Der Ansatz der ungerechten, unseriösen und schlichtweg falschen Polemik wäre so: Dan Tangnes hat gespürt, dass die Tage des Ruhmes in Zug zu Ende gehen, und geht deshalb im nächsten Frühjahr vor Vertragsablauf. Familiäre Gründe? Nur eine billige Ausrede. Und nun ist er bis zum Ende seiner Amtszeit nur noch eine «lame duck». Kein Wunder: Jeder weiss ja, dass der Chef sowieso geht. Er hätte die Entscheidung, Zug vor Vertragsende zu verlassen, besser bis Saisonende für sich behalten.
Tönt doch gut. Und sicherlich gäbe es für eine solche polemische Argumentation reichlich Zustimmung: Ja, ja, genau so ist es. Aber es ist eben nicht so.
Dan Tangnes gehört zu den ganz grossen Trainerpersönlichkeiten. Seit 2018 in Zug, einmal Cupsieger, zweimal Meister. Tangnes hat eine Eigenschaft, die alle grossen Trainer auszeichnet: Er ist authentisch. Er sagt, was er für richtig hält. Im Triumph und in der Niederlage.
Im Laufe der letzten sechs Jahre hat der Chronist von ihm nie eine billige Ausrede und kaum je eine der sonst in der Branche gängigen Floskeln (= leere Worte) gehört. Wer authentisch ist, kann sich nicht verstellen. Auch dann nicht, wenn er ein guter Schauspieler wäre.
Es wäre dem Norweger schlichtweg unmöglich gewesen, eine so fundamentale Entscheidung wie die vorzeitige Auflösung seines Arbeitsverhältnisses bis Saisonende geheim zu halten. Er sagt dazu: «Wir arbeiten täglich so intensiv zusammen und ich versuche, dem Team Energie zu geben. Wenn ich eine Entscheidung, die uns alle betrifft, geheim halten müsste, wäre ich nicht mehr dazu in der Lage, meine Arbeit zu machen.» Oder banaler gesagt: Die Spieler würden sehr schnell spüren und ahnen, dass mit ihrem Chef etwas nicht mehr so ist wie vorher. Und sie würden fragen: «Hey Dan, was ist los mit dir?»
Zur Ausrede: Dan Tangnes war noch nie einer, der billige Ausreden vorgebracht hat, und er wird auch nie einer sein, der billige Ausreden vorschieben wird. Wenn es um die Familie geht (Dan Tangnes hat eine Tochter), wenn jemand entscheidet, in seine Wahlheimat Schweden zurückzukehren und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, dann verdient dieser Entschluss nur eines: uneingeschränkten Respekt. Punkt.
Aber könnte die Gewissheit, dass der Chef am Ende der Saison gehen wird, nicht doch einen Einfluss auf das Leistungsvermögen haben? Tangnes sagt dazu: «Wechsel gehören zum Alltag in diesem Geschäft und Teams wissen damit umzugehen.» Was er nicht sagt: Die Beziehung zwischen dem Trainer und der Mannschaft ist in Zug intakt. Niemand tanzt auf den Tischen, weil er geht. Wenn nun bereits bekannt ist, dass er sich per Saisonende verabschieden wird, dann ist die Wirkung eine positive und keine negative: erst recht noch einmal alles geben, um dem Chef einen guten Abschied zu ermöglichen.
Welche Rolle spielt Dan Tangnes nun über das Tagesgeschäft hinaus? Ist er nach wie vor in die sportlichen Entscheidungsprozesse – Welche Spieler holen wir für nächste Saison? Welche Spieler brauchen wir? – einbezogen? Hilft er bei der Suche nach seinem Nachfolger mit? Er sagt: «Nein. Aber wenn ich um eine Auskunft oder Einschätzung gebeten werde, kann ich etwas sagen. Aber das ist alles noch sehr weit weg.»
Bleibt am Ende noch die Frage: Warum dann diese sang- und klanglose Niederlage gegen die ZSC Lions? Erstens hat jedes Team im Laufe der Qualifikation mal einen missglückten Abend. Zweitens gehören die ZSC Lions zu den besten Teams Europas und spielten zwar nicht ihr bestes, aber ihr effizientestes Hockey. Aber selbst die Zürcher, die in Zug so souverän und auf eine so selbstverständliche Art und Weise gewonnen haben, sind erst vor einer Woche vom Schlusslicht Ajoie 2:1 gebodigt worden.
Dan Tangnes geht Ende Saison und alles wird in Zug anders sein. Aber vorerst bleibt alles gleich. Zug ist ein Meisterkandidat. Aber nur, wenn Leonardo Genoni im Tor steht.
7.0
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
6.9
09.22
7.0
09.23
44
Punkte
18/26
Goals/Assists
47
Spiele
4
Strafminuten
Bester Stocktechniker des Teams
Er ist der beste kleine Schweizer Spieler der letzten 50 Jahre
Er kann alle Gegenspieler austanzen.
Erwarte keinen Tempo- oder Produktionsrückgang.
Seit er 2012 nach zwei Weiterbildungs-Jahren auf höchster nordamerikanischer Junioren-Stufe zum EVZ zurückgekehrt ist, hat er in 573 Spielen sage und schreibe 466 Punkte gebucht. Er ist als kleinster Spieler der Liga, als Stürmerfloh, als Eishockey-Antwort auf Hansueli Mühlethaler (der nur 170 Zentimeter grosse Kultschwinger aus dem Bernbiet hat zwischen 1974 und 1989 fünfmal das Kantonale und vier Eidgenössische Kränze gewonnen) der konstanteste NL-Skorer der letzten zwölf Jahre (6 Saisons mit mehr als 40 Punkten). Lino Martschini kombiniert die Beweglichkeit eines Koboldes, die Schlauheit eines Fuches mit dem Mut eines Löwen und der Schnelligkeit eines sprintenden Geparden und erzielt mit einem für seine Grösse eigentlich überlangen Stock eine unheimliche Schusskraft. Er hat es verdient, dass man ihn inzwischen nicht mehr mit defensivem Kleinkram belästigt. Er musste während der ganzen letzten Saison inkl. Playoffs lediglich 20 Sekunden im Boxplay arbeiten. Nächste Saison sollte er gänzlich vom Spiel in Unterzahl befreit werden.
F
32 Jahre
21.1.1993
168 cm
66 kg