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Das Gleiche, aber viel teurer: So bremsen Pharmakonzerne die Generikahersteller aus

Die Generika-Preise in der Schweiz sind hoch. Gleichzeitig unternahm der Gesetzgeber bisher wenig, um der Branche unter die Arme zu greifen. Originalhersteller können mit eigenen Kopien Generikafirmen ausbremsen.

Andreas Möckli / Nordwestschweiz



Es ist mittlerweile ein gut eingespieltes Ritual. Jedes Jahr führen der Lobbyverband Interpharma und der Krankenkassenverband Santésuisse einen Vergleich zwischen den hiesigen und den ausländischen Medikamentenpreisen durch.

Das Fazit der Studie ist seit einigen Jahren ähnlich: Während die Preise der patentgeschützten Medikamente sich dem europäischen Niveau angleichen, sind die Preise der Generika in der Schweiz nahezu doppelt so hoch.

In der Folge reagiert die Generika-Branche jeweils empört und spricht von einem falschen und unsinnigen Vergleich. Es handle sich dabei um eine unzulässige Vereinfachung, da statt identischer Arzneimittel unterschiedliche Produkte nur aufgrund der Wirkstoffmenge verglichen würden.

Medikamente frau

Originalhersteller erhalten gegenüber den Generikafirmen in der Schweiz einen Vorsprung. Bild: shutterstock.com

Ob doppelt so teuer oder nicht, die Generika-Preise in der Schweiz sind hoch. Gleichzeitig unternahm der Gesetzgeber bisher wenig, um der Branche unter die Arme zu greifen. So müssen die Generika-Hersteller etwa bis heute die gleichen Packungsgrössen und Wirkstoffmengen anbieten, wie es beim Original der Fall ist.

Ein weiteres Ärgernis aus Sicht der Generika-Branche sind die sogenannten Co-Marketing-Arzneimittel. Sie erlauben es den Originalherstellern, Kopien ihrer eigenen Medikamente zu lancieren. Da sie dies bereits vor dem Ablauf des Patents dürfen, können sie im Idealfall trotz Konkurrenz durch Generika ihren Marktanteil hochhalten.

Vorteil für Originalhersteller

Gelungen ist dies etwa der Pharmafirma Astrazeneca mit dem Cholesterinsenker Crestor. Noch bevor die ersten Generika lanciert wurden, brachte der Konzern im April 2017 eine eigene Kopie namens Crestastatin auf den Markt. Drei Monate später folgten mit der Firma Mepha und der Novartis-Tochter Sandoz die beiden grössten Schweizer Generikafirmen als erste mit einer Kopie. Doch dank dem Startvorteil konnte Astrazeneca unter den Crestor-Generika einen Marktanteil von rund 40 Prozent für sich beanspruchen, wie ein Sprecher von Mepha sagt.

Dabei geht es um viel Geld. Vor dem Patentablauf im Jahr 2017 zählte Crestor zu den umsatzstärksten Medikamenten in der Schweiz. Laut dem Arzneimittelreport der Krankenkasse Helsana verursachte der Cholesterinsenker im Jahr 2016 Kosten von über 73 Millionen Franken. Inzwischen dürfte diese Zahl aufgrund der Generika-Konkurrenz deutlich gesunken sein.

Normalerweise sind die Generikahersteller am Zug, wenn ein Patent eines Medikaments abläuft. Sie stellen Kopien her, die weit günstiger sind als das Original, obwohl auch dieses nach dem Patentablauf im Preis sinkt. Somit sollten Patienten, Krankenkassen und Generikafirmen zulasten des Originalherstellers profitieren. Schliesslich hat Letzterer jahrelang vom Patentschutz profitiert und konkurrenzlos hohe Umsätze generiert. Doch dank den Co-Marketing-Arzneimitteln können die Originalhersteller diesen eingespielten Ablauf unterlaufen.

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In diesen Fällen handelt es sich bei Original und Kopie um das identische Medikament. Einzig die Verpackung und der Name sind anders. Und natürlich der Preis.

So kostet eine 100er-Packung des Originals Crestor mit einer Dosis von 10 Milligramm 120 Franken. Die hauseigene Kopie Crestastatin schlägt dagegen mit 51.90 Franken zu Buche.

