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bild: watson

Analyse

Ächtung oder Debatte: Was machen wir mit der Kunst von Grüseln?

Diese Männer haben mutmasslich Schreckliches getan und Schönes geschaffen. Die Frage ist, was mit ihrer kulturellen Hinterlassenschaft geschieht. Soll sie verboten, boykottiert, frisiert oder lieber diskutiert und eingeordnet werden?



Kevin Spacey wird aus dem fertigen Film «All the Money in the World» von Ridley Scott herausgeschnitten – nur einige Wochen vor dem Kinostart. Innerhalb von neun Tagen hat der Regisseur Spacey mit Christopher Plummer ersetzt und die neuen Szenen in seinen Streifen montiert. Für sechs Millionen Dollar. 

Wäre dies nicht geschehen, so hätte das Filmteam 45 Millionen Dollar verloren, sagt Scott in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung

Er meint, es sei die richtige Entscheidung gewesen. «Eine dringend notwendige Reinigung der Branche». Spacey habe das ganze Kunstwerk zerstört, «die grossartige Arbeit so vieler Leute kaputt gemacht». Und doch ist der Regisseur der Ansicht, man solle die Person von ihrem Werk trennen. Als Beispiel nennt er den Maler Balthus, der besessen gewesen sei von kleinen Mädchen, die immer wieder auf seinen teils wunderbaren, teils verstörenden Gemälden auftauchten.

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Der polnisch-deutsch-französische Maler Balthus hat den Verlust seiner ersten Liebe in Bildern umgesetzt, da war er im selben Alter wie die jungen Mädchen, die später sein Hauptsujet wurden: Dieses Bild malte er im Alter von 30 Jahren. Sein Modell, Thérèse Blanchard, war seine etwa 11 oder 12-jährige Nachbarin. Das Bild hängt im New Yorker Metropolitan Museum (Met) – und sorgt derzeit für hitzige Diskussionen.
bild: metmuseum

Ja, was denn nun? Der Regisseur hat Kevin Spacey doch aufgrund der mutmasslichen sexuellen Übergriffe auf junge Schauspieler aus seinem Film gestrichen.

Und doch sagt er:

«Es interessiert mich überhaupt nicht, was einer privat macht. Ich beurteile ausschliesslich seine Kunst.»

Ridley Scott in der Süddeutschen Zeitung

Ausser es geht um 45 Millionen Dollar. Für die US-amerikanische Journalistin Amanda Hess scheint eine Trennung zwischen Kunst und Künstler in der Filmindustrie sowieso kaum möglich, weil sie die Verschmelzung selbst vorantreibe – solange damit Geld gemacht werden kann. 

epa06398029 Canadian actor and cast member Christopher Plummer (L) and British director Ridley Scott arrive for the 'All the Money in the World' movie premiere in Beverly Hills, California, USA, 18 December 2017. The movie will be released in US cinemas on 25 December 2017.  EPA/EUGENE GARCIA

Kevin Spaceys Ersatz Christopher Plummer (links) mit dem Regisseur und Produzenten Ridley Scott (rechts) an der Premiere zu «All the Money in the World» in Beverly Hills. Bild: EPA/EPA

«Würde Hollywood nicht in den Verkauf der Leute hinter der Kunst investieren, würden die Oscars nicht im Fernsehen gezeigt.»

Amanda Hess in der «New York Times»

Ein Schauspieler ist Teil dieser Industrie, und diese Industrie hat auch ein systemimmanentes Problem: Kevin Spacey platzierte sein Coming Out just in dem Moment, als die ersten Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen ihn laut wurden. 

Was aber machen wir als Kunst-Konsumenten mit der Moral, die so ohrenbetäubend, empört und dabei die rechtsstaatliche Unschuldsvermutung niedertrampelnd, an unser Gewissen appelliert? Was machen wir mit all den grandiosen Werken, die von Grüseln geschaffen wurden? 

Im Falle von «All the Money in the World» wurde uns die Entscheidung abgenommen. Wir können ohne Bedenken ins Kino gehen, Spacey – schuldig oder nicht – wird unser Kinobesuch nicht zugute kommen. 

Moralischer Totalitarismus oder berechtigte Säuberung?

Ist das Herausschneiden eines mit Belästigungsvorwürfen konfrontierten Schauspielers eine Lösung? Und wenn ja, ...

... sollen auch Roman Polanskis oder Woody Allens Meisterwerke, wie es in den USA zum Teil gefordert wird, aus dem cineastischen Gedächtnis verschwinden?

