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Umfrage zur Wohnungsnot: Das ist uns wichtig bei der Wohnungssuche

Das ist uns bei der Wohnungssuche wirklich wichtig

Bild: keystone/watson
Der letzte Teil der watson-Serie rund ums Wohnen zeigt, wie wir unsere Prioritäten setzen, wenn es um unser Zuhause geht. Dabei zeigt sich: Nicht nur zwischen Stadt- und Landbewohnern gibt es grosse Unterschiede.
31.03.2023, 06:0431.03.2023, 06:05
Lara Knuchel
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Lage oder Preis? Lieber näher beim ÖV oder beim Wald? Gemeinsam mit dem Sozialforschungsinstitut DemoSCOPE wollten wir herausfinden, welche Gedanken sich Menschen in der Deutschschweiz bei der Wohnungssuche machen.

Die Umfrage lief zwischen dem 10. und 14. März 2023. Gut 2000 Menschen haben mitgemacht. Mehr zur Methodik findest du am Schluss des Artikels.

Warum wird überhaupt gesucht?

Nicht alle haben das Glück, gerade in einer passenden Unterkunft zu wohnen. Doch warum wollen – oder müssen – wir überhaupt zügeln? Knapp ein Viertel der Suchenden gibt an, sich aufgrund einer grundsätzlichen Unzufriedenheit nach etwas Neuem umzusehen.

Bei über 20 Prozent ist die veränderte Familiensituation, wie die Geburt oder auch der Auszug eines Kindes oder eine Trennung des Partners, der Hauptgrund für die Suche. Gut ein Zehntel kann sich die aktuelle Miete nicht mehr leisten und 9 Prozent sehen sich gar aufgrund einer Kündigung gezwungen, sich neu zu orientieren. Bei 14 Prozent sind es andere, hier nicht aufgeführte Gründe.

Umfrage Wohnungsnot
9 Prozent der Menschen, die auf Wohnungssuche sind, wurde die aktuelle Wohnung gekündigt. Bild: keystone/watson

Wie weit weg darf es denn sein?

Wir wollten auch wissen, wo sich Menschen auf Unterkunftssuche so umsehen. Dabei zeigt sich: Deutschschweizerinnen und -schweizer sind ziemlich konservativ – zumindest was den Wohnort anbelangt. Nur gerade 26 Prozent ziehen es in Betracht, in einem Umkreis von mehr als zehn Kilometern des aktuellen Zuhauses zu suchen. Besonders Stadtmenschen suchen eine Unterkunft möglichst im selben Quartier.

Nicht ganz die Hälfte hält dabei nach einer Wohnung Ausschau, die etwa gleich gross ist wie die aktuelle. Mehr Menschen gaben an, eine grössere Wohnung finden zu wollen als eine kleinere (33 bzw. 22 Prozent). Frauen sind eher auf der Suche nach einer Wohnung, die kleiner ist als die aktuelle. Dasselbe gilt auch für die Miete, obwohl da der Unterschied zwischen den Geschlechtern noch etwas markanter ist.

Alle Artikel zur Wohnungs-Umfrage

Was bei der Unterkunft wichtig ist

Allgemein sind für die Menschen in der Deutschschweiz der Preis sowie die Anbindung an den öffentlichen Verkehr die wichtigste Eigenschaft einer Unterkunft. Für beide Kriterien gilt: je ländlicher, desto vergleichsweise unwichtiger. Für Frauen ist die Nähe zum ÖV deutlich wichtiger als für Männer.

Auch die Nähe zum Grünen und zu Naherholungsgebieten sind wichtig – den Menschen auf dem Land zwar etwas mehr als den Städterinnen und Städtern, aber auch diese kommen auf einen hohen Durchschnitt von 3,13 (auf einer Skala von 1 bis 4). Das Kriterium ist damit noch wichtiger als die Wohnungs- respektive die Hausgrösse.

Lesehinweis: Liegt der Wert über 2,5, ist der Aspekt für eine Mehrheit wichtig.

Je jünger sie sind, desto wichtiger ist den Menschen die Nähe zu ihrem sozialen Umfeld. Auch Haushalten mit Kindern ist dies ein vergleichsweise wichtiges Kriterium, ebenso für Menschen, die alleine wohnen. Bei der Nähe zum sozialen Umfeld bestätigt sich ausserdem das Vorurteil der sozialeren Frauen: Männern ist es weniger wichtig, Freunde und Familie in der Nähe zu wissen. Dafür gewichten sie – apropos Vorurteile – die Anbindung an eine Autobahn deutlich höher als die Frauen. Dieses Kriterium ist zudem für Menschen in den Agglomerationen wichtiger als für Menschen in der Stadt oder auf dem Land.

Umfrage Wohnungsnot Bauten des Glattpark, am 30. April 2019, an der Ecke Thurgauerstrasse Glattparkstrasse in Opfikon.
Auch wenn laufend Neubauten dazukommen – erschwinglicher Wohnraum schwindet vor allem in der Stadt immer mehr.Bild: keystone/watson

Die Nähe zum Arbeits- oder Ausbildungsort ist deutlich wichtiger, wenn Kinder im Haushalt sind, dafür unterscheiden sich die Siedlungsgebiete hier kaum. Auch bezüglich der Nachbarschaft gibt es keinen Stadt/Land-Graben. Dafür zeigt sich: Frauen achten deutlich mehr auf eine gute Nachbarschaft. Und je älter die Befragten, desto wichtiger sind ihnen die Menschen, die in der Nähe wohnen.

Und zuletzt noch ein weiterer Geschlechterunterschied: Männern ist der Ausbaustandard wichtiger als Frauen. Hier gibt es dafür keine grossen Unterschiede zwischen den Altersgruppen. In einer gut ausgebauten Unterkunft zu hausen wird indes wichtiger, je höher das Einkommen und je grösser die Wohnung oder das Haus.

Zur Methodik
Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit DemoSCOPE vom 10. bis am 14. März in deutscher Sprache durchgeführt. Nach erfolgter Datenbereinigung lagen 2089 auswertbare Interviews vor. Mittels sogenannter Propensity-Score-Gewichtung wurden diese an eine unverzerrte Grundgesamtheit angepasst. Unter der Annahme einer Zufallsstichprobe beträgt der maximale Fehlerbereich für Prozentangaben 2,1 Prozent.
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53 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Jep.
31.03.2023 06:23registriert Januar 2022
Für alle, die an der Stelle immer kommentieren: „Man muss nicht immer in die Stadt“. Nur 5% wollen städtischer wohnen.

Die allermeisten wollen einfach im bisherigen Umfeld bleiben, weil da ihre Heimat ist. Und es ist schade, wenn man gezwungen wird wegzuziehen, weil die Mietpreise immer mehr Richtung Mond steigen.
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