Gesellschaft & Politik
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Beat Walti, FDP-ZH, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 14. Dezember 2017 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Erwartet von seinen FDP-Kollegen Respekt: Fraktionschef Beat Walti. Bild: KEYSTONE

Die FDP und das Geldspielgesetz: Die Geschichte eines Sinneswandels

Die Parteileitung ermahnt die Geldspielgesetz-Befürworter in der eigenen Partei, nicht mehr offensiv für ein Ja zu werben. Das kommt bei diesen nicht gut an.

Dominic Wirth / Nordwestschweiz



Das neue Glücksspielgesetz soll ausländische Anbieter aus dem Online-Markt fernhalten. Das finden nicht alle Liberalen gut. Die FDP und das Geldspielgesetz. Das ist die Geschichte eines Sinneswandels der spektakuläreren Sorte.

Als die Vorlage im letzten Herbst im Parlament zur Schlussabstimmung gelangte, stellten sich die Freisinnigen mit grosser Mehrheit hinter sie. Im Ständerat drückten sämtliche FDP-Vertreter auf den Ja-Knopf, und ein Grossteil der Nationalratskollegen tat es ihnen gleich. Am Ende hatten nur 5 von 46 Mitgliedern der liberalen Bundeshausfraktion Nein gesagt zum Geldspielgesetz.

Delegiertenversammlung faste Nein-Parole

Ein paar Monate später sieht es nun ganz anders aus, und das liegt an einem Entscheid der FDP-Delegierten. Die beschlossen an ihrer Versammlung Ende März deutlich, dass sie vom Geldspielgesetz nichts wissen wollen. Mit 202 zu 80 Stimmen fassten sie in Zug die Nein-Parole.

Der Entscheid ist für die Jungfreisinnigen, die das Geldspielgesetz bekämpfen und an vorderster Front Unterschriften für ein Referendum sammelten, ein grosser Erfolg. Die Mutterpartei aber bringt er in eine verzwickte Lage. Denn sie hat das Problem, dass es in ihren Reihen nach wie vor viele gewichtige Exponenten gibt, die sich für ein Ja aussprechen – und sich im Ja-Komitee engagieren.

Zu diesem Lager gehörte eine ganze Reihe von Ständeräten, Fabio Abate (TI) und Josef Dittli (UR), zum Beispiel, aber auch Christa Markwalder (BE) oder die einstige Bundesratskandidatin Isabelle Moret (VD). Sie alle sitzen im Ja-Komitee, teils als einfache Mitglieder, teils gar als Co-Präsidenten.

«Wir erwarten Respekt vor dem Delegiertenbeschluss und eine gewisse Zurückhaltung.»

FDP-Fraktionschef Beat Walti

Als sich der FDP-Vorstand letzte Woche traf, um sein Engagement im Abstimmungskampf festzulegen, ging es deshalb auch um eine heikle Frage: Wie umgehen mit jenen Parteivertretern, die entgegen der Parolenfassung hinter dem Geldspielgesetz stehen? Man erwarte von ihnen im Abstimmungskampf «Respekt vor dem Delegiertenbeschluss und eine gewisse Zurückhaltung», sagt Fraktionschef Beat Walti; dem Zürcher Nationalrat ist das Bemühen anzuhören, den Riss, der sich in der FDP auftut, kleinzureden.

Befürworter des neuen Gesetzes lassen sich nicht vom Weg abbringen

Jene, die von der Parteileitung zur Zurückhaltung aufgefordert werden, reagieren wenig begeistert. Das gilt etwa für Ständerat Fabio Abate, einen von neun Co-Präsidenten im überparteilichen Ja-Komitee. Der Tessiner sagt auf Anfrage, die Vorlage entspreche einem Kompromiss, und er werde sich für diesen einsetzen. «Die Nein-Parole der Delegiertenversammlung ändert meine Position nicht», sagt Abate.

«Die Nein-Parole der Delegiertenversammlung ändert meine Position nicht.»

FDP-Ständerat Fabio Abate

Damian Müller ist ein anderer FDP-Ständerat, der als Co-Präsident im Ja-Komitee sitzt. Der Luzerner sagt, sein Engagement für ein Ja lasse sich mit der Nein-Parole seiner Partei vereinbaren, zumal es sich beim Geldspielgesetz um kein Kernthema handle. Auch Josef Dittli denkt nicht daran, sich im Abstimmungskampf zurückzunehmen.

