DE | FR
Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
New Jersey Devils defenseman Sami Vatanen (45) celebrates his goal with Nico Hischier during the third period of the team's NHL hockey game against the Detroit Red Wings, Thursday, Nov. 1, 2018, in Detroit. (AP Photo/Paul Sancya)

Viel Grund zum Jubeln gab es für Nico Hischier (rechts) und seine New Jersey Devils in dieser Saison noch nicht. Bild: AP/AP

«Tore und Assists sind mir nicht wichtig» – Bescheidenheit ist Trumpf bei Nico Hischier

Talent Nico Hischier ist die jüngste Erfolgsgeschichte des Schweizer Eishockeys. Der 19-jährige Walliser hat sich auf Anhieb in der NHL etabliert. Doch derzeit läuft bei seinen New Jersey Devils nicht alles nach Wunsch.

sergio dudli / ch media



«Das war natürlich mega krass!» Eigentlich ist Nico Hischier ein Mann, der seine Worte stets mit Bedacht wählt. Er wirkt überlegt, bescheiden, will nichts sagen, woraus ihm jemand einen Strick drehen oder das jemanden verletzen könnte. Worte wie «cool», «geil» oder eben «krass» finden bei Hischier normalerweise keine Verwendung.

Doch auf die lobenden Worte von NHL-Legende Wayne Gretzky angesprochen, weiss sich selbst Hischier nur noch mit dem Jugendterminus «mega krass» zu helfen. Es ist einer der wenigen Momente, in denen man realisiert, dass der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung eben doch erst 19-jährig ist.

Der Oberwalliser hat bewegte Monate hinter sich. Zu Beginn der vergangenen Saison waren alle Augen auf die neue Attraktion namens «Nummer-1-Draft» gerichtet. Nach seiner Ankunft bei den New Jersey Devils brach der gesamte Trubel über Hischier hinein. Jeder wollte ein Autogramm, ein Interview, ein Foto. Kurzum: Alle wollten ein Stück von Nico Hischier.

War das nicht zu viel Last für die unerprobten Schultern? Der 19-Jährige verneint. «Nach einem Draft wirst du halt etwas genauer angeschaut. Die Menschen im Club haben mir geholfen, mich schnell zu integrieren, und haben dafür gesorgt, dass ich mich auf Eishockey konzentrieren kann.»

Eine zweite Heimat gefunden

Diese Bemühungen der Verantwortlichen bei den New Jersey Devils haben gefruchtet: Hischier stand in seiner ersten NHL-Saison in jedem Spiel auf dem Eis und hatte mit 53 Torbeteiligungen massgeblichen Anteil daran, dass seinem Club erstmals seit fünf Jahren wieder die Qualifikation für das Playoff glückte.

«Die kleinen Fehler kosten uns momentan viele Punkte.»

Nico Hischier

«Die Anzahl Tore und Assists sind mir nicht wichtig. Das ist vor allem für die Medien und Fans spannend», sagt Hischier. «Mich interessiert immer nur, wie ich dem Team helfen kann.»

Nico Hischiers Teammates packen über ihn aus

Video: watson/Adrian Bürgler, Emily Engkent

Diese Hilfe können die New Jersey Devils derzeit gut gebrauchen, rangieren sie doch nach etwas mehr als einem Drittel der Regular Season auf dem drittletzten Platz unter den 31 NHL-Mannschaften. «Wir machen eine schwere Phase durch. Die kleinen Fehler kosten uns momentan zu viele Punkte», sagt Hischier. Mit seinem darauffolgenden Satz beweist der Walliser dann auch, dass er die PR-Schule im Profigeschäft durchlaufen hat: «Wir müssen einfach spielen und auf unsere Stärken vertrauen.»

Zuletzt verpasste Hischier erstmals einige Spiele aufgrund einer Verletzung. Wird er im NHL-Haifischbecken härter angegangen, da jetzt alle wissen, was die Nummer 13 kann? «Auf solche Dinge achte ich nicht. Ich richte meinen Fokus immer auf das Spiel.»

Für Hischier ist immer noch vieles Neuland in Nordamerika. Doch das erste Kribbeln im Bauch, die Nervosität vor dem Aufbruch in das Abenteuer mit unbekanntem Ausgang ist ein Stück weit der Routine gewichen. «Natürlich ist die Liga einzigartig. Doch viele Dinge sind mir jetzt vertrauter, gerade auch ausserhalb des Eishockeys.»