Peter von Becker im Tagesspiegel

Diese Drastik verlangen wohl die wenigsten. Als Gedankenexperiment gäbe es da noch eine andere Möglichkeit: An Warnungen bezüglich des gewalttätigen Inhalts eines Films sind wir uns gewohnt. Wie wäre es also, würde im Vorspann auf die (bewiesenen!) sexuellen Vergehen des Protagonisten oder Regisseurs hingewiesen? 

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«The Usual Suspects» (1995) mit Kevin Spacey (ganz rechts).

Die einen würden wahrscheinlich rufen: «Wie absurd! Ich schaue den Film ja gerade, weil ich mich in diese illusorische Filmwelt stürzen will! Da will ich nicht damit konfrontiert werden, welches Fehlverhalten der Schauspieler in seinem Privatleben an den Tag gelegt hat. Hier spielt er eine Rolle.»

Und die anderen würden antworten: «Eine sehr gute Idee, so würde jedem Zuschauer gleich bewusst, aus welchem Holz der Mann geschnitzt ist, den er da auf der Leinwand bewundert. Dank einer solchen Transparenz kann jeder selbst entscheiden, wie er darauf reagieren will.»

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Die Filme grosser Männer umgeben eine fast schon heilige, unantastbare Aura. Woody Allen, den man so gern in der Rolle des neurotischen Dauerverlierers sieht, über dessen intelligenten Witze man so laut lacht.

Und doch erinnert seine Sexbeziehung zur 17-jährigen High-School-Schülerin Tracy (Mariel Hemingway) in «Manhattan» so manchen unangenehm an den Anfang der Geschichte seiner jetzigen Ehefrau Soon-Yi Previn – als sie vor allem die 21-jährige Adoptivtochter seiner damaligen Ehefrau Mia Farrow war. Und er, der wahrscheinlich berühmteste Filmemacher der Welt, der mit ihr schlief, weil «the heart wants what it wants» (Woody Allen).

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«Manhattan» (1979), der Klassiker von und mit Woody Allen.

Es erinnert ebenso an die Vorwürfe, die Mia Farrow im Zuge des Sorgerechtstreits gegen Allens erhob: Er habe die 7-jährige gemeinsame Adoptivtochter Dylan sexuell missbraucht. Das Strafverfahren gegen ihn wurde aufgrund des Kindeswohls eingestellt. Doch die Schlacht wird bis heute weiter ausgefochten – in den Medien. 

Der machtlose Leinwand-Woody-Allen wird so in manch einem Kopf plötzlich zum Mächtigen, ja zum Machtmissbraucher. Nur, was machen wir nun damit? Sind deswegen seine Filme weniger sehenswert? 

FILE - This June 20, 2012 file photo released by Starpix, director Woody Allen and his wife Soon-Yi Previn attend the premiere after party for his film

Woody Allen mit seiner Frau Soon-Yi Previn, 2012. Bild: AP/StarPix

Vielleicht sollten wir diese Kunstschätze auch vor jeglichen Eingriffen schützen. Sie wie ein denkmalgeschütztes Gebäude behandeln, dessen Stützbalken zwar angeknickst sein mag, aber das Haus noch immer vor dem Einstürzen bewahrt. So wird jedem gänzlich selbst überlassen, ob und wie er das Gebäude betrachten will.

Die amerikanische Autorin Claire Dederer schreibt in The Paris Review über ihr persönliches «Urmonster» Woody Allen, dessen Werk sie lange Zeit uneingeschränkt bewunderte. Sie schreibt davon, wie emotional ihre Reaktion war auf das, was dieser Mann Schreckliches getan habe, und ganz besonders auf die gruseligen Parallelen, die sie zwischen seinem Film «Manhattan» und seiner Biographie aufstöberte.

«Wir betrachten die Arbeit von Monster-Genies und sagen uns, wir hätten ethische Gedanken. Stattdessen haben wir moralische Gefühle. Wir ummanteln diese Gefühle nur mit Worten und nennen es Meinung.»

Claire Dederer, The Paris Review

Es geht also in erster Linie um die Gefühle des Kunst-Konsumenten. Um die persönliche Moral – und deren Integrität. Man kann sich fragen: «Fühle ich mich wie ein Arsch, wenn ich ‹Manhattan› schaue? Kann ich mit dieser Zwiespältigkeit leben, dass ich den Film grandios finde, den Macher aber verachte? Oder ist es mir einerlei, was der Künstler in seinem Leben verbrochen hat, weil ich sein Produkt unabhängig von seinem Leben betrachte?»