Der Urner Ständerat vertritt als Präsident von Swisslos auch die Interessen der Lotteriebranche. Dieser liegt viel an einem Ja zum Geldspielgesetz, weil es die Einführung von Netzsperren vorsieht. So sollen ausländische Anbieter aus dem Schweizer Online-Markt ferngehalten werden. Es sind just diese Netzsperren, die die Jungfreisinnigen um Präsident Andri Silberschmidt zum Widerstand anstachelten. Der Zürcher sagt an die Adresse der Befürworter in der FDP, er sei gegen ein Meinungsdiktat, findet aber auch: «Ich würde meine Haltung nach diesem Entscheid an der Delegiertenversammlung schon hinterfragen.»

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • w'ever 10.04.2018 10:44
    Highlight Highlight ich bewerbe mich hiermit als politiker und verspreche jegliche sponsoren zu outen die mich angehen und keine andere tätigkeiten neben dem amt für dass ich gewählt wurde zu besetzen
  • meilestei 10.04.2018 10:19
    Highlight Highlight Für mich ein klassisches Beispiel, weshalb das Modell des Milizparlaments nicht mehr funktioniert.

    Einzig Interessenvertreter können e sich noch leisten während 4x 3 Wochen bei der Arbeit zu fehlen.
    In vielen Unternehmen kriegt man nicht mal mehr für ein Amt in einer Kommunalbehörde frei...
    Wie soll das weitergehen?

    Es gibt eigentlich zwei Ansätze:
    1. Einführung eines Berufsparlament mit Verbot von Verwaltungsratsmandaten
    2. Fixes Pensum pro Woche (Bsp. Kantonsrat ZH)
  • Simon Probst 10.04.2018 09:28
    Highlight Highlight Sorry, aber da Plotiker offensichtlich unter dem deckmäntelchen "Lobbyismus" gekauft werden dürfen, und dies auch noch an die grosse glocke gehängt werden darf, ist mein letztes fünkchen glaube in die Politik gestorben. Logisch, dass da auch mal ein "Sinneswandel" stattfindet.

    Von wegen Volksvertreter, ich kanns immernoch nicht glauben!
  • Howard271 10.04.2018 09:25
    Highlight Highlight Auch viele FDP-Regierungsräte/-innen sind für ein Ja. Diese werden wohl nicht unter diese Order fallen?
  • walsi 10.04.2018 07:57
    Highlight Highlight Follow the Money! Einfach mal schauen von wem die Befürworter und die Gegner ihr Geld bekommen. Die Befürworter von den einheimischen Casinos die Gegner von ausländischen Casinos.
    • äti 10.04.2018 09:01
      Highlight Highlight ... die einheimischen Casinos kannst du kontrollieren, aber die ausländischen Casinos, Lotterien, Bet___ ? Null chance. Zb. UK.
    • The Destiny // Team Telegram 10.04.2018 12:36
      Highlight Highlight @äti, die Netzsperre wirds schon richten.
      (kann Elemente von Ironie enthalten)
    • pun 10.04.2018 18:16
      Highlight Highlight Wo kann man sich als Gegner der Vorlage melden, um dieses Geld von den ausländischen Casinos zu erhalten?
  • Ökonometriker 10.04.2018 06:54
    Highlight Highlight Eine Partei lernt (sehr) langsam, was das Internet ist. Fehlen noch ein paar weitere Parteien die diese Lernkurve vor der Abstimmung mitmachen...
  • Hugo Wottaupott 10.04.2018 06:28
    Highlight Highlight Jaja! Hier das sogenannte Internet der Dinge wunterpar. Dort Seitensperren und pöse ausländische Casinos.
  • DerTaran 10.04.2018 05:56
    Highlight Highlight Man kann sich zwar Wirtschaftsfreundlich aber nicht Liberal nennen, wenn man für das Gesetzt ist. Es wiederspricht allen ideologischen Grundsätzen des Liberalismus.
    Protektionismus und Zensur in einer Vorlage, wie konnte die FDP da nur zustimmen?

«Geldmangel»? So steht es wirklich um die Finanzen der Schweizer Casinos

Die Kampagne für das Geldspielgesetz suggeriert, dass den Schweizer Spielbanken das Geld ausgeht. Allerdings konnten jüngst mehrere Casinos ihre Umsätze steigern. Die Ausgaben für Lottos und Wetten haben gar ein neues Rekordhoch erreicht.

Spielplatz: Verlottert. Tiergehege: Geschlossen. Konzert: Abgesagt. Mit diesen Slogans werben die Befürworter des Geldspielgesetzes. Ihre Botschaft ist klar: Versenken die Stimmbürger das Gesetz am 10. Juni an der Urne, schadet dies den Kultur- und Sportinstitutionen im Land. Auch die AHV müsse in dem Fall mit weniger Geldern auskommen, so das Komitee. 

Ob sich die düsteren Prognosen mit Fakten stützen lassen, ist bei näherer Betrachtung jedoch fraglich. Heute zahlen Casinos und Lotterien …

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