Wirtschaft
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Russian President Vladimir Putin attends a meeting with local officials after visiting a memorial for the victims of a fire in a multi-story shopping center in the Siberian city of Kemerovo, about 3,000 kilometers (1,900 miles) east of Moscow, Russia, Tuesday, March 27, 2018. Officials say that the fire escapes were blocked and a PA system was turned off during the fire that killed over 50 people. (Alexei Druzhinin, Sputnik, Kremlin Pool Photo via AP)

Auf Konfrontationskurs mit dem Westen: Wladimir Putin. Bild: AP/POOL SPUTNIK KREMLIN

Putin schlägt zurück – aber ein kalter Krieg ist das nicht

Russland weist nun ebenfalls westliche Diplomaten aus. Das ist reine Show. Der wichtigste Konflikt der Gegenwart findet zwischen den USA und China statt. Putin spielt dabei nur eine Nebenrolle.



Was sich derzeit zwischen Russland und dem Westen abspielt, ist ein schlecht gemachtes Remake eines Filmes: Der Westen weist russische Diplomaten aus und umgekehrt. Das war schon im Original dröge, aber immerhin besser inszeniert. Die Szenen, in denen am Berliner Checkpoint Charlie jeweils Agenten ausgetauscht wurden, entbehrten nicht eines dramatischen Moments.

Undated photo of the first guard house at Checkpoint Charlie in Berlin. On the 39th anniversary of the construction of the Berlin wall August 13, 1961, a copy of the guard house was inaugurated where the original one was built on September 22, 1961. (KEYSTONE/AP Photo/Str)   === ,  ===

Checkpoint Charlie in Berlin: Hier wurden im Kalten Krieg die Agenten ausgetauscht. Bild: AP, MUSEUM AM CHECKPOINT CHARLIE

Heute hingegen ist das Ritual nicht nur langweilig, sondern auch unbedeutend geworden. Sowohl der Kreml als auch die westlichen Regierungen können die Vertreibungen locker verkraften. Das Personal dürfte bald ohne grosses Aufsehen wieder aufgestockt werden.

Die Oligarchen bleiben ungeschoren

Wenn der Westen die Russen wirklich schmerzhaft für den versuchten Mord an Sergei Skripal bestrafen wollte, dann müsste er die Elite dort treffen, wo es weh tut: beim Portemonnaie. Würden die Bankkonten mit gewaschenen Geldern der Oligarchen geschlossen oder ihre Villen in London und Südfrankreich konfisziert, dann hätte das wahrscheinlich Wirkung. Davon sind wir weit entfernt.

Trotzdem ist der Ausdruck eines neuen Kalten Krieges derzeit in aller Munde. Es handelt sich dabei um einen Irrtum, wie der Harvard-Politologe Odd Arne Westad erklärt. «Die internationale Politik ist derzeit undurchsichtig und herausfordernd», stellt er in Foreign Affairs fest. «Aber sie ist weit von einem Kalten Krieg entfernt.»

Two people walk pass remains of the Berlin Wall at the 'Mauerpark' memorial during snow fall in Berlin, Germany, Tuedsay, March 20, 2018. (Wolfgang Kumm/dpa via AP)

Die Berliner Mauer: Damals war der Kalte Krieg noch richtig kalt. Bild: AP/dpa

Der eigentliche Kalte Krieg begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und dauerte bis zum Fall der Berliner Mauer. Er fand zwischen den beiden Supermächten USA und der UdSSR statt. Die USA gingen als Sieger aus dem Konflikt hervor, die Sowjetunion zerbrach.

Alles oder nichts

Der Kalte Krieg war kein Ponyhof. «Es handelte sich um ein bipolares System von totalem Sieg oder totaler Niederlage», so Westad. «Keiner der beiden Kontrahenten konnte sich einen dauernden Kompromiss vorstellen.»

Beide Seiten rüsteten daher in grossem Stil mit Atomwaffen auf und hätten die Welt um ein X-faches zerstören können. Ein paar Mal taten sie es auch beinahe. Der passende Ausdruck dafür war «MAD», eine Abkürzung, die für den Begriff «mutual assured destruction» (Deutsch: gegenseitig gesicherte Vernichtung) steht, aber auch «verrückt» bedeutet.

