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Die Schlacht von Kappel am Albis 1531 endete für die Zürcher mit einer verheerenden Niederlage.
Die Schlacht von Kappel am Albis 1531 endete für die Zürcher mit einer verheerenden Niederlage.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Der Zweite Kappelerkrieg

1531, zwei Jahre nach der legendären Milchsuppe, kam es doch noch zur Schlacht bei Kappel. Die Reformierten wurden vernichtend geschlagen und mussten ihre Träume einer rein protestantischen Schweiz aufgeben.
17.10.2021, 19:17
Andrej Abplanalp / Schweizerisches Nationalmuseum

Die Zürcher sind die schnellsten Schweizer. So lautet das gängige Klischee. Doch am 11. Oktober 1531 war dies nicht der Fall. Ganz abgesehen davon, dass man zu dieser Zeit nicht von Schweizern reden kann, waren andere schneller. Die Luzerner etwa oder die Urner und die Schwyzer. Und so kam es, dass die Zürcher eine dramatische Niederlage einstecken mussten. Hunderte von Männern starben, darunter auch Reformator Huldrych Zwingli. Aber der Reihe nach ...

Der sterbende Zwingli in Kappel, 1531. Druckgrafik aus dem 19. Jahrhundert.
Der sterbende Zwingli in Kappel, 1531. Druckgrafik aus dem 19. Jahrhundert.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum
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Der Zweite war die Fortsetzung des Ersten Kappelerkriegs, welcher 1529 noch mit Verhandlungen in letzter Minute und einer sagenumwobenen Mahlzeit, der Kappeler Milchsuppe, beendet werden konnte. Doch zwei Jahre später halfen weder Diplomatie noch Kulinarik. Die Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten waren schlicht zu gross, Kompromisse nicht mehr möglich. Und so entluden sich die Aggressionen im Oktober 1531 in Kappel am Albis.

Dabei sah es lange Zeit gut aus. Während in halb Europa Glaubenskriege tobten, hatten es die Eidgenossen 1529 geschafft, einen gemeinsamen Weg zu finden. Die Zukunft des Staatenbundes war gesichert. Zumindest kurzfristig. Dass sich dieser Augenblick nicht zu einer Epoche ausdehnte, hat vor allem mit Huldrych Zwingli zu tun. Der Reformator aus Zürich wollte den neuen Glauben in der ganzen Eidgenossenschaft durchsetzen. Dafür war ihm jedes Mittel recht. Auch ein Krieg.

Doch selbst im reformierten Lager wurde dieses Vorhaben skeptisch beurteilt. Beispielsweise von Bern, dem engsten und stärksten Verbündeten von Zürich. Zwar hatten die Berner bei der Proviantsperre gegen die fünf katholischen Orte Luzern, Uri, Unterwalden, Schwyz und Zug mitgemacht, doch ein bewaffneter Konflikt ging ihnen – zumindest für den Augenblick – zu weit. Auch, weil der Stadtstaat Expansionsgelüste in der Westschweiz hatte und deshalb mit einem Auge immer in die Romandie schielte.

Vor der Schlacht bei Kappel am Albis 1531 nimmt Zwingli Abschied von seiner Familie. Druckgrafik aus dem 19. Jahrhundert.
Vor der Schlacht bei Kappel am Albis 1531 nimmt Zwingli Abschied von seiner Familie. Druckgrafik aus dem 19. Jahrhundert.Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Diese Proviantsperre war eigentlich eine Blockade für Salz- und Getreidelieferungen und sollte die Katholiken zum Umdenken zwingen. Doch sie bewirkte das Gegenteil. Die Massnahme schürte in den fünf Orten den Hass gegen den neuen Glauben noch mehr. Die Ansichten klafften immer weiter auseinander. Unter der Führung von Zwingli forcierte Zürich nun einen Angriffskrieg, war damit aber alleine. Bern und die weiteren reformierten Bündnispartner St.Gallen, Basel, Schaffhausen, Biel und Mülhausen wollten weiter verhandeln.

