Sport
Interview

Ski Alpin: Wendy Holdener spricht im Interview über Stürze und Shiffrin

Switzerland's Wendy Holdener concentrates ahead of an alpine ski, women's World Cup slalom, in Levi, Finland, Saturday, Nov. 15, 2025. (AP Photo/Gabriele Facciotti)
Finland Alpine Skiing Wor ...
5 Olympia-Medaillen, 9 WM-Medaillen, 54 Weltcup-Podestplätze, 2 Slalom-Siege – das sind die eindrücklichen Zahlen der derzeitigen Slalom-Vize-Weltmeisterin Wendy Holdener.Bild: keystone
Interview

Wendy Holdener über Shiffrin: «Wenn ich mein bestes Skifahren zeige, bin ich dabei»

Vor dem Nacht-Slalom in Courchevel spricht die Vize-Weltmeisterin Wendy Holdener, 32, über ihren Saisonstart, die schweren Verletzungen im Schweizer Team und Rivalin Mikaela Shiffrin.
16.12.2025, 12:4816.12.2025, 13:32
Etienne Wuillemin / ch media

Wie sehr hat Sie der Sturz von Michelle Gisin mitgenommen?
Wendy Holdener: Es hat mich schon ziemlich beschäftigt. Auch am Donnerstag, den ganzen Tag über. Das Schlimme ist die Ungewissheit. Solange man nicht weiss, wie es ihr geht. Den Sturz selbst habe ich nicht gesehen – und ich werde ihn mir auch nicht ansehen. Ich schaue mir solche Unfälle nicht gerne an.

Sie sind eine langjährige Weggefährtin von Gisin. Leiden Sie bei einer engen Freundin besonders mit?
Klar, je näher man sich ist, je besser man jemanden kennt, je mehr man vom Leben einer Person weiss, desto schwieriger ist es. Was aber auch klar ist: Ich höre von keiner Verletzung gerne.

Silver medalist Wendy Holdener of Switzerland, left, and gold medalist Michelle Gisin of Switzerland, right, celebrate during the victory ceremony of the women's Alpine Skiing Combined slalom rac ...
Gut befreundet: Wendy Holdener und Michelle Gisin.Bild: keystone

Nun haben sich innert eines Monats zunächst Lara Gut-Behrami, dann Corinne Suter und nun Michelle Gisin schwer verletzt. Haben Sie eine solche Häufigkeit schon einmal erlebt?
Ich möchte lieber nicht mehr über dieses Thema sprechen und darum gerne zur nächsten Frage kommen.

Die Ski-Saison ist jetzt gut sieben Wochen alt. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz aus?
Ich würde sagen: Es hatte skifahrerisch viel Gutes dabei. Aber ich konnte die Teile bisher noch nicht alle zusammenbringen. Im Riesenslalom war die Vorbereitung nicht ganz so, wie ich sie mir gewünscht hätte. Darum bekam ich erst jetzt durch die Rennen und Trainings, die kürzlich stattfanden, den richtigen Drive. Im Slalom hatte ich einen etwas harzigen Start, ich fand nicht immer die richtige Lösung. Aber mehr ist es eigentlich nicht.

In der Slalom-Bilanz steht: Rang 8 in Levi, zweimal die Ränge 4 in Gurgl und Copper Mountain. In den USA waren Sie etwas wütend auf sich selbst, weil der zweite Lauf missglückte. Ist dieser Ärger mittlerweile vorbei?
Ja, das schmerzt nicht mehr. Ich habe das so aufgenommen – und weiter geht’s. Auf Rang 4 landet niemand gerne, logisch. Aber es ist eine gute Rangierung, wenn man sieht, wie ich gefahren bin und eben auch, wie viel Potenzial ich noch habe.

Mikaela Shiffrin siegte dreimal mit über einer Sekunde Vorsprung. Fährt Sie derzeit in einer eigenen Liga?
Ich war zweimal sehr nahe dran. Wenn ich mein bestes Skifahren zeige, bin ich dabei. Aber wenn ich das nicht bringe, hat sie viel Vorsprung, das stimmt.

Was gibt Ihnen Zuversicht, Shiffrin bald zu besiegen und im Slalom wieder einmal zuoberst auf dem Podest zu stehen?
Ich darf mich nicht zu sehr auf den Sieg konzentrieren, respektive darauf, Shiffrin zu besiegen. Ich weiss, ich kann das nur erreichen, wenn ich gut skifahre. Darum ist dies mein Ziel. Und dann schaue ich, welche Resultate herausschauen.

epa10361135 Wendy Holdener (L) of Switzerland celebrates in the finish area after winning the Women's Slalom race at the FIS Alpine Skiing World Cup in Sestriere, Italy, 11 December 2022. Holdene ...
Oft muss Holdener Shiffrin den Vortritt lassen.Bild: keystone

Wird bei Ihnen ein zu grosses Tamtam um den Sieg gemacht?
Ja, das würde ich schon sagen.

