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epa06902338 The pack of riders in action through Vallon-Pont-d'Arc during the 14th stage of the 105th edition of the Tour de France cycling race over 188km between Saint-Paul-Trois-Chateaux and Mende, France, 21 July 2018.  EPA/KIM LUDBROOK

Vom Fluss rasch hoch an die Strasse: Fans beim Pont d'Arc im Département Ardèche. Bild: EPA

So geht die Tour de France weiter und diese Fahrer können sie noch gewinnen

Heute ist an der Tour de France Ruhetag. Zeit, um sich zu erholen, um Wunden zu pflegen – und um die Renn-Taktik zu besprechen. Denn nicht nur die besten Beine entscheiden darüber, wer in Paris triumphiert.

23.07.18, 14:09 23.07.18, 14:41


Wie geht's weiter?

Mit drei Bergetappen in den Pyrenäen am Dienstag, Mittwoch und Freitag. Am Donnerstag ist's ziemlich flach.

Während sich die Anwärter auf den Gesamtsieg morgen nach der Pause möglicherweise noch in Ruhe lassen, winkt am Mittwoch ein Feuerwerk. Vom ersten Meter an geht's hoch und nach nur 65 Kilometern – aber drei Pässen – ist Feierabend. Und der Freitag beinhaltet die legendären, schweren Pyrenäen-Pässe Aspin, Tourmalet und Aubisque.

Dienstag:

grafik: letour

Mittwoch:

grafik: letour

Freitag:

grafik: letour

Wie ist die Ausgangslage?

bild: srf

Um den Sieg fahren nicht mehr alle in den Top 10. Das Podest liegt angesichts der restlichen Etappen aber noch für die ersten acht Fahrer drin. Frankreichs Hoffnung Romain Bardet und der Kolumbianer Nairo Quintana müssen schon in den Bergen angreifen, wenn sie in Paris erneut aufs Siegerpodest wollen (Bardet war zuletzt Zweiter und Dritter, Quintana schon zwei Mal Zweiter und ein Mal Dritter). Tour-de-Romandie-Sieger Primoz Roglic zeigt eine starke Tour, ist auch der bessere Zeitfahrer und wird alles daran setzen, erstmals eine dreiwöchige Rundfahrt unter den Top 3 abzuschliessen.

Wer gewinnt die Tour?

Den Sieg machen wohl der Maillot-Jaune-Träger Geraint Thomas und sein Teamkollege Chris Froome mit dem Holländer Tom Dumoulin unter sich aus.

epa06903001 Team Sky rider Chris Froome (R) of Britain, Team Sunweb rider Tom Dumoulin (C) of The Netherlands and Team Sky rider Geraint Thomas (L) of Britain crosse the finish line during the 14th stage of the 105th edition of the Tour de France cycling race over 188km between Saint-Paul-Trois-Chateaux and Mende, France, 21 July 2018.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Froome, Dumoulin und Thomas (von vorne) am Samstag. Bild: EPA

Das Team Sky tritt dominant auf und gegen aussen wird nach wie vor der vierfache Tour-Sieger Froome als Leader der britischen Equipe präsentiert. Taktisch wird es eine Herausforderung für die Teamchefs und die Fahrer werden, in jeder Situation richtig zu entscheiden. Denn wer setzt nach, sollte Dumoulin angreifen? Opfert sich einer im Zweifel für den Teamkollegen? Thomas als Sieger des Critérium Dauphine wäre der unumstrittene Sky-Leader gewesen, hätte Chris Froome wegen seiner positiven Dopingprobe nicht starten dürfen. Der Waliser wird nicht daran denken, Froome kampflos den Vortritt zu lassen.

«Solange ein Sky-Fahrer in Paris oben auf dem Podium steht, bin ich glücklich.»

Chris Froome

Dumoulin winkt so die Chance, zum lachenden Dritten zu werden. Denn am vorletzten Tag, am Samstag, steht ein Zeitfahren auf dem Programm – und in dieser Disziplin der Holländer amtierender Weltmeister. Allerdings ist auch Froome stark im Kampf gegen die Uhr. Und Thomas gewann im Vorjahr das 14 Kilometer lange Auftaktzeitfahren der Tour de France, wurde ausserdem kurz vor der Frankreich-Rundfahrt britischer Zeitfahr-Meister. Das wellige Profil der 31 Kilometer zwischen Saint-Pée-sur-Nivelle und Espelette kommt wohl allen drei Fahrern besser entgegen als ein topfebener Kurs.

Samstag:

grafik: letour

Angesichts der Stärke der Briten im Zeitfahren muss Dumoulin schon vorher etwas versuchen, wenn er nach dem Giro d'Italia 2017 seine zweite Rundfahrt gewinnen will. Denn die knapp zwei Minuten Rückstand auf Thomas wird er im Zeitfahren nicht zufahren können.

