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Swiss national team players Breel Embolo, right, and Manuel Akanji, left, enjoy a trip in the Grotto dei Pescatori on the shore of the Lugano Lake in Lugano, Switzerland, Friday, June 1, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Breel Embolo und Manuel Akanji: Trotz Gemeinsamkeiten verlaufen ihre Karrieren unterschiedlich. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Manuel Akanji und Breel Embolo: Rivalen in der Liga, Hoffnungsträger in der Nati

Jung, dynamisch und erfolgreich? Manuel Akanji (23) und Breel Embolo (21) wechselten von Basel nach Deutschland, um die Fussballwelt zu erobern. Der Weg verläuft unterschiedlich, nicht nur weil ihre Teams grosse Rivalen sind.

etienne wuillemin und christian brägger / Aargauer Zeitung



Manuel Akanji – immer höher

Der Gedanke zurück schmerzt. Wie er auf dem Rasen von St. Petersburg liegt, die Hände schützend übers Gesicht gelegt, Sekunden nach dem Abpfiff, mit der Gewissheit, diesen WM-Achtelfinal gegen Schweden tatsächlich 0:1 verloren zu haben. Und er selbst: beteiligt am unglücklichen Gegentreffer, weil sein Fuss den Ball ablenkte, direkt ins eigene Tor

Switzerland's Manuel Akanji reacts after his team lost the round of 16 match between Switzerland and Sweden at the 2018 soccer World Cup in the St. Petersburg Stadium, in St. Petersburg, Russia, Tuesday, July 3, 2018. (AP Photo/Martin Meissner)

Manuel Akanji gegen Schweden – am Boden. Bild: AP/AP

Jetzt sitzt Manuel Akanji an einem Tisch in Freienbach, das öffentliche Training ist vorbei. Ein neuer Zyklus beginnt, das Spiel gegen Island, das erste in der neu geschaffenen Nations League, naht. Die Vorfreude steigt. Und doch sind die Gedanken an Russland noch nicht verschwunden. «Wenn ich über die WM nachdenke, kommt mir als Erstes leider der Tiefpunkt in den Sinn», sagt Akanji. «Aber es dauert dann auch nicht lange, bis ich wieder sehen kann, dass wir über alles gesehen ein tolles Turnier absolviert haben.»

«Ich habe mich verletzt gefühlt.»

Manuel Akanji über die Doppelbürger-Debatte

Für Akanji gilt das besonders. Vor der WM war noch unklar, ob er überhaupt Stammspieler sein würde. Doch Nationaltrainer Vladimir Petkovic liess keine Zweifel zu, setzte immer auf Akanji – der mittlerweile 23-Jährige dankte es mit tollen Leistungen. Dass ausgerechnet ihm, dem besten Schweizer Feldspieler der WM, der fatale Ablenker im Achtelfinal passierte, passte so gar nicht ins Bild. «Als wir dann zu Hause waren und die nächsten Spiele mit ansehen mussten, tat das Ausscheiden nochmals mehr weh. Ich dachte oft: Auf dieser Bühne hätten auch wir sein können.»

Gefühl der Ohnmacht

Es blieb nicht beim sportlichen Frust. Die Tage nach dem Ausscheiden, nach diesem 3. Juli, sind mit die schwärzesten der neueren Schweizer Fussballgeschichte. Und Manuel Akanji einer der Betroffenen. Die Frage von Ex-Generalsekretär Alex Miescher, ob die Schweiz weiterhin auf Doppelbürger setzen soll, trifft direkt ins Herz von Akanji und vielen Kollegen. «Ich habe mich verletzt gefühlt», sagt er und fragt: «Was müssen wir denn noch leisten, um akzeptiert zu werden?»

Kurz nach Mieschers Aussagen, postet Akanji ein Bild von sich mit dem Trikot des nigerianischen Nationalteams.

Die Zeit heilt Wunden, natürlich, und darum ist es auch mehr als berechtigt, wenn sich Akanji und Co. jetzt wieder aufs Fussballspielen konzentrieren wollen – zumal Miescher zurückgetreten ist. Doch soll man einfach zur Tagesordnung übergehen? In der Hoffnung, dass das leidige Thema möglichst für immer fernbleibt? «Nein!», sagt Sarah Akanji. Die Sache dürfe keinesfalls zu den Akten gelegt werden. Sarah ist die Schwester von Manuel, selbst begeisterte Fussballerin. Das Spiel der Schweiz gegen Serbien hat sie vor Ort in Kaliningrad verfolgt. «Mein Wunsch wäre, dass möglichst viele Menschen versuchen, sich in die Lage eines Doppelbürgers zu versetzen. Vielleicht könnte man dann unsere Gefühle verstehen.»