Seinem Wesen nach fand der Kalte Krieg nicht zwischen zwei Nationen statt, sondern zwischen zwei Ideologien. Es ging um Kapitalismus gegen Kommunismus. Beide Seiten waren überzeugt, den Schlüssel für das Glück der Menschheit gefunden zu haben und trugen ihre Botschaft missionarisch in die hintersten Winkel der Erde.

FILE- In this June 1970 file photo, taken by Associated Press photographer Huynh Cong

GIs im Vietnamkrieg. Die dritte Welt litt unter den Stellvertreterkriegen der beiden Grossmächte. eBild: AP/AP

Die Folge davon waren sogenannte Stellvertreterkriege in Asien, Afrika und Südamerika. Der bekannteste davon ist der Vietnamkrieg.

China ersetzt die UdSSR als Supermacht

Der Ideologiestreit ist heute kalter Kaffee. Der sowjetische Kommunismus ist völlig diskreditiert, der amerikanische Kapitalismus zwar nicht tot, aber er riecht bereits komisch. Dafür ist der Nationalismus neu entbrannt, und es hat sich ein neuer Spieler dazugesellt: China.

Geopolitisch gesehen ist Russland nicht vergleichbar mit der ehemaligen Sowjetunion. Der Kommunismus war seinerzeit eine Alternative – eine schlechte zwar, aber immerhin. Die russische Gesellschaft der Gegenwart hingegen ist vor allem eines: bedauernswert. Wirtschaftlich spielt Putin in der Regionalliga.

The skyline of Shanghai spreads out below the shadow of the 632-meter (2,073 feet) tall Shanghai Center Tower in Shanghai, China, Sunday, March 22, 2015. The 550-meter (1,804 feet) high observation deck of the tower, which is China's tallest building and has been under construction since 2008, is expected to open to tourists in June. (AP Photo) CHINA OUT

Aufstrebendes Finanzzentrum: Shanghai. Bild: AP/CHINATOPIX

Ganz anders China. Die Chinesen sind stolz darauf, das grösste wirtschaftliche Wunder in der menschlichen Geschichte vollbracht zu haben. Jetzt sind sie daran, dieses Wunder in alle Welt hinauszutragen: Das Projekt «One Belt One Road» wird China mit 65 Prozent der Weltbevölkerung verbinden.

Mit Maos Steinzeitkommunismus hat der moderne «Sozialismus mit chinesischen Charakteristiken» nichts mehr gemein. China hat eine der modernsten Infrastrukturen der Welt, und in Chinas Wirtschaft wimmelt es von dynamischen jungen Start-ups. Selbst die Umweltverschmutzung scheint Peking langsam in den Griff zu bekommen. Chinas Staatskapitalismus ist deshalb für die Schwellen- und Entwicklungsländer zu einer Alternative zum dekadenten US-Kapitalismus geworden.

China ist heute eine aufstrebende Supermacht, vor der sich Washington immer mehr fürchtet. In dieser Auseinandersetzung kann Putin höchstens Spielverderber spielen.

Der Nationalismus kehrt zurück

Die Welt ist sehr gefährlich geworden, aber wir befinden uns nicht in einem neuen Kalten Krieg. Wir befinden uns in einer Welt, in welcher der Nationalismus wieder sein hässliches Haupt erhebt und jedes Land für seine eigenen Interessen kämpft.