Daraus ergäben sich dann für jeden ganz persönliche Konsequenzen. Wir würden wie bisher die gesetzliche Gerechtigkeit über die Grüsel walten lassen, unsere Moral aber nicht zu einem ähnlich strafenden System ausbauen. Denn würde das geschehen, würden wir einem «moralischen Totalitarismus» Platz machen, wie es die deutsche Schriftstellerin und Fernsehmoderatorin Thea Dorn formuliert.

Oder mit den Worten eines Kunstmuseumsdirektors gesagt:

«Wenn man sich aus der Kunst all die Menschen wegdenkt, die unmoralisch, sexistisch, menschenverachtend oder auch ganz einfach kriminell gehandelt haben, dabei aber grossartige, bis heute berührende oder aufwühlende Werke hinterlassen haben, wäre die Welt zwar ein kleines bisschen besser, aber die Kunst ein ganzes Stück ärmer.»

Stefan Berg, Direktor Kunstmuseum Bonn, zitiert aus der Zeit

Ist eine Trennung von Kunst und Künstler möglich?

«Comedy is tragedy plus time», dieses Zitat wird unter anderem auch Woody Allen zugeschrieben. Möglicherweise verhält es sich mit der Kunst ähnlich. Sobald ein grosser Künstler unter der Erde liegt, spielt es für die Mehrheit keine Rolle mehr, was dieser zu Lebzeiten getrieben hat. Die Kunst wird frei von seinem Macher. Und je länger er tot ist, umso freier wird seine künstlerische Hinterlassenschaft.

Heute hört man kaum jemand sagen: «Sicher schau ich mir kein Gemälde von Caravaggio (1571–1610) an, der Typ hat einen Mann mit einem Messer niedergestochen – wegen einer verlorenen Wette!»

«Der ungläubige Thomas» vom italienischen Meistermaler des Frühbarocks, Caravaggio, ca. 1600.  bild: wikimedia

Oder: «Rembrandt (1606–1669) boykottiere ich, er hat seine Ex-Geliebte jahrelang ins Gefängnis gesperrt – weil er den ihr zugesprochenen Unterhalt wegen seines gebrochenen Heiratsversprechens nicht zahlen wollte!»

The anatomy lesson of Dr Nicolaes Tulp
*oil on canvas
*169 x 216,5 cm
*signed t.c.: Rembrant. ft: 1632

«Die Anatomie des Dr. Tulp» vom niederländischen Meistermaler des Barocks, Rembrandt, 1632. bild: wikimedia

Die Kirche hat damals dem flüchtigen Caravaggio ein Gnadengesuch ausgestellt, damit der bewunderte Maler wieder in ihren römischen Schoss zurückkehrt – und sein Talent in ihre Dienste stellt. Allerdings verstarb Caravaggio kurz bevor der päpstliche Heilsbrief bei ihm eintraf. 

Für Harvey Weinstein und Kevin Spacey ist die Zeit solcher Freipässe vorbei. Sie sind Täter im Heute. Und die #Metoo-Bewegung hat ihre Vergehen ans Licht gezerrt, sie stellvertretend für alle machtmissbrauchenden Männer öffentlich hingerichtet. Die Frage ist nur, ob ihre künstlerische Arbeiten auch mit aufs Schafott müssen.

Nun ist natürlich ein Produzent nicht dasselbe wie ein Regisseur, und der Schauspieler der Einzige, den man in einem Film wirklich zu sehen bekommt. Vielleicht betreibt er gar «Method Acting», strebt also eine naturalistische Darstellung seines Schauspiels an, indem er eigene Erlebnisse aktiviert, um mit seiner Rolle zu verschmelzen.

Fluch der Karibik Jack Sparrow

Johnny Depp zählt zum Beispiel zu den Schauspielern, die die Fähigkeit haben, seinen gänzlich unterschiedlichen Rollen stets etwas «Eigenes» aufzudrücken.  Bild: Disney

Der Schauspieler ist für den Zuschauer, wenn auch nie ganz, so doch greif- oder zumindest fühlbar. An ihm sind wir auch näher dran als an einem Schriftsteller, der meist sehr unsichtbar bleibt hinter seinem Werk. 