Umfrage

Wer gewinnt die Tour de France 2018?

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935 Votes zu: Wer gewinnt die Tour de France 2018?

  • 46%Geraint Thomas
  • 24%Chris Froome
  • 19%Tom Dumoulin
  • 4%Primoz Roglic
  • 3%Romain Bardet
  • 3%Ein anderer

Wie sind die Teams der Favoriten aufgestellt?

Dumoulin hat noch sieben Helfer, das Sunweb-Team verlor bisher erst Sprinter Michael Matthews. Thomas und Froome teilen sich noch fünf (bärenstarke) Helfer, weil Gianni Moscon gestern disqualifiziert wurde. Der italienische Bad Boy wurde dabei erwischt, wie er den Franzosen Elie Gesbert schlug. In einem Sky-Video entschuldigt sich Moscon dafür; er sitzt da wie eine Geisel, die gezwungen wird, eine Botschaft abzulesen.

Moscons Schlag gegen Gesbert …

… und die Entschuldigung des Italieners.

Wie gut ist ihre Form?

Was den Dreikampf ebenfalls brisant macht: Thomas war noch nie der Leader in einer dreiwöchigen Rundfahrt, seine Bestresultate sind zwei 15. Plätze bei der Tour de France 2015 und 2016. Wie reagiert sein Körper darauf? Und wie geht er im Kopf mit der Tatsache um, eine einmalige Chance zu haben?

«Ich denke nicht ans Gewinnen, ich schaue von Tag zu Tag. Die Hauptsache ist, dass einer von uns den Tour-Titel holt.»

Geraint Thomas

Die Frage nach der Ausdauer stellt sich auch bei Froome und Dumoulin, die in diesem Jahr bereits den Giro d'Italia bestritten haben. Irgendwann könnte ihr Tank plötzlich leer sein. Froome, der die Italien-Rundfahrt mit 46 Sekunden Vorsprung auf Dumoulin gewann, winkt weiterhin das seltene Double Giro-Tour. Zuletzt gelang dies 1998 Marco Pantani und insgesamt nur sechs weiteren Rennfahrern: Fausto Coppi, Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault, Stephen Roche und Miguel Indurain.

Was schaffen die Schweizer?

Stefan Küng, Michi Schär, Silvan Dillier und Mathias Frank setzten sich in den ersten zwei Wochen alle als Ausreisser in Szene. Erfolg waren ihren Fluchtversuchen jedoch nicht beschieden. Die Bergetappen der dritten Woche sind am ehesten etwas für Frank, doch der kann als wichtiger Helfer seines Captains Bardet nicht auf eigene Rechnung fahren.

epa06900823 AG2R La Mondiale team rider Silvan Dillier of Switzerland crosses the finish line during the 13th stage of the 105th edition of the Tour de France cycling race over 169.5km between Bourg d'Oisans and Valence, France, 20 July 2018.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Dillier gewann im Vorjahr eine Etappe beim Giro d'Italia und möchte auch in Frankreich siegen. Bild: EPA

Vielleicht gelingt es Dillier, sich auf der Flachetappe am Donnerstag nach Pau abzusetzen. Oder Küng, dessen BMC-Team nach dem Ausscheiden von Richie Porte keinen Leader mehr schützen muss, kann sich in den nächsten Tagen so gut wie möglich schonen, dass er im Zeitfahren für einen Exploit sorgen kann.

Stefan Kueng from Switzerland of BMC Racing Team celebrates after winning the 9th stage, a 34,1 km time trial the 82. Tour de Suisse UCI ProTour cycling race in Bellinzona, Switzerland, on Sunday, June 17, 2018. (Gian Ehrenzeller/Keystone via AP)

Der Schweizer Zeitfahr-Meister Stefan Küng gewann zuletzt das Abschlusszeitfahren der Tour de Suisse. Bild: AP/Keystone

Wer fordert Sagan?

Niemand. Wenn der dreifache Weltmeister Peter Sagan Paris erreicht, dann ist ihm das Grüne Trikot für den Gewinn der Punktewertung nicht zu nehmen. Mit dazumal sechs Erfolgen in dieser Sonderwertung schliesst der Slowake zum Deutschen Erik Zabel auf, dem bisherigen Rekordmann.

epa06900796 Bora Hansgrohe team rider Peter Sagan of Slovakia celebrates on the podium wearing the best sprinter green jersey following the the 13th stage of the 105th edition of the Tour de France cycling race over 169.5km between Bourg d'Oisans and Valence, France, 20 July 2018.  EPA/KIM LUDBROOK

Die Blumen verschenkt er, das Grünzeug behält er: Peter Sagan. Bild: EPA

Noch umkämpft ist der Sieg in der Bergwertung. Julian Alaphilippe trägt das weisse Trikot mit den roten Punkten. Sein Landsmann Warren Barguil dürfte in der letzten Woche alles versuchen, um ihm dieses auszuziehen. Barguil war schon im vergangenen Jahr Bergkönig.

