Eigentlich schien das Duell zwischen Joel Wicki und Fabian Staudenmann, das Kräftemessen zwischen dem König und der nominellen Nummer eins in der Thronfolge, so gut wie gesetzt. Doch Stefan Strebel, der Eidgenössische Technische Leiter, überraschte mit seinen Spitzenpaarungen für das Eidgenössische Schwingfest in Mollis mal wieder fast alle.
Der Aargauer ist zwar bekannt dafür, gewohnte Pfade zu verlassen. Trotzdem gibt Strebels Einteilung zu reden.
Statt mit Staudenmann bekommt es Wicki nun also mit Michael Moser zu tun. Rein sportlich betrachtet, macht das Sinn. Moser hat eine bärenstarke Saison hinter sich. Er gewann unter anderem das Berner Kantonale und wurde am Nordostschweizerischen Co-Sieger. Und er blieb im einzigen Duell mit Wicki in dieser Saison auf dem Brünig im Anschwingen stehen.
Doch da ist eben noch eine andere Komponente: Moser ist erst seit einigen Wochen 20 Jahre alt und noch nicht einmal Eidgenosse. Und jetzt muss er gleich gegen den König ran. Darf man das? Stefan Strebel, der als Technischer Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands bei der Einteilung des ersten Gangs kraft seines Amtes freie Hand hat, sagt:
Das stimmt. Dass ein Nicht-Eidgenosse allerdings im Anschwingen gleich den König fordern muss, ist selten. Vor drei Jahren erging es Damian Ott so, als er gegen Christian Stucki antreten musste. Stucki reiste damals allerdings alles andere als in Topform nach Pratteln. Nach einem Bandscheibenvorfall bestritt er am Eidgenössischen sein erstes Fest der Saison. Seine Einteilung – ebenfalls von Strebel vorgenommen – war ein Stück weit diesem Umstand geschuldet. Gegen Ott gewann er dann doch.
Und dann gibt es noch das ungeschriebene Gesetz, dass an einem Eidgenössischen der stärkste Schwinger der Saison den König im Anschwingen fordert. Gemäss der vom Fachmagazin «Schlussgang» geführten Jahreswertung wäre das Staudenmann, Moser folgt erst auf Rang drei. Strebel sagt dazu: «Moser war lange die Nummer eins.»
Fakt ist: Sollte Moser gegen Wicki gewinnen, würde es das Eidgenössische so richtig lancieren. Strebel sagt: «Ich hatte einen Traum. Ich sah, wie König Abderhalden am Sonntagmorgen gegen Kilian Wenger auf dem Rücken landete. Warum sollte das Moser nicht am Samstagmorgen gelingen?» Wenger wurde damals, 2010 in Frauenfeld, schliesslich König.
Von Anfang an war klar, dass der meistgenannte Favorit auf den Königstitel, Fabian Staudenmann, im Anschwingen einen «Brocken» vorgesetzt bekommt. Entgegen den Erwartungen ist es jedoch nicht Wicki, sondern Samuel Giger geworden. Mit dem Thurgauer Eidgenossen hat Stefan Strebel dem Berner Staudenmann eine Knacknuss hingestellt.
Man sollte mit dem Begriff «Angstgegner» vorsichtig umgehen. Aber Giger gehört gewiss nicht zu den bevorzugten Kontrahenten des Guggisbergers. Nur eines von bisher insgesamt acht Duellen konnte Staudenmann zu seinen Gunsten entscheiden: 2024 im Rahmen des Berner Kantonalen. Dreimal ging der Thurgauer als Sieger aus dem Sägemehl, zuletzt 2023 im Anschwingen des Unspunnen-Fests, welches Giger schliesslich gewann.
Stefan Strebel begründete seine Wahl folgendermassen: «Aufgrund der jüngsten Duelle steht es hier eigentlich 1:1. Deshalb will ich diesen Gang noch einmal sehen. Wenn einer der beiden gewinnt, dann kann das Eidgenössische so richtig losgehen. Denn das hätte Auswirkungen auf das ganze Fest.» So oder so wird am Samstag mindestens einer der grossen Topfavoriten früh zurückgebunden. Im Falle eines Gestellten sogar beide.
Viel Spannung verspricht auch das Duell der «langen Lulatsche» zwischen 1,97-Meter-Mann Damian Ott und 2-Meter-Mann Adrian Walther. Zuletzt trafen die beiden 2023 am Bergfest auf den Brünig aufeinander und trennten sich ohne Sieger. 2021 besiegte Ott Walther auf dem Schwarzsee.
Gerade für Walther, der während des ganzen Jahres nie aus dem Schatten von Fabian Staudenmann herauszutreten vermochte, ist dieses Duell gegen den formstarken und unbequemen Ott ein echter Prüfstein. Kann der Berner den St.Galler bodigen, würde ihm das möglicherweise den nötigen Rückenwind für den weiteren Verlauf des Eidgenössischen geben.
«Das wird sicher eine interessante Paarung, weil beide angriffig schwingen», freut sich Strebel auf dieses Duell. Die beiden Kontrahenten trafen bisher erst einmal aufeinander: 2023 auf der Rigi, als Schlegel das bessere Ende für sich behielt. Noch etwas spannender macht diese Begegnung auch die Tatsache, dass beide «Stimmungsschwinger» sind und einen guten Start in ein Fest brauchen, um in Schwung zu kommen.
Es ist das Duell zweier Schlussgangverlierer an einem Eidgenössischen. Aeschbacher unterlag 2022 in Pratteln Joel Wicki, Orlik 2016 in Estavayer gegen Matthias Glarner. Die beiden haben bereits sechsmal gegeneinander geschwungen, zuletzt 2024 am Jubiläumsschwingfest in Appenzell. Dort gab es keinen Sieger. Zweimal ging Orlik als Gewinner aus dem Sägemehl, einmal Aeschbacher. Für Orlik und dessen «Königsmission» ist der Emmentaler, der immer noch «heiss» ist, ein potenzieller Stolperstein.
Es ist die einzige Paarung, die Stefan Strebel gemäss eigener Aussage neu gemacht hat, während er die anderen schon lange im Kopf hatte. Grund für das Umdenken war Räbsamens Co-Sieg beim Bergfest auf der Schwägalp.
Für den Aargauer Alpiger ist der St.Galler auf dem Papier allerdings ein guter Gegner. Denn statistisch ist das eine sehr klare Sache. Sechs Duelle gab es bisher zwischen den beiden, sechsmal setzte sich Alpiger durch.