DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Nur eine Momentaufnahme: Hier liegt Lüthi noch vor Teamkollege Bradl.
Nur eine Momentaufnahme: Hier liegt Lüthi noch vor Teamkollege Bradl.Bild: dpa-Zentralbild

Bei Tom Lüthi rollt nur noch der Rubel – verdienen er und Dominique Aegerter zu viel?

Tom Lüthi (31) ist beim GP von Deutschland von Stefan Bradl (28) besiegt worden und am Nullpunkt angelangt. Nun provoziert sein ehemaliger Teamchef Fred Corminboeuf auch noch eine Polemik ums liebe Geld.
15.07.2018, 18:1516.07.2018, 04:27
klaus zaugg, saschsenring

Okay, das ist eine boshafte Behauptung und der Chronist entschuldigt sich sogleich: Schnell ist Tom Lüthi inzwischen nur noch, wenn es in die Ferien geht. Er bretterte sofort nach dem Rennen vom Sachsenring mit dem Auto 170 Kilometer zum Flughafen Prag. Von dort fliegt er um 20 Uhr mit seinem Manager und Freund Daniel Epp ans Rote Meer. Zum Kitesurfen. Der GP-Zirkus macht bis zum 5. August (GP Brünn) Pause.

Er ist beim GP von Deutschland im 16. Jahr am Tiefpunkt seiner grandiosen Karriere angelangt. Anders kann die Niederlage gegen den Operetten-Rennfahrer Stefan Bradl nicht eingeordnet werden. «Dieses Rennen wiederspiegelt meine Saison», sagt Tom Lüthi selbstkritisch. Er fuhr lange Zeit unter den ersten 15 (was ihm die ersten WM-Punkte eingetragen hätte). Aber es reichte hinter Stefan Bradl (16.) bloss zu Rang 17. «Am Schluss waren die Reifen ruiniert. Wir bekommen die Elektronik einfach nicht in Griff und schaffen es nicht, die Maschine abzustimmen.»

Daniel Epp bestreitet nicht, dass sein Schützling in der schwersten Krise steckt. «Er ist völlig von der Rolle.» Und kündigt Massnahmen an. «Wir müssen vieles hinterfragen und werden künftig das gesamte Training neu strukturieren.» Geplant ist unter anderem ein Riding-Coach («Fahrlehrer»), der auch Tom Lüthis fahrerische Aktivitäten (Moto Cross) ausserhalb der GP-Renneinsätze kontrolliert und korrigiert.

Die Highlights des Rennens.Video: YouTube/MotoGP

«Unverschämte Forderungen»

Während Tom Lüthis Karriere-Fortsetzung trotz allem nicht gefährdet ist, weiss Dominique Aegerter (27) nach wie vor nicht, wie es 2019 weiter geht. 2014 war er Sieger auf dem Sachsenring, heute kam er bloss auf Platz 14. Sein schwächstes Moto2-Resultat auf diesem Rundkurs seit 2010 (damals war er 15.).

Fred Corminboeuf hatte Dominique Aegerter bis 2016 in seinem Team. Heute setzt der Freiburger den Briten Sam Lowes (auf dem Sachsenring 5.) und den Spanier Iker Lecuona (18.) mit überschaubarem Erfolg in der Moto2-WM ein. Mit Sam Lowes will er verlängern. Der zweite Platz für 2019 ist offen.

Fred Corminboeuf hatte jahrelang Dominique Aegerter und für drei Saisons (2015 bis 2017) auch Tom Lüthi im Team. Er sagt mit süffisantem Lächeln, inzwischen sei ihm durch den Umgang mit ausländischen Fahrern ein Licht aufgegangen. «Kein Wunder, geriet ich mit Schweizer Piloten in die roten Zahlen. Die verdienen einfach viel zu viel. Ich war naiv und hatte mich zu wenig im Fahrerlager nach den Löhnen erkundigt. Es ist geradezu unverschämt, mit welchen Forderungen beispielsweise Daniel Epp die Teamchefs konfrontiert.» Der umtriebige Teamchef schuldet Tom Lüthi aus der letzten Saison nach wie vor einen sechsstelligen Betrag und hat am Samstag einen neuen Modus für die Ratenzahlungen ausgehandelt. Die Sache ärgert Tom Lüthi sehr. Daniel Epp sagt: «Er muss lernen, solche Dinge auszublenden. Auch das gehört zu den Punkten, die wir verbessern müssen.»

Dominique Aegerter und Tom Lüthi im Jahr 2015.
Dominique Aegerter und Tom Lüthi im Jahr 2015.Bild: KEYSTONE

Weniger als eine halbe Million pro Saison haben die beiden Schweizer in der Moto2-WM (seit 2010) tatsächlich nie verdient, während die Hälfte der Moto2-Chauffeure von der Hand in den Mund lebt. Und diese Saison kommt Tom Lüthi in der MotoGP-Klasse sogar auf insgesamt fast 800'000 Franken Einkommen. Fred Corminboeuf unkt: «Ich denke, nun werden Lüthi und Aegerter auf dem harten Boden der Wirklichkeit landen.» Er könne sich durchaus vorstellen, künftig wieder mit Dominique Aegerter zu arbeiten. «Er hatte mit mir seine besten Jahre und ich bin sicher, dass wir uns zusammenraufen könnten. Ich habe inzwischen mit seinem Bruder Kevin gesprochen. Er ist ja jetzt sein Manager.»

