Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
11.02. 2015; Bern; Eishockey Schweizer Cup Final - SC Bern - Kloten Flyers: SRF Kameramann bei der Arbeit. (Christian Pfander/freshfocus)

Bern gegen Kloten: Wer wird die Partie künftig produzieren? Und wie viel Geld erhalten die Klubs dafür? Bild: Christian Pfander/freshfocus

Mehr Geld für den Nachwuchs – oder wandern die TV-Millionen in die Taschen der NLA-Stars?

35,4 Millionen Franken bekommt unser Hockey ab 2017 pro Jahr für die TV-Rechte. Wir dürfen uns auf ein unterhaltsames Feilschen um diesen Geldsegen freuen.



«Unser Hockey» heisst konkret: Der Verband Swiss Ice Hockey (SIHF) kassiert ab 2017 fünf Jahre lang jährlich 35,4 Millionen Franken aus den TV-Rechten. Dazu werden pro Jahr noch rund 6 Millionen Franken aus der zentralen Vermarktung kommen (siehe Info-Box). Also sind rund 40 Millionen Franken zu verteilen. Das Geld wird an Swiss Ice Hockey überwiesen und dort an die einzelnen Abteilungen verteilt.

Zentrale Vermarktung

Nach dem Verkauf der medialen Rechte geht es nun noch um die zentralen Vermarktungsrechte: Also um die Werbeflächen, welche die Liga verkaufen kann. Diese Rechte halten vor allem die PostFinance (Mittelkreis) und die Zürich Versicherung (Schiedsrichter-Dress). Diese Rechte haben bisher knapp 6 Millionen Franken im Jahr eingebracht und eine Verlängerung um fünf Jahre mit den gleichen Partnern im ähnlichen Rahmen wird erwartet.

Unter dem SIHF-Dach sind die NLA, die NLB, das Amateurhockey und die Nationalmannschaften sowie die zentrale Verwaltung unter Verbandsgeneral Florian Kohler vereint. Das Geld wird nun so verteilt wie beim weltberühmten «Chästeilet» im Justistal: Die Bauern, die ihre Kühe im Justistal gesömmert haben, teilen den im Sommer produzierten Käse im Verhältnis zur Milchleistung der Kühe. Für eine anteilsmässige Aufteilung müssen sie sich selber einigen.

Alphirten und tausende Touristen waehrend der traditionellen

Im Justistal geht's um viel Käse, beim Hockeyverband um die Kohle. Bild: KEYSTONE

Die NLA ist das Filetstück

Genauso ist es im Eishockey. Die verschiedenen Abteilungen müssen nun unter sich das Geld aufteilen, das sie mit ihrem Produkt auf dem TV-Markt erwirtschaftet haben. Dabei dient als Berechnungsgrundlage nicht die Milchleistung, sondern der Wert der einzelnen Abteilungen für diesen neuen TV-Vertrag.

Das Filetstück ist logischerweise die NLA. Ohne deren Spiele wäre der TV-Vertrag wertlos. Also will die Nationalliga auch den grössten Teil des Geldes. Die Nationalmannschaft hat ihren Wert ein wenig gesteigert, weil neu alle Heimspiele vom Schweizer Fernsehen übertragen werden. Auch die NLB hat nun einen gewissen Wert, weil der neue Rechteinhaber UPC auch regelmässig in seinen regionalen Kabelnetzen die Spiele der regionalen NLB-Teams übertragen wird.

Rappperswil-Jona, 15.09.2015, Eishockey NLB - Rapperswil-Jona Lakers - GCK Lions, Niklas Schlegel (GCK) laesst den Schuss von Roman Schlagenhauf (nicht auf dem Bild) zum 1:1 durch (Gonzalo Garcia/EQ Images)

Mehr TV-Präsenz für die zweite Garde: Szene aus dem NLB-Spiel zwischen Rapperswil-Jona und den GCK Lions.
Bild: Gonzalo Garcia

Kohler will mehr Kohle für den Nachwuchs

SIHF-Geschäftsführer Florian Kohler sagt, er werde in den nächsten Wochen einen Verteilungsvorschlag aufgrund der Wünsche und Bedürfnisse ausarbeiten und bei den verschiedenen Abteilungen (Liga, Amateurhockey, Nationalmannschaften) in die Vernehmlassung geben.