France's Julian Alaphilippe, wearing the best climber's dotted jersey, speeds downhill during the eleventh stage of the Tour de France cycling race over 108.5 kilometers (67.4 miles) with start in Albertville and finish in La Rosiere Espace San Bernardo, France. (AP Photo/Christophe Ena )

Schnell ist er auch bergab, aber Punkte gibt's nur bergauf: Julian Alaphilippe. Bild: AP

Auch im Klassement der besten Jungprofis läuft es wohl auf ein französisches Duell um den Sieg hinaus. Pierre Latour hat derzeit 2:27 Min. Vorsprung auf Guillaume Martin. Der drittplatzierte, erst 21-jährige Egan Bernal (6:16 Min. zurück) muss im Team Sky Helferdienste verrichten.

Allez, allez! 99,9 Prozent der Tour-Fans sind anständig

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • SteveBauer 23.07.2018 19:41
    Highlight Wie viele Ausrutscher kann sich Gianni Moscon wohl noch leisten? Nach den letztjährigen Attacken gegen Reza und Reichenbach nun wieder ein Fauxpas sondergleichen. Im sportlichen Bereich wird Sky wohl nichts mehr anbrennen lassen, die sind einfach zu stark. Die Konkurrenz sollte sich vielleicht mal gegen Sky zusammenschliessen, aber die gönnen sich ja nicht einmal das Zahnweh.
    7 0 Melden
  • Braveheart 23.07.2018 16:48
    Highlight wird interessant zu sehen sein, ob allenfalls dieser komische Grid-Start am Mittwoch einen Einfluss haben kann
    6 1 Melden
    • Ralf Meile 23.07.2018 17:15
      Highlight Darauf bin ich auch gespannt. Ich kann es mir nicht richtig vorstellen, dass ein Favorit gleich vom Start weg angreift – aber schön war's natürlich. Hart wird's dann in jedem Fall für die lädierten Fahrer und die Sprinter, denen ein Ankommen nach dem Zeitlimit droht und damit das Ausscheiden.
      13 0 Melden
    • UZEDE UZEDE 23.07.2018 22:06
      Highlight Dan Martin wird sicher voll raushauen ;)
      0 0 Melden
  • N. Y. P. D. 23.07.2018 15:18
    Highlight Froomey und Thomas gaben heute vor 200 Journalisten zusammen eine Pressekonferenz.

    Froomey war total entspannt. Heisst für mich, die Strategie zwischen ihm und Thomas steht !

    Nun, da beide gute Freunde sind, weiss vielleicht nicht mal in letzter Konsequenz Sky Team Manager Dave Brailsford, was die beiden ausgeheckt haben.

    Meine Prognose : Morgen greift Primos Roglic am Col de Menthé an. Man lässt ihn ziehen und schaut dann, wer zuerst die Nerven verliert.

    Ich freue mich wie ein kleiner Saugoof auf die Etappen.
    75 1 Melden
    • antivik 23.07.2018 17:53
      Highlight Insbesondere die kurze am Mittwoch! Die dürfte sehr intensiv werden.
      7 0 Melden
  • Petersilly 23.07.2018 15:06
    Highlight Schade, dass die Schweizer Fahrer Frondienst leisten müssen und nicht für sich fahren können. Vor allem Küng traue ich viel zu!
    9 20 Melden
    • Johnny Geil 23.07.2018 16:18
      Highlight Küng hat in den Bergen (leider) keine Chancen.
      42 0 Melden
  • Nachtstuhl 23.07.2018 14:24
    Highlight Wie werden die Chancen von Landa eingeschätzt?
    13 0 Melden
    • Ralf Meile 23.07.2018 14:27
      Highlight Da er in Zeitfahren bisher klar schwächer abschnitt als die direkte Konkurrenz, sind Landas Chancen wohl eher gering. Movistars Trumpf ist, dass es z.B. Quintana angreifen lassen kann und entweder kommt er durch oder Landa kann sich schonen und bei einer Einholung Quintanas selber angreifen. Abschreiben würde ich Landa deshalb sicher nicht.
      21 0 Melden
    • egemek 23.07.2018 16:31
      Highlight Naja, wirklich überzeugt hat in den Alpen aber keiner der drei Movistar-Leader.
      14 0 Melden
    • PizzaPestoni 23.07.2018 16:39
      Highlight Weiss jemand was mit Quintana los ist?
      Der ist vor paar Jahren in den Bergen allen um die Ohren gefahren, nun ist er wie eine Hubraumklasse tiefer.

      Der Typ ist ja 27, sollte eigentlich besser anstatt schlechter werden.
      12 0 Melden
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