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Switzerland's Valon Behrami, left, and Switzerland's, Gelson Fernandes, right, react during the 2018 Fifa World Cup Russia group B qualification soccer match between Switzerland and Hungary in the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Saturday, October 7, 2017. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Die gemeinsamen Nati-Zeiten sind vorbei: Gelson Fernandes (l.) und Valon Behrami spielen nicht mehr für die Schweiz. Bild: KEYSTONE

Der schwierige Weg in die Normalität – SFV plant Aussprache mit Spielern

Am Tag nach dem Ausschluss von Valon Behrami aus der Nati tritt auch Gelson Fernandes zurück. Der Verband plant derweil eine Aussprache mit den Spielern.

08.08.18, 05:30 08.08.18, 07:34

etienne wuillemin / az



Heute in einem Monat steht die Schweizer Nationalmannschaft wieder auf dem Platz. In St.Gallen spielt sie gegen Island. Es ist der Auftakt in die «Nations League», diese neu geschaffene Liga der UEFA, von der noch niemand wirklich weiss, was davon zu halten ist.

Die Frage lautet dann: Ist diese Nationalmannschaft wirklich eine Einheit? Kann sie das überhaupt sein nach diesem turbulenten Sommer? Oder ist zu viel kaputt gegangen in den vergangenen Wochen, als dass ein Neustart möglich wäre?

Dieser Neustart schwebt Trainer Vladimir Petkovic also vor. Am Montag hat er deshalb zum Telefon gegriffen und seine neuen Regeln für ältere Spieler bekannt gegeben. Ein Aufgebot ist theoretisch und grundsätzlich möglich. Nicht aber ein Platz auf dem Matchblatt. Also weder in der Startelf noch auf der Ersatzbank. Erwünscht sind Valon Behrami, Stephan Lichtsteiner, Gelson Fernandes, Blerim Dzemaili oder Johan Djourou nur am Frühstückstisch. Und vielleicht noch als Randfiguren im Training. Es ist, als würde ein Ehepaar nach der Trennung behaupten, man sei ja weiterhin nicht geschieden. Und jeder dürfe ja mit den Kindern essen.

Im Klartext kann das alles nur eines bedeuten: Petkovic mistet radikal aus. Es ist ein Beben, das die Nationalmannschaft erfasst hat. Eines ohne Not. Eines, das den Trainer in Bedrängnis bringt. Eines, das die Diskussionen der vergangenen Wochen noch einmal anheizt. Nach den politischen Aussagen von Generalsekretär Alex Miescher («Wir müssen überlegen, ob wir noch auf Doppelbürger setzen wollen») ist das Vertrauen einiger Nationalspieler in die Führung angekratzt.

Behrami: «Das ist das Problem der Verbände in der Schweiz»

Video: srf

Vom Vermittler zum Unerwünschten

Behrami versuchte in seiner Rolle als Führungsspieler noch, zu vermitteln. Etwa, indem er einigen Teamkollegen von einem Rücktritt aus der Nati wegen Mieschers Aussagen abriet. Dass er selbst nun im Herbst nicht mehr erwünscht ist – oder nach Ansicht von Petkovic nur noch als Statist –, hat ihn tief getroffen. Auch darum ist seine Reaktion, in der er sein Ende als Nationalspieler verkündet hat, verständlich.

Behrami hat Fakten geschaffen, die wohl nur schwer zu widerrufen sind. Auch wenn Petkovic bereit wäre, ihn weiterhin aufzubieten, wenn Behrami denn möchte. Doch das ist kaum vorstellbar. Der Verband führt Behrami jedenfalls weiter auf in der Liste der Nationalspieler. Anders als Gelson Fernandes. Dieser hat gestern seinen Rücktritt verkündet. Er schrieb in einer Mitteilung: «Nach längerem Nachdenken ist es Zeit, das Ende meiner internationalen Laufbahn zu verkünden und einer neuen Generation Platz zu machen. Ich bin überzeugt davon, dass sie uns viel Freude machen wird.» Und dann wird er sogar fast noch etwas philosophisch: «Unsere Differenzen von gestern werden unsere Trümpfe von morgen sein.»

