreal, 13 Punkte in 15 Spielen) und Matthew Schaefer (New York Islanders, 12 Punkte in 16 Spielen) überzeugen. Sie sind der Beweis, dass die beste Eishockeyliga der Welt in besten Händen ist, auch wenn Stars wie Sidney Crosby, Evgeni Malkin oder Alex Ovechkin irgendwann zurücktreten sollten.

Oh goalie, who's goalie?

Die ersten Wochen der NHL-Saison haben auch gezeigt: Kanada hat bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo womöglich ein Goalieproblem. Beim NHL-Vierländerturnier im letzten Februar waren Jordan Binnington, Adin Hill und Samuel Montembeault die aufgebotenen Torhüter. Hill schlägt sich zum Start der Saison mit Verletzungen herum. Die jüngste Blessur ist offenbar so schlimm, dass der 29-jährige Vegas-Goalie wochen- oder gar monatelang ausfallen könnte. Aber so oder so konnte Hill in dieser Saison bei seinen wenigen Einsätzen nicht überzeugen.

Die Fangquoten lassen noch keine riesigen Unterschiede erkennen.

Montembeault zeigt bei den Montreal Canadiens bislang schwache Leistungen und hat die Nummer-1-Rolle an den Tschechen Jakub Dobes verloren. Und bei den St.Louis Blues sieht Jordan Binnington noch schwächer aus als sein Kollege in Montreal. Was für Binnington spricht: Schon letztes Jahr spielte er in St.Louis nicht überzeugend, bis er am 4-Nations-Turnier Kanada zum Finalsieg gegen die USA hexte.

Bei den Expected Goals sind grössere Unterschiede erkennbar.

Der momentan beste kanadische Goalie in der NHL ist Washingtons Logan Thompson. Doch offenbar gibt es gewisse Feindseligkeiten zwischen dem Trainerstaff der Kanadier (namentlich Bruce Cassidy und Pete DeBoer) und Thompson. Mit beiden Trainern hat der Torhüter während seiner Zeit in Vegas zusammengearbeitet und dabei offenbar nicht den besten Eindruck hinterlassen. Obwohl er schon letzte Saison überzeugte, wurde er für 4 Nations nicht berücksichtigt und diesen Sommer auch nicht ins Orientierungscamp der Kanadier für die Olympischen Spiele eingeladen.

Washington Capitals goaltender Logan Thompson (48) stops a puck during the first period of an NHL hockey game against the St. Louis Blues, Wednesday, Nov. 5, 2025, in Washington. (AP Photo/John McDonn ...
Logan Thompson war schon letzte Saison der beste kanadische Goalie.Bild: keystone

Andere Optionen wären Stuart Skinner von den Edmonton Oilers, Scott Wedgewood von den Colorado Avalanche oder Darcy Kuemper von den Los Angeles Kings. Aber alle drei sind nicht wirklich auf dem Niveau des restlichen kanadischen Kaders.

Not well-oiled

Apropos Stuart Skinner. Der Goalie ist eines der Probleme, mit denen sich die Edmonton Oilers derzeit herumschlagen. Zwar hat der Stanley-Cup-Finalist der letzten zwei Jahre derzeit gleich viele Punkte wie Winnipeg und Utah auf den Wild-Card-Plätzen. Aber weil sie auch schon mehr Spiele absolviert haben, liegen die Oilers momentan nicht auf einem Playoffplatz.

Mittlerweile haben wir uns ja an den Oil-Tober gwöhnt – die Tatsache, dass Edmonton im Oktober nicht besonders gut spielt. Einerseits, weil sie nach dem langen Playoff-Run im Vorjahr noch etwas eingerostet sind und sich mit Wehwehchen herumschlagen. Andererseits, weil sie es einfach nicht müssen. Die Mannschaft ist derart talentiert, dass es reicht, wenn sie ab dem Spätherbst ihr wahres Gesicht zeigt. Doch dieses Jahr will das auch im November noch nicht recht gelingen. Die Oilers sind weit davon entfernt, eine gut geölte Maschine zu sein.

Connor McDavid und Leon Draisaitl performen gut, aber sind noch nicht übermenschlich, wie man sich das von ihnen gewohnt ist. Die verletzungsbedingte Absenz von Zach Hyman schmerzt die Oilers wie schon in den Playoffs stark. Verteidiger Evan Bouchard ist in alte Muster zurückgefallen und derzeit mehr eine Fehlerfabrik als ein produktives Mitglied des Teams. Und weder Stuart Skinner noch Calvin Pickard sind genügend gute Goalies, um die defensiven Mängel ihrer Vorderleute zu kaschieren.