Vor allem seit der französische Literaturkritiker Rolandes Barthes 1968 den Tod des Autors postulierte. Es war seine Antwort auf den traditionellen Biographismus, bei dem man sich bei jeder Buchbesprechung sofort auf das Leben des Autors stürzte, um das Werk zu interpretieren. Barthes wollte den Text vom Autor befreien. Literatur entsteht nach ihm erst beim Lesen. Der Sinn könne ganz allein vom Leser erzeugt werden.

«Die Geburt des Lesers ist zu bezahlen mit dem Tod des Autors.»

Rolandes Barthes

Für viele war Barthes Theorie zu radikal, sie holten den Autor, oder zumindest Stücke von ihm, wieder zurück. Doch vielleicht können wir seinem Gedanken für unser Problem dennoch etwas abgewinnen:

Jeder von uns ist ein Leser, ein Hörer, ein Zuschauer. Wir sind die Kunst-Empfänger. Wir entscheiden, was uns gefällt und wie wir ein Kunstwerk verstehen. So wie es jedem selbst überlassen werden soll, ob er weiterhin Spacey-Filme gucken will. 

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Gegenstand von Kontroversen: Balthus «Therese Dreaming» (1938). 

Oder sich das Bild der träumenden Therese von Balthus im New Yorker Metropolitan Museum (Met) anzusehen. Auch, oder gerade in Zeiten der #Metoo-Debatte sollte das möglich sein. So entschied dann die Direktion des Museums auch, sich dem Wunsch der 10'000 Unterschriften starken Petition nicht zu beugen. Sie forderte das Abhängen des Gemäldes, weil es sich hier um «Objektivierung und Sexualisierung eines Mädchens» handle. 

Und da ist es wieder. Jemand – oder in diesem Fall 10'000 Leute – scheinen es besser zu wissen, und wollen allen anderen sagen, wie dieses Bild zu interpretieren sei, anstatt darauf zu vertrauen, dass ein solches Gemälde in einem Museum schon mit entsprechendem Hintergrundwissen versehen wird. Es zu verstecken, bringt keine Diskussion und keine Einordnung. Wie wär's beispielsweise, man würde neben dem Gemälde einen Twitter-Feed laufen lassen, der es in den modernen Kontext verfrachtet, in die aktuelle Diskussion um Sexualisierung und Machtverhältnisse einbettet. Die gesellschaftliche Veränderung sollte thematisiert und nicht verunmöglicht werden. Dieses Sichtbarmachen kann die bildende Kunst doch besonders gut leisten.

Es gibt viele Grüsel auf der Welt. Und man sollte die Welt vor ihnen beschützen. Ihre Kunstwerke aber bieten auch den Raum, wo wichtige gesellschaftliche Debatten geführt werden können. Auch vom Abgründigen lernen wir etwas über uns selbst. Von der Kunst von Grüseln oder von «grüsliger» Kunst. Vielleicht sogar mehr, als uns lieb ist. 

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
72Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lezzelentius 08.01.2018 16:48
    Highlight Highlight Man kann sagen, man würde die Kunst eines Täters nicht geniessen, man kann sie sogar gering schätzen - man wird aber niemals ihr Sein als Kunst wegreden können.

    Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Kunst keinen Beobachter braucht um Kunst zu sein.
  • Chili5000 08.01.2018 12:29
    Highlight Highlight Der Mensch kann Grösser sein als seine Fehler oder seine Schwächen! Gutes sollte schlechtes stets überstrahlen. Deshalb wird Spacey für mich immer einer der besten Schauspieler bleiben. Für das was er getan hat muss er aber gerade Stehen und gut ist!
  • Der Tom 08.01.2018 11:38
    Highlight Highlight Wenn Leute die zeitweise Unmoralisch handeln oder gehandelt haben nicht mehr arbeiten dürfen oder deren Arbeit nicht mehr verwendet werden darf brauchen wir das Bedingungslose Grundeinkommen dringender denn je.
  • Wilhelm Dingo 08.01.2018 05:57
    Highlight Highlight Was machen wir mit den Schreinerarbeiten welche von Mördern in Gefängnisen gemacht wurden?
  • Spooky 08.01.2018 01:35
    Highlight Highlight Woher kommt der verrückte Gedanke,
    dass Kunst etwas zu tun hat mit Moral?
  • moedesty 08.01.2018 00:56
    Highlight Highlight spacey auf die frontseite gefolgt vom einem „grüsel“ ohne zu wissen was wirklich war. 0 niveau.
    • oXiVanisher 08.01.2018 08:53
      Highlight Highlight Es wurde sowieso gegen so viele verschiedene Leute #metoo "Anklagen" erhoben. Erwähnt wird fast immer nur Spacey, der Rest höchstens noch mit "andere" oder "weitere". Ich führe dies darauf zurück, dass die Homophobie (vor allem in den USA) hier voll zuschlägt und die entscheidenden (meist Männer) viel mehr Angst vor Spacey haben weil er "sich an Männer heran macht" als einer der auf Frauen steht.
  • Smeyers 07.01.2018 23:11
    Highlight Highlight Wie gehen wir um mit Pablo Picasdo und Coco Chanel?
  • Butschina 07.01.2018 23:00
    Highlight Highlight Damals, als Polanski in der Schweiz verhaftet wurde, waren viele der Meinung (viele Schauspieler/innen) dass er nicht hätte verhaftet werden dürfen. Wäre spannend wie die reaktion heute ausfallen würde. Ich bin überzeugt, viele haben die Meinung geändert.
  • Likos 07.01.2018 22:52
    Highlight Highlight Wäre z.B. Kevin Spacey eine fiktive Figur und wir würden ein Film über das Leben dieser Figur sehen, dann würden wir diesen Film vmtl. ziemlich gut finden.
    Generell schätzen wir doch Kunst und Kultur die sich moralisch und ethisch neben der Spur befinden, es soll sich ja vom Alltag abheben.

    Viele Täter tragen nun zu Recht die Konsequenzen für ihre Zukunft, aber es ändert nicht die Arbeit in der Vergangenheit.
    Man muss kein guter Mensch sein, um gute Arbeit abzuliefern, aber wenn man ein Arschloch ist, hat man trotzdem irgendwann keine Arbeit mehr. Nicht mehr und nicht weniger.
  • So en Ueli 07.01.2018 22:41
    Highlight Highlight Super Artikel, merci. Meiner Meinung nach soll das Kunstwerk immer vom Künstler/in getrennt werden. Wenn ich ein Bild betrachte ist es mir egal wer es erschaffen hat. Wenn ich es schön finde, dann ist aus meiner Sicht schön. Wenn ich ein Film schaue und diesen super finde, dann ist es für mich so. Es ist doch egal, was die Personen dahinter für ein Leben haben und was sie so tun. Das ist nicht mein Business. Ich finde es wohl wahrlich an der Zeit, dass gewisse Dinge ans Licht kommen, aber man kann es mit der Hexenjagd auch übertreiben.
    • trio 08.01.2018 01:03
      Highlight Highlight Naja, so einfach ist es nicht. Immerhin verdient die Person ja etwas daran, also unterstütze ich sie damit, wenn ich ein Bild/Film etc. kaufe.
      Oder anders gesagt, ich sorge dafür, das ein Weinstein immer mächtiger wird und sein dreckiges Spiel immer weiter geht. Das geht doch irgendwie nicht auf. Ich finde, man gehört wenigstens informiert, wer dahinter steckt.
  • hävi der spinat 07.01.2018 22:39
    Highlight Highlight "anstatt darauf zu vertrauen, dass ein solches Gemälde in einem Museum schon mit entsprechendem Hintergrundwissen versehen wird"

    Frau Rothenflu zeigt mit dieser schockierenden Aussage, das sie nicht nur, nicht viel von Kunst versteht, sondern generell wohl eine etwas blauäugige Haltung lebt.