Das Original ist also mehr als doppelt so teuer. Beim Magenschutzmittel Pantozol beträgt der Aufschlag bis zu 61 Prozent. Es gibt zahlreiche weitere Beispiele etwa bei Cholesterinsenkern, Blutdruckmitteln oder Antidepressiva.

Krankenkassen üben Kritik

Nicht nur Generika-Hersteller kritisieren diese Praxis. «Es ist stossend, dass wir das genau gleiche Produkt zu einem viel höheren Preis trotzdem vergüten müssen, weil sich das Originalmedikament nach wie vor auf der Liste der kassenpflichtigen Medikamente befindet», sagt Gudio Klaus, Leiter Politik und Ökonomie beim Krankenversicherer Helsana.

Die Krankenkassen haben bislang nicht berechnet, was sich einsparen liesse, würde konsequent auf die billigere Kopie anstatt des teuren Originals des gleichen Herstellers gesetzt. Die Sendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens sprach in einem Beitrag von 75 Millionen Franken. Dabei war von einer Expertenberechnung die Rede, die aber nicht näher zugeordnet wurde.

Das Bundesamt für Gesundheit verteidigt die Co-Marketing-Arzneimittel. Dank ihnen seien bereits vor Patentablauf Kosteneinsparungen möglich. Da die meisten Hersteller für diese Medikamente den Generika-Status beantragen würden, werde der Preis für diese Arzneimittel noch einmal weiter auf das Generikapreisniveau gesenkt. Insgesamt wirke sich dies positiv auf die Kosten der Krankenversicherung aus. Derweil betont Crestor-Hersteller Astrazeneca, dass der Patient von der bewährten Substanz des Originals profitiere. Diese sei in zahlreichen Studien untersucht worden. Zudem könne die Kopie zu einem tieferen Preis bezogen werden. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Töfflifahrer 08.06.2018 19:20
    Highlight Highlight Das Bundesamt verteidig also die Praktiken der Pharma Industrie. Dabei vergessen die wohl, dass diese ihren Lohn (egal ob zu hoch oder nicht) von uns erhalten. Unsere Interessen Scheine die aber nicht wirklich zu vertreten.
    Oder habe ich das falsch verstanden?
  • marcog 08.06.2018 12:37
    Highlight Highlight Die Sendung Eco hat mal ein paar Tricks der Hersteller sich angeschaut. Durch zeitliche Staffelung der Patente lässt sich dieses verlängern, zumindest solange niemand einen Rechtsstreit mit einem Milliardenkonzern aufnehmen möchte:
    https://www.srf.ch/news/wirtschaft/tricks-der-pharmaindustrie-profitmaximierung-dank-ausgekluegelter-strategien
  • Lumpirr01 08.06.2018 08:49
    Highlight Highlight @Andreas Möckli: Dieser etwas einseitige Bericht sollte u. A. mit folgenden Informationen ergänzt werden:
    1) Der Patentschutz für Medis beträgt 20 Jahre. Da die Anmeldung eines neuen Wirkstoffes früh erfolgen muss, beträgt die praktisch effektive Nutzzeit meist nur ca. 12 Jahre. Die Einnahmen dienen in erster Linie dazu, die Forschungsausgaben zu amortisieren.
    2) Generikahersteller können sehr wohl andere Dosierungen anbieten, wenn sie ein verkürztes Zulassungsverfahren durchlaufen. Wichtig ist, dass bei anderen Dosierungen z. Bsp. bei Tabletten die Wirkung (Abbauprozess) nachgewiesen wird...
    • Hexentanz 08.06.2018 11:47
      Highlight Highlight "Die Einnahmen dienen in erster Linie dazu, die Forschungsausgaben zu amortisieren."

      Ja genau du sagst es... nicht.

      2016:
      Roche: 9,7 Milliarden Franken Reingewinn
      Novartis: 6,65 Milliarden Franken Reingewinn.

      Dazu entsteht in Basel gerade der 2. Prestigeturm von Roche :D

      Nichts gegen diese Investitionen, da sie die Arbeitsplätze und den Standort Basel nachträglich Zukunftsfähig machen (gegen Abwanderung in die USA), aber von Medi Kosten amortisation der Technologie als Grund aufzuführen, ist ein sehr kleiner Anteil an den Kosten.

      Der grösste Anteil des Kuchens nennt sich DIVIDENDE. :)
    • Bits_and_More 08.06.2018 15:14
      Highlight Highlight Roche investiert im Schnitt 28 Millionen täglich in R&D. Das sind etwas mehr als 10 Mia. pro Jahr.

