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Wie weiter nach dem Eklat um Behrami? Vladimir Petkovic in der Kritik.
Wie weiter nach dem Eklat um Behrami? Vladimir Petkovic in der Kritik.
bild: watson

Der Nationaltrainer vor einem heissen Herbst – was das mit dem «Blick» zu tun hat

Nach dem Eklat um die Nati-Pensionierung von Valon Behrami ist für den «Blick» klar, dass Vladimir Petkovic keine Zukunft als Nationaltrainer mehr hat. Auch andere Medien nehmen ihn ins Visier.
08.08.2018, 07:5508.08.2018, 08:31

Blick

Die Boulevard-Zeitung redet nicht um den heissen Brei herum, sondern Klartext. Die grosse Titelstory heisst am Mittwoch: «Blick fordert: Treten Sie ab, Herr Petkovic!» Im Sportteil wird dann erklärt, weshalb es zur Trennung kommen muss:

Wie fast alle Beobachter findet auch Andreas Böni, langjähriger Fussball-Chef beim «Blick», dass ein Umbruch nach der WM 2018 nachvollziehbar sei. «Aber das Vorgehen rund um die erzwungenen Rücktritte ist, diplomatisch formuliert, dilettantisch und stillos. Dass man nicht mal im Ansatz eine Kommunikationsstrategie erkennen kann, ist katastrophal.»

Es geht also um die Art und Weise von Behramis erzwungenem Ende im Nationalteam, nach 83 Einsätzen für die Schweiz. Auch Petkovics sportliche Bilanz sei nicht über alle Zweifel erhaben. «Im Endeffekt hat die Mannschaft unter Petkovic stagniert», stellt Böni fest, sie «ist keinen Schritt weiter als unter Ottmar Hitzfeld im Jahr 2014.» Weil zu viel Geschirr zerschlagen worden sei, brauche es nun eine Aufbruchstimmung. Wie das geht? «Es wären nicht nur neue Spieler auf dem Feld gut. Sondern auch ein neuer Trainer auf der Bank.»

Nun muss man zur besseren Einordnung wissen, dass der «Blick» mit Vladimir Petkovic nie richtig warm wurde. Konnte das Boulevard-Blatt früheren Nationaltrainern noch die Aufstellung diktieren und hatte es zu Köbi Kuhn und Ottmar Hitzfeld einen guten Zugang, so fehlte dieser zum im Tessin niedergelassenen Ex-Jugoslawen. Dass Petkovic nicht schon früher ins Visier genommen wurde, lag wohl einzig an den Resultaten, die keine Diskussion über seine Person zuliessen.

Der Einfluss des «Blicks» ist nicht mehr so gross, wie er einst war. Doch da auch die Funktionäre in der Kritik sind, könnte Petkovics Trainerstuhl eben doch ins Wackeln geraten. Wenn sich nämlich Verbandsfunktionäre selber aus der Schusslinie nehmen wollen, indem sie sich vom angeschlagenen Trainer trennen, um so die eigene Haut zu retten.

«Tages-Anzeiger»

Die Zürcher Tageszeitung publiziert an prominenter Stelle ein ganzseitiges Porträt von Vladimir Petkovic. Für ihn beginne nun «die Zeit der Bewährung», heisst es dort einführend. Die Trennung von Behrami mittels Telefon sei falsch gewesen, so der «Tages-Anzeiger», der sich an Petkovics Vorgehen bei der Trennung von Ex-Captain Gökhan Inler erinnert fühlt. «Es geht um Stilfragen. Und dabei versagt er» (Petkovic).

Der Nationaltrainer wird als einer beschrieben, der seinen Vorgesetzten auf der Nase herumtanzt. «Er führt ein Herrenleben in einem Verband, bei dem das Korrektiv fehlt. Der Präsident lässt Petkovic gewähren, auch wenn dieser wieder einmal keine Lust auf Öffentlichkeitsarbeit hat. Besser würde sich der Coach selbst bewusst werden, was er ist: ein Angestellter, mit 1 Million Franken im Jahr wohl ein hoch bezahlter, aber kein unantastbarer.»

«Aargauer Zeitung»

Zwei Redaktoren beantworten die Frage: «Ist Vladimir Petkovic noch der richtige Trainer?» Während der eine sich auf die Seite des Nationaltrainers schlägt (Sebastian Wendel: «Endlich zeigt Petkovic Mut – lasst ihn machen!»), ist Sportchef Etienne Wuillemin anderer Meinung.

Petkovic sei angezählt und seine Bosse ebenfalls. «Das kann nicht gut gehen. Es spricht einiges für Vladimir Petkovic. Doch mittlerweile überwiegen die Probleme. Er ist schnell nervös, kommuniziert schlecht – und scheint das Team in entscheidenden Momenten (WM-Achtelfinal) nicht zu erreichen.» Das Ansehen des Trainers im Team schwinde und es sei fraglich, ob Petkovic das Steuer noch einmal herumreissen könne. «Auch seine Vorgesetzten sind schwer angezählt nach den jüngsten Wochen des Totalversagens. Vielleicht würde ein Blick in die Politik oder Wirtschaft helfen. Und die Erkenntnis reifen: In der Krise braucht es für einen gelungenen Neustart auch frische personelle Kräfte.»

«Südostschweiz»

Im Bündnerland wird in erster Linie das kommunikative Versagen des Schweizer Verbands thematisiert. Er sei «ein Verband ohne Kompass», heisst es. Die Summe an Kommunikationspannen stelle den SFV in ein schiefes Licht. Er vermittle den Eindruck eines mangelhaft geführten Verbandes, wo jedermann tue, was ihm passe.

Weiter mit Vladimir Petkovic oder nicht?

Eine schwache Figur hinterlasse insbesondere der zaudernde, in der Causa Behrami sprachlose Verbandspräsident Peter Gilliéron. «Ihm ist es nicht gelungen, die diversen Brandherde zu löschen. Und nun wartet ein besonders heisser Herbst auf ihn und vor allem auf Vladimir Petkovic. Ab sofort geht es um seine Zukunft als Nationalcoach.»

«Basler Zeitung»

Für Vladimir Petkovic stehe nun die Zukunft auf dem Spiel, heisst es unmissverständlich. «Ab sofort spielt er um seinen Job.» Habe Petkovic an der EM 2016 noch mit flotten Analysen und knackigen Interviews gepunktet, scheine er seit der WM in Russland «von allen guten Geistern verlassen.»

Nicht nur kommunikativ habe Petkovic Mängel. «Auch in seinem Kerngeschäft, dem Fussball, beschleichen einen Zweifel, ob er wirklich der Mann der Zukunft ist, denn im mentalen Bereich hat er die Auswahl keinen Deut weitergebracht.» 

«Zwölf»

Das Schweizer Fussballmagazin weist ebenfalls darauf hin, dass «diese WM ein klarer spielerischer Rückschritt war, gerade im Vergleich zur fulminanten EM 2016.» Die Schweiz brauche neue Kräfte, wolle sie in Zukunft nicht an einem biederen Schweden hängenbleiben. «Es liegt an Petkovic, diese zu finden, dafür müssen sie aber erst mal richtige Nati-Luft schnuppern.»

In erster Linie wird nicht der Trainer für seine Kommunikation gerügt, sondern jene von Valon Behrami hinterfragt. «Ein Profi-Fussballer sollte nicht vergessen, dass es kein Anrecht gibt auf einen Platz im Nationalteam. Es ist auch eine Frage der Demut, die Wahl eines Nationaltrainers zu respektieren und bereit zu sein, falls man doch wieder gebraucht wird.»

(ram)

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