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Pierin Vincenz, Vorsitzender der Geschaeftsleitung, spricht an der Bilanzmedienkonferenz der Raiffeisen Gruppe, am Freitag, 27. Februar 2015, am Hauptsitz in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Gefallener Banken-König: Pierin Vincenz sitzt seit 2 Wochen in U-Haft.  Bild: KEYSTONE

Mit diesen fragwürdigen Geheimdeals kassierte Pierin Vincenz Millionen

Neue Enthüllungen im Raiffeisen-Skandal: Der gestürzte Präsident Rüegg-Stürm wollte dem früheren CEO Vincenz eine verdeckte Abgangsentschädigung zahlen. Doch auch dieser kümmerte sich eifrig um Geldvermehrung. 



Seit gut zwei Wochen schmort Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz in U-Haft. Und wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe sich bei der Übernahme von Firmen durch die Raiffeisen-Bank und den Zahlungsabwickler Aduno unrechtmässig bereichert.

Doch Dokumente, die der Sonntagszeitung vorliegen, zeigen: Vincenz verdiente an zwei undurchsichtigen Deals fast 5 Millionen! 

Ein gutes Geschäft für Vincenz und den ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden Geschäftspartner Beat Stocker war der Kauf der Firma Commtrain durch Aduno. Sie erhielten dank einer verdeckten Beteiligung 4,2 Millionen Franken, «wovon Herr Vincenz 1,7 Millionen Franken erhielt». Bei einem zweiten Deal erhielt Vincenz rund 3 Millionen Franken, angeblich als Darlehen. Die Staatsanwaltschaft spricht allerdings von «möglicherweise zu unrecht erhaltenen Vermögenswerten». Angeblich soll Vincenz in diesem Zusammenhang seinen Nachfolger, Patrik Gisel, belogen haben.

Patrik Gisel, CEO Raiffeisen Gruppe an der Bilanzmedienkonferenz in Zuerich am Freitag, 2. Maerz 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Hat Vincenz auch den aktuellen Raiffeisen-Chef Gisel belogen?  Bild: KEYSTONE

Vincenz drohte Journalisten mit Klage

Gleichzeitig schreibt der «SonntagsBlick» in derselben Angelegenheit, dass Vincenz und der ebenfalls in Untersuchungshaft sitzende Geschäftspartner Beat Stocker von Anfang an versucht hätten, die Berichterstattung über die heiklen Transaktionen zu verhindern und mit juristischen Konsequenzen gedroht hätten. Zu einer formellen Klage sei es aber zum Beispiel bei Publikationen auf «Inside Paradeplatz» – trotz zahlreicher juristischer Manöver – nicht gekommen.

Vincenz bestritt stets, dass er illegal gehandelt habe. Ein Gutachten von Aktienrechtler Peter Forstmoser, das den Aduno-Deal rechtfertigen sollte, entpuppt sich jetzt aber als wertlos, denn der renommierte Jurist war nicht unabhängig. Wie er selber zugibt, vertrat sein Büropartner gleichzeitig Vincenz als Privatanwalt. Bezahlt hat alle Anwaltsrechnungen die Raiffeisen-Gruppe. Es gilt die Unschuldsvermutung. 

Rüegg-Stürm stolperte über goldenen Fallschirm

Johannes Rueegg-Stuerm, ehemaliger VR-Praesident Raiffeisen an einer Medienkonferenz der Raiffeisen in Zuerich am Freitag 9. Maerz 2018. Der Wirtschaftsprofessor Pascal Gantenbein uebernimmt als Praesident interimistisch per sofort die Leitung des Verwaltungsrats bei der Bank. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Raiffeisens Ex-Präsdient Rüegg-Stürm. Bild: KEYSTONE

Einen wertvollen Verbündeten hatte Vincenz im abtretenden Raiffeisen-Präsidenten Johannes Rüegg-Stürm. Dieser versuchte ihm beim Abgang einen fünfjährigen Beratervertrag mit einem jährlichen Honorar von 500'000 Franken zuzuschanzen, wie die Sonntagszeitung weiter schreibt. Rüegg-Stürm kam damit zwar nicht durch – er wurde vom Verwaltungsrat gestoppt. Aber diese Episode spielte eine wesentliche Rolle bei der Frage, ob er gehen müsse. Bereits vor einem Monat kam es zu einer Revolte der Raiffeisen-Regionalpräsidenten. Sie verlangten Rüegg-Stürms Abgang. Sie bekräftigten diese Forderung, nachdem der Präsident vergangenen Sonntag angekündigt hatte, noch mindestens bis 2020 bleiben zu wollen.

(amü)

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