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Koloniales Unrecht: Auch Tansania fordert nun von Berlin eine Entschädigung



Maschinengewehrabteilung der Schutztruppe

Maschinengewehrabteilung der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika. bild: bundesarchiv

Tansania will von Deutschland eine Entschuldigung und Wiedergutmachung für während der Kolonialzeit begangenes Unrecht fordern. Dabei geht es um die brutale Niederschlagung der Maji-Maji-Revolte von 1905-1907 im damaligen Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania.

Ein Pflanzerhaus an der Küste

Ein Deutscher vor seiner Farm in Deutsch-Ostafrika. bild: bundesarchiv

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Karte von Deutsch-Ostafrika. bild: gemeinfrei

«Wenn andere Länder für Kriegsverbrechen entschädigt werden, wieso nicht wir», fragte am Donnerstag der mit Aussenpolitik befasste Abgeordnete Cosato Chumi. Verteidigungsminister Hussein Mwinyi hatte am Mittwoch im Parlament erklärte, das Aussenministerium werde prüfen, wie in der Sache am besten vorzugehen sei.

Zehntausende getötet

Bei der Niederschlagung des Aufstandes kamen Zehntausende Menschen ums Leben. Die meisten starben an Hunger oder Krankheiten in Folge des Konfliktes. Die Schätzungen reichen von 75'000 bis 300'000 Opfer.

Tansania will mit seiner Forderung offenbar den Anstrengungen von namibischen Stämmen folgen, die Opfer der Kolonialherrschaft im damaligen Deutsch-Südwestafrika (das heutige Namibia) geworden waren. Nachfahren der Hereros und Nama haben jüngst vor einem US-Gericht gegen Deutschland auf Schadenersatz geklagt.

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Die Original-Bildbeschreibung aus dem «Brockhaus» von 1911: «Der Kilimandscharo. Landschafts- und Kulturbild, im Vordergrunde Negerhütten und Trägerkarawane der deutschen Schutztruppe.» bild: gemeinfrei

Die deutsche Regierung verhandelt derzeit über eine Einigung mit der namibischen Regierung. Ziel ist es unter anderem, eine gemeinsame Sprachregelung für die Grausamkeiten zu finden, die Historiker als ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts bezeichnen.

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Das Bild «Schlacht bei Mahenge» von Wilhelm Kuhnert. bild: gemeinfrei

(sda/dpa)

Deutsch-Südwest – Reste einer Kolonie

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ujay 10.02.2017 06:57
    Highlight Highlight Erfolglose Politiker,die nicht im Stande sind, ein Land wirtschaftlich zu konsolidieren,scheinen besonders darauf erpicht,billig zu Geld zu kommen. Die europaeische Variante davon sind Figuren wie Orban und Konsorten.
  • Baba 09.02.2017 21:39
    Highlight Highlight Ich frage mich, wie lange es noch geht, bis die Demokratische Republik Kongo Wiedergutmachung von Belgien, bzw. der belgischen Königsfamilie einfordert. Die hätten ja wirklich JEDEN Grund dafür. Was König Leopold II in seiner Privatkolonie "Kongo-Freistaat" getrieben hat ist an Grauen kaum zu übertreffen. Meines Wissens hat sich weder der Staat Belgien, noch die Nachfahren Leopolds II (König Philippe ist zB einer davon) je für die begangenen Gräuel entschuldigt. Eine wahre Schande!
  • Coop 09.02.2017 19:57
    Highlight Highlight Am Ende verklagt Britannien die USA wegen der Boston tea party und Ägypten Italien wegen den Römern oder die Türkei Griechenland weil die alten Griechen Troja zerstört haben ...
    • ChiliForever 09.02.2017 21:03
      Highlight Highlight Ja, die Frage ist berechtigt. Denn in Europa hat nahezu jedes Volk (oder seine Vorfahren) mal irgendwann seine Nachbarn massakriert.
      Im Rest der Welt ist es wohl kaum besser...
    • rodolofo 11.02.2017 11:31
      Highlight Highlight Es geht auch nicht um materielle Wiedergutmachung, sondern darum, zu akzeptieren, dass der Kolonialismus nicht mehr nachvollziehbare Grausamkeiten begangen und mit seinen Raubzügen und Versklavungen eine Massenvergewaltigung und Massenmisshandlung angerichtet hat, die eine "organische" Entwicklung aus sich selbst heraus auf dem Afrikanischen Kontinent verunmöglicht hat!
      Und DASS so etwas passiert ist, sollte uns dazu bringen, es heute GANZ ANDERS zu machen!
  • pamayer 09.02.2017 18:54
    Highlight Highlight Kann man 100 Jahre später noch eine Wiedergutmachung einfordern?

    Wusste nicht, dass die Deutschen in Afrika einen Völkermord begingen. So fiel Hitlers Antisemitismus auf ganz furchtbaren Boden.
    Stimmt das, oder bringe ich da Ereignisse in Verbindung, die nix miteinander zu tun haben?
    • ChiliForever 09.02.2017 21:00
      Highlight Highlight Ja, z.B. an den Herero. So, wie auch alle anderen Kolonialmächte, alle mal mehr und mal weniger.

      So, wie übrigens fast jedes Volk irgendwann mal an einem anderen Volk, manche mehr, manche weniger....
    • ubu 09.02.2017 21:11
      Highlight Highlight Uuuuh, eine Verbindung von Antisemitismus und kolonialem Rassismus ist eine ziemlich steile These!

      Einfach gesagt: Nein, da bringst Du Dinge zusammen, die nichts miteinander zu tun haben. Natürlich gibt es Ähnlichkeiten bei den Mechanismen der beiden Verbrechen (zB dass man die Opfer nicht als Menschen ansieht), aber es gibt weder eine gemeinsame Ursache, noch haben die Verbrechen in Afrika, den Holocaust erleichtert oder gar ausgelöst.
    • Les 09.02.2017 21:22
      Highlight Highlight Da gibts sehr wohl Zusammenhänge und erschreckende Parallelen:
      Sollte es dich interessieren sei dir Olugosa/Erichsens Standardwerk dazu empfohlen.
      The Kaisers Holocaust👇🏻hier mal eine beliebige Review dazu

      https://www.theguardian.com/books/2010/dec/04/kaisers-holocaust-olugosa-erichsen-review
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In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

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