Ende 2016 hatten sich Fred Corminboeuf und Dominique Aegerter vier Rennen vor Saisonschluss im Krach getrennt. Aber Corminbouf sagt mit einem Lächeln, nicht mehr alles wäre bei einer Rückkehr so wie früher. «Er könnte nur zu ganz anderen finanziellen Konditionen als er sich gewohnt ist den zweiten Platz im Team haben.»

Lüthi hat genügend Angebote

Der «Rohrbach-Rossi» wird seine Karriere so oder nur zu finanziell bescheidenen Konditionen fortsetzen können. In seinen besten Jahren (2013 bis 2015) verdiente er rund 700'000 Franken im Jahr, mehr als Tom Lüthi. Nun wird er froh sein, wenn es überhaupt noch für eine sechsstellige Summe reicht.

Auch mit dem Einsatz beim prestigeträchtigen Acht-Stunden-Rennen in Suzuka Ende Juli im Honda-Werksteam ist kein Geld zu verdienen.«Wir wollten mal 60'000 oder 70'000 Franken für den Einsatz. Ich weiss, dass Piloten aus der MotoGP-Klasse für diesen Einsatz so viel bekommen. Da sind wir aber schön in die Schuhe gestellt worden und man hat uns erklärt, ich solle froh sein, dass ich für dieses Rennen aufgeboten werde.» Immerhin kann er am Montag in einer Woche in der Business Class zum Rennen nach Japan fliegen.

Dominique Aegerter muss im Gegensatz zu Lüthi um seine Karriere bangen.
Dominique Aegerter muss im Gegensatz zu Lüthi um seine Karriere bangen.Bild: AP/AP

Besser sieht es für Tom Lüthi aus. Die besten Teams ködern ihn für die Moto2-WM 2019. Er hat nach wie vor die Klasse und die Erfahrung zum Titelanwärter in der zweitwichtigsten WM. Daran ändert auch sein gänzlich missglücktes MotoGP-Abenteuer nichts. Inzwischen hat der umtriebige Carlo Pernat für MV Agusta eine 300'000 Euro-Offerte, die Daniel Epp bereits abgelehnt hat, ordentlich nachgebessert. «Wir wollen Lüthi unbedingt». Vergebliche Liebesmüh. Daniel Epp sagt: «Wir sind nicht interessiert. Wir haben bessere Angebote.»

Wenn schon der Töff nicht richtig fährt, rollt wenigstens der Rubel. Aber angesichts der Risiken, die Tom Lüthi und Dominique Aegerter bei jedem Test, jedem Training und jedem Rennen eingehen, verdienen sie nicht zu viel. Sondern viel zu wenig. Wer einen Beruf ausübt, bei dem an jedem Arbeitstag Tod und Verstümmelung drohen, müsste eigentlich mindestens drei Millionen im Jahr verdienen.

Alle Schweizer Töff-GP-Sieger

1 / 12
Alle Schweizer Töff-GP-Sieger
quelle: semedia / luciano bianchetto/semedia
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Nussi2000
15.07.2018 19:44registriert Juni 2015
"Wer einen Beruf ausübt, bei dem an jedem Arbeitstag Tod und Verstümmelung drohen, müsste eigentlich mindestens drei Millionen im Jahr verdienen."

Es ist ja nicht so das die Piloten gezwungen werden, sich in Lebensgefahr zu begeben. Das kommt allein von ihnen selber aus, wenn es tatsächlich zu gefährlich würde, könnten sie getrost den Helm an den Nagel hängen. Jemand mit 3 Millionen zu belohnen, der freiwillig Motorradrennen fährt, ist ein Affront für all die hart arbeitenden Leute, die täglich für 5000 Chf im Monat schuften. *kopfschüttel*
14919
Melden
Zum Kommentar
9
Traum vom Turniersieg geplatzt: Stan Wawrinka muss im Halbfinal aufgeben
Stan Wawrinka bezahlt in seinem ersten Halbfinal seit über zweieinhalb Jahren für die Anstrengungen der letzten Tage. Nach etwas mehr als drei Games und 17 Minuten muss der 37-jährige Waadtländer beim Turnier von Metz aufgeben.

Es war sein sechster Match in den letzten sieben Tagen. Doch schon von Beginn weg konnte Wawrinka nicht mit der gleichen Intensität spielen wie in den Partien zuvor, wie etwa am Donnerstag im Achtelfinal gegen den früheren Weltranglistenersten Daniil Medwedew. Beim Stand von 1:2, 30:40 gegen den Kasachen Alexander Bublik gab der Lausanner auf.

Zur Story