Nochmals Professor Westad: «Im Kalten Krieg gingen die Internationalisten davon aus, dass nationale Kriterien immer unbedeutender würden. Die Post-Kalter-Krieg-Ära hat gezeigt, dass sie sich geirrt haben. Die Nationalisten leben bestens auf den Trümmern der Ideologie-getriebenen grossen Pläne für ein besseres Leben für die Menschheit.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Michael Gasche 29.03.2018 13:52
    Highlight Highlight Respekt. Die Qualität der Analysen nehmen bei Watson zu. Ein Problem mit dem "Nationalismus" ist, dass man ihn nicht mit den unterschiedliche Leistungen sozialisieren darf, weil das schlichtweg Umverteilung von Lebensleistung ist. Beim Fokus auf die negativen Eigenschaften wird das oft ignoriert. So edel der Gedanke an eine EU ist, kann es einfach nicht sein, dass Lebensleistung beliebig umverteilt wird. Zudem betrifft das die Mittel- und nicht die Oberschicht.
    2 1 Melden
  • go for it 29.03.2018 13:52
    Highlight Highlight Wenn China wirtschaftlich und politisch weiterhin so erfolgreich ist und der Westen sich intern zerfleischt, wird man sich früher oder später Gedanken über die Demokratie als Regierungsform machen müssen. Wenn einerseits Stimmen gezählt und nicht gewogen werden und parallel dazu gewinnorientierte Social Media und Milliardäre über viele andere Kanäle zunehmend das politische Bewusstsein der Bevölkerung manipulieren können, ist der Abstieg des Westens trotz Durchhalteparolen vorprogrammiert. Aber das ist in der Geschichte nichts Neues.
    6 1 Melden
  • El Pepe 29.03.2018 11:13
    Highlight Highlight Wenn der Westen die Russen wirklich schmerzhaft für den versuchten Mord an Sergei Skripal bestrafen wollte

    Bitte hört auf mit soclhen spekulationen! es ist nur klar das es ein russisches gift war! aber das kann praktisch jedes land herstellen da die zusammensetzung schon länger bekannt sind! potenzielle täter sind: die EU und die USA! russland profitiert nichts von dieser aktion... der westen schon! wenn ihr solche sachen so veröffentlich manipuliert ihr unsere bürger zu russen basher! und die russen bashing kultur ist eifnach das letzte! wir sind die bösen! russland whert sich nur!
    35 20 Melden
    • roger.schmid 29.03.2018 11:44
      Highlight Highlight @el pepe: deine Kollegen in der Trollfabrik geben dir sicher einen kostenlosen Deutschkurs..
      Tipp: Sätze kann man übrigens auch mit einem Punkt anstatt einem Ausrufezeichen beenden.
      22 46 Melden
    • reconquista's creed 29.03.2018 12:12
      Highlight Highlight "russland profitiert nichts von dieser aktion..."
      Wenn sich die Anzahl Geheimagenten oder anderen Personen, die überlaufen und russische Geheimnisse verraten, durch die Furcht, selbst im Ausland ermordert werden zu können, reduziert, profitiert doch Russland davon. Oder sehe ich das falsch?
      19 19 Melden
    • Sebastian Wendelspiess 29.03.2018 12:13
      Highlight Highlight Der paranoide Mr. Schmid sieht überall Trolle und böse Russen. Sie sollten zum Arzt.

      Bis jetzt ist eh alles Spekulation. Könnte sogar ein Selbstmord sein, oder ein Unfall.
      26 16 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • silverback 29.03.2018 10:53
    Highlight Highlight «Würden die Bankkonten mit gewaschenen Geldern der Oligarchen geschlossen oder ihre Villen in London und Südfrankreich konfisziert, dann hätte das wahrscheinlich Wirkung.»