Bei Gelson sind weniger Zwischentöne zu spüren als bei Behrami. Logisch, schliesslich hatte er sportlich schon lange keine bedeutende Rolle mehr inne. Seine integrative Kraft war es, die ihn so lange in der Nati hielt. Offen ist weiter, ob Lichtsteiner, Dzemaili und Djourou zurücktreten.

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«Wir werden dich vermissen»

Wie die Spieler über die jüngsten Vorgänge denken, lässt sich leicht erahnen. Unter dem Bild, das Behrami zu seinem Nati-Abschied veröffentlichte, erschienen einige Solidaritätskommentare. «Respekt für dich», schrieb Granit Xhaka. «Wir werden dich vermissen», Breel Embolo. «Weiterhin viel Glück, Bruder», wünscht Manuel Akanji. Haris Seferovic schreibt: «Danke für alles!» Und Johan Djourou ergänzt: «Du verdienst den grössten Respekt.»

Klar ist darum jetzt schon: Der nächste Zusammenzug der Nationalmannschaft wird ein spezieller. Es gilt, die vergangenen Wochen aufzuarbeiten. Zwischenmenschlich, nicht sportlich. Dass es keinesfalls einfach wird, das Vertrauen wieder herzustellen, hat der Verband erkannt. Es ist eine Aussprache mit den Spielern geplant. Wo und wann diese stattfindet, ist noch nicht klar. Aber es wird darum gehen, ob eine weitere Zusammenarbeit mit Miescher, vielleicht auch mit Trainer Petkovic möglich ist oder nicht. Auszuschliessen ist es nicht. Doch sämtliche Parteien müssen sich bewusst werden, dass zerschlagenes Geschirr nicht einfach so wiederhergestellt werden kann.

Zu hoffen bleibt dabei nur, dass unter diesen Voraussetzungen die sportlichen Leistungen nicht rasant ins Tal schiessen. Vielleicht ist es ganz gut, dass die EM-Qualifikation erst im März 2019 beginnt.

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • wasps 09.08.2018 08:44
    Highlight Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf. Die Rolle, welche der Verband spielt, ist himmeltraurig! Wo ist Gilleron? Ein Verbandspräsi stellt sich vor den Trainer und stärkt ihm den Rücken! Denn das Petkovic mit Blick auf die EM 2020 die Teamsenioren aussortiert, ist doch logisch und macht absolut Sinn. Und dass Miescher immer noch nicht vor die Tür gesetzt worden ist, ist unglaublich.
    1 0 Melden
  • Rolf Mueller 08.08.2018 10:38
    Highlight Ein Problem ist dass Petkovic nicht konsequent ausmistet. Inler musste 2016 wegen fehlender Spielpraxis im Club gehen. Und Seferovic ? Spielt in seinem Club keine Rolle mehr, hat ab Dezember bis zur WM gerade mal 80 Minuten auf dem Platz gestanden, versemmelt mindestens drei Grosschancen bis er dann dochmal trifft. Darf aber mit nach Russland und steht offenbar auch jetzt nicht zur Diskussion. Gilt das Leistungsprinzip oder das Liebling des Trainers - Prinzip ?
    4 0 Melden
  • rodolofo 08.08.2018 08:00
    Highlight Ja bitte, sprecht Euch aus!
    Und dann könntet Ihr ja zur Abwechslung wieder mal einfach Fussball spielen?
    Am Anfang waren sie ja noch ein wenig interessant, diese Diskussionen um das Doppeladler-Zeichen, ob das jetzt eine lange Nase symbolisieren soll, oder eine spezielle Laune der Natur, einen Adler mit zwei Köpfen, oder mit zwei Herzen in der Brust.
    Wo verschiedene Typen und Charaktere zusammen spielen, da fliegen zwischendurch die Bauklötzchen herum und es wird viel geschrien und geweint.
    Das wissen wir schon seit dem Kindergarten.
    Ach was, das wissen wir schon seit der Krabbelgruppe!
    5 1 Melden
  • swisskiss 08.08.2018 07:34
    Highlight "Varon Du bisch nüd" het er gseit
    "Plane mt neue Lüt" het er gseit
    und dänn grad s Telefon ufgleit
    aber dä Verband het dänn gmeint
    "pip,pip,pip,Missverständnis, pip, pip.
    10 0 Melden
    • Madmessie 08.08.2018 14:26
      Highlight Du bist echt ein Talent.
      0 0 Melden
  • N. Y. P. 08.08.2018 07:23
    Highlight Der Titel sollte eher lauten : Der SFV plant zwischen Spielern und Trainer zu vermitteln, obwohl er selber gänzlich ungeeignet ist, zu vermitteln.

