Interview
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Blick auf eine Baustelle der Firmen Foffa Conrad und Bezzola Denoth, am Donnerstag, 26. April 2018, in Giarsun. Wie die Wettbewerbskommission WEKO mitteilt, buesst sie sieben Bauunternehmen im Unterengadin mit total 7,5 Millionen Franken wegen Kartellabsprachen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die Baufirma Bezzola Denoth war Teil des Kartells, das Preisabsprachen vornahm. Die Affäre bringt der BDP Graubünden unerwünschte Schlagzeilen ein. Bild: KEYSTONE

«Stehe hinter ihm» – BDP-Chef Landolt verteidigt Bündner Politiker trotz Baukartell-Affäre

Illegale Preisabsprachen im Unterengadin machen einem Regierungsrats-Kandidaten der Bündner BDP zu schaffen. Andreas Felix wird für seine Rolle als Geschäftsführer des Baumeisterverbands kritisiert. Martin Landolt, Parteipräsident der BDP Schweiz, stärkt ihm den Rücken und warnt vor voreiligen Schlüssen.

26.04.18, 14:10 27.04.18, 06:17


ZU DEN AEUSSERUNGEN VON BDP-PRAESIDENT MARTIN LANDOLT ZU EINEM ALLFAELLIGEN NICHT-ANTRITT ZUR BUNDESRATSWAHL VON EVELINE WIDMER-SCHLUMPF NACH EINEM RECHTSRUTSCH IN DEN PARLAMENTSWAHLEN IM HERBST STELLEN WIR IHNEN AM MITTWOCH, 12. AUGUST 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Parteipraesident Martin Landolt, aufgenommen an der Delegiertenversammlung der BDP Schweiz, am Samstag, 25. April 2015,in Gossau. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

BDP-Präsident Martin Landolt (GL). Bild: KEYSTONE

Herr Landolt, ist Andreas Felix als BDP-Regierungsratskandidat noch tragbar?
Martin Landolt:
Selbstverständlich. Andreas Felix ist der Kandidat der BDP Graubünden. Wenn er und die Kantonalpartei mit ihm als Kandidaten antreten, stehe ich voll dahinter.

Felix ist angeschlagen. Könnten Sie nicht ruhiger schlafen, wenn er sich zurückziehen würde?
Ich würde ruhiger schlafen, wenn Politiker und Medienschaffende diese Geschichte mit mehr Distanz und Ruhe analysieren würden. Momentan überbietet man sich aufgrund der Artikelserie der «Republik» gerade in den sozialen Medien mit wilden Spekulationen. Dabei erzählt diese Artikelserie in erster Linie eine sehr subjektive Version der Geschichte. Ich finde es nicht wahnsinnig sorgfältig, wenn das einfach alles für bare Münze genommen wird.

Sie waren einer der ersten Politiker, der sich während des Crowdfundings der «Republik» im letzten Frühjahr als «Verleger» geoutet hat. Bereuen Sie, dass sie ein Abo gekauft haben?
Nein, ich bleibe «Republik»-Verleger. Die Geschichte war spannend zu lesen. Aber wie gesagt: Es ist die Version eines einzelnen Menschen, den ich nicht kenne. Ein Mensch, der das Gefühl hat, ihm sei unrecht getan worden, und dem im Leben wohl nicht alles wunschgemäss gelungen ist. Ich bin nicht in der Situation, seine Sichtweise einzuordnen oder zu beurteilen. Aber meine Parteikollegen Jon Domenic Parolini und Andreas Felix sind beide hingestanden und haben klar Stellung genommen. Ich kenne beide schon seit Jahren und habe nicht den geringsten Anlass, an ihrer Darstellung der Ereignisse zu zweifeln.

Also ist die Berichterstattung der «Republik» inkorrekt.
Das kann ich nicht beurteilen. Ich mahne einfach dazu, mit der gebotenen Vorsicht und Seriosität Schlüsse aus der Artikelserie zu ziehen. Selbst wenn sich alles so abgespielt hätte, wie von der «Republik» beschrieben, dann wäre auch das Fokussieren der Medien auf die Rolle der zwei BDP-Regierungsratskandidaten nicht sorgfältig.

Warum?
Dann wären wesentlich brisantere Fragen zu stellen. Etwa nach der Rolle des Bündner Bauamts und den damaligen politischen Verantwortlichen (dem heutigen CVP-Ständerat Stefan Engler, Anm. d. Red.). Oder falls der Arzt und die Polizei (bei der Zwangseinweisung des Whistleblowers Adam Quadroni in eine psychiatrische Klinik, Anm. d. Red.) tatsächlich so gehandelt haben wie beschrieben, dann wären die echten Skandale doch dort zu suchen.

