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Im Hintergrund jubeln die Franzosen: Lionel Messi ist niedergeschlagen.
Im Hintergrund jubeln die Franzosen: Lionel Messi ist niedergeschlagen.Bild: AP

Adios, Lionel Messi – ein Rücktritt wäre das Beste für ihn und für Argentinien

Maradona bleibt grösser als Messi. Das ist nach dem Achtelfinal-Ausscheiden Argentiniens an der WM 2018 Tatsache. Während «Fussballgott Diego» sein Land zum Weltmeister gemacht hat, bleibt seinem Nachfolger der grösstmögliche Triumph versagt.
30.06.2018, 19:1030.06.2018, 21:42

Wieder einmal hat er alles gegeben. Wieder einmal hat es nicht gereicht. Trotz zwei Assists von Lionel Messi verliert Argentinien in einem mitreissenden WM-Achtelfinal gegen Frankreich 3:4. Überspitzt formuliert: Der Barça-Star Messi allein kann es nicht richten.

Das letzte Aufbäumen: Messi flankt, Agüero trifft zum 3:4.Video: streamable

An der nächsten WM in vier Jahren wird Lionel Messi bereits 35 Jahre alt sein. Ob er dann noch in der Lage ist, dem Spiel so seinen Stempel aufzudrücken, wie er es seit mehr als einem Jahrzehnt macht? Zumal die Argentinier ohnehin einen Umbruch ihrer überalterten Nationalmannschaft vornehmen müssen.

Schon einmal zurückgetreten

Messi ist unbestritten einer der grössten Fussballer aller Zeiten. Aber für die Argentinier bleibt – trotz der mittlerweile tragischen Figur, die er mittlerweile abgibt – Diego Armando Maradona der Grösste. Er hat es geschafft, die «Gauchos» 1986 zum Weltmeister zu machen. Messi führte sein Land 2014 bis in den WM-Final, den es in der Verlängerung gegen Deutschland verlor. Die Auszeichnung zum besten Spieler des Turniers war für den «Zauberfloh» ein schwacher Trost.

Messi mit Argentinien
Weltmeisterschaften
2006: Out im Viertelfinal
2010: Out im Viertelfinal
2014: Niederlage im Final
2018: Out im Achtelfinal

Copa America
2007: Niederlage im Final
2011: Out im Viertelfinal
2015: Niederlage im Final
2016: Niederlage im Final

Olympische Spiele
2008: Goldmedaille

65 Tore hat Messi im Dress der «Albiceleste» erzielt. Kommen weitere hinzu – oder war dieses Achtelfinal-Spiel gegen Frankreich das letzte seiner 128 Länderspiele? Es wäre nicht sein erster Rücktritt aus dem Nationalteam, im Sommer 2016 war er schon einmal während zwei Monaten entschlossen, nur noch als Klubfussballer aufzulaufen. Doch er kehrte zurück und versuchte noch einmal, seinem Land einen WM-Titel zu schenken.

Animiertes GIFGIF abspielen
Haben wir heute Messis letztes WM-Spiel gesehen?gif: srf

Das gelang Messi nicht. In der Vorrunde enttäuschte Argentinien in Russland. Beim 3:4 gegen «Les Bleus» zeigten die Südamerikaner aber, was sie eigentlich draufhaben – zumindest offensiv, wenn Messi involviert ist. Aber weil die Abwehrschwächen zu gross waren, reichte es doch nicht fürs Weiterkommen.

«Viele von uns müssen einen Schritt beiseitetreten. Wir müssen ehrlich zu uns selbst sein. Jetzt kommt eine andere Generation, reich an Spielern.»
Lucas Biglia

Radikaler Umbau ohne Messi?

Argentinien muss einen Neuaufbau in die Wege leiten. 29,6 Jahre alt war die Startelf gegen die Franzosen, fast vier Jahre waren die «Gauchos» älter. Nach dem Spiel bestätigte der 34-jährige Defensiv-Haudegen Javier Mascherano seinen Rücktritt, auch der 32-jährige Lucas Biglia hört auf. Cristian Pavon (22 Jahre), Nicolas Tagliafico (25) und Marcos Rojo (28) waren die drei einzigen Startelf-Spieler, die jünger als 30 Jahre alt sind.