    Etwas zu hinterfragen, und nicht darauf zu vertrauen was der "Vorgesetzte", verzeihung "Experte", sagt, ist erstes Gebot.
    Der Erfolg der meisten Künstler, (der des Malers Balthus sowieso) hängt von vielen Faktoren ab.
    Die Qualität seines Werkes ist dabei beileibe nicht das Wichtigste.
    • Anna Rothenfluh 07.01.2018 23:54
      Highlight Highlight @hävi der spinat: ich sage nicht, dass im Museum die Meinung eines Experten zählt, sondern dass dort der Raum ist, eben solche Diskussionen aufzunehmen, zu zeigen und zu reflektieren. Die andere Möglichkeit wäre ja gerade, das Gemälde abzuhängen, dem Publikum vorzuenthalten und so der ganzen Diskussion zu entziehen.
    • HGS 08.01.2018 00:25
      Highlight Highlight Wer sich zu so scharfen und mit Verlaub überheblichen Urteilen wie h-d-s aufschwingt, sollte das wenigstens in korrektem Deutsch tun. Besser, als andere der Inkompetenz zu bezichtigen, wäre, an Orthographie und Interpunktion zu feilen.
  • wipix 07.01.2018 22:01
    Highlight Highlight Ich bin der Meinung, dass viele dieser Werke uns helfen können, die extrem dünne Linie zwischen „Normalo‘s“ und dem Unbegreifflichen nachzuvollziehen. Zumindest aber zeigen sie eine unausweichliche Tatsache der Nähe von uns als Gesellschaft zu den abnormalen Personen, die so nahe bei / unter uns Leben oder deren Werke, aber auch deren Leben uns, abgesehen vom unbegreiflichen Taten, sehr nahe sind. So unbegreifflich nahe!
    • bebby 08.01.2018 09:59
      Highlight Highlight Nicht jeder kann mit Macht umgehen und gibt seinen Schwächen nach...in jedem steckt ein potentielles Monster, aber die meisten von uns weder Macht noch Geld dafür, zum Glück!
  • 2fel 07.01.2018 19:30
    Highlight Highlight Dann halte ich es doch ganz mit Barthes Theorie. Das Gemälde als «Objektivierung und Sexualisierung eines Mädchens» zu verstehen, sagt etwas über die üblichen Empörten aus der Anständigkeitsliga aus - aber weniger etwas über seinen Erschaffer.

    Ich muss schon sagen das erzeugt bei mir extrem ungute Gefühle wenn Leute beginnen ein bedeutendes Lebenswerk zu demontieren weil irgend jemand irgend etwas behauptet. Schäbig.

  • Hustler 07.01.2018 18:40
    Highlight Highlight Die Nazis haben in DE viele Strassen gebaut.
    Finde ich die Nazis gut? Nein
    Fahren wir alle auf diesen Strassen? Ja

    So ist das auch mit der Kunst.
  • Sebastian Wendelspiess 07.01.2018 18:26
    Highlight Highlight Hitlers Postkarten hätten auch noch gepasst... schön sind sie auf jedenfall.
    • bebby 08.01.2018 09:56
      Highlight Highlight Ja, wenn Hitler nicht durch die Zulassungsprüfung für die Kunstschule gefallen wären, wer weiss, ob der Welt dann nicht einiges erspart geblieben wäre...
  • HGS 07.01.2018 18:23
    Highlight Highlight Der Text von Anna Rothenfluh – herausragend klug und schlüssig. In der Tat: Sobald eine Künstlerin ihr Werk aus den Händen gibt, ist es nicht mehr nur ihr Werk. Der Betrachter, die Leserin, der Hörer verändert es durch Wahrnehmung, Interpretation und Kritik. Zudem wird es – wie von der Autorin gezeigt – einem öffentlichen Diskurs ausgesetzt. Diesen Prozessen kann man vertrauen, mehr als all jenen, die stets auch für andere urteilen, ein sicheres, letztes Urteil in Anspruch nehmen und damit letztlich den Diskurs unterbinden wollen.
  • äti 07.01.2018 17:23
    Highlight Highlight Wenn mancher man wüsste, wer mancher man wär, näm mancher man manchem man manches nicht so schwer.
  • reamiado 07.01.2018 17:20
    Highlight Highlight Ich glaube, dass gerade diese Debatte, die hier ausgesprochen differenziert dargestellt wird, entscheidend, wenn auch nicht entgültig beantwortbar ist. Eine Auseinandersetzung mit dieser Thematik und eine kritische Reflexion sind m.E. unabdingbar.
    • Rabbi Jussuf 07.01.2018 17:59
      Highlight Highlight Die Thematik ist eigentlich klar, da gibt es nicht viel zu diskutieren.
      Viel eher sollte man das Augenmerk auf die eigene Moral lenken, denn da spielen sich die eigentlichen Tragödien ab. Kunstwerke, also nicht die, die farblich übers Sofa passen, wühlen auf, sollen aufwühlen. Um ein solches Werk zu schaffen, muss der Künstler tiefe Erlebnisse haben, die aus einer Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, mit Normen, mit seiner Individualität resultieren. Dabei ist es vollkommen nebensächlich ob dies nun bürgerlichen Normen, Gesetzen, Vorstellungen entspricht, oder nicht.
    • Rabbi Jussuf 07.01.2018 18:06
      Highlight Highlight Kritische Reflexion, ja, aber über das Werk.
      Was der Künstler gemacht, oder nicht gemacht hat, ist seine Sache und er muss die Konsequenzen tragen. Den Betrachter geht das nichts an, jedenfalls nichts, das er moralisch beurteilen könnte.
    • reamiado 07.01.2018 20:57
      Highlight Highlight Es gibt gerade sehr viel über die Thematik zu diskutieren, auch abseits der persönlichen Gedanken & Gefühle. Das heisst nicht, dass man es nur schlechtreden und verbieten soll, aber sich damit auseinanderzusetzen.
      Dieser Diskurs über das Werk sollte reflektiert werden, da ist der Künstler nicht ganz davon loslösbar
    Weitere Antworten anzeigen
  • Brunhilde 07.01.2018 17:06
    Highlight Highlight Sehr guter Artikel, lädt zum Nachdenken ein. So muss Journalismus sein.
  • Rabbi Jussuf 07.01.2018 16:57
    Highlight Highlight Anna
    Sehr gut geschriebener Artikel!

