DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Super League will ab nächster Saison den Videobeweis – Vorbereitungen laufen

Ab kommender Saison soll der Video-Schiedsrichter auch in der Super League zum Einsatz kommen. FCZ-Trainer Ludovic Magnin dürfte es freuen; denn so können Fehlentscheidungen wie im Spiel am Wochenende zwischen seinem FC Zürich und dem FC Basel in Zukunft aufgeklärt werden.

Sébastian Lavoyer / Nordwestschweiz



FC-Zürich-Trainer Ludovic Magnin ärgerte sich nach dem Klassiker, denn seinem Team wurde beim 1:1 gegen den FC Basel ein Tor aberkannt, das eigentlich hätte zählen müssen. Stephen Odey hämmerte den Ball in der 67. Minute ins Basler Tor. Jubel auf den Rängen, dann ein Aufschrei – Schiedsrichter Alain Bieri gibt das Tor nicht. Offside. Mit grösster Wahrscheinlichkeit ein Fehlentscheid.

Zuerichs Trainer Ludovic Magnin reagiert im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und dem FC Basel im Letzigrund, am Sonntag, 26. August 2018 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Wenig begeistert: FC-Zürich-Trainer Ludovic Magnin Bild: KEYSTONE

«Die Szene zeigt, dass in der Schweiz der Video-Schiedsrichter kommen muss», sagte Magnin nach dem Spiel. Dann fügte er an: «Aber in der Schweiz dauert es ja immer fünf Jahre länger als anderswo.»

Er irrt. Läuft alles nach Plan, dann kommt der Video-Assistant-Referee (VAR) in der Super League schon nächste Saison. Bei Liga und Verband wird derzeit mit Hochdruck an der Reform gearbeitet. Schon an der WM beobachtete eine Arbeitsgruppe um Silvano Lombardo (Chef Spielbetrieb) und Schiedsrichter-Boss Cyril Zimmermann genau. Sie klärte ab, was es alles braucht an technischem Equipment, an Personal, an Trainingseinheiten. «Daraus entstand eine Kosten-Übersicht», sagt Liga-Sprecher Philippe Guggisberg.

Zuerst mit Juniorenmannschaften

Die sind beträchtlich. Schon vor der Einführung dürften Liga und Verband mit Kosten von einer Million Franken und mehr konfrontiert sein. Denn die Anforderungen des International Football Board (IFAB), den Gralshütern über das Regelwerk im Fussball, sind äusserst umfangreich. Gerade auch im Hinblick auf die Ausbildung der Video-Schiedsrichter. Jeder muss vor Einführung eine bestimmte Anzahl Stunden in dieser Funktion geübt haben.

So funktionierte der Video-Beweis bei der WM in Russland

Video: srf

Eigens zur Schulung der Video-Schiedsrichter werden SFV und SFL Testspiele organisieren müssen, bei denen aber ein komplettes Fernseh-Produktionsteam das Spiel aufzeichnen wird, und zwar mit genau jenen Kamerapositionen, die auch in der Meisterschaft gegeben sind.

Braucht es den Videobeweis in der Super League?

Anfänglich wird man wohl mit Juniorenmannschaften testen, dann würden offizielle Testspiele zu Ausbildungszwecken genutzt. Zudem müssen solche Tests in allen Stadien stattfinden, in denen auch gespielt wird. In der Super League sind das derzeit neun Standorte (GC und FCZ teilen sich das Stadion).

Nur für Super-League-Schiedsrichter?

Die Vorarbeiten der Arbeitsgruppe zu den Kosten der Einführung und des allfälligen Betriebs dienen als Basis für einen definitiven Entscheid. Läuft alles nach Plan, wird dieser im November an der Generalversammlung gefällt, wo die Klubs der beiden höchsten Ligen vertreten sind.