Grossrat Andreas Felix (BDP) waehrend der Debatte des Grossen Rates ueber die Sonderjagd-Initiative, am Montag, 9. Februar 2015, in Chur. Mit der Initiative, welche mit ueber 10'000 Unterschriften eingereicht worden war, soll unter anderem die Sonderjagd in den Monaten November und Dezember abgeschafft werden. Die Regierung hat dem Grossen Rat beantragt, die Initiative wegen Bundesrechtswidrigkeit fuer ungueltig zu erklaeren. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Schafft er die Wahl trotz Kartell-Affäre? BDP-Mann Andreas Felix. Bild: KEYSTONE

Wird die Affäre der BDP bei den Bündner Wahlen am 10. Juni schaden?
Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht einschätzen. Wichtig für mich ist: Die Geschehnisse haben nichts mit der politischen Arbeit der BDP und ihren Positionen zu tun.

Reisen Sie nun für eine Krisensitzung zur Bündner Kantonalpartei?
Ich stehe mit der Kantonalpartei im Kontakt. Am nächsten Samstag findet die Delegiertenversammlung der BDP Schweiz in Seewis GR statt. Davor trifft sich der nationale Vorstand. An diesem Anlass sind selbstverständlich auch die Exponenten der Bündner BDP dabei, und natürlich wird auch die derzeitige Situation ein Thema sein. Ich gehe davon aus, dass die DV auf viel Medieninteresse stossen wird. Einmal mehr leider nicht wegen unserer politischen Arbeit. (lacht)

Graubünden mitten in Zürich

Video: srf/SDA SRF

Auch hier waren Baumeister am Werk: Spektakulärer Brückenbau von früher

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26
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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MaxHeiri 26.04.2018 21:14
    Highlight Danke für dieses Interview.
    Nun kann ich definitiv nicht mehr verstehen, wie man so einer Partei seine Stimme geben kann.
    Zur Erinnerung: Die WEKO spricht Bussen im Millionenbereich nach jahrelangen Verfahren und der Herr meint keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Fehlt es dem Parteipräsidenten etwas an Staatskunde.
    28 1 Melden
  • pun 26.04.2018 18:28
    Highlight Ach Martin...

    Find es immer traurig, einem an sich sympathischen Menschen beim Scheitern zusehen zu müssen.
    17 2 Melden
  • xname 26.04.2018 18:21
    Highlight Das Bündnerland und seine Vetternwirtschaft.
    Man sieht auch genau, aus welcher Partei die Leute aus der BDP ursprünglich stammen.
    Die SVP verkauft sich auch immer als bürgerlich nahe, aber unterstützt nur die eigenen Leute aus der Wirtschaft.
    Dass Herr Landolt sich so verhält, ist typisch.
    Die BDP hätte etwas werden können, aber der Fisch stinkt bekanntlich immer vom Kopf her.
    Super gemacht.
    Die BDP hat jegliche Glaubwürdigkeit verloren.
    Das war es dann wohl.
    Die Politiker glauben echt sie seien etwas besseres.
    Wer nicht so ist, wird abgesägt und das oft von interner Vetternwirtschaft.
    Schande
    20 1 Melden
  • Asparaguss 26.04.2018 17:58
    Highlight Im Wallis wuerde fdies zum Glück niemals passieren.
    18 2 Melden
  • Urs457 26.04.2018 17:34
    Highlight Offensichtlich hat‘s in der BDP immer noch korrupte SVP-Gene 😉. Ganz schwache Argumentation Herr Landolt. Nach dem Weko-Urteil kann das alles nur noch als Lüge bezeichnet werden.
    18 5 Melden
  • Matthiah Süppi 26.04.2018 16:56
    Highlight Das wars dann wohl, liebe BDP.
    72 1 Melden
  • Flexon 26.04.2018 16:47
    Highlight "Ich finde es nicht wahnsinnig sorgfältig, wenn das einfach alles für bare Münze genommen wird."

    Die Artikelserie der "Republik" zum Thema ist einer der sorgfältigsten Berichte der jüngeren Schweizer Mediengeschichte, die Recherchen reichen laut "Republik" bis ins Jahr 2012 zurück (damals "Südostschweiz"). Wenn sich Herr Landolt nicht vollends zum Kasper machen will, sollte er seine Aussagen in diesem Interview umgehend korrigieren.
    82 1 Melden
  • Madmessie 26.04.2018 16:42
    Highlight Ist eh wurscht, die BDP wird es bald sowieso nicht mehr geben.
    32 2 Melden
  • Francis Begbie 26.04.2018 16:08
    Highlight Ein wenig naiv is Herr Landolt ja schon, wenn er nach dem Lesen der vier Artikel noch immer an seinem Kollegen fest hält. Gerade der letzte befasst sich mit der Glaubwürdigkeit Quuadronis und es gibt keinen Grund daran zu zweifeln.
    Der Hinweis auf die ungerechtfertigte Verhaftung und Einweisung ist berechtigt, jedoch in diesem Interview reiner Whataboutism!
    60 1 Melden
  • b4n4n4j03 26.04.2018 15:57
    Highlight Ob nun eine Schuld bewiesen wurde oder nicht, mit der Unterstützung des zweifelhaften Kandidaten, sehe ich noch klarer für welche Werte diese Partei steht.