    Danke!
    • pamayer 07.01.2018 17:28
      Highlight Highlight schliesse mich dem voll an.
  • RatioRegat 07.01.2018 16:44
    Highlight Highlight Der Artikel stellt nicht die richtige Frage. Es sollte nicht darum gehen, ob die Kunst vom Künstler getrennt werden kann, sondern darum, ob und inwiefern die Tat vom Täter zu trennen ist.

    Wenn ein Gericht wegen eines Verbrechens über die Strafbarkeit einer Person entscheidet, ist nicht die Person selbst Gegenstand der gerichtlichen Beurteilung, sondern die begangene Handlung. Das Unrecht der Straftat, das der Täter verschuldet hat, soll durch die Strafe ausgeglichen werden.

    Vorliegend besteht natürlich das Problem, dass es in der meisten Fällen weder ein Verfahren, noch ein Urteil gab.

  • atomschlaf 07.01.2018 16:21
    Highlight Highlight "Wir entscheiden, was uns gefällt und wie wir ein Kunstwerk verstehen. So wie es jedem selbst überlassen werden soll, ob er weiterhin Spacey-Filme gucken will."

    Danke! Genau so sehe ich das auch.
    Wer sich an den Werken übergriffiger Produzenten, Autoren, Regisseure oder Schauspieler stört, darf gern auf den Genuss derselben verzichten.
    Es gibt aber keinen Grund, diesen dem übrigen interessierten Publikum zu verweigern.
    • trio 07.01.2018 17:13
      Highlight Highlight Dafür müsste das Publikum aber vorgängig darüber informiert werden. Leider wollen in obiger Umfrage die meisten nichts davon wissen und unterstützen damit leider auch fragwürdige Individuen.
  • Don Pie 07.01.2018 16:21
    Highlight Highlight Gemäss elitärer Meinung heutiger Medien und Vereinigungen ist man auch Nationalsozialist und NSDAP-Mitglied, wenn man alleine den Gefallen eines Gemälde von Hitler fände, welches von seiner Hand erschaffen wurde.
    • pamayer 07.01.2018 17:29
      Highlight Highlight diskussionslos ja!!
    • Sebastian Wendelspiess 07.01.2018 18:27
      Highlight Highlight Er hat Postkarten gemalt, die gibts bestimmt noch. Auf jeden Fall findet man Bilder davon im Netz.
    • mein Lieber 08.01.2018 00:40
      Highlight Highlight So ein verallgemeinernder Quatsch Don Pie
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  • raues Endoplasmatisches Retikulum 07.01.2018 16:16
    Highlight Highlight Ein sehr gute Punkt macht Frau Rothenfluh mit dem Hinweis auf die 10000 Unterschreibern, die sich anmassen, für alle Entscheiden zu dürfen, wo die Grenzen der Kunst zu ziehen sind.
    Btw. Mich würde die Meinung von Frau Rothenfluh zur Debatte rund um den schwarzen Achilles Dasteller in der neuen Netflix-Serie Troya interessenieren. Gerne auch im Zusammenhang mit Filmen wie "Ghost in the Shell", "Gods of Egypt" oder einer blonden Anne Frank.
  • coronado71 07.01.2018 16:12
    Highlight Highlight Die Debatte sollte nicht zu einer Art "Bildersturm" ausarten und Kunstwerke vernichtet werden. Kürzlich kam im TV der Film "Kästner und der kleine Dienstag". Erich Kästner erlebte die Verbrennung seiner Bücher selber mit. Das hat mich auf nachdenklich gestimmt. Wenn jetzt (wieder) ausgezeichnete Filme, Bücher und Kunstwerke im Giftschrank verschwinden sollen? Ich weiss nicht... Wie sollen wir dann z.B. mit historischen Bauwerken umgehen, die von zweifelhaften Menschen errichtet wurden? Abreissen? Die Debatte ist wichtig - aber bitte mit Augenmass.
  • giandalf the grey 07.01.2018 15:50
    Highlight Highlight Ich mag Äpfel, doch der Bauer nebenan, der so gute Äpfel hat, hat mich ein Arschloch genannt. Scheiss auf ihn, jetzt kauf ich halt die nicht so tollen Äpfel im Migros.

