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Mar 19, 2017; Indian Wells, CA, USA; Roger Federer (SUI) celebrates as confetti falls after he defeated Stan Wawrinka (not pictured) 7-6, 6-4 in the men's final in the BNP Paribas Open at the Indian Wells Tennis Garden. Mandatory Credit: Jayne Kamin-Oncea-USA TODAY Sports

Konfetti-Regen für den Grössten aller Zeiten in Indian Wells. Bild: usa today sports

Kommentar

Grand-Slam-Fantasien … warum eigentlich nicht?

Roger Federer hat die ersten beiden grossen Turniere in diesem Jahr souverän gewonnen. Mit Tennis von einem anderen Stern. Wer ihn spielen sieht, der kriegt das Gefühl, dass selbst das für unmöglich gehaltene für ihn vielleicht doch noch möglich werden könnte.



Alle vier Major-Titel in einem Jahr – der Grand Slam ist das Grösste, was ein Tennisspieler erreichen kann. Das Ziel aller Ziele. Geschafft haben ihn erst zwei Männer, allerdings in einer anderen Zeit: Don Budge (1938) und Rod Laver (1962 und 1969). Bis 1968 waren an den wichtigsten Tennisturnieren nur Amateure zugelassen, die Professionalisierung des Tennissports setzte erst zu Beginn der 70er-Jahre ein.

Unmöglich scheint ein Grand Slam aber auch im modernen Tennis nicht zu sein. Im neuen Jahrtausend holten bereits drei Spieler drei der vier Grand-Slam-Titel in einem Jahr: Rafael Nadal (2010), Novak Djokovic (2011 und 2015) und Roger Federer (2004, 2006 und 2007). Federer und Djokovic standen im vierten Major-Turnier sogar im Finale, doch das French Open machte ihnen jeweils einen Strich durch die Rechnung. Djokovic scheiterte 2015 an einem gross aufspielenden Stan Wawrinka, 2006 und 2007 liess jeweils Sandkönig Nadal die Träume von Federer platzen.

epaselect epa05858982 Roger Federer of Switzerland holds the trophy after winning the final against Stan Wawrinka of Switzerland in their finals match at the 2017 BNP Paribas Open tennis tournament at the Indian Wells Tennis Garden in Indian Wells, California, USA 19 March 2017.  EPA/LARRY W. SMITH

«Roger Phönix». Bild: LARRY W. SMITH/EPA/KEYSTONE

Doch in diesem Jahr ist Träumen wieder erlaubt. Sogar vom Grand Slam. Wie ein Phönix aus der Asche ist Roger Federer in die neue Saison gestartet. Nach siebenmonatiger Verletzungspause holte er in Melbourne in beeindruckender Manier seinen 18. Major-Titel, den ersten nach viereinhalbjähriger Dürreperiode.

Und gestern Abend bewies der «Maestro», dass das kein Zufallstriumph war, indem er sich auch den zweiten grossen Titel des Jahres krallte. Im Final von Indian Wells war für Stan Wawrinka kein Kraut gewachsen. Mit High-Speed-Tennis servierte Federer seinen Olympia-Gold-Partner von 2008 regelrecht ab.

Es ist schon erstaunlich, wie stark «King Roger» in dieser Saison nach der langen Pause aufspielt. Derzeit passt einfach alles zusammen: Federer wirkt mit seinen bald 36 Jahren so fit wie ein 20-Jähriger. Der variantenreichste Aufschlag des Tennis-Zirkus ist so verlässlich wie ein Schweizer Uhrwerk, die Vorhand noch immer ein Gedicht und die Rückhand hat sich zu einer neuen Geheimwaffe entwickelt. Sogar Stan Wawrinka hatte in den Backhand-Duellen oft das Nachsehen.

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Die Highlights des Finals von Indian Wells. Video: YouTube/BNP Paribas Open

Und dann ist da noch Federers neues Selbstvertrauen. Der 18. Grand-Slam-Sieg scheint eine Blockade gelöst zu haben. Vor dem Melbourne-Triumph jagte der «Maestro» immer diesem nächsten grossen Titel hinterher. Drei Major-Finals hatte er gegen Novak Djokovic verloren und der Glaube an sich selbst arg gelitten. Immer war da dieser Gefühl, es allen nochmals beweisen zu müssen.

