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Die berühmte Terrakotta-Armee von Qin Shi Huang, dem ersten Kaiser von China. 
Die berühmte Terrakotta-Armee von Qin Shi Huang, dem ersten Kaiser von China. 
Bild: EPA/EPA
Analyse

Chinas grösste Waffe im Handelskrieg gegen die USA – und warum es sie nicht einsetzt

Die Chinesen sitzen auf einem Berg von US-Staatsanleihen. Warum setzen sie diesen Joker im Handelskrieg nicht ein?
12.10.2018, 12:0313.10.2018, 10:01

Das Beben scheint fürs Erste gebannt zu sein, die europäischen Börsen haben heute mit steigenden Kursen eröffnet. Doch die Ursache des Bebens, der eskalierende Handelskrieg zwischen den USA und China, besteht nach wie vor. Geht dieser Krieg weiter, dann «wird die Weltwirtschaft einen schweren Schlag erhalten», warnte denn auch Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds.

«Wir empfehlen eindringlich», so Lagarde an einem Treffen in Bali, «die bestehenden Spannungen zu entschärfen und an einem globalen Handelssystem zu arbeiten, das stärker, fairer und geeignet für die Zukunft ist.»

Was aber, wenn die beiden Streithähne nicht zur Vernunft kommen? Wenn die US-Regierung noch mehr Strafzölle beschliessen wird? Auf dieser Ebene können die Chinesen nicht mithalten. Sie haben ihr Strafzoll-Kontingent mehr oder weniger ausgeschöpft. Daher könnten sie sich im schlimmsten Fall gezwungen sehen, zu einer Waffe zu greifen, die unter Ökonomen den furchtvollen Namen «nukleare Option» hat. 

Gemeint ist Folgendes: China besitzt US-Staatsanleihen in der Höhe von mehr als einer Billion Dollar. Damit ist Peking der grösste Gläubiger der Vereinigten Staaten. China hat dieses gigantische Sparschwein mit den Gewinnen gefüllt, das es aus den Exporten in die Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten erzielt hat.

Xi lächelt am Kongress der Kommunistischen Partei Chinas.
Xi lächelt am Kongress der Kommunistischen Partei Chinas.
Bild: AP/AP

Auch heute noch ist China einer der wichtigsten Käufer von US-Schulden. Was würde nun passieren, wenn die Chinesen öffentlich erklären würden, künftig keine US-Staatsanleihen mehr zu kaufen oder schlimmer noch: die bestehenden T-Bonds auf einen Schlag öffentlich zum Verkauf anbieten?

«Allein die Idee ist so absurd, dass sie es nicht wert ist, ernsthaft in Betracht gezogen zu werden», schreibt Andrew Ross Sorkin in der «New York Times». «Es wäre zwangsläufig eine gegenseitige Vernichtung.»

Die ökonomische Version einer «mutually assured destruction» – im Militärjargon bekannt als MAD – geht wie folgt: Ein schlagartiger Verkauf der T-Bonds würde deren Zinsen massiv in die Höhe treiben und der US-Wirtschaft so schweren Schaden zufügen. Gleichzeitig würden jedoch die Chinesen ebenfalls leiden. Sie würden ihr eigenes Vermögen im gigantischen Sparschwein teilweise vernichten, denn ein solcher Ausverkauf würde den Wert ihrer T-Bonds massiv verringern.

China befindet sich gegenüber den USA in einer Situation, die dem bekannten Banken-Paradox entspricht: Wenn du der Bank 1000 Franken schuldest und nicht bezahlen kannst, dann hast du ein Problem. Wenn du der Bank 100 Millionen Franken schuldest und nicht bezahlen kannst, hat die Bank ein Problem.

Ökonomisch gesehen macht die nukleare Option keinen Sinn

Rational gesehen ist es daher unwahrscheinlich, dass China zur «nuklearen Option» greifen wird. Doch im aktuellen Wirtschaftskrieg geht es um weit mehr, als wer wie viel Strafzölle auf Boeing-Flugzeuge oder Sojabohnen bezahlen muss. «Wir befinden uns an einem entscheidenden Moment in der Geschichte», sagt der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh. «Was die amerikanische und die chinesische Regierung in den nächsten zwölf Monaten unternehmen, wird das Verhältnis der beiden Supermächte im 21. Jahrhundert bestimmen.»

Peking könnte daher durchaus versucht sein, mit einem Teilverkauf der US-Staatsanleihen zu drohen, zumal Präsident Xi weiss, dass sein Volk weit leidensfähiger ist als die Amerikaner.

Washington wiederum hat grundsätzlich eine sehr simple Gegenwaffe zur «nuklearen Option»: Die US-Notenbank Fed kauft die T-Bonds mit frisch gedrucktem Geld auf. Die daraus resultierende Geldschwemme würde jedoch höchstwahrscheinlich zu einer Hyperinflation führen, deren Folgen ebenfalls schwer abschätzbar sind.

Siegt am Ende die Vernunft?

Zum Glück hat das Börsenbeben der letzten Tage einen ernüchternden Effekt auf die Politik. Die beiden Präsidenten wollen nun anlässlich des G-20-Treffens im November die Handelsprobleme unter vier Augen diskutieren. «Der Plan lautet: Trump in ein Zimmer mit Xi zu bringen, ihm einen kleinen Sieg zu gewähren und dann die ganze Sache für beendet zu erklären», sagt ein nicht genannt sein wollendes Mitglied des Weissen Hauses.

Wie absurd die gegenseitigen Drohungen sind, zeigt die wirtschaftliche Realität: Im September hat das Handelsdefizit der USA gegenüber China den höchsten Stand aller Zeiten erreicht.

Eine Woche voller «loco» Trump-Momente

Video: watson
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