«Ab jetzt bin ich nur noch ein Fan unserer Mannschaft. Ich hoffe, dass die Burschen in Zukunft etwas erreichen können»
Javier Mascherano

Messi war auch heute der Dreh- und Angelpunkt, der immer angespielt wurde, der vieles versuchte und dem auch manches gelang. Die Partie war sinnbildlich für so viele mit dem Nationalteam: Für Lionel Messi war im weiss-himmelblauen Trikot nicht der Himmel die Limite, sondern seine Mitspieler. Die sind bei Barcelona eine Klasse besser.

Mit dem FC Barcelona gewann Messi vier Mal die Champions League, wurde neun Mal spanischer Meister und sechs Mal Cupsieger.
Mit dem FC Barcelona gewann Messi vier Mal die Champions League, wurde neun Mal spanischer Meister und sechs Mal Cupsieger.Bild: EPA/EFE

Eines Tages muss der Ausnahmefussballer ersetzt werden. Vielleicht wäre Argentinien gut beraten, diesen unumgänglichen Vorgang schon jetzt zu vollziehen. Ohne Messi kann an einem neuen, jungen Team mit einem anderen, nicht auf einen Spieler ausgerichteten System gearbeitet werden.

«Wir sind unendlich traurig, vor allem, weil die Spieler vorbildlich gekämpft und alles gegeben haben.»
Jorge Sampaoli, Nationaltrainer

Gleichzeitig würde der fünffache Weltfussballer von der erdrückenden Last befreit werden, ein ganzes Land im Alleingang zu Titeln schiessen zu müssen. Das würde Lionel Messi erlauben, sich nur noch auf den FC Barcelona zu konzentrieren – und darauf, das ewige Wettrennen um die «Weltherrschaft» mit Cristiano Ronaldo zu verlängern. Etwas, was Fussballfans rund um den Globus nur zu gern miterleben würden.

Hämischer Song brasilianischer Fans: «Messi ciao, Messi ciao, Messi ciao ciao ciao!»

Das Telegramm

Frankreich – Argentinien 4:3 (1:1)
Kasan. - 42'873 Zuschauer (ausverkauft). - SR Faghani (IRN).
Tore: 13. Griezmann (Foulpenalty) 1:0. 41. Di Maria 1:1. 48. Mercado 1:2. 57. Pavard 2:2. 64. Mbappé 3:2. 68. Mbappé 4:2. 93. Agüero 4:3.
Frankreich: Lloris; Pavard, Varane, Umtiti, Hernandez; Kanté, Pogba; Mbappé (89. Thauvin), Griezmann (83. Fekir), Matuidi (75. Tolisso); Giroud.
Argentinien: Armani; Mercado, Otamendi, Rojo (46. Fazio), Tagliafico; Pérez (66. Agüero), Mascherano, Banega; Pavon (75. Meza), Messi, Di Maria.
Bemerkungen: 9. Lattenschuss Griezmann. - Verwarnungen: 11. Rojo (Foul). 19. Tagliafico (Foul). 43. Mascherano (Foul). 50. Banega (Foul). 72. Matuidi (Reklamieren/im Viertelfinal gesperrt). 73. Pavard (Foul). 93. Otamendi (Foul). 93. Giroud (unsportliches Verhalten).

Vom Hobbit zum Hipster: Lionel Messi im Wandel der Zeit

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Vom Hobbit zum Hipster: Lionel Messi im Wandel der Zeit
quelle: x00175 / â© reuters photographer / reuter
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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Cesare
30.06.2018 20:31registriert März 2018
Argentinien ist halt einfach schwach gecoacht. Wenn man Spieler wie Dybala oder Higuain nicht in ein Team integrieren kann und Icardi gar nicht mitnimmt, muss man sich nicht wundern, wenns dann nicht läuft...
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Charivari
30.06.2018 19:51registriert August 2017
Ein guter Trainer würde diesem Team eher nützen, als ein Rücktritt von Messi.
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Skeletor82
30.06.2018 20:44registriert Juli 2017
Die Tabellen-Statistik zeigt, dass es gar nicht so schlecht lief an WMs, insbesondere bei der WM vor vier Jahren, Finaleinzug und Auszeichnung zum besten Spieler, war es ja denkbar knapp.

Maradona flog bei der ersten WM in der Zwischenrunde raus, bei seiner letzten im Achtelfinale. Dazwischen der WM-Titel und Vizeweltmeisterschaft.

Klar, Maradona bleibt die unangefochtene Nummer 1, Messis Nationalmannschaftskarriere aber immer so schlecht zu machen, ist nicht korrekt.
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