Zeit für neue Geschichten

«Es beginnt bei kleinen Fragen: Wie wäre es, bei jeder Begegnung sehr bald gefragt zu werden, woher man wirklich kommt? Oder wie wäre es, im Flugzeug häufig zuerst auf Englisch angesprochen zu werden? Wer es sich vorstellt, kann das Gefühl der Ohnmacht und Machtlosigkeit, das Gefühl des «nicht ganz Dazugehörens», vielleicht ein bisschen besser verstehen»

Die WM in Russland könnte für Manuel Akanji ein Zwischenschritt gewesen sein auf dem Weg zu einer grossen Karriere. Nach seinem Wechsel vom FCB zu Dortmund im Januar ist Akanji daran, die Bundesliga zu erobern. Mit Lucien Favre begleitet ihn dabei ein prominenter Schweizer Trainer. Zunächst aber zählt das Nationalteam. Gegen Island geht es auch darum, neue Geschichten zu schreiben. Positive Geschichten. Damit die schmerzenden Schweden-Gedanken definitiv verschwinden.

Breel Embolo – wann explodiert er?

Straftraining mit Schalke am Montagmorgen, nach zwei Niederlagen zum Saisonauftakt. Breel Embolo verpasst daraufhin den Flieger und rückt am Nachmittag verspätet ins Camp des Nationalteams ein. Turbulente Zeiten sind es wieder einmal in Gelsenkirchen. Und Embolo sagt: «Wir hätten zwei statt null Punkte verdient. Oder gar vier. Wir sind jetzt aber nicht in der Krise, unser Weg ist richtig.»

02.09.2018, Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen, Fußball: Bundesliga, FC Schalke 04 - Hertha BSC, 2. Spieltag in der Veltins Arena. Schalkes Trainer Domenico Tedesco (M) gibt Anweisungen an Schalkes Daniel Caligiuri (l). Rechts steht Schalkes Breel Embolo. (KEYSTONE/DPA/Guido Kirchner)

Mit Schalke läuft es noch nicht nach Wunsch. Bild: DPA

Bald explodiert er, jetzt muss es dann soweit sein. Dieser Gedanke begleitet stets, wer Embolo beim Fussballspielen zuschaut; doch seit der Offensivspieler im Sommer 2016 den FC Basel verlassen und Schalke ihn für die Vereinsrekordsumme von 22,5 Millionen Euro verpflichtet hat, tritt nicht ein, was viele sehen wollen; nicht auf Schalke, nicht im Nationalteam.

Nicht mehr der Lausbub

Dabei spricht vor mehr als zwei Jahren nichts gegen und alles für Embolo, in Basel startet er durch, an der EM in Frankreich ist er mit 19 Jahren der jüngste Schweizer Spieler und neben Xherdan Shaqiri ein Hoffnungsträger im Angriff. Weil er so unbekümmert ist, so lausbübisch, frech im positiven Sinne, und immer frisch von der Leber redet, kommt er überall gut an. Die Fans widmen ihm ein eigenes Lied – der Oh-Embolo-Song wird zum Ohrwurm. Auch kommen in der Öffentlichkeit nie Zweifel auf, ob in seinem Herzen das kamerunische ebenfalls Platz haben könnte. Es hat.

Auf den Rängen ist das Lied heute nicht mehr oft zu hören, Embolo ist auch nicht mehr der Lausbub von einst, und im Sommer ist er während der WM im Alter von 21 Jahren stolzer Papa einer Tochter geworden. Er wirkt jetzt nicht mehr so unbeschwert, redet überlegter. Breel Embolo ist erwachsen geworden

Am Ball aber, da ist er im Prinzip immer noch derselbe. Unberechenbar, athletisch, schnell, explosiv, manchmal zu ungestüm und den Ball vergessend. Geblieben sind auch die eigentümlichen Bewegungen, wenn er sich in den Gegner hineindreht und verheddert. Und augenfällig ist vor allem dies: Embolo hat Mühe, beim Bundesligaklub und im Nationalteam einen Stammplatz zu behaupten. An der WM in Russland pendelt er zwischen Ersatzbank und Startelf, bei Schalke ebenso.

Der Wechsel dahin kommt vielleicht zu früh, zu Beginn geht in Deutschland jedenfalls nicht viel, das Klima ist ein anders als im geliebten Basel. Und die Erwartungen sind hoch. Vielleicht drückt auch das Preisschild, zumal Embolo nachgesagt wird, dass er sich in der Bringschuld sieht, er etwas zurückzahlen will. Das kann lähmen. Und dann, als er endlich mit seinen Toren angekommen ist in der Bundesliga, erleidet er im Oktober 2016 einen Knöchelbruch, der ihn danach die komplette Spielzeit verpassen und noch in der Folgesaison leiden lässt

«Mein Limit ist noch nicht erreicht.»

Breel Embolo

Embolo hat die Verletzung, die auch das Karriereende hätte bedeuten können, weit mehr zurückgeworfen, als er wahrhaben will. «Jede Verletzung ist schwer. Meine war besonders schwer, ich war fast ein Jahr weg. Aber ich will vorwärtsschauen», sagt Embolo.

«Ich glaube, ich bin auf einem guten Weg. Natürlich hat mir meine Rolle in der Nationalmannschaft zuletzt nicht gefallen.» Er meint, er hätte es auch verdient gehabt, gegen die Schweden zu beginnen. Nun aber will er nach vorne schauen. «Mein Limit ist noch nicht erreicht. Ich spiele bei einem grossen Club in Deutschland. Und ich weiss, dass ich viel Potenzial habe. Aber ich muss gesund bleiben.» Letzteres ist ihm und der ganzen Schweiz zu wünschen.

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