Kohler sagt, dass der Wert der NLA unbestritten sei. «Aber wenn wir den sportlichen Rückstand auf die Grossen verringern wollen, dann müssen wir in die Ausbildung investieren» betont er auch. «Wir haben jetzt eine einmalige Chance, in diesem Bereich mehr zu tun.» Kohlers Ziel ist es, mehr Geld für Ausbildungsprojekte des Verbandes und für die Junioren-Nationalmannschaften zur Verfügung zu haben.

Florian Kohler, CEO des Schweizerischen Eishockeyverbandes, spricht an der Vorsaison Medienkonferenz von Swiss Ice Hockey in Glattbrugg am Donnerstag, 27. August 2015. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Verbands-CEO Florian Kohler.
Bild: KEYSTONE

Damit hat Kohler zweifelsfrei recht. Aber die Klubgeneräle sind halt anderer Meinung. Sie beanspruchen weiterhin den Löwenanteil für sich. Sie haben ein latentes Misstrauen gegen die Verbandsadministration. ZSC-General Peter Zahner sagt es so: «Wenn der Verband mehr Geld will, dann nur für Projekte, die Sinn machen.» Mehr Geld für die Verbandsbürokratie soll es nicht geben.

Klubs haben die Mehrheit

Entscheidend ist nun, wer bei diesem «Chästeilet» das letzte Wort hat. Es ist der sechsköpfige Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey. Dieser kann theoretisch Florian Kohlers Geld-Verteilungsplan auch gegen den Willen der Klubs absegnen. «Wenn das passieren sollte, dann wird der Verwaltungsrat abgewählt», droht jedoch einer der mächtigen Klubpräsidenten. Diese Gefahr scheint ohnehin klein: Die Nationalliga stellt drei von sechs Verwaltungsräten und einer davon, Marc Furrer, ist auch Präsident. Die Klubs haben dadurch die Mehrheit, weil der Präsident bei Stimmengleichheit den Stichentscheid hat.

Ziel ist eine Einigung noch im Sommer

Die Gefahr, dass sich die Klubs tatsächlich auf Kosten nachhaltiger Investitionen in zentrale Ausbildungs- und Nationalmannschaftsprogramme den grössten Teil des Geldes sichern, ist erheblich. Ihr Ziel ist eine Erhöhung der bisherigen jährlichen Zuschüsse von etwas mehr als 700'000 Franken pro NLA-Klub und Saison auf über zwei Millionen. Bei der NLB, die eine grössere TV-Präsenz erhalten wird, sollen die Zuschüsse von jetzt weniger als 100'000 Franken pro Jahr und Klub auf rund 300'000 Franken erhöht werden. Erstmals soll es mit dem neuen Vertrag auch Geld für die Klubs der 1. Liga geben.

Livespiele aus der 1. Liga

Erstmals in der Geschichte werden Spiele der 1. Liga live am Fernsehen gezeigt. Ab der Saison 2017/18 gibt es die neue, zwölf Teams umfassende «Swiss Regio League» aus den besten aktuellen 1. Liga-Teams. Der neue TV-Rechteinhaber UPC wird neben den Partien der NLA und der NLB auch Spiele dieser höchsten Amateurliga redaktionell aufarbeiten und live übertragen.

Die Erfahrung lehrt: Wenn die Klubs mehr Geld erhalten, geben sie dieses Geld für die Löhne aus. Mehr Geld für unser Hockey bedeutet primär höhere Löhne für unsere Spieler. Es ist nun die «heilige Mission» von Verbands-CEO Kohler, dafür zu sorgen, dass mehr Geld in die Ausbildung und damit in die Qualitätsverbesserung unseres Hockeys als in die Klubkassen fliesst.

Kohler strebt einen definitiven Verteilschlüssel noch vor dem Saisonstart an. Wohlwissend, dass es im Sommer viel einfacher ist, eine Lösung zu erzielen, wenn nicht Niederlagen immer wieder die Laune von Sportchefs und Präsidenten verderben.

Der Schweizer Eishockey-Meisterpokal im Wandel der Zeit

Wer produziert die Fernseh-Bilder?

