
Für Franjo von Allmen ist es die zweite Goldmedaille – Tanguy Nef beschert ihm diese mit einem hervorragenden Slalom.Bild: keystone
Die Schweizer Alpinen liefern an Olympia weitere Medaillen. Nach Abfahrts-Gold gewinnt Franjo von Allmen in Bormio in der Team-Kombination mit Tanguy Nef gleich nochmals Gold. Silber geht an Marco Odermatt/Loïc Meillard.
09.02.2026, 14:5009.02.2026, 17:57
Nach der Abfahrt, dem ersten Teil des Wettkampfs, der an Winterspielen zum ersten Mal zur Austragung gelangte, lagen die nachmaligen Sieger noch an vierter Stelle. Abfahrts-Olympiasieger Franjo von Allmen war vor allem im untersten Teil nicht die gleich unwiderstehliche Fahrt wie zwei Tage zuvor gelungen, weshalb er sich mit 0,42 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit von Giovanni Franzoni im 4. Rang einreihte.
Doch sein Partner Tanguy Nef, der im Weltcup im Slalom noch nie in die Top 3 fuhr, preschte mit Laufbestzeit überlegen an die Spitze und gewann seine zweite Medaille an einem Grossanlass. Vor Jahresfrist, als die Schweizer Duos an der WM in Saalbach gleich alle drei Podestplätze besetzt hatten, war der 29-jährige Genfer mit Alexis Monney Zweiter geworden. Damals wie jetzt in Bormio zuoberst: Franjo von Allmen. In Österreich hatte sich der Berner Oberländer aus Boltigen zusammen mit Meillard Gold gesichert.
Der Traumlauf von Tanguy Nef.Video: SRF
Für Franzoni, vor zwei Tagen mit Olympia-Silber hinter von Allmen, blieb am Ende des Tages nichts Zählbares. Sein Partner Alex Vinatzer verbremste den Slalom komplett, womit das Duo in den 7. Rang zurückfiel.
Erste Olympia-Medaille für Meillard
Für Odermatt/Meillard resultierte der 2. Rang. 0,99 Sekunden Rückstand betrug die deutliche Differenz zu den Siegern. Nach halbem Pensum und einer starken Abfahrt von Odermatt lag das als «Schweiz 1» aufgestellte Team noch um 14 Hundertstel vor ihren Teamkollegen. Doch Slalom-Weltmeister Meillard, der an Olympia 2018 und 2022 noch ohne Medaille geblieben war, büsste zwischen den Stangen mehr als eine Sekunde auf den entfesselten Nef ein.
Loïc Meillard fällt hinter seinen Landsmann zurück.Video: SRF
Trotz des Rückfalls: Meillard mit Odermatt und mit zwei weiteren Schweizern an Olympischen Spielen zusammen auf dem Podests zu sehen – nichts könnte die Glanzzeiten der Schweizer Alpinen besser illustrieren.
Erste Olympia-Medaille für Kriechmayr
Ex-aequo Silber ging an das österreichische Duo Vincent Kriechmayr/Manuel Feller, das nach der Abfahrt fast eine Sekunde hinter Odermatt/Meillard zurücklag. Für den 34-jährigen Kriechmayr war es im siebten Olympia-Rennen die erste Medaille, ebenso für die österreichischen Alpinen an diesen Winterspielen.

Kriechmayr und Feller drängen sich gemeinsam mit Odermatt und Meillard (v. r.) aufs Treppchen.Bild: keystone
Eine herbe Enttäuschung setzte es für die weiteren zwei Schweizer Duos ab. Alexis Monney «übergab» trotz zeitraubendem Fehler im obersten Teil der Piste Stelvio an zweiter Stelle an seinen Slalom-Partner Daniel Yule. Doch der Walliser konnte die Vorlage nicht nutzen: Am Ende blieb nur der 13. Rang.