Stört Sie das?
Manchmal. Aber wichtig ist mir, dass mein Umfeld und wir innerhalb des Teams den richtigen Umgang damit finden. Was ausserhalb dieses Kosmos passiert, spielt dann eigentlich keine Rolle.

Vor dem ersten Slalom in Levi waren Sie am linken Knie leicht handicapiert – behielten das aber für sich. Und mussten danach für Ihren 8. Platz Kritik einstecken. Warum haben Sie die Verletzung nicht öffentlich gemacht?
Ich habe in Levi im Training einen Schlag erwischt. Das hilft nicht, das ist klar. Aber ich entschied bewusst, dass ich nicht darüber reden will vor dem Rennen. Wenn ich am Renntag nicht noch von jedem und jeder gefragt werde, was denn los sei, kann ich es besser vergessen und mich aufs Skifahren konzentrieren. Darum habe ich das so gemacht. Mittlerweile ist das Thema Knie plusminus abgeschlossen.

Sie waren drei Wochen am Stück unterwegs. Wie gut hat das eigene Bett getan nach der Rückkehr aus Kanada vor einer Woche?
Sehr gut. Wir waren vier Nächte zu Hause. Das ist viel im Winter. Das Training im Kraftraum hat nicht gestoppt – aber das kann ich auch von zu Hause aus machen. Mit Skifahren hatte ich eine Pause bis zu diesem Wochenende, als ich im Wallis wieder trainierte.

Von den nächsten vier Slaloms finden nun am Dienstag in Courchevel und dann in Semmering und Flachau drei am Abend in der Dunkelheit statt. Mögen Sie diese Nacht-Slaloms?
Grundsätzlich mag ich Tagesrennen lieber, auch weil ich sie mir mehr gewohnt bin. Aber auch Nachtrennen habe ihre Vorteile. Zum Beispiel, dass man ausschlafen kann und keinen Stress hat am Morgen. Man muss sogar lange schlafen, sonst reicht die Energie am Abend nicht mehr. Aufstehen um 8:30 statt 5:30 – das hat schon seinen Reiz. Zudem finde ich die Stimmung bei den Nachtrennen ziemlich cool.

Wenn Sie gestatten, möchte ich zum Schluss noch einmal auf die vielen Verletzungen zu sprechen kommen. Wenn die Teamleaderinnen aus dem Speed fehlen, steigt der Druck auf Sie und Camille Rast.
Ich habe ehrlich gesagt nicht gross überlegt, dass wir jetzt die Erfahrensten im Frauen-Team sind. Obwohl wir alle Teamsportler und Teamsportlerinnen sind, sind wir am Ende auch sehr auf uns selbst fokussiert. Aber ich bin überzeugt, dass wir in diesem Winter trotzdem gute Leistungen von unserem Speedteam sehen werden. Und natürlich hoffe ich, dass Lara, Corinne und Michelle bald wieder gesund sind. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Schweizer Ski-Cracks mit 10 und mehr Weltcupsiegen
1 / 20
Schweizer Ski-Cracks mit 10 und mehr Weltcupsiegen
Der alpine Skisport gilt als Schweizer Nationalheiligtum. Das waren die erfolgreichsten Fahrerinnen und Fahrer der Geschichte.
quelle: keystone / jean-christophe bott
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So verbringen die Ski-Profis den Sommer
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
14 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Holzkopf
16.12.2025 13:48registriert November 2017
Die Kommentare sind genau so, wie ich es erwarten würde, wenn die meisten nur den einen Satz im Titel gelesen haben.

Wendy Holdener weiss sicher genau, dass sie nicht Mikaela Shiffrin ist. Und sie sagt ja exakt das, dass sie ihr bestes, also fehlerfreies Skifahren zeigen muss, um an ihr dran zu sein.
Um sportlich mit einem derartigen Ausnahmetalent konkurrieren zu können, hilft es nicht, wenn man sich sagt, ich unterliege sowieso, sondern man muss sich eben sagen, dass man seine beste Leistung zeigen muss, damit es ggf. für einen Sieg reicht. Im Fall von Wendy Holdener z.B. in Sestriere 2022.
201
Melden
Zum Kommentar
avatar
züristone
16.12.2025 13:55registriert August 2015
Diese gehässigen Kommentare wieder. Es ist wie wenn die Leute denken sie haben ein Anrecht darauf, dass gefälligst eine Schweizerin auf dem Podest steht. Ich drücke einfach allen die Daumen und hoffe, dass es keine weiteren schweren Verletzungen gibt.
213
Melden
Zum Kommentar
14
Fiala erhält neuen Star-Mitspieler in der NHL +++ Ter Stegen droht WM zu verpassen
Die wichtigsten Kurznachrichten aus der weiten Welt des Sports.
Zur Story