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Die Startrampe der Rakete Marke Eigenbau ist an einem alten Campingbus befestigt. 
Die Startrampe der Rakete Marke Eigenbau ist an einem alten Campingbus befestigt. Bild: madmikehughes.com

Er will beweisen, dass die Erde flach ist – ja, mit Hilfe dieser Rakete

25.11.2017, 10:44

Vielleicht wird es das Letzte sein, was Mike Hughes in seinem 61-jährigen Leben tut: Am Samstag will der Amerikaner in der kalifornischen Mojave-Wüste eine selbstgebaute Rakete besteigen und damit abheben, wie er auf Facebook kundtut. Der Taxifahrer unternimmt seine lebensgefährliche Reise nicht einfach so – er hat eine Mission. 

«Mad Mike», wie er sich selber nennt, will beweisen, dass die Erde eine Scheibe ist. Flach wie eine Flunder. Mit dieser Theorie ist er nicht ganz allein – eine wachsende Community von sogenannten Flat-Earthern glaubt, die wissenschaftlich anerkannte Kugelgestalt der Erde sei ein Irrtum. Oder, viel perfider, eine absichtlich verbreitete Täuschung. 

Flat Earthers
Seit einigen Jahren verzeichnen die Anhänger der «Flachen-Erde»-Theorie vermehrt Zulauf, vermutlich dank ihrer Präsenz in den Sozialen Medien. Besonders gut vertreten sind Flat-Earth-Societys in den angelsächsischen Ländern, wo entsprechende Facebook-Gruppen beinahe 100'000 Mitglieder zählen (wobei sicherlich nicht alle davon dieses Gedankengut teilen).  
Das Weltbild der Flat-Earther, die nur zum Teil religiös motiviert sind, kann in Einzelheiten differieren, beispielsweise bei der Frage, ob es Gravitation überhaupt gibt. Im Kern gilt aber: Die Erde ist eine runde, flache Scheibe, in deren Mittelpunkt der Nordpol liegt. Begrenzt wird die Scheibe von einem gewaltigen, unüberwindlichen Eiswall – der Antarktis. Wer sich dem Rand nähern will, wird unter Umständen von NASA-Mitarbeitern vertrieben. 
Die Sonne und der Mond kreisen etwa 5000 km über der Erde um den Nordpol. Sonnenaufgang und -untergang sind lediglich optische Täuschungen. 

Mit dem Kugel-Irrtum will Mad Mike nun endgültig aufräumen: «Ich werde ein für alle Mal die Theorie einer runden Erde widerlegen», tönte er. Er plant, während seines riskanten Flugs in eine Höhe von 1800 Fuss (550 m) Fotos zu machen, die beweisen, dass die Erdkrümmung gar nicht vorhanden ist.

Was diese anvisierte Flughöhe eigentlich bringen soll, wird allerdings nicht ganz klar. Mad Mike könnte sie mit einem gecharterten Kleinflugzeug locker übertreffen; ohnehin erreicht jeder Linienflug grössere Höhen. Selbst eine Liftfahrt zur höchstgelegenen Aufzug-Haltestelle des Burj Khalifa in Dubai auf 638 Metern würde die Gipfelhöhe von Mad Mikes Eigenbau-Rakete übertreffen. 

Die aus Altmetall vom Schrottplatz zusammengebastelte Rakete wird mit Dampf von mehr als 260 Liter heissem Wasser angetrieben. Mad Mike ist überzeugt, dass er sein Gefährt mit diesem Antrieb auf knapp 800 Kilometer pro Stunde beschleunigen kann. Sicher zur Erde zurückkehren wird er an zwei Fallschirmen – wenn alles klappt. 

Aus Altmetall vom Schrottplatz gebaut: Mad Mikes dampfgetriebene Rakete. 
Aus Altmetall vom Schrottplatz gebaut: Mad Mikes dampfgetriebene Rakete. Bild: madmikehughes.com

Das ist freilich alles andere als sicher, denn der Raketenbastler macht keinen Testflug, bevor es am Samstag ernst gilt. «Ich wäre ein Idiot, wenn ich nicht fürchterliche Angst hätte», erklärte er. Um tröstend hinzuzufügen: «Aber niemand verlässt diese Erde lebend.»

Vor fast vier Jahren hätte Mad Mike diese – flache oder runde – Erde tatsächlich beinahe verlassen. Mit einer ebenfalls selbst gebastelten Rakete erreichte er in Arizona eine Höhe von 418 Metern. Der Flug endete in einer Bruchlandung; Mad Mike überlebte, wurde aber so schwer verletzt, dass er danach wochenlang auf eine Gehhilfe angewiesen war. 

Mad Mikes Flug im Januar 2014.Video: YouTube/NeedMoreWine
Derselbe Flug in einem anderen Video.Video: YouTube/Mike Hawkins

Etwas merkwürdig mutet allerdings an, dass Mike Hughes in einem ersten Spendenaufruf nichts von seinem Vorhaben erwähnte, die Kugelgestalt der Erde widerlegen zu wollen. Erst als er bekannt gab, er habe ins Lager der Flat-Earther gewechselt, flossen die Spendengelder: Statt mickriger 300 Dollar standen ihm nun beinahe 8000 Dollar zur Verfügung. 

Möglicherweise geht es dem Raketenbastler also nur um die Finanzierung eines teuren – und obendrein noch lebensgefährlichen – Hobbys. Vielleicht aber auch nicht. Jedenfalls hat Mad Mike bereits angekündigt, in einem weiteren Flug bis zu 100 Kilometer hoch an die Grenze zum Weltraum vorstossen zu wollen. Ein Bild der Erde aus dieser Höhe werde die Kugel-Theorie endgültig zertrümmern, hofft der Mann.  

(dhr)

Was Mad Mike offenbar nicht hat: Flugangst (world of watson)

Video: watson
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