Gar nur der 18. Platz (unter 20 Klassierten) resultierte für Stefan Rogentin/Matthias Iten. Speed-Spezialist Rogentin hatte in der Abfahrt fast zwei Sekunden auf die Besten eingebüsst, Olympia-Debütant Iten kam im Slalom auch nicht auf Touren. (nih/sda)
Der Liveticker zum Nachlesen
Tanguy Nef holt mit einem genialen Slalom-Lauf Gold in der Team-Kombination gemeinsam mit Abfahrer Franjo von Allmen. Auf Platz 2 holen Marco Odermatt und Loïc Meillard mit 0,99 Sekunden Rückstand Silber. Sie teilen sich diese Position mit dem österreichischen Duo Vincent Kriechmayr/Manuel Feller.
Der Italiener ist der einzige, der den Schweizer Sieg noch verhindern kann. 42 Hunderstel Vorsprung nimmt er auf Tanguy Nef mit. Im Steilhang verliert er schon sieben Zehntel auf Nef. Im zweiten Abschnitt ist der Rückstand auf eine halbe Sekunde angewachsen. Und er wird immer grösser. Auch Vinatzer verpasst das Podest. Gold und Silber gehen an die Schweiz!
Aber wird es Gold und Silber? Oder doch eine andere Farbkombination? Das entscheidet sich jetzt mit der Fahrt des Italieners Alex Vinatzer.
Was kann Daniel Yule zeigen? Der Walliser kam in diesem Winter nur selten auf Touren. Im Steilhang verliert er viel Zeit auf Nef. Kann er im Flachstück etwas aufholen? Nein, der Rückstand wird grösser und grösser. Dieses Duo fällt hinter das Podest zurück. Im Ziel ist es nur Rang 12. Das ist enttäuschend.
Der Slalom-Weltmeister steht im Starthaus. Kann er die Zeit seines jüngeren Teamkollegen noch übertrumpfen? Der Start gelingt nicht gut, er verliert auf Tanguy Nef fast drei Zehntel. Das ist viel zu sauber, Meillard schafft es nicht, so zu attackieren wie Nef. Meillard und Odermatt drohen so hinters POdest zurückzufallen. Nein, es reicht für den zweiten Platz, gleichzeitig mit Kriechmayr/Feller. Aber es ist schon etwas ärgerlich: Meillard fährt im Slalom nur die fünfzehntschnellste Zeit.
Das Duo Nef/von Allmen führt überlegen. Weil oben noch zwei weitere Schweizer Duos sowie ein italienisches Duo ist schon klar, dass die Schweiz mindestens eine Medaille gewinnen wird.
Jetzt geht es um Gold! Kann Tanguy Nef nun Kriechmayr/Feller von der Spitze verdrängen und der Schweiz bereits eine Medaille sichern? Der Start gelingt gut, er verliert im Steilhang fast nichts auf Feller. Aber kann er auch Flachstück? Bei der zweiten Zwischenzeit baut er den Vorsprung noch aus. Ja das ist sehr gut. Nef übernimmt die Spitze mit fast einer Sekunde Vorsprung
Sala nimmt schon sechs Zehntel Vorsprung mit ins Rennen. Kann er diese Zeit bis ins Ziel verwalten. Er verliert im Steilhang schon viel seines Polsters. Dann fährt er aber zwei Sektoren genau gleich schnell wie Feller, und fällt aber auch hinter die Österreicher zurück.
Der grossgewachsene Franzose ist natürlich auch ein Spezialist für flache Pisten. Er sollte sich hier eigetlich an die Spitze setzen können. Oben verliert er auf Feller, dann ist er gleich schnell. Ahh, das reicht nicht. Er landet nur auf Zwischenrang 3. Das ist jetzt eine leichte Überraschung.
Und als letzte österreichische Hoffnung nun noch Manuel Feller. Mit einer deutlichen Bestzeit könnten Feller/Kriechmayr durchaus die Medaillen noch angreifen. Im Steilhang nimmt er Gstrein Zeit ab, aber kann er untenraus auch so beschleunigen? Nicht ganz, aber verwaltet den Vorsprung hauchdünn und setzt sich drei Hundertstell vor seine Landsmänner.