Die TPC Switzerland AG ist verantwortlich für Produktion und Technik von Fernsehen, Radio und Multimedia für SRF (Schweizer Radio und Fernsehen). Bisher hat TPC für Swisscom/Teleclub die Eishockey-Partien produziert. Dieser Grossauftrag (Volumen rund 3 Mio. Fr. pro Saison) ist in Gefahr: Schlauerweise hat Swiss Ice Hockey im Verkauf der medialen Rechte einen Fixbetrag für die TV-Produktion eingerechnet und vergibt den Produktionsauftrag selber. Gelingt es dem Verband, den Produktionsauftrag günstiger hereinzuholen als die Fixsumme, die er dafür vom neuen Rechtehalter UPC erhält, verdient er noch einmal Geld.

Da CEO Kohler früher bei der SRG arbeitete, kennt er die TPC-Zahlen ganz genau. Der Druck auf die TPC ist erheblich: Geht der Auftrag an einen ausländischen Konkurrenten verloren, dann gerät die SRG-Tochterfirma in Not und es droht ein Stellenabbau.

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweiz gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pingu80 05.07.2016 01:23
    Highlight Highlight Man könnte mit den Mehreinnahmen, das auf Eis gelegte Projekt des schweizerischen Eishockey Ausbildungszentrum wieder reaktivieren.
  • Töfflifahrer 02.07.2016 20:30
    Highlight Highlight Was mich etwas verwirrt ist der Schluss des Artikels. Offensichtlich ist man bereit die eigentliche Film-Produktion ins Ausland zu vergeben. Man mag vom SRF bzw. TPC halten was man will, aber a) es ist eine CH-Firma und es geht um CH-Arbeitsplätzel. Eine nationale Liga sollte sich die Auftragsvergabe ganz genau überlegen. Speziell da ja durch den selben Verband auch die Nationalmannschaft und somit das "Schweizergefühl" ver(kauft)mittelt werden soll.
    • Hockrates 05.07.2016 13:25
      Highlight Highlight Ich verstehe nichts vom Fernsehgeschäft, aber auch wenn es eine ausländische Produktionsfirma sein sollte, wird die Produktion ja immer noch in der Schweiz statt finden und somit auch hier Arbeitsplätze schaffen.

      Oder kann die Produktion zu einem wesentlichen Teil ins Ausland verlagert werden?
    • Töfflifahrer 05.07.2016 15:34
      Highlight Highlight @Hockrates: Die Spiele finden sicher in der Schweiz statt. eine Ausländische Produktionsfirma kann aber aus dem Ausland anreisen, temporär einen Stützpunkt aufbauen, produzieren und danach wieder zurückreisen. Grenznah stationiert, ist das kein Problem.
  • goldmandli 02.07.2016 19:31
    Highlight Highlight Die vom Verband vorgeschlagene Verteilung macht Sinn. Wenn die Klubs sehr viel mehr Geld zur Verfügung hätten, dann würden wir zwar ein paar hochkarätige Ausländer mehr sehen, im grossen und ganzen aber unsere Liga nicht attraktiver machen. Da wir eh keine wichtigen internationalen Wettbewerbe im hockey haben und unsere Liga eh schon die teurste Europas (ausgenommen khl) ist, ziehen wir keinen Vorteil daraus. Mehr Geld für die NLB und eine bessere tv präsenz derer würde ich jedoch begrüssen. Tl;dr: Die vorschläge des Verbandes machen Sinn. Mehr tv präsenz der NLB ist wünschenswert.
  • Tikkanen 02.07.2016 19:28
    Highlight Highlight ...also die Sennen im Justistal werden für ihren 100 Tage 24/7 Einsatz mit 10k entschädigt😳 Da haben's die Hockeyaner im A doch ä chli komfortabler😂😂

Hockey-Fans starten Petition – sie fordern, dass der Bundesrat die 1000er-Grenze aufhebt

Hinter den Kulissen des Sports bewegt sich viel: Eishockey-Fans haben am Donnerstagnachmittag die Petition «Verantwortungsvolle Sportevents» gestartet. Und Vertreter des Eishockey- und Fussballverbands sprachen beim Bundesamt für Gesundheit vor.

Nun kommt doch noch Druck auf die Politik – aus dem Eishockeybereich. Fans, Spieler, Klubs und sportinteressierte Politiker haben sich hinter den Kulissen zusammengerauft. Sozusagen in letzter Sekunde versuchen sie, den Bundesrat mit einer Petition davon zu überzeugen, die 1000er-Grenze für Sportanlässe aufzuheben.

Die Regierung berät am 12. August – der ersten Sitzung nach der Sommerpause – über das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als tausend Zuschauern.

Der Bundesrat werde darüber …

Artikel lesen
Link zum Artikel