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Football Soccer - Leicester City v Swansea City - Barclays Premier League - The King Power Stadium - 24/4/16Leonardo Ulloa celebrates with Shinji Okazaki after scoring the second goal for Leicester CityReuters / Darren StaplesLivepicEDITORIAL USE ONLY. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or

Blau-Weiss im Freudentaumel: Die Leicester-Fans feiern. Bild: Darren Staples/REUTERS

Kommentar

Leicester City ist tatsächlich Meister: Noch nie freute ich mich so sehr über einen Irrtum

Es ist ein unvergleichliches Märchen, Happy End inklusive. Mit Leicester City wird ein krasser Aussenseiter, den wirklich gar niemand auf der Rechnung hatte, englischer Fussball-Meister. Es ist vielleicht die grösste Sensation der Sportgeschichte.



>>> Hier gibt es den Liveticker des entscheidenden 2:2 von Tottenham bei Chelsea zum Nachlesen.

Als Gökhan Inler im letzten Sommer zu Leicester City wechselt, wird in der Heimat über ihn gespottet. Was will der Captain des Schweizer Nationalteams bei diesem Abstiegskandidaten? Klar, dass es nur die Kohle sein kann, die ihn nach Leicester lockt. Auch wenn Inler bei seiner Ankunft selbstverständlich die sportliche Herausforderung in den Mittelpunkt rückt.

Keine zwölf Monate später wird wieder gelacht, wenn von Leicester City die Rede ist. Aber jetzt wird nicht mehr über, sondern mit den «Foxes» um die Wette gestrahlt. Denn der Fast-Absteiger der Vorsaison hat sich auf wundersame Weise zum Meister gewandelt. Meister! Leicester City! Die bittere Pointe für Inler: Er wird wieder belächelt. Weil er kaum eingesetzt worden ist. Weil er beim Titelgewinn bloss eine Nebenrolle gespielt hat. Weil er den Platz in der Nati verloren hat. Und weil er die EM wohl bloss vor dem Fernseher miterleben wird.

Doch selbst wenn Inler als Verlierer angesehen wird, so ist auch er ein Gewinner. Weil er Teil einer Equipe ist, von der noch in Jahren, ja wohl noch in Jahrzehnten die Rede sein wird.

Football Soccer - Leicester City v Manchester City - Barclays Premier League - King Power Stadium - 29/12/15
Leicester City's Gokhan Inler and Manchester City's Aleksandar Kolarov
Action Images via Reuters / Carl Recine
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Ein Bild mit Seltenheitswert: Inler auf und nicht neben dem Platz.
Bild: Carl Recine/REUTERS

Kein Vergleich mit Turnier-Sensationen

Aussenseitersiege waren im Sport schon immer das Salz in der Suppe. Wir wollen miterleben, wie die Kleinen den Grossen ein Bein stellen. Die US-Boys, die 1980 sensationell Eishockey-Olympiasieger wurden, sind legendär. Griechenland wurde 2004 aus heiterem Himmel Fussball-Europameister.

Der Triumph von Leicester City ist noch höher zu gewichten. Denn er kam nicht in einem Turnier zu Stande, sondern in einer ein ganzes Jahr lang dauernden Meisterschaft. In einem WM-, EM- oder Olympia-Turnier spielen das Wettkampfglück und die Tagesform eine weit grössere Rolle. Nach langen 38 Runden die beste von 20 Mannschaften zu sein – das bedarf viel mehr als bloss Glück.

5000:1 war die Quote auf einen Meistertitel der «Foxes» vor der Saison. Wer zehn Pfund setzte, kassiert nun 50'000 Pfund. Die englischen Buchmacher machen durch die wenigen – im Grund genommen unvernünftigen – Wetter Millionenverluste. Weil sie schlicht ausschlossen, dass diese unmögliche Möglichkeit eintreffen würde.

JAHRESRUECKBLICK 2004 - SPORT EURO - DIE GRIECHISCHE MANNSCHAFT IM FREUDENTAUMEL: Otto Rehhagel, second from left, the coach of Greece, celebrates with the team after beating Portugal 1-0 at the end of the Euro 2004 soccer championship final match at the Luz stadium in Lisbon, Portugal, Sunday, July 4, 2004. (KEYSTONE/AP Photo/Frank Augstein) [XPLUZ331]

König Otto «Rehakles» Rehhagel coacht Griechenland 2004 zum EM-Titel. Bild: AP

Eine Motivation für all die Leicester Citys da draussen

Von allem Anfang an surfte Leicester City auf einer Welle des Erfolgs. Nach einem Drittel der Saison schrieb ich davon, wie glücklich Leicester City uns Fussballfans mache – selbst wenn uns der Klub eigentlich schnuppe sei. Der Fakt, dass hier ein Aussenseiter die reichere, prominentere, hochkarätiger besetzte Konkurrenz ärgere, könne gar nicht genug gefeiert werden.

Doch selbst da glaubte noch kaum einer, dass Leicester wirklich Meister werden kann. «Die kalte Dusche für uns ewige Romantiker folgt dann früh genug», schloss ich die Schwärmerei ab. Ich lag falsch. Und freue mich diebisch darüber, dass ich als alter Fussball-Romantiker immer noch warm duschen kann.

Dass Leicester City wider aller Logik den Titel holt, ist aber nicht nur ein modernes Märchen. Es ist zugleich auch eine Motivation für all die Leicester Citys da draussen; diese namenlosen Klubs, die bloss zum Auffüllen der Liga zu existieren scheinen. Wenn alles, wirklich restlos alles zusammenpasst und wenn die Titelkandidaten Fehler machen, dann kann sogar ein krasser Underdog Meister werden. Thun oder Mainz, Torino oder Mallorca? Ich freue mich schon darauf.