Eigentlich müsste General Manager Stan Bowman längst auf dem Trade-Markt aktiv werden, um diese Schwachstellen zu beheben. Doch geht es nach ihm, hat Edmonton kein Goalie-Problem. Bowman muss allerdings aufpassen: Connor McDavid hat nur bis 2028 verlängert. Wenn er bis dahin den Cup nicht gewinnt oder zumindest das Gefühl hat, das Oilers-Management ist nicht in der Lage, eine genügend gute Mannschaft zusammenzustellen, droht er den Klub zu verlassen.

The Devil's in the details

Die New Jersey Devils sitzen derzeit zuoberst in der Metropolitan Division. Der Saisonstart ist mit elf Siegen aus 16 Spielen durchaus geglückt. Doch zuletzt gab es auch Grund für leichte Sorgenfalten. Der Roadtrip in den Westen missglückte mit nur einem Sieg gegen Los Angeles und teils deutlichen Niederlagen gegen Colorado, San Jose und Anaheim.

Nachdem er sehr gut in die Saison gestartet war, hat Nico Hischier mittlerweile etwas mehr Mühe. In den letzten fünf Spielen hat er nur einen Skorerpunkt gesammelt (1 Tor). Der Walliser schafft es nicht mehr gleich gut, eigene Chancen zu kreieren, und muss selbst viele gegnerische Chancen zulassen. Es wird spekuliert, dass sich der Devils-Captain mit einer Blessur herumschlägt, bestätigt ist das aber nicht.

So oder so hat die Verletzungshexe bei New Jersey wieder zugeschlagen. Verteidiger Jonathan Kovacevic fehlt schon seit Saisonbeginn, Stürmer Evgenii Dadonov fällt fast so lange aus. Zuletzt fielen auch noch die Stürmer Connor Brown und Cody Glass sowie der wichtige Verteidiger Brett Pesce aus. Verletzungen waren schon immer die Achillesferse der talentierten Devils.

NHL injury summary through 7 November

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— NHLInjuryViz (@nhlinjuryviz.bsky.social) 8. November 2025 um 15:37
New Jersey und Vancouver haben bislang am meisten Spielereinsätze durch Verletzungen verloren.

California dreamin'

Wer hätte das gedacht? Die Anaheim Ducks führen momentan die Pacific Division an. Nach langen, zähen Jahren des Rebuilds – Anaheim erreichte 2018 zum letzten Mal die Playoffs – hat man von den Ducks zwar eine Steigerung erwartet. Dass sie gleich so explosiv auffällt, kommt aber durchaus überraschend. Junge Spieler wie Leo Carlsson und Cutter Gauthier haben ihren Durchbruch, während erfahrene Veteranen wie Chris Kreider und Jacob Trouba zu alter Form zurückfinden.

Anaheim Ducks center Leo Carlsson celebrates his goal during the third period of an NHL hockey game against the Winnipeg Jets, Sunday, Nov. 9, 2025, in Anaheim, Calif. (AP Photo/Mark J. Terrill)
Jets  ...
Leo Carlsson befindet sich in Topform.Bild: keystone

Der neue Trainer Joel Quenneville ist nach fast vier Jahren Suspendierung wegen seiner Rolle im sexuellen Missbrauchskandal rund um die Chicago Blackhawks wieder zurück in der NHL. Der 67-Jährige zeigt, warum er einst als einer der besten Trainer der Welt galt. Der Kanadier hat die Ducks zu einer Einheit geformt – und zu einer Tormaschine. Kein anderes Team erzielt mehr Tore als die Kalifornier. Zudem kann Goalie Lukas Dostal auch den einen oder anderen defensiven Aussetzer seiner Vorderleute übertünchen.

Im Sog der Ducks träumt noch eine kalifornische Mannschaft von den Playoffs: die San Jose Sharks. Nur ein Punkt trennt das Team des Schweizer Nationalspielers Philipp Kurashev derzeit von den Playoff-Plätzen. Nach einem katastrophalen Saisonstart ohne Sieg aus den ersten sechs Spielen haben die Sharks richtig Schwung aufgenommen.