    Nein, alles Hafenkäse. Von vorne bis hinten eine verfahrene Situation.

    Vorschlag : Trainer Petkovic und die SFV - Führungsriege stellt sich am Freitag den Fragen der Journalisten.

    Aber Petkovic ist ja wieder nicht auffindbar.
    11 0 Melden
  • taikken2 08.08.2018 06:42
    Highlight Ich verstehe die ganze Schlechtmacherei nicht! Wen nicht jetzt einen Generationenwechsel wann dann? Oder wollt ihr etwa enden wie Holland, Italien, Deutschland etc.?!
    Über die Kommunikation des SFV kann man sich streiten aber für einen Generationenwechsel ist jetzt der beste Zeitpunkt!
    8 1 Melden
  • Töfflifahrer 08.08.2018 06:28
    Highlight Andere Interpretation des Bekannten; Der Trainer schaut in die Zukunft und will deswegen neue, junge Spieler testen, dazu nutzt er die anstehenden Matches im Herbst. Aktuell plant er keine Abgänge sondern wäre froh weiter auf altgediente Spieler zurückgreifen zu können, um der Mannschaft, die nun neu aufgebaut werden soll auch ein stabiles Gerüst bieten zu können. Dazu muss er auch testen können wer mit wem harmoniert und wer nicht. Da dem Trainer nicht, wie in einem Club, genug Zeit zur verfügung steht um ein Team zu formen, hat er sich für diese Variante entschieden. Wo ist das Problem?
    73 14 Melden
    • Dogbone 08.08.2018 06:58
      Highlight Ich kann das Problem auch nicht erkennen. Es ist unter anderem dem Coach seine Aufgabe, strategisch auf lange Sicht zu planen. Wie diese entscheide von einzelnen Spielern öffentlich gemacht und nun von allen debattiert werden, und wie dabei rumgeflennt wird, ist ziemlich daneben. Die Spieler sind meist gut bezahlte Figuren in diesem Game und haben sich Entscheidungen zu fügen und sie möglichst auch mitzutragen. Ansonsten sind sie schlicht fehl am Platz!
      5 2 Melden
    • Schutudent 08.08.2018 07:39
      Highlight Das problem ist die art des übermittelns. Die schweiz ist kein riesen land, da muss selbst einem viel beschäftigtem trainer ein nachmittag wert sein, seinem schlüsselspieler persönlich lebewohl zusagen.
      12 1 Melden
    • SteveLaCroix 08.08.2018 07:43
      Highlight Es gibt nur ein einziges Problem und das ist Behramis Reaktion! Er spielt die beleidigte Leberwurst wie man es noch selten gesehen hat. Ich denke, er und Petkovic sprechen beide relativ gut italienisch, also zieht für mich die Entschuldigung, dass er den Trainer falsch verstanden haben soll irgendwie auch nicht. Vielleicht ist es schon der negative Einfluss von Lara Gut... ;-)
      5 8 Melden
    • FrancoL 08.08.2018 07:54
      Highlight Richtig erkannt und auch kein Problem ausser der falschen Kommunikation.
      Man kann offen ein neues Konzept darlegen und erläutern und dann die Spieler entsprechend einbinden.
      7 1 Melden
    • JJ17 08.08.2018 09:58
      Highlight Es ist die Art und Weise der Kommunikation dessen.
      7 0 Melden
    • FrancoL 08.08.2018 10:43
      Highlight @Steve; Wenn Du die Kommunikation die abgelaufen ist nicht als Problem siehst, dann spricht das schon Bände.
      Verbannt und Trainer müssen da schon etwas mehr bieten als Telefonate!
      8 0 Melden
    • Madmessie 08.08.2018 14:31
      Highlight Sorry, für 1 Mio. Franken im Jahr hat sich der Signore Petkovic gefälligst ins Auto setzen um die paar Kilometer von Lugano nach Locarno fahren um einem gestandenen Natispieler den Rücktritt nahezulegen.
      8 0 Melden

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