Wie Leicester City: 12 überraschende Fussball-Meister

12.02.2011: Wayne Rooneys perfekter Fallrückzieher gegen ManCity lässt sogar Sir Alex schwärmen

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09.10.1996: Schottland spielt in Estland gegen sich selber und wird von der «Tartan Army» lautstark gefeiert

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25.01.1995: King Cantona flippt aus – er setzt zum legendärsten Kick der Fussball-Geschichte an

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14.04.1999: Ryan Giggs schiesst ein Wahnsinns-Tor und entblösst sein Brusthaar. Arsène Wenger hat davon noch immer Alpträume

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11.11.2011: Der estnische Ersatzspieler, der hier den Ball weitergereicht hat, ist in Wahrheit ein cleverer irischer Fussballfan

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09.11.1997: Der Windarsch kassiert in einem einzigen Fussball-Spiel gleich drei Rote Karten – und ist auch sonst ein liebenswerter Rüpel

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15.05.1974: Im Suff stecken schottische Natifussballer ihren Star in ein Boot – das sofort von der Strömung weggetrieben wird

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12.05.2013: Der Wahnsinn von Watford: «Ja, Sie haben gerade die dramatischste Schlussminute aller Zeiten gesehen!»

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21.10.2013: Pajtim Kasami hämmert «einen der schönsten Volleys überhaupt» ins Crystal-Palace-Tor und verzückt sogar Andy Murray

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26.12.1963: 10 Spiele, 66 Tore – ein Hattrick in dreieinhalb Minuten krönt die unfassbare Torflut am Boxing Day

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01.03.1980: Everton trauert um Dixie Dean – die Klublegende war so gut, dass ihm ein hässiger Verteidiger einen Hoden zerstörte

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02.01.1998: Paul Gascoigne erhält Morddrohungen, weil er einen Flötenspieler imitiert

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23.12.2006: Paul Scholes zimmert das Leder mit einer Volley-Rakete unter die Latte – und Ferguson fordert danach eine Entschuldigung von Mourinho

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14.10.2006: Petr Cech bangt nach einem üblen Zusammenprall um sein Leben und wird danach nie mehr ohne Helm im Tor stehen

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Zu früh gefreut! City schnappt United den Titel in einem Herzschlag-Finale weg

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23.08.2003: Nach dem Traumtor von Blackpools Neil Danns jubelt der Schiedsrichter kräftig mit – oder etwa doch nicht?

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25.11.1964: Dank Bill Shanklys Geistesblitz wird aus dem FC Liverpool ein für alle Mal die Reds

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28.04.1923: Ein weisses Pferd (das gar nicht weiss war) rettet die chaotische Wembley-Eröffnung – und ist dann angeblich auch noch Schuld am Resultat

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04.02.1997: Goalie Peter Schmeichel erzielt ein Fallrückzieher-Tor – aber es endet im Drama

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01.01.2007: Schöner als beim Neujahrsspringen fliegen sie nur noch in der Premier League

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05.05.1956: «Traut the Kraut» spielt den FA-Cup-Final trotz Genickbruch zu Ende und wird vom Kriegsgefangenen zum besten City-Torhüter aller Zeiten

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28.09.2004: «Der Messias kam nach Manchester» – Wayne Rooney skort in seinem ersten Spiel für die United gleich einen Hattrick

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16.03.2002: Ein Knochenbrecher-Foul macht aus einem fast gewöhnlichen Fussballspiel die «Battle of Bramall Lane» 

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Die späte Rache des Roy Keane – «Schitzo» mäht brutal Erling Haalands Vater um

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22.04.2006: Newcastle-Legende Alan Shearer muss abtreten – ausgerechnet wegen Erzrivale Sunderland

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22.12.2007: Arsenal-Bad-Boy Nicklas Bendtner schiesst 1,8 Sekunden nach seiner Einwechslung das schnellste Joker-Tor aller Zeiten

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23.03.2009: José «The Special One» Mourinho wird Doktor – und überrascht mit seiner Dankesrede die Fussballwelt

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Das berühmteste Mannschaftsfoto der Welt oder der Tag, an dem die Geschichte des Mannes mit den grössten Eiern beginnt

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Singen statt streiten – wie dieses magische Lied ein ganzes Stadion vereinte

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43 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Micha Moser
02.05.2016 23:04registriert March 2014
Das hätte ich wirklich NIE geglaubt das sie das durchziehen! Gratulation an Leicester
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John Smith (2)
02.05.2016 23:17registriert March 2016
Dann besteht für nächste Saison also doch gegen jede Vernunft noch ein Fünkchen Hoffnung für YB, GC und wie sie alle heissen?
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ksayu45
02.05.2016 23:11registriert August 2015
Wirklich eine wunderschöne geschichte! Ein märchen :D
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43

Kommentar

Liebe Hockey-Bosse! Jetzt ist nicht die Zeit zu jammern, sondern Zeit, Lösungen zu suchen

Die Hockey-Bosse jammern auch weiter, nachdem der Bundesrat wieder Fans in die Stadien lässt. Statt aktiv nach Lösungen zu suchen, verspielen die Klubs damit viel Sympathie.

Der Bundesrat hat gestern entschieden, dass ab dem ersten Oktober wieder Fans in die Schweizer Hockey- und Fussballstadien dürfen. Und zwar bis zu 60 Prozent der jeweiligen Sitzplatzkapazität. Erleichterung und zumindest etwas Zufriedenheit bei den Hockey-Bossen und Managern im Land? Weit gefehlt!

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