Die Hälfte des ÖSV-Quartetts ist durch. Dem eher gross gewachsenen Michael Matt müsste die weitgehend flache Strecke eigentlich auch entgegenkommen. Matt wird diesem Ruf durchaus gerecht. Unten macht er den Unterschied gegenüber Gstrein und bringt sein Duo in Führung.
«Ich hätte mir gewünscht, etwas sauberer zu fahren. Aber es ist sicher ein tolles Erlebnis und macht mir Hunger für den Slalom. Es ist gut, die Piste mal kennenzulernen und jetzt weiss ich, dass ich den Übergang ins Flachstück sauberer fahren muss.»

Was zeigt uns Marco Schwarz? In dieser Saison fehlte ihm im Slalom noch die Konstanz. Dem Allrounder scheint irgendwie die Spritzigkeit zu fehlen, da wächst der Rückstand schon früh stark an. Im Ziel reicht das nur für den vierten Zwischenrang.
Jetzt kommt das grosse österreichische Päckchen. Fabio Gstrein ist der erste von vier ÖSV-Athleten in Folge. Ihm gelingt der Übergang vom Steilen ins Flache etwas besser. Aber ganz unten verliert er trotzdem Zeit, setzt sich aber trotzdem zwei Zehntel vor Hallberg/Lehto.
Der Deutsche gehört natürlich auch zur absoluten Slalom-Weltspitze. Er hat bei der zweiten Zwischenzeit eine halbe Sekunde Vorsprung, aber direkt vor dem Flachstück macht er einen Fehler. Das rächt sich, er fällt knapp hinter das finnische Duo zurück.
Der 24-jährige Italiener hat noch keine Weltcuppunkte geholt. Es wäre eine Sensation, wenn er Hallberg von der Spitze verdrängen könnte. Oh Saccardi ist der Stock gebrochen, trotzdem zeigt er eine gute Leistung. Mit einer halben Sekunde Rückstand liegt er auf Zwischenrang 3.
Der junge Finne hat sich im Laufe dieses Winters zu einem der besten Slalomfahrer entwickelt. Mit etwas mehr als anderthalb Sekunden Rückstand auf die Podestplätze ist da natürlich etwas möglich. Er hält mit McGrath mit, kann im Schlussteil den Vorsprung sogar nochmal etwas ausbauen. Hallberg übernimmt die Spitze mit nicht ganz drei Zehnteln Vorsprung.
Der erste Schweizer in diesem Rennen. Sofern Itten nicht das Rennen seines Lebens gelingt, wird das nichts mit einer Medaille. Aber er ist auch da, um Informationen für seine Teamkollegen zu sammeln. Er verliert bereits bis zur ersten Zwischenzeit drei Zehntel auf McGrath und kommt dann auch noch etwas tief. So fehlt ihm im langen, flachen Schlussteil das Tempo. Er reiht sich auf Rang 5 mit 1,16 Sekunden Rückstand ein.
McGrath hat am Tag vor der Eröffnungsfeier seinen Grossvater verloren. Wie fokussiert ist er hier? Klar ist, der Rückstand auf die schnellsten nach der Abfahrt ist immer noch gross. Um untersten Streckenteil büsst er noch einen Teil seines Vorsprungs ein, geht aber mit fast einer halben Sekunde Vorsprung in Führung.
Der letzte Slalom des US-Amerikaners ist mehr als ein Jahr her, gepunktet hat er in der technischen Disziplin schon deutlich länger nicht mehr. Eine schnelle Fahrt wäre hier entsprechend eine Überraschung. Er macht es ordentlich, hat knapp eine Sekunde Rückstand im Ziel.
Gleich noch einmal Frankreich. Im Normalfall ist Rassat schneller als Amiez, und der bringt nur zwei Hundertstelsekunden Vorsprung mit. Bei Amiez verschlägt es die Ski etwas mehr, aber er bewegt sich fast im Gleichschritt mit seinem Teakollegen. Im Ziel fehlen 27 Hundertstel zur Bestzeit.