Seit zwei Monaten ist dieser Druck wie weggeblasen und Federer spielt völlig befreit auf. Wie zu seinen besten Zeiten scheint er förmlich über den Court zu schweben. Das lässt auch die Konkurrenz nicht kalt, der Mythos der scheinbaren Unbesiegbarkeit ist zurück. Wie bei Federer früher und zuletzt bei Djokovic haben die Gegner das Gefühl, ihr allerbestes Tennis auspacken zu müssen, um überhaupt eine Chance zu haben. Besonders auffällig war das bei Rafael Nadal im Achtelfinal: Ausgerechnet der Spanier, der Federer einst seinen Spielstil aufdrückte, suchte verzweifelt nach Lösungen gegen seinen Finalbezwinger von Melbourne.

John Isner ist sich nicht sicher, ob Federer vielleicht doch ein Ausserirdischer ist.

Federer geniesst das in vollen Zügen. «Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe», predigt der Baselbieter seit seinem 18. Major-Titel unentwegt. Und die Zugaben kommen fast wie von allein. Was ist da noch möglich? Die Antwort: Alles! Federer schwebt auf Wolke 7 und dominiert die schwächelnde Konkurrenz. Die Nummer-1-Position könnte schon bald in Griffweite kommen. Liegt sogar der Grand Slam drin? Die Antwort als Gegenfrage: Warum eigentlich nicht?

Beim US Open und in Wimbledon gehört Federer – sofern er fit bleibt – natürlich zu den Topfavoriten. Beim French Open könnte es da schon schwieriger werden. Die schnellen Hartplätze sind deutlich besser auf seine Spielweise zugeschnitten als der Pariser Sand, wo die Bälle höher abspringen und die Bedingungen langsamer sind. Die Vorbereitung wird eine grosse Rolle spielen. Erst nach dem Turnier in Miami will er sich da jedoch festlegen.

Bei seinem einzigen Triumph 2009 hat Federer ja bereits bewiesen, dass er auch dort gewinnen kann, wenn alles optimal läuft und sich sein Tableau durch die eine oder andere Überraschung öffnet. Damals jagte er noch dem Karriere-Slam hinterher, nun kann er befreit aufspielen.

epa01754654 Switzerland's Roger Federer celebrates with the trophy after winning the final match against Sweden's Robin Soderling in the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 07 June 2009.  EPA/HORACIO VILLALOBOS

Küsst Federer noch einmal die «Coupe des Mosquetaires»? Bild: EPA

Die Chancen, dass Federer als erster Spieler seit 1969 den Grand Slam holt, sind trotz allem klein. Aber sie sind da. Nach dem fantastischen Start in diesem Jahr, wird man das Gefühl nicht los: Wenn es einer schaffen kann, dann er. Deshalb gilt: Träumen ist erlaubt!

Holt Roger Federer in diesem Jahr den Grand Slam?

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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
chllr
20.03.2017 13:30registriert February 2014
"Nach dem fantastischen Start in diesem Jahr, wird man das Gefühl nicht los: Wenn es einer schaffen kann, dann er."
Wird auch schwierig für einen anderen noch alle Grand Slams des Jahres zu gewinnen, gegeben der Tatsache, dass ja nur Roger die Australian Open gewonnen hat. ;)
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Toerpe Zwerg
20.03.2017 16:14registriert February 2014
ATP Ranking am 31.12.2017:
1. Roger Federer
2. Stan Wawrinka
;-)
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Max Dick
20.03.2017 13:33registriert January 2017
Diese langweilige GS Diskussion grüsst alljährlich, wenn Federer, Djokovic oder Nadal das AS gewonnen haben (und das taten sie 10 der letzten 11 mal)...bis auf Djokovic letztes Jahr ist dann jeder spätestens in Paris gescheitert, Djokovic dann in der ersten Woche Wimbledon. Also bleibt mal auf dem Boden...selbst eine hypothetische Diskussion darüber ist frühestens angebracht, wenn ein Spieler Melbourne und Paris gewonnen hat und in Wimbledon im Final steht.
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