    Die Frage, welche nie gestellt wird ist, weshalb diese angeblichen Putinfreunde ihre Konten nicht in Russland eröffnen.
    15 7 Melden
  • Julian Roechelt 29.03.2018 10:36
    Highlight Highlight Falls die USA, wie es zur Zeit aussieht, tatsächlich Damaskus bombardieren wollen, ist die Zeit des kalten Krieges definitiv vorbei.
    11 11 Melden
    • Tomjumper 29.03.2018 12:42
      Highlight Highlight Woher hast du diese Info? Sag jetzt bitte nicht RT.
      7 6 Melden
    • Juliet Bravo 29.03.2018 16:11
      Highlight Highlight Sputnik? Wieso machen die Ru Staatsmedien eigentlich immer einen auf „der Krieg steht vor der Tür“?
      7 1 Melden
  • LukasderErste 29.03.2018 10:34
    Highlight Highlight "Der kalte Krieg war kein Ponyhof."😂
    7 1 Melden
    • Siebenstein 29.03.2018 12:28
      Highlight Highlight Ich finde das trifft es auf den Punkt, ich erinnere mich nur zu gut daran wie nah man sich zeitweise immer wieder am Rande einer nuklearen Katastrophe wähnte!
      6 0 Melden
  • DerTaran 29.03.2018 09:01
    Highlight Highlight Ihr glorifiziert China, wirklich? Der chinesische Raubtierkapitalismus macht dabei alles, was Ihr dem Westen vorwerft, nur schlimmer. Der wirtschaftliche Erfolg geht auf Kosten von Land und Leuten. Eine Diktatur muss sich nicht um so lästige Dinge wie Gleichberechtigung, Mindestlohn und Menschenrechte kümmern, die Industrie kann machen was sie will.
    Auch in der Vergangenheit hatten Unrechtsregime schon erstaunlichen wirtschaftlichen Erfolg vorzuweisen, immer auch in Zusammenhang mit militärischer Aufrüstung (Autobahn), aber am Ende immer auf Kosten der Menschen, in China aber auch hier.
    74 10 Melden
    • Sarkasmusdetektor 29.03.2018 10:21
      Highlight Highlight Wo genau wird da etwas glorifiziert? Der Artikel beschreibt doch ziemlich gut die Tatsachen. Ob du die gut findest oder nicht, ändert rein gar nichts.
      10 10 Melden
    • DerTaran 29.03.2018 14:57
      Highlight Highlight «Chinas Staatskapitalismus ist deshalb für die Schwellen- und Entwicklungsländer zu einer Alternative zum dekadenten US-Kapitalismus geworden.» reicht mir schon.

      Ist mir zwar erst später aufgefallen, aber «One Belt One Road» klingt schon fast nach Autobahn.
      4 1 Melden
  • Dong 29.03.2018 08:51
    Highlight Highlight Wenn weiterhin unter reisserischem Putin-Titel gescheite Analysen stehen, kann ich gut damit leben, merci!
    Mein Senf noch: das hässliche Gesicht des Nationalismus macht mir inzwischen bisweilen weniger Angst als die Botox-Maske des „Wertewestens“.
    39 35 Melden
  • Firefly 29.03.2018 08:07
    Highlight Highlight Es sind wieder mal viele Männer an der Macht, die Menschen als Marionetten verstehen und nicht als Bürger und Vorgesetzte.
    80 8 Melden
  • felixJongleur 29.03.2018 08:07
    Highlight Highlight Vielen Dank für diese Analyse, vor allem den Hinweis auf die Oligarchengelder in London etc. May und den Amis (und natürlich Putin für den Wahlkampf) kommt diese Geschichte doch schlicht gelegen um Innenpolitisch abzulenken und die "Weststaaten" müssen "solidarisch" nachziehen weils sonst Ärger mit den Amis gibt.
    44 10 Melden
    • m. benedetti 29.03.2018 11:04
      Highlight Highlight Guter Gedanke. Gefährlich scheint mir jedoch das Geschrei und der Aktionismus gegen Russland, obwohl nichts bewiesen ist. Da geht gerade die Rechtsstaatlichkeit vor die Hunde, so nach dem Motto: Es war wahrscheinlich der Kreml, ergo müssen wir ihn bestrafen. Ach ja, und die Iraker haben höchst wahrscheinlich Massenvernichtungswaffen, deshalb müssen wir....
      21 9 Melden
    • reconquista's creed 29.03.2018 12:19
      Highlight Highlight Das Problem mit Russland ist, dass man ihnen nichts beweisen kann.
      Egal wie hart die Fakten sind, von russischer Seite wird es immer heissen: "gelogen". Nehmen sie beispielsweise den Flugzeugabschuss über der Krim: Die russische Regierung hat gefälschte Bilder und Radardaten vorgelegt und mehrmals angebliche (sogar widersprüchliche) alternative Versionen vorgelegt.
      Sie werden also nie den Punkt des "bewiesen" erreichen.
      Das sehen sie auch beim Umgang mit dem 2. Weltkrieg. Im Gegensatz zu Deutschland hat Russland nie seine Schuld eingestanden (Gulags, Überfall auf Polen, etc.).
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