San Jose Sharks' Will Smith, left, celebrates his winning goal with Macklin Celebrini at the end of the overtime period of an NHL hockey game in New York, Thursday, Oct. 23, 2025. (AP Photo/Seth  ...
Will Smith und Macklin Celebrini begeistern die San Jose Sharks.Bild: keystone

Supertalent Macklin Celebrini (siehe Punkt 1) überstrahlt natürlich alles. Aber auch die anderen jungen Sharks wie Will Smith, William Eklund oder Verteidiger Sam Dickinson machen Freude. Andere Top-Talente wie Michael Misa oder Quentin Musty steht der Durchbruch erst noch bevor. Eine Playoff-Qualifikation wäre für die Sharks natürlich ein Traum, käme aber fast noch verfrüht. Es wäre nur schon ein Erfolg, im neuen Jahr noch nicht komplett abgeschlagen im Tabellenkeller zu sein.

Will the real NYR please stand up?

Der kuriose Fall der New York Rangers. Auswärts hat die Mannschaft aus Manhattan in neun Spielen sieben Siege gefeiert. Doch zuhause läuft es überhaupt nicht: Von acht Spielen im Madison Square Garden haben die Rangers nur eines gewonnen. Jetzt ist die Frage: Welches sind die echten Rangers? Jene, die auswärts dominieren, oder die mit den Heim-Mühen?

New York Rangers left wing Artemi Panarin (10) skates toward his bench after scoring a goal during the third period of an NHL hockey game against the Vegas Golden Knights Sunday, Feb. 2, 2025, in New  ...
Weit von seiner Bestform entfernt: Artemi Panarin.Bild: keystone

Am ehesten ist es eine Mischung aus beiden. Klar ist aber vor allem, dass die Mühen der letzten Saison, als die Rangers die Playoffs verpassten, nicht überstanden sind. Mit Artemi Panarin, Mika Zibanejad und J.T. Miller hinken zu viele Stars der Bestform hinterher. Und Nummer-1-Draft Alexis Lafrenière wird den Erwartungen auch in seiner sechsten NHL-Saison nicht gerecht.

So stellt New York eine der harmlosesten Offensiven der NHL. Nur Calgary, Seattle, Philadelphia und Buffalo erzielen noch weniger Tore. Trainer Mike Sullivan ist bislang den Beweis schuldig geblieben, dass er bei den Rangers ein Heilsbringer sein kann.

Calgary Blues

Zuunterst in der NHL-Tabelle finden wir die Calgary Flames und die St.Louis Blues. Die Flames hatten nie echte Ambitionen auf die Playoffs. Die Organisation dürfte viel eher darauf hoffen, dass sie sich im kommenden Draft die Rechte an Supertalent Gavin McKenna sichern können. Offensiv sind die Flames absolut harmlos. Nach 17 Partien hat erst ein Spieler (Blake Coleman) mehr als fünf Tore erzielt. Und heuer kann bislang auch Goalietalent Dustin Wolf die Kohlen nicht aus dem Feuer holen.

Die Baisse der St.Louis Blues kommt dagegen überraschend. Letztes Jahr noch ein Playoff-Team, will diese Saison nur wenig zusammenpassen. Kein Team kassiert mehr Tore als St.Louis, in sieben von 16 Partien hat die Mannschaft von Nati-Stürmer Pius Suter fünf oder mehr Tore kassiert. Die Verteidigung vermisst Torey Krug schmerzlich, der seine Karriere nach einer Knöcheloperation voraussichtlich beenden muss. Zwischen den Pfosten können weder Jordan Binnington noch Ersatzgoalie Joel Hofer den Schaden in Grenzen halten.

St. Louis Blues' Pius Suter, left, celebrates after scoring the game-winning goal past Edmonton Oilers goaltender Calvin Pickard (30) during the third period of an NHL hockey game Monday, Nov. 3, ...
Pius Suter ist einer der wenigen Blues, der regelmässig seine Leistung aufs Eis bringt.Bild: keystone

Und die Blues sind halt auch keine Mannschaft, die ihre Probleme wegballern kann. Pius Suter ist aktuell gemeinsam mit Jordan Kyrou Topskorer des Teams (beide 5 Tore und 4 Assists). Da müsste von anderen Stars wie Robert Thomas, Brayden Schenn oder Jake Neigbours deutlich mehr kommen. So gehören die Blues gemeinsam mit Calgary und wohl auch den erneut enttäuschenden Nashville Predators (ein Punkt mehr als St.Louis aber zwei Spiele mehr) zu den Teams, für die der Playoff-Zug schon langsam ausser Sichtweite gerät.

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