Eine Frage wird auch sein, wie sich der unterste Teil der Piste bei den warmen Temperaturen in Bormio entwickelt. Paco Rassat wird jedenfalls gleich zeigen, was Haugans Bestzeit wert ist. Im Mittelteil baut der zweifache Saisonsieger den Vorsprung aus und nimmt am Ende eine halbe Sekunde Vorsprung über die Ziellinie.
Haugan nimmt schon fast eine Sekunde Vorsprung mit und ist natürlich ein anderes Kaliber als Muller. Er gibt richtig viel Gas und kommt mit 3,80 Sekunden Vorsprung ins Ziel. Wie weit nach vorne reicht das?
Der junge Tscheche ohne Weltcupeinsatz eröffnet den Slalom. Er kommt ins Ziel, ist aber im internationalen Vergleich natürlich chancenlos.
Mit den Duos Franjo von Allmen/Tanguy Nef, Marco Odermatt/Loïc Meillard und Alexis Monney/Daniel Yule hat die Schweiz gleich drei Chancen, hier Gold zu holen. Am wenigsten Rückstand auf das italienische Leader-Duo hat Daniel Yule, allerdings ist er auch der schwächste Slalomfahrer des Trios. Tanguy Nef ist es durchaus zuzutrauen, die vier Zehntel Rückstand auf Alex Vinatzer aufzuholen. Gleiches gilt natürlich auch vor Loïc Meillard mit zwei Zehnteln Rückstand auf den Italiener.
Gefährlich wird den Schweizern im Kampf im die Medaillen wohl auch noch Clement Noel. Der Slalom-Olympiasieger hat dank einer starken Leistung von Abfahrer Nils Allegre nur neun Zehntel Rückstand auf die Führenden.

1 Zabystran/Muller (CZE) +3,88
2 Sellaeg/Haugan (NOR2) +2,92
3 Muzaton/Rassat (FRA2) +2,51
4 Alphand/Amiez (FRA3) +2,49
5 Negomir/Radamus (USA) +2,19
6 Sjersted/McGrath (NOR1) +1,89
7 Rogentin/Iten (SUI4) +1,84
8 Lehto/Hallberg (FIN) +1,71
9 Casse/Saccardi (ITA) +1,46
10 Jocher/Strasser (GER) +1,33
11 Babinksy/Gstrein (AUT2) +1,30
12 Hemetsberger/Schwarz (AUT3) +1,27
13 Haaser/Matt (AUT4) +1,27
14 Kriechmayr/Feller (AUT1) +1,25
15 Allegre/Noel (FRA1) +0,91
16 Paris/Sala (ITA2) +0,59
17 von Allmen/Nef (SUI2) +0,42
18 Monney/Yule (SUI3) +0,28
19 Odermatt/Meillard (SUI1) +0,17
20 Franzoni/Vinatzer (ITA)
Bereiten wir uns langsam auf den Start des Slaloms in der Team-Kombination vor. Um 14 Uhr – also in rund 20 Minuten – wird die Entscheidung eröffnet.
Die Schweizer Teams liegen auf den Rängen 2, 3 und vier in Lauerposition auf Gold. Um 14 Uhr startet der Slalom.
Sellaeg durfte die Spezialabfahrt nicht bestreiten und fährt heute gemeinsam mit Timon Haugan. Schafft er es, den Rückstand unter zwei Sekunden zu halten? Nein. 2,92 Sekunden Rückstand lautet das brutale Fazit für den Youngster.
Der Norweger ist aufgrund seiner Schulterverletzugn immer noch deutlich limitiert. Aber wenn er den Rückstand in Grenzen halten kann ist mit Atle Lie McGrath natürlich vieles möglich. Aber der Rückstand wird grösser und grösser. Im Ziel sind es fast zwei Sekunden. Das ist auch für einen Weltklassefahrer wie McGrath eine Herkulesaufgabe.