Wer nun das Gefühl hat, dass man bis dahin die Beine hochlegt, täuscht sich gewaltig. «Im Hintergrund treibt die Arbeitsgruppe das Projekt weiter voran. Wir möchten bei einem Ja zum Video-Schiedsrichter sofort mit den Tests starten können», erklärt Guggisberg.

2018 erstmals an einer Fussball-WM im Einsatz

Der «Video Assistant Referee» (VAR) analysiert in einer Zentrale auf Bildschirmen die Entscheide des Schiedsrichters auf dem Feld und meldet sich bei diesem im Falle von Unsicherheiten in spielentscheidenden Situationen. Der Schiedsrichter kann sich die strittigen Situationen dann noch einmal auf einem Bildschirm am Spielfeldrand ansehen und gefällte Entscheide bei Bedarf rückgängig machen oder ändern. Im Jahr 2018 wurden VARs offiziell in die Fifa-Spielregeln eingeführt und kamen auch an der WM in Russland zum Einsatz.

Ob es dann zeitlich und personell reicht, dass man den Videobeweis schon auf kommende Saison hin einführen kann, ist auch dann noch nicht klar. Genauso wie es auch bezüglich der eingesetzten Schiedsrichter noch Fragezeichen gibt. Dürfen nur Super-League-Schiedsrichter im Videoraum sitzen?

Elf Refs dürfen in der Schweiz derzeit auf höchstem Niveau pfeifen. Wird gleichzeitig gespielt, wären zehn im Einsatz, fünf auf dem Platz, fünf im Videoraum. Und wenn dann im Videoraum auch noch ein Assistent zum Zug kommen soll, wie es in der Bundesliga der Fall ist, dann wären es 15. Die Fussball-Schweiz könnte also in einen Schiri-Engpass kommen, wenn nicht zusätzliche Synergien gefunden werden oder auch Challenge-League-Schiedsrichter eingesetzt werden könnten.

Ambitiöser Zeitplan

Die VAR-Einführung auf die kommende Saison ist ambitiös, aber nicht unrealistisch. Sie braucht allerdings noch die Zustimmung. Es scheint also deutlich schneller zu gehen, als Magnin befürchtete. Dass danach heftige Debatten über Schiedsrichter-Entscheide wegfallen, ist auszuschliessen. Das zeigen die Erfahrungen aus Deutschland, Spanien und Frankreich.

Natürlich wird der Schweizer Fussball von diesen Erfahrungen profitieren können, zugleich ist klar, dass man eigene Erfahrungen machen muss. Sowohl was die Tauglichkeit der Refs für diese Funktion anbelangt (nicht jeder kommt gleich gut mit der Technik zurecht), als auch das Gefühl dafür, wann man intervenieren muss. Geht der Zeitplan auf, wird Magnin nächste Saison nicht mehr über das Fehlen des VAR jammern. Diskussionen über VAR-Entscheide wird er mit Sicherheit trotzdem lostreten. (aargauerzeitung.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Viel zu lange mussten Sie um Anerkennung kämpfen – ein offener Brief an Vladimir Petkovic

Der Trainer der Schweizer Nati steht vor einem Wechsel in die Ligue 1 in Frankreich. Nach sieben Jahren geht er beim SFV von Bord. Zeit für einen offenen Brief an den Mann, der die Schweiz sieben Jahre lang betreut und in den EM-Viertelfinal geführt hat.

Sehr geehrter Vladimir Petkovic,

Als Sie vor gut zwei Wochen aus St.Petersburg zurück nach Zürich reisten, sind die Schweizer Nati-Fans am Flughafen Kloten gestanden, haben gejubelt, um Autogramme und Selfies gebeten. Menschen haben sich umarmt, gelacht, waren euphorisch, so wie in den Tagen zuvor schon. Alles dank den Auftritten Ihrer Fussballer an dieser EM. Als Chef der Nati haben Sie die Schweiz mitgenommen auf eine besondere Reise. Die Bilder dieser Gesichter voller Emotionen sind …

Artikel lesen
Link zum Artikel