    Kann man machen. Muss man nicht.
    Bevor man auf Filme verzichtet wegen einem Schauspieler, den man zwar gut findet, aber der halt ein Grüsel ist, sollte man auf Nestle Produkte verzichten die nicht gut und moralisch eh unterste Schublade sind.
  • aglio e olio 07.01.2018 15:39
    Highlight Highlight James Brown war u.a. ein sexistisches Ekel.
    Dennoch bleibt er der Godfather of Soul.
    Die Welt ist vielschichtig.
    Schwieriges Thema, jeder sollte für sich selbst die Grenze ziehen...
    • pamayer 07.01.2018 17:28
      Highlight Highlight michael jackson - abgesehen, dass seine musik mich nicht anspricht - pädophil.

      elvis - reinste mutterliebe. kein wässerchen getrübt. dass ich nicht lache.

      was ist mit gaugin und seinen halbnackten südseeschönheiten? rein platonisch oder rein pinsel?

      picassos frauen / musen?

      charlie chaplin heiratete alle seine hauptdarstellerinnen.

      die ehefrau von louis armstrong bestand darauf, bei ihm in der band das piano zu spielen, da die genau wusste, was vor sich ging, wenn sie nicht dabei war.

      der heilige john f kennedy und seine musen?

      eine permanente auseinandersetzung, was ich sehen will.
    • Sophia 08.01.2018 11:16
      Highlight Highlight Genau, wir müssten auch noch den Trump und den Clinton ins Gefängnis bringen, die haben nicht mal ein einziges Kunswerk geschaffen, das sich ächten liesse.
      Aber die Moral unserer Sittenwächter verletzt, was offenbar für die schlimmer ist als Krieg, Mord und Totschlag.
      Die würde ich lieber im Gefängnis sehen als ein einziges gelungenes Kunstwerk der Welt im Feuer!
  • Sophia 07.01.2018 15:37
    Highlight Highlight Es gibt verurteilte Verbrecher, die im Gefängnis Kunst schaffen. Soll ich diese Werke ignorieren? Nein!
    Man muss trennen zwischen Arbeit und Verbrechen. Was macht ein Soldat? Er erschiesst Menschen und wird dafür u. U. auch noch ausgezeichnet.
    Verbrecher gehören nach Strafrecht verurteilt, aber wieso soll ich seine Arbeit nicht achten?
    Ja, was nun mit dem Bild von Balthus? Es liegt doch im Blick des Betrachters, was er da sieht. Ich sehe ein schönes, schlafendes Mädchen und finde das Bild einfach schön. Ein anderer wird davon sexuell erregt , das ist dann ganz alleine seine Sache!
    • w'ever 07.01.2018 16:24
      Highlight Highlight das bild von Balthus mag schön sein, aber wenn ich als erwachsener mann in der heutigen zeit so ein bild von meiner 12 jährigen nachbarin zeichne, würde ich innerhalb von stunden als pädo von allen gebrandmarkt werden und im knast landen.
    • Gubbe 07.01.2018 16:43
      Highlight Highlight Genau das was sie schreiben, macht mir Angst. Es herrscht Panik im Kopf von vielen. Die Frauen zeigen Brust und Hinterteil auf Instagram und werden reich dabei. Irgendetwas stimmt in den Köpfen nicht. Heute muss man in der Badi achtgeben, wohin man schaut. Furchtbar!
    • Gubbe 07.01.2018 16:53
      Highlight Highlight w'ever: Genau das was Sie schreiben macht mir angst. zB. in der Badi wird man schräg angeschaut, wenn man einem Mädchen beim Rumturnen zuschaut. Furchtbar was in einigen Köpfen heute abgeht.
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