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Vegas Golden Knights defenseman Colin Miller, second from left, celebrates his goal with defenseman Nate Schmidt, left, left wing David Perron, second from right, and left wing Erik Haula during first period in Game 1 of the NHL hockey Stanley Cup Finals against the Washington Capitals Monday, May 28, 2018, in Las Vegas. (AP Photo/Ross D. Franklin)

Die Golden Knights, diese zusammengewürfelte Truppe, jubelt öfters, als für möglich gehalten wurde. Bild: AP/AP

Dieses Genie formte aus lauter unerwünschten Spielern das Superteam der Golden Knights 

Auch das erste Spiel im Stanley-Cup-Final entscheiden die Vegas Golden Knights für sich. Der verblüffende Erfolg hat seinen Anfang bei einem Manager, der viele intelligente Entscheidungen traf.

marcel kuchta



Es war der 28. November 2016. Die Florida Panthers hatten eben ihr 22. Saisonspiel bei den Carolina Hurricanes mit 2:3 verloren. Eine Niederlage zu viel für General Manager (GM) Tom Rowe. Er lief ins Trainerbüro und feuerte Headcoach Gerard Gallant und dessen Assistenten auf der Stelle.

Während die Mannschaft in der Folge mit dem Bus zum Flughafen in Raleigh fuhr, musste sich Gallant zusammen mit seinen geschassten Kollegen vor der Halle ein Taxi rufen. Mit dabei die schweren Eishockeytaschen plus Koffer. Es waren Bilder, die um die Eishockey-Welt gingen. Einer der besten NHL-Coaches, abserviert auf denkbar unwürdige Art und Weise.

Jetzt, eineinhalb Jahre später, steht Gerard Gallant gerade mit seiner neuen Mannschaft, den Vegas Golden Knights, im Stanley-Cup-Final. Die Florida Panthers haben die Playoffs, wie schon in der Saison 2016/17, dagegen erneut verpasst und weilen seit Mitte April in der Sommerpause. Unter Gallant waren die Panther noch im Frühling 2016 eines der grossen Überraschungsteams der NHL gewesen und hatten völlig unerwartet die Playoffs erreicht. Auch und vor allem wegen des Genies hinter der Bande, Gerard Gallant.

Eine funktionierende Mannschaft aus einem Haufen «Desperados»

Der Fehler von Tom Rowe, der mittlerweile nicht mehr GM der Panthers ist, war das grosse Glück von George McPhee, dem General Manager der Vegas Golden Knights. Er hatte so die Chance, einen der bestmöglichen Trainer für sein NHL-Expansionsteam zu verpflichten. Es war die erste von vielen klugen Entscheidungen McPhees.

FILE - In this June 19, 2017, file photo, Vegas Golden Knights General Manager George McPhee speaks during a news conference in Las Vegas. While the expansion draft gets most of the attention in attempts to explain the unusual success of the expansion team, the moves made by McPhee in late February, when the trade deadline came along, have proven just as important.(AP Photo/John Locher, File)

George McPhee: der kluge Mensch hinter dem Erfolg der Vegas Golden Knights. Bild: AP/AP

Gallant hat aus einem Haufen «Desperados», die in den restlichen 30 NHL-Teams mehrheitlich nicht mehr erwünscht waren, eine fantastisch funktionierende Mannschaft geformt. Eine Mannschaft, die mit ihrem Speed, ihrer Energie und ihrem Enthusiasmus glänzt. Die aber vor allem deshalb so gut harmoniert, weil keiner der Spieler sein Ego in den Vordergrund stellt und alle über einen guten Charakter verfügen.

Wie aber George McPhee dieses Team mittels Expansionsdraft zusammengestellt hat, ist nicht minder bewundernswert. Er hat nicht nur Spieler an Land gezogen, die in einer neuen Umgebung und in neuen Rollen förmlich explodiert sind, er hat dabei auch noch den einen oder anderen, im Nachhinein fast unglaublich anmutenden Deal mit diversen NHL-Teams über die Bühne gebracht.

Ein paar Beispiele gefällig?

Er erhielt von den Florida Panthers Stürmer Reilly Smith dafür, dass er einen bestimmten anderen Stürmer, Jonathan Marchessault, wählt. Die Bilanz von Smith im Dress der Vegas Golden Knights: 60 Punkte in 67 Quali-Spielen. 18 Punkte in 16 Playoff-Spielen. Die Bilanz von Marchessault: 75 Punkte in 77 Quali-Spielen. 19 Punkte in 16 Playoff-Spielen. Das sind unglaubliche Werte für zwei Spieler, welche die Panthers explizit nicht mehr wollten.

Vegas Golden Knights center Jonathan Marchessault (81) celebrates his goal during the first period of Game 3 of the NHL Western Conference finals hockey playoffs series against the Winnipeg Jets on Wednesday, May 16, 2018, in Las Vegas. (AP Photo/David Becker)

Jonathan Marchessault verzückt die Fans der Golden Knights. Bild: AP/FR170737 AP

Oder da wäre das Beispiel William Karlsson, für dessen Wahl (und die Übernahme eines hochdotierten Vertrags eines verletzten Spielers) die Columbus Blue Jackets noch je ein Erstrunden- und Zweitrunden-Draft-Wahlrecht drauflegten. Karlssons Bilanz: 43 Tore in der Qualifikation, 13 Punkte in 15 Playoff-Spielen.

Oder die Geschichte des überragenden Goalies Marc-André Fleury, den man von Pittsburgh holte und dafür noch ein Zweitrunden-Draftrecht erhielt. Diese Liste könnte man beliebig um ein paar Anekdoten verlängern.

Plötzlich Leistungsträger

Spannend ist auch, wie sich die Verteidigung der goldenen Ritter zusammensetzt. Es sind samt und sonders Spieler am Werk, die in ihren vorherigen NHL-Teams in der Verteidiger-Hierarchie an sechster oder siebter Stelle standen. Zum Beispiel Nate Schmidt, der mit fast 24:53 Minuten am meisten Eiszeit bei den Knights frisst, war bei Finalgegner Washington in der vergangenen Saison nur die Nummer sieben.

Derryck Engeland (22:36, bei Calgary 6.), Brayden McNabb (22:03, bei Los Angeles 7.) und Shea Theodore (21:36, bei Anaheim 7.) kamen ebenso aus dem Nichts zu prominenten Rollen und spielen herausragend. Dasselbe Muster gilt übrigens auch für den einzigen Schweizer Spieler, der beim Stanley-Cup-Final dabei ist: Luca Sbisa. Der Zuger war bei den Vancouver Canucks die Nummer sechs in der Defensive, hat jetzt in Las Vegas die fünftmeiste Eiszeit aller Verteidiger.

Vegas Golden Knights defenseman Luca Sbisa greets a young fan before Game 4 of the team's NHL hockey Western Conference finals against the Winnipeg Jets, Friday, May 18, 2018, in Las Vegas. (AP Photo/John Locher)

Luca Sbisa gehört bei Vegas zu den Stammkräften. Bild: AP/AP

Jetzt ist die Mannschaft mit dem Taxi-Trainer und den Spielern, die man nicht mehr wollte, noch drei Siege von einer der grössten Sensationen der Sportgeschichte entfernt. Und inzwischen weiss man, dass mit diesen Golden Knights definitiv nichts mehr unmöglich ist.

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