    Sicher nicht für meine... Und ich kann niemanden verstehen der solche Parteien wählt...
    49 0 Melden
  • ZaharztAua 26.04.2018 15:30
    Highlight Diese KRIMINELLE Affäre dauert schon über zehn Jahre, und Landolt spricht von "keine voreiligen Schlüsse ziehen" ...
    77 1 Melden
  • coronado71 26.04.2018 15:25
    Highlight Ich denke nicht, dass es sich bei der Affäre um ein "Problem BDP" handelt. Das ist mehr ein "Problem Bauwirtschaft" - bzw. "Sauhäfeli-Saudeckeli"-Wirtschaft.

    Und, nennen wir es beim Namen: Korruption & persönliche Bereicherung - und das ist parteiübergreifend.



    55 3 Melden
  • D(r)ummer 26.04.2018 15:07
    Highlight Die Kurzfassung: "Wir werden sehen."
    29 1 Melden
  • wasps 26.04.2018 15:05
    Highlight Find ich ein starkes Stück! Die Weko hat dem Baumeisterverband alles andere als ein Persilschein ausgestellt! Der Beweis ist da, dass der Verband in die Absprachen involviert war,jeder Bürger kann das in der Medienmitteilung der Weko nachlesen!
    63 0 Melden
  • James McNew 26.04.2018 15:02
    Highlight Wies es schon im Republik-Artikel steht: Entweder Andreas Felix lügt. Oder er hat wirklich nichts gemerkt. In beiden Fällen ist es fraglich, ob er geeignet ist, eine Direktion eines Kantons zu führen...
    177 1 Melden
    • James McNew 26.04.2018 18:54
      Highlight Ach und: Aufgrund der Körpersprache im Schweiz-Aktuell-Inti würde jeder Experte sagen: Der Mann ist zumindest ziemlich nervös...
      12 0 Melden
  • Denk nach 26.04.2018 15:01
    Highlight "Ich würde ruhiger schlafen, wenn Politiker und Medienschaffende diese Geschichte mit mehr Distanz und Ruhe analysieren würden."

    Die Weko hat doch entschieden und eine Beteiligung des Verbandes nachgewiesen, daher muss er auch die Verfahrenskosten tragen... Was sollte man hier noch analysieren? Der Chef des Verbandes ist entweder ein Lügner der kriminelle deckt oder unfähig einen Laden zu führen ... Also definitiv kein wählbarer Regierungsrat
    148 0 Melden
  • Angelo C. 26.04.2018 14:33
    Highlight Der EWS-Trachtenverein sitzt so oder so auf einem abgesägten Ast - und diese Affäre (es geht um rund 100 Mio. Franken zuungunsten der gelinkten Konsumenten) wird dieser Splitterpartei wohl endlich den Rest geben 🤔.
    82 90 Melden
    • piedone lo sbirro 27.04.2018 08:04
      Highlight Angelo C.

      „Der EWS-Trachtenverein“

      die abwahl blochers aus dem BR haben sie offensichtlich nicht verdaut.

      danke für die errinerung an diesen denkwürdigen tag!

      widmer-schlumpf war eine ausgezeichnete bundesrätin. und mit einer einzigen öffentlichen aussage zur USR III hat sie blocher&maurer gleich ein weiteres mal düpiert.

      die BDP entstand, weil blocher aus frust über seine abwahl aus dem bundesrat etliche parteimitglieder aus der SVP warf - darunter widmer schlumpf, die ihm plötzlich vor der sonne stand. so viel zum thema demokratie innerhalb der SVP.

      hochmut kommt eben vor dem fall.
      14 14 Melden
  • sherpa 26.04.2018 14:23
    Highlight Herr Landolt, ist Ihnen immer noch nicht bewusst geworden, die tief die BDP zwischenzeitlich abgestürzt ist und Sie wollen Herrn Felix nach wie vor unterstützen?Es kann nicht sein, dass ein Regierungsratskandidat es mir der Wahrheit offenbar nicht immer so genau nimmt und von der obersten Parteileitung auch dennoch gestützt wird. Wenn die BDP noch weitere Wähler verlieren will, muss sie in Ihrem Sinne so weiter machen und der Tag wird kommen, an dem auch Sie nicht mehr gefragt sein werden
    211 4 Melden
    • rundumeli 26.04.2018 15:13
      Highlight ...meint bea tschanz:

      "Es ist ein grosser Unterschied, ob eine Katastrophe passiert, bei der Menschen ihr Leben verlieren, oder ob es sich um eine schleichende Krise handelt. In solchen Fällen weiss die oberste Führung oft lange nicht, was Sache ist, und wie sich das Problem entwickeln könnte. Sie hofft oft lange, zu lange, unbeschadet herauszukommen. Dann überstürzen sich die Ereignisse, und die Glaubwürdigkeit ist dahin. Das ist mir im Übrigen auch passiert, als ich die Beteiligungsstrategie der Swissair durch alle Böden verteidigte. Heute würde ich beim Management kritischer zurückfragen."
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