Die hinteren Startnummer profitieren auch von etwas mehr Sonne auf der Piste. Dem Duo Haaser/Matt ist von allen Österreichern aber wohl am wenigsten zuzutrauen. Haaser macht das Phasenweise sehr gut, und klassiert sich mitten im österreichischen Päckchen.
Nominell ist Babingsky/Gstrein das Österreichs zweitbestes Duo. Kriechmayr und Hemetsberger haben bereits viel Rückstand auf die Spitze. Babinsky fährt da viel überzeugender, aber wie Kreichmayr macht er unten einen grossen Fehler. Mit 1,30 Sekunden reiht er sich direkt hinter seinen Teamkollegen ein.
Negomir war der beste Amerikaner am Samstag. Aber weil die Amerikaner keinen Slalom-Fahrer nominieren konnten, steht Riesenslalom-Spezialist River Radamus mit ihm am Start. Negomir gelingt der Mittelteil sehr gut, macht danach aber doch noch einen Fehler. Im Ziel ist es Zwischenrang 13 mit 2,19 Sekunden Rückstand, weil die Linie unten gar nicht passt.
Schafft Finnland heute eine Sensation? Wenn Elian Lehto einigermassen mithalten kann, dann hat Eduard Hallberg gute Chancen, eine Medaille zu sichern. Lehto, der im Schweizer Team trainiert, baut aber immer wieder auch einen Drift ein. Der Rückstand wächst und wächst und liegt im Ziel bei 1,71 Sekunden.
Die Ausgangslage für Casse ist insofern schwierig, als sein Slalompartner Tommaso Saccardi noch nie einen Weltcuppunkt gewonnen hat. Er kann nicht mit Franzoni oder den Schweizern mithalten. Im Ziel sind es fast anderthalb Sekunden Rückstand.
Und jetzt der Olympiasieger. Ganz oben kassiert er einen heftigen Schlag auf den Aussenski, was viel Zeit kostet. Aber wenn von Allmen etwas kann, dann den Ski laufen lassen. Unten drückt es ihn noch einmal, das Tempo fehlt etwas. Im letzten Sektor wird aus dem Vorsprung noch einmal ein Rückstand. Tanguy Nef gehlt aber trotzdem mit einer guten Ausgangslage in den Slalom
Wie kann Alexis Monney für Daniel Yule vorlegen? Dass es etwas mehr schlägt, sollte ihm eigentlich entgegenkommen. Wie schon am Samstag macht Monney oben schon einen grossen Fehler, die Richtung hat nicht gestimmt. Aber schon am Samstag geling ihm der unterste Streckenteil am besten. Monney holt auf, kommt Franzoni etwas näher. Jaja, er überholt ihn zwischenzeitlich sogar und ist im Ziel nur 17 Hundertstel langsamer als Franzoni. Ohne den Fehler wäre das die klare neue Bestzeit.
Der italienische Silbergewinner von der Abfahrt spannt mit Tommaso Sala zusammen. Im besten Fall fährt Paris also hier schon etwas Vorsprung heraus. Im Mitteiteil gewinnt das ordentlich, er ist quasi gleich schnell wie Franzoni. Kann er unten mit seinem jungen Teamkollegen mithalten? Nicht ganz, er fällt noch hinter Marco Odermatt zurück.
Frankreichs bestes Duo besteht aus Allegre und Slalom-Olympiasieger Clement Noel. Auch hier gilt: Nicht zu viel Zeit verlieren und dann ist im Slalom einiges möglich. Allegre baut aber auch oben schon den einen oder anderen Fehler ein. Der Rückstand wächst kontinuierlich an, und Franzonis bester Sektor folgt noch. Im Ziel sind es neun Zehntel Rückstand für Frankreich. Da sind Allegre/Noel natürlich noch im Rennen.