      Also etwas mehr als der Reingewinn.
  • mrmikech 08.06.2018 08:13
    Highlight Highlight Endlich mal parallelimport erlauben. Und diese cholesterin- und magensäuremittel brauchen eh nur die wenigsten. Viel nebenwirkungen und für die meiste unnötig.
    • Mietzekatze 08.06.2018 12:02
      Highlight Highlight "Dabei geht es um viel Geld. Vor dem Patentablauf im Jahr 2017 zählte Crestor zu den umsatzstärksten Medikamenten in der Schweiz." Soviel zum Thema 'die wenigsten'!
  • Butschina 08.06.2018 08:11
    Highlight Highlight Meine Apotheke gibt mir jeweils das Generika auch wenn das Original verschrieben ist und noch bezahlt wird. Ich verursache sonst schon genug Kosten, da möchte ich zumindest bei den Medikamenten die preiswerte Kopie beziehen und etwas Kosten sparen. Generell lohnt es sich auch bei Blutentnahmen etwas mitzudenken. Oft werden Tests durch de Hausarzt und durchs Spital gemacht. Das ist nicht nötig. Der Hausarzt kann die Laborergebnisse ausdrucken und dem Patient aushändigen. So kann der wiederum dem Spezialarzt das Labor zeigen und einige Tests müssen nicht schon wieder gemacht werden.
  • Arthtur 08.06.2018 08:06
    Highlight Highlight Für alles und jede noch so geringe Bagatelle lassen sich Volksabstimmungen einrichten. Hier wäre es mehr als nur dringend der Abzocke durch die Pharmaindustrie, welche ganz offensichtlich vom BAG protegiert wird, Einhalt zu gebieten. Doch obwohl es hier um das eigene Portemonnaie geht, ist dies dem Schweizer Stimmbürger offensichtlich egal. Von mir aus. Ich sehe jedenfalls nicht ein, dass ich für ein und dasselbe Medikament nahezu 80% mehr zahlen soll. Ich fahre über die Grenze und beziehe dort meine MIttel.
  • rodolofo 08.06.2018 07:56
    Highlight Highlight Kleiner Tip vom Naturmenschen:
    Gar keine Medikamente sind noch billiger!
    Lass Dein Immunsystem für Dich arbeiten!
    Dazu ist es ja da!
    Wenn es überdotiert und unterbeschäftigt ist, beginnt es damit, körpereigene Zellen und wichtige Nährstoffe für diesen Körper zu beargwöhnen und anzufallen!
    Das ist in etwa vergleichbar mit den PolizistInnen und PsychiaterInnen der Gesellschaft:
    Wenn sie überdotiert und unterbeschäftigt sind, erfinden sie laufend neue Psychische Krankheiten und Störungen, oder neue Arten von Kriminalität...
    • Pafeld 08.06.2018 10:23
      Highlight Highlight Ist Ihnen bewusst, dass die Behandlung verschleppter Krankheiten wesentlich höhere Kosten verursacht, als ein moderater Arztbesuch? Es reicht ja, dass esoterischer Mumpiz heute teilweise über die KK abgerechnet werden kann und somit nur noch weitere Mehrkosten verursacht.
    • rodolofo 09.06.2018 08:39
      Highlight Highlight Ich habe nur gesagt, was noch billiger ist, als Generika.
      Ob es auch gut und sinnvoll wäre, habe ich nicht gesagt.
      Es ist bei Extrem-Positionen genau so, wie mit allen anderen Positionen. Sie enthalten eine wichtige Kernbotschaft, sind aber im realen Leben nicht in jedem Falle anwendbar.
      Wenn es nicht anders geht, dann werde auch ich als "Naturmensch" Medizin anwenden, aber eben erst dann!
      Merkt Ihr, worauf ich hinaus will?
      Auf die ganzheitliche URSACHEN-Bekämpfung und -Vermeidung, im Gegensatz zur weit verbreiteten "Pflästerli-Politik" und dem täglichen Pragmatiker-Geknorze.

Neue Studie zeigt: 33'000 Suizidversuche innert eines Jahres in der Schweiz

Die Studienautoren sind selber erstaunt, wie viele Befragte über Suizidversuche berichten. Am höchsten sind die Zahlen bei Menschen mit geringer Bildung und bei Alleinstehenden.

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