Die Uneinigkeit der Protestanten war die Chance der Katholiken und traf Zürich unvermittelt und hart. Am 11. Oktober 1531 standen bei Kappel am Albis nur rund 2000 Zürcher einer Übermacht von mindestens 7000 katholischen Kämpfern gegenüber. Die fünf Orte griffen an und schlugen die Reformierten in die Flucht. Dabei fielen über 500 Zürcher, darunter auch Huldrych Zwingli.

Heldenhafte Verteidigung des Zürcher Banners. Darstellung aus dem 19. Jahrhundert.
Heldenhafte Verteidigung des Zürcher Banners. Darstellung aus dem 19. Jahrhundert.Bild: Zentralbibliothek Zürich

Schuld an der vernichtenden Niederlage waren allerdings nicht nur die zögernden Verbündeten, sondern auch Zürich selbst. Die Politik der Limmatstadt zwischen den beiden Kappelerkriegen trug nicht zu militärischer Stärke bei. Mit einer neuen Kriegsordnung wurden die Truppenbestände 1529 reduziert und der Sold nach unten korrigiert.

Das Söldnerverbot machte sich zudem immer stärker bemerkbar. Es fehlten Erfahrungen und Wissen der Schlachtfelder, eingespielte Einheiten und taktisch kluge Offiziere. Und es fehlten junge und mutige Kämpfer, die sich nicht immer an Pläne und Befehle hielten und die Gunst der Stunde auch mal für einen Überraschungsangriff nutzten. Die Zürcher unterschätzten die Kampfbegeisterung und die Schlagkraft des privaten Kriegshandwerks, das die Eidgenossen in Europa berühmt und berüchtigt gemacht hatte.

Nächtli­cher Überraschungsangriff

Die Schlacht bei Kappel war entschieden, doch der Krieg ging weiter, denn nun griffen die Berner doch noch ein. Gemeinsam mit Soldaten aus St.Gallen, dem Thurgau, Schaffhausen oder dem Toggenburg bildeten sie bald einen starken Kampfverband. Die rund 5000 Männer zogen plündernd durchs Reusstal Richtung Zug. Die Truppen der fünf Orte waren den Reformierten zahlenmässig weit unterlegen und zogen sich deshalb in die umliegenden Hügel zurück. Doch geschlagen waren sie nicht. Ganz im Gegenteil.

Mit einem nächtlichen Überraschungsangriff schlugen rund 700 Katholiken die reformierten Truppen erneut und beendeten damit den seit 1529 anhaltenden Konflikt. Interessanterweise erfolgte dieser Angriff von jungen und wilden Kämpfern ohne klare Absprache mit den restlichen Soldaten der fünf Orte. Sie sahen ihre Chance und packten sie sogleich.

Es war genau dieses riskante, von Abenteuerlust und Aussicht auf Ruhm getriebene Element, das den Zürchern fehlte und die Entscheidung brachte: den Zweiten Kappeler Landfrieden. Er regelte die Verhältnisse zwischen Katholiken und Reformierten bis ins frühe 18. Jahrhundert hinein. Zwar wurde damit die konfessionelle Landkarte der deutschsprachigen Eidgenossenschaft festgelegt. Die Feindseligkeiten zwischen den Konfessionen konnte das Vertragswerk allerdings nicht beseitigen ...

Der Zweite Kappeler Landfriede von 1531 regelte das Verhältnis zwischen Katholiken und Reformierten.
Der Zweite Kappeler Landfriede von 1531 regelte das Verhältnis zwischen Katholiken und Reformierten.Bild: Staatsarchiv des Kantons Zürich
>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch
watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Der Zweite Kappelerkrieg» erschien am 11. Oktober.
blog.nationalmuseum.ch/2021/10/zweiter-kappelerkrieg
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