Österreichs heissestes Eisen ist das Duo aus Kriechmayr und Manuel Feller. Er kann aber schon oben nicht mit dem Italiener Franzoni mithalten und holt im technischen Mittelteil weniger Zeit auf als Odermatt. Und wir wissen: Ganz unten war Franzoni brutal schnell. Und dort verliert er auch viel Zeit. Im Ziel ist es über eine Sekunde Rückstand auf Franzoni und somit auch viel Rückstand auf Odermatt/Meillard.
Jetzt sehen wir, was Odermatts Zeit wert ist. Abfahrts-Silbergewinner Giovanni Franzoni startet ins Rennen. Sein Partner ist der unberechenbare Alex Vinatzer. Ihm gelingt ein Blitzstart, holt oben drei Zehntel auf Odermatt heraus. Bei der dritten Zwischenzeit ist der Vorsprung allerdings fast wieder weg. Beim San-Pietro-Sprung springt er weit und landet, hart, aber unten passt das Tempo wieder. Er überholt Odermatt und nimmt ihm drei Zehntel ab.
Das vermutlich schwächste italienische Duo besteht aus ihm und den Slalomfahrer Tobias Kastlunger. Der Auftritt dauert leider nicht lange. Schieder verliert bei einem heftigen Schlag den Ski und Stürzt. Er kann den Aufprall in die Netze aber vermeiden und steht sofort wieder auf.
Jetzt der erste Schweizer. Marco Odermatt möchte nach Rang 4 in der Abfahrt vom Samstag natürlich für Slalom-Weltmeister Loïc Meillard vorlegen. Schon oben ist ersichtlich, dass Odi heute voll angreift. Einmal verdreht es ihn, aber der Ski marschiert. Ja das ist gut, bei der vierten Zwischenzeit sind es schon fast neun Zehntel Vorsprung. Fast eine Sekunde Vorsprung in Ziel, das ist eine erste Marke!
Österreich schickt sein erstes Pferd ins Rennen. Hemetsberger hat in der Spezialabfahrt überzeugt. Kann er Marco Schwarz für den Slalom eine gute Ausgangslage verschaffen? Nun ja, er fährt hier ordentlich und ohne grosse Fehler und überholt unten Simon Jocher noch.
Zwei legendäre Skifahrer-Söhne treten gemeinsam an. Er greift etwas mehr an als sein Kollege Muzaton, aber bleibt auch nicht ohne Fehler. Auch sein Rückstand wächst schon über eine Sekunde an. Das wird auch für Steven Amiez im Slalom dann eine sehr schwierige Aufgabe.
Wenn Muzaton mithalten kann, dann kann der zweifache Slalomsieger Paco Rassat natürlich eine Medaille holen. Muzatons Position ist etwas aufrecht, die Kurven rutscht er teilweise etwas an. Das wächst der Rückstand auf Jocher schon an. Im Ziel reiht er sich hinter Rogentin ein. Mit 1,18 Sekunden Rückstand ist die Hypothek etwas gross.
Wenn Simon Jocher einigermassen mit den besten mithalten kann, kann Linus Strasser im Slalom vielleicht eine Medaille angreifen. Ja Jocher startet jedenfalls deutlich besser als Rogentin. In der Carcentina treibt es ihn etwas nach unten, aber er bleibt auf Zug. Das ist deutlich schneller als Rogentin. Im Ziel ist es eine halbe Sekunde Vorsprung auf den Schweizer.
Der Tscheche spannt mit Slalomfahrer Mark Muller zusammen. Zabystran leistet sich oben schon einen kleinen Fehler und vermag auch in der Carcentina nicht auf Zug zu fahren. Das Resultat: deutlicher Rückstand auf Rogentin. Im Ziel sind es mehr als zwei Sekunden.
Los geht's und gleich startet das erste Schweizer Team. Stefan Rogentin versucht, für Matthias Iten eine möglichst vielversprechende Ausgangslage herauszufahren. Ab und an verschlägt es dem Bündner die Ski, aber insgesamt ist es eine solide Fahrt, in der Carcentina bleibt er hoch, aber investiert auch etwas viel. Das dürfte im Vergleich mit den besten etwas Zeit kosten. Im Ziel ist es – natürlich mit der Nummmer 1 – die neue Bestzeit.