«Das hier ist meine zweite Heimat geworden, aber mein richtiges Zuhause ist in der Schweiz.»

Nico Hischier

Als Beispiel nennt er seine Wohnung, in der er alleine lebt. Viele seiner Mitspieler wohnen im selben Gebäudekomplex. «Wir kochen oft zusammen und gehen, wenn es die Zeit zulässt, auch mal nach New York.» Hischier ist angekommen in Nordamerika. «Das hier ist meine zweite Heimat geworden», sagt der Oberwalliser. Doch kaum ist dieser Satz ausgesprochen, fügt er an: «Aber mein richtiges Zuhause ist in der Schweiz

Ein bisschen Heimweh an Weihnachten

Aus seinem «richtigen Zuhause» erhält Hischier in den kommenden Tagen Besuch. «Einer meiner Kollegen kommt mit seiner Freundin. Wir feiern zusammen Weihnachten und Silvester.» Einsam sei er eigentlich nie. Aber gerade Weihnachten sei die Zeit, die er gerne mit Familie und Freunden geniessen würde. «Das ist sich wahrscheinlich jeder gewohnt. Und es ist ja auch etwas Schönes», sagt Hischier. Aber er habe in den vergangenen Jahren genügend Zeit gehabt, sich daran zu gewöhnen. «Weihnachten auswärts feiern», nennt er es.

Ob er jemals in den vergangenen Monaten ins Zweifeln gekommen sei? Die Abschlussfrage, bevor die gewährten Minuten des Telefoninterviews ablaufen. «Es gab und gibt immer Momente, in denen es besser oder schlechter läuft», beginnt Hischier. «Aber es sind immer Menschen um mich herum, die für mich da sind, mich unterstützen und mir helfen.» Da ist er wieder. Der bescheidene 19-Jährige aus dem Oberwallis.

Nico Hischier über Anmachsprüche und Alkohol:

Video: watson/Emily Engkent, Sandro Zappella

Die Nummer-1-Drafts seit 1984 und was sie daraus machten

Eishockey in Übersee – Geschichten aus der NHL

Die NHL pausiert, aber «gespielt» wird trotzdem – Goalie wehrt 98 Schüsse ab

Link zum Artikel

«The Great One» trifft zum 802. Mal – als Wayne Gretzky die Legende Gordie Howe übertraf

Link zum Artikel

Gaëtan Haas: «Das Spiel in der NHL ist nicht schneller, es sieht nur schneller aus»

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Die NHL erlebt ihre grösste Tragödie – was der Tod einer 13-Jährigen veränderte

Link zum Artikel

Die Coronavirus-Pandemie trifft auch die NHL – die Antworten auf die wichtigsten Fragen

Link zum Artikel

Der Star aus der Hundehütte – wie Kevin Fiala vom Mitläufer zum Teamleader gereift ist

Link zum Artikel

Plastik-Schlangen für den «Verräter»! So feindlich wurde Tavares in New York empfangen

Link zum Artikel

NHL-Nostalgie – sperrige Klappstühle, viel Papierkram und Festnetz-Telefone

Link zum Artikel

Meilensteine aus 100 Jahren NHL in Bildern

Link zum Artikel

Wie Freunde, Trainer und Lehrer Hischier erlebten: «Nico, setz dich doch mal richtig hin!»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

Vier Jahre vor dem grossen Desaster wird der EHC Arosa ein letztes Mal Meister

23. Februar 1982: Der Titel 1980 kam überraschend, der 2. Rang 1981 war dann die Bestätigung und mit der neunten Schweizer Meisterschaft meldet sich Arosa definitiv im Konzert der ganz Grossen zurück. Der Klub wird als gesundes, erfolgreiches Unternehmen gelobt – doch vier Jahre später folgt der überraschende Abschied aus dem Profisport.

Die Poltera-Brüder hatten den EHC Arosa in den 1950er Jahren berühmt gemacht. Von 1951 bis 1957 spielten Ueli und Gebi Poltera, Hansmartin Trepp und ihre Teamkollegen die Gegner schwindlig. In der Nationalmannschaft war der «Aroser Sturm» legendär. Die Schweiz holte 1948 Olympia- und 1950 und 1951 WM-Bronze. Im Klub konnte sie niemand stoppen. Sieben Meistertitel in Serie, die Dominanz war erdrückend. Die Sturmlinie eine der besten Europas.

Verletzungen beendeten die Übermacht. 1960 stieg Arosa …

Artikel lesen
Link zum Artikel