Franzoni schon wieder der Schnellste auf der Streif – aber Odermatt gab nicht alles
Der Triumph in der legendären Abfahrt von Kitzbühel ist eine der letzten Lücken im eindrücklichen Palmarès von Marco Odermatt. Zwei Mal wurde er auf der Streif schon Zweiter, ein Mal Dritter.
Der vierfache Gesamtweltcupsieger fährt in diesem Winter wiederum bestechend gut. Eine Woche nach seinem vierten Sieg in der Lauberhorn-Abfahrt in Wengen ist Odermatt auch am Samstag in Kitzbühel der Mann, den es zu schlagen gilt.
Franzoni bis ins Ziel in der Hocke
Als erster Widersacher in diesem Jahr kristallisiert sich immer mehr Giovanni Franzoni heraus. Der 24-jährige Italiener hatte im Super-G von Wengen seinen ersten Weltcupsieg gefeiert, doppelte als Abfahrtsdritter nach – und hat nun am Mittwoch im zweiten Training in Kitzbühel zum zweiten Mal die Bestzeit aufgestellt.
«Ich versuche, im Training das Renntempo zu spüren und Selbstvertrauen aufzubauen», sagte Franzoni im ORF. Ihm am nächsten kam, bis auf neun Hundertstel, der Franzose Nils Alphand.
Marco Odermatt büsste 96 Hundertstel auf den Mann mit dem Nasenpflaster ein, wobei nach Trainings nie nur die Zeit betrachtet werden sollte. Viele Fahrer nehmen die Gelegenheit wahr, um eine andere Linie auszuprobieren – und nicht jeder fährt, so wie Franzoni, mit der Hocke ins Ziel. Odermatt etwa schwang schon vorher etwas ab und gab auch beim Start nicht das Maximum.
«Man will schon Gas geben, aber Körper und Geist wissen, dass es noch nicht zählt», sagte Odermatt im ORF, «man geht deshalb nicht ans Limit». Aber es sei eine gute Fahrt mit guter Spannung gewesen.
Dafür brillierte «Odi» nach dem Steilhang bei der Einfahrt in den Brückenschuss. Dort war niemand schneller als der Nidwaldner, der Franzoni in diesem Abschnitt vier Zehntel abnahm.
«Erinnert an Cyprien Sarrazin»
Odermatts Linienwahl dürfte von allen anderen Fahrern und Trainern analysiert werden. Gleichzeitig wird er selber bei Franzoni genau hinschauen. «Es erinnert an Cyprien Sarrazin vor zwei Jahren, der kam nach einem guten Ergebnis in Gröden auch in einen Flow. Giovanni wird schwer zu schlagen sein.»
Franzoni komme wie er selber vom Riesenslalom, das sehe man, führte Odermatt aus. «Er kann Schwünge so eng oder enger fahren als ich. Für viele Abfahrer ist das schwierig.»
Für eine Schrecksekunde sorgte Franjo von Allmen, als es ihm am Hausberg kurz die Ski verschlug. Der Weltmeister fuhr danach nicht mehr rennmässig ins Ziel, kam aber wohl unverletzt davon.
Schlimmer erwischte es den Franzosen Ken Caillot. Er war gestürzt und musste, angeblich bei Bewusstsein, mit dem Helikopter weggeflogen werden.
Monney liegt die Streif
Bester Schweizer war wie bereits am Dienstag Alexis Monney. Der Freiburger war eine halbe Sekunde länger unterwegs als Franzoni. Wie Odermatt und von Allmen dürfte Monney, im Vorjahr auf der Streif Zweiter hinter Cameron Alexander, seinen Startplatz in der Olympia-Abfahrt in Bormio auf sicher haben.
Spannend wird sein, wer sich das vierte und letzte Schweizer Ticket sichert. In der «Verlosung» befinden sich in erster Linie Alessio Miggiano, Niels Hintermann, Marco Kohler und Stefan Rogentin.
Ab Freitag gilt es in Kitzbühel ernst: Um 11.30 Uhr steht der Weltcup-Super-G auf dem Programm. Am Samstag (ebenfalls 11.30 Uhr) geht es um den Sieg in der Abfahrt, am Sonntag (10.30 und 13.30 Uhr) wird auf dem Ganslernhang der Slalom ausgetragen.