In rund fünf Minuten startet die Team-Kombination der Männer. Stefan Rogentin eröffnet das Rennen, nachdem er in der Spezialabfahrt überhaupt nicht überzeugen konnte. Gelingt es ihm heute besser? Bald wissen wir es.

«Ich habge gut geschlafen, das war wichtig. Denn ich musste etwas aufholen nach dem Sieg am Samstag, ich war doch mit den Serviceleuten noch etwas unterwegs. Der Plan ist genau gleich wie am Samstag, auch wenn die Piste etwas schlagiger geworden ist. Das ist gar nicht so schlecht für mich, es verleitet mich, etwas zentraler über dem Ski zu stehen.»

Wir haben den Modus der Team-Kombination in dieser Geschichte vor der letztjährigen Ski-WM in Saalbach schon einmal erklärt. Die Teams sind mittlerweile natürlich andere, aber der Modus ist gleich geblieben.
1 Rogentin/Iten (SUI4)
2 Zabystran/Muller (CZE)
3 Jocher/Strasser (GER)
4 Muzaton/Rassat (FRA2)
5 Alphand/Amiez (FRA3)
6 Hemetsberger/Schwarz (AUT3)
7 Odermatt/Meillard (SUI1)
8 Schieder/Kastlunger (ITA4)
9 Franzoni/Vinatzer (ITA1)
10 Kriechmayr/Feller (AUT1)
11 Allegre/NOel (FRA1)
12 Paris/Sala (ITA2)
13 Money/Yule (SUI3)
14 Von Allmen/Nef (SUI2)
15 Casse/Saccardi (ITA3)
16 Lehto/Hallberg (FIN)
17 Negomir/Radamus (USA)
18 Babinsky/Gstrein (AUT2)
19 Haaser/Matt (AUT4)
20 Sejersted/McGrath (NOR1)
21 Sellaeg/Haugan (NOR2)
Die Gegner der Schweizer dürften heute hauptsächlich aus Österreich kommen. Ski Austria stellt mit Kriechmayr/Feller, Babinsky/Gstrein, Hemetsberger/Schwarz und Haaser/Matt vier schlagkräftige Duos. Natürlich muss man auch Italien 1 auf der Rechnung haben, wo Giovanni Franzoni und Alex Vinatzer zusammenspannen. Vinatzer hat allerdings in dieser Saison im Riesenslalom mehr überzeugt als im Slalom.
Aussenseiterchancen haben Frankreich (Allegre/Noel und Muzaton/Rassat), sowie norwegen (Sejersted/McGrath).
Schweiz 1: Marco Odermatt und Loïc Meillard
Schweiz 2: Franjo von Allmen und Tanguy Nef
Schweiz 3: Alexis Monney und Daniel Yule
Schweiz 4: Stefan Rogentin und Matthias Iten
Zumindest drei der vier Schweizer Duos kommen durchaus für eine Medaille infrage. Beim Duo Rogentin/Iten müsste extrem viel zusammenpassen, dass es für Edelmetall reicht. Damit ist auch klar, dass Niels Hintermann bei den Olympischen Spielen nicht zum Einsatz kommt. Der Zürcher wurde nach der Abfahrt auch für die Team-Kombination nicht berücksichtigt.
Bei den Alpinen feiert die Team-Kombination am Montag ihre olympische Premiere. Sie besteht aus einer Abfahrt und einem Slalom, jeweils zwei Athleten bilden ein Team. Nach dem Dreifach-Erfolg an der letztjährigen WM gehen die Schweizer Männer mit schönen Erinnerungen in den Wettkampf. Mit von der Partie ist diesmal auch Marco Odermatt, der zusammen mit Loïc Meillard das Schweizer Top-Duo bildet. Odermatt wird die Abfahrt (10.30 Uhr) bestreiten, Meillard den Slalom (14.00 Uhr). Drei weitere